Trianel

29. Dezember 2010

Nach fast dreijähriger Projektentwicklung steht dem Bau des Trianel Windkraftwerks Borkum (TWB) wohl nichts mehr im Weg. Die 34 durchweg kommunalen Gesellschafter aus Deutschland, Österreich, den Niederlanden und der Schweiz haben auf der TWB Gesellschafterversammlung den Bau für den ersten Bauabschnitt des Offshore-Windparks beschlossen; in Frankfurt wurden vor Weihnachten außerdem die Finanzierungsvereinbarungen mit einem internationalen Konsortium aus 11 Großbanken unterzeichnet. Auch bislang nicht geklärte Probleme des Grenzverlaufs zu den Niederlanden sollen offenbar pragmatisch gelöst werden.

Der 56 Quadratkilometer große neue Windpark liegt rund 45 Kilometer nordwestlich der Insel Borkum und ist von dort nicht zu sehen. Er grenzt unmittelbar an Alpha Ventus, den ersten deutschen Offshore-Windpark.  Ab kommenden Sommer wird  in 30 Meter Wassertiefe zunächst die Gründung für die ersten 40 Areva Wind M5000-Windräder gebaut, die mit einer Gesamtleistung von 200 MW rund 200.000 Haushalte mit umweltfreundlichem Strom versorgen sollen. Die fast 150 Meter hohen Windräder, die bis Windstärke 9 Strom produzieren sollen, werden ein Jahr später zunächst probeweise und zur Jahreswende 2012/2013 im „Regelbetrieb“ ans Netz gehen. Erledigt werden alle Bauarbeiten von Errichterschiffen aus. Die eigentlichen Windräder werden Stück für Stück an Land im niederländischen Eemshaven südlich von Borkum zusammengefügt, dann per Barge zum Einsatzort gebracht und dort mittels Kran auf hoher See zusammengefügt.

Weitere 40 Anlagen, so die Planung, werden im anschließenden zweiten Bauabschnitt realisiert. Die Investitionssumme für den ersten Bauabschnitt beträgt über 700 Mio. Euro. Mehr als 40 Mio Euro steuert die Europäische Union bei.

Trianel Borkum West II ist einstweilen das größte Windprojekt in der deutschen Nordsee und der erste rein kommunale Offshore-Windpark Europas, der vollständig projektfinanziert ist. Beteiligt sind aus Deutschland  u.a. die Stadtwerke Georgsmarienhütte (mit 2 MW) und die Stadtwerke Detmold, Bochum, Borken, Dachau, Flensburg, Fröndenberg, Hamm, Herne, Jena-Pößneck, Lengerich,  Lünen, Soest, Uelzen, Unna und  Witten.

(Foto: obrien26382 CC)

Eine Antwort to “Trianel”

  1. Sofonisba Anguissola said

    Edgar Gärtner schreibt bei Kopp:
    In Deutschland gibt es mehr als 22.000 Windräder. Sie stehen meist in Landschaftsschutzgebieten. Ihr Fundament besteht aus Tausenden Tonnen Beton. Irgendwann müssen die Anlagen wieder abgebaut werden. Auf den Kosten in Höhe von derzeit durchschnittlich 150.000 Euro werden wohl häufig die Grundstückseigentümer sitzenbleiben.

    Zwischen Bochum und Castrop-Rauxel muss jetzt nach einem Gerichtsbeschluss der gerade fertiggestellte 100 Meter hohe Betonmast für ein großes Windrad wieder abge-rissen beziehungsweise gesprengt werden. Eine Anwohnerin hatte geklagt, weil sich das Monster nur 270 Meter vor ihrem Haus in der Hauptblickrichtung befindet. So-wohl das Verwaltungsgericht Gelsenkirchen als auch der 8. Senat des Oberverwal-tungsgerichts (OVG) Münster sahen im absehbaren Schattenwurf des drehenden Ro-tors der Windkraftanlage (WKA) eine unzumutbare Einschränkung der Lebensqualität der Anwohner. Nun muss der Betreiber den 100 Meter hohen »Spargel« sprengen las-sen. Was mit dem 30 Meter tiefen Stahlbeton-Fundament geschieht, ist unklar.

    Dieser Fall wirft ein Schlaglicht auf die noch weitgehend ungelöste Problematik des Rückbaus von Windkraftanlagen. Geködert von hohen jährlichen Pachtzahlungen von 15.000 Euro und mehr je Windrad, haben Landwirte überall in Europa bereitwillig Äcker und Wiesen für den Bau der Monster zur Verfügung gestellt und dabei nicht selten die Kosten der eventuell notwendigen Demontage der Anlage auf die leichte Schulter genommen. Dabei sind Pleiten von WKA-Betreibern beileibe keine Seltenheit. Denn vor allem an Mittelgebirgsstandorten bleiben die Erträge oft hinter den optimistischen Ertragsschätzungen in den Gