Ungarn

31. Dezember 2010

Doch noch eine wirklich schlechte Nachricht wenige Stunden vor dem Jahresende: Vorgestern am 29. 12. haben alle Mitarbeiter des Anzeigenblattes „Ems Report“ (letzte Ausgabe lks. mit Verlags-Mitarbeitern)  ihre Kündigung erhalten. Genannter Grund: Ab sofort wird keine wöchentliche Ausgabe des  Anzeigenblattes mehr herausgegeben.

Tatsächlicher Grund ist nach mir vorliegenden Informationen: Der bisherige Mehrheitsgesellschafter Rolf Augustin (Meppen), seit letzter Woche  Alleingesellschafter des Ems Report Verlages, hat sich wohl faktisch mit einem regionalen Zeitungsverlag über so etwas wie eine Übernahme  geeinigt. Aus kartellrechtlichen Gründen darf der  Übernehmer aber nicht übernehmen, folglich auch den den Titel der  Zeitung nicht nutzen, sondern sich nur darüber freuen, einen ungeliebten Mitbewerber, zumindest was den Anzeigenmarkt angeht, vom  Markt genommen zu haben. Ob etwa die Kartellbehörden von alledem nichts merken sollen?

Fazit: Das erste Gebot regionaler Medienmarktführer: „Du sollst keine fremden Zeitungen neben  mir lesen“ gilt für das Emsland nach gut siebeneinhalb Jahren wieder  uneingeschränkt. Auf die nächste Erhöhung der Anzeigenpreise  muss man wohl nicht lange warten. Mit Hilfe des neuen Landesmediengesetzes, das morgen in Kraft tritt wird der Einfluss der Zeitungsverleger und Verlage zusätzlich ausgeweitet. In einem Bundesland, in dem in mehr als drei Viertel aller Landkreise nur eine Zeitung existiert. Man braucht kein Prophet zu sein, um als nächstes Ziel  des Meinungsmonopols die Ems-Vechte-Welle & Co.  auszumachen. Was also  zeigen wir auf Ungarn, liebe Freunde? Bei uns regeln das Union, FDP und die regionalen Pressefürsten gemeinsam und nennen dies Monopolisieren – wie die Magyaren – auch noch Freiheit.

Wie forderte es Ursula Helmhold (Bündnis’90/Die Grüne) im Landtag: „Transparenz, Meinungsvielfalt und starke Bürgermedien – das müssen die Leitmotive unserer Medienpolitik sein“.  Guten Rutsch!

Jan Delay

31. Dezember 2010

Jan Delay

Lingen (Ems) – Emslandhallen
22. Januar 2011  –  20 Uhr
ausverkauft*
(*das muss in diesem Jahr leider noch gesagt werden)

BODEnlos

31. Dezember 2010

Es ist wohl kein Streusalz mehr da. Die Landesverwaltung Niedersachsen hat „flächenlanddeckend“ mehr oder weniger ausgestreut. Lokal in Lingen jubelte  Ende November unsere Stadt zwar noch über das viele Salz, das man eingelagert habe:  300 t. Man sei für den Winter gerüstet. Davon ist nicht mehr viel bzw.  gar nichts mehr vorhanden.

Ich will jetzt nicht (nur) die ökologische Frage aufwerfen, wie umweltbewusst es eigentlich ist, innerstädtische Straßen zu pökeln wie einen zu konservierenden Schweinebauch (Foto lks.). Darüber könnte man sich dann trefflich streiten, gäbe es für die Lingener Straßen salzfreie  Streualternativen wie Sand, Splitt usw. Die gibt es aber auch nicht (mehr). Alles ist genauso wie vor einem Jahr. Damals gelobten die Verwaltungen -auch unsere- wortreich Besserung. Nüscht davon ist wahr geworden.

Heute frage ich, wie es sein kann, dass nach einem Erfahrungswinter wie dem Letzten wiederum nach wenigen Tagen alles Streugut verbraucht und nichts mehr vorhanden ist. Hinsichtlich des  Niedersachsensalz-Mangels klärt der Chef des Lingener Straßenbauamtes Klaus Haberland nach einem Bericht der Ems-Zeitung auf, das Salz  werde „mittlerweile aus der Zentrale in Hannover“ den einzelnen Straßenmeistereien zugewiesen: „Es gibt ungefähr alle zwei Tage 26 Tonnen Salz pro Straßenmeisterei im Emsland.“ Für einen normalen Streueinsatz würden jedoch 40 bis 50 Tonnen benötigt, so Klaus Haberland weiter. Na, toll!

Niedersachsens zentrale Landesverwaltung blamiert sich also gerade und der für das Landeschaos verantwortliche Landesverkehrsminister Jörg Bode (FDP) hat in einem vorweihnachtlichen 5-Minuten- Interview mit dem Nordwestradio gleich drei verschiedene Ausreden Gründe für sein eigenes Versagen offeriert.  Die Lager seien voll gewesen, sagt er eingangs – ohne dabei zu verraten, wie groß denn die Lager waren. Am Ende des Interviews verrät Bode, man habe nicht damit gerechnet, dass es schon wieder einen solchen strengen Winter geben werde wie 2009/10. Da hat er recht; denn das stand tatsächlich nicht im schwarz-gelben Koalitionsvertrag aus dem Winter 2008. Auf das Streuen der Bundesstraßen hat das Land inzwischen schon  weitgehend verzichtet, und jetzt will der unvorbereitete Minister in Niedersachsen im Zweifel so gar die Autobahnen ganz sperren. Ich finde, auf derartig unprofessionelle  Leute darf und muss man verzichten. Der überforderte Bode sollte zurücktreten.

Zurück nach Lingen, wo es auch nicht gerade gut zugeht: Hier warteten im Spätherbst die erwähnten 300 t eingelagertes Streusalz auf ihre winterliche Verwendung. Die von der Stadt zu betreuenden Straßen auf 172 Quadratkilometern Stadtfläche  sind  aber mehr als 370 Kilometer lang. Selbst wenn man nur die Hälfte dieser Stadtstraßen bei Glätte streute, benötigte man dafür einen Vorrat von rund 600 t Streusalz, also mehr als das Doppelte von dem, was vorhanden war. Empfohlen wurden im Sommer in einem bundesweiten Strategiepapier „Maßnahmen zur Vermeidung eines Salznotstandes“ nämlich ein Vorrat von 3,5 t/km für zu streuende zweispurige Straßen. Ich kann nicht sehen, dass man sich daran gehalten hätte.

Wer hat Schuld an der Misere? Warum haben die Verantwortlichen so unzureichend Vorsorge getrieben und offenbar nicht gemerkt, dass eine gute Bevorratung mit Streugut in unserer Gesellschaft unverzichtbar ist?

Im emsländischen  Papenburg war es der Bauhof, der eine Salz-Offerte im Sommer abgelehnt hat. In Lingen weiß ich es (noch) nicht; (vielleicht kann mir ja jemand etwas flüstern?).

Andernorts sind wieder alle anderen schuld, nur nicht die öffentlich Bediensteten, die sich um sichere Straßen zu kümmern haben (Damit es kein Missverständnis gibt: ich meine nicht die Arbeiter, die morgens um 3 Uhr aufstehen, um die Straßen zu streuen) Natürlich liest man auch das alte „Argument“: Wo kommen wir denn da hin? Das kongt dann so wie hier vom Torsten Lühring, Erster Kreisrat des Landkreises Rotenburg (Wümme): „Es ist illusorisch, den vergangenen und diesen Winter als Maßstab anzusetzen. Dann müssten wir Millionen für den Bau von Lagerhallen ausgeben.“ Und guckst Du gar hier bei FTD: Die Lieferanten sind schuld!

In Niedersachsen darf man mit Fug und Recht die politische Verantwortlichkeit an Minister Bode festmachen. Niedersachsen hat unter seiner Führung offenbar bewusst keine Vorsorge getroffen; im Vergleich zum Vorwinter, als das Streusalz bereits vorn und hinten nicht reichte,  hat Minister Bode die Vorräte nur „um fünf Prozent aufgestockt, von insgesamt 70.000 auf 73.500 Tonnen“. Mehr sei nicht möglich gewesen, sagt ein Ministeriumssprecher, denn „Salz verdirbt, weil es Feuchtigkeit zieht.“ (mehr). Jetzt hat die SPD-Landtagsfraktion eine Unterrichtung zum Thema Winterdienst und Verkehrsicherheit für die nächste Sitzung des Wirtschaftsausschusses am 14. Januar beantragt. „Es ist ungeheuerlich, dass die Landesregierung Auto- und Lkw-Fahrer verunsichert“, sagte der stellvertretende Fraktionsvorsitzende Gerd Will (Nordhorn).  Die Verkehrspolitik, lieber Gerd Will, dieser Landesregierung ist eben wie der Zustand mancher Autobahnen in Niedersachsen:  BODEnlos.

(Foto: © 4028mdk09 CC)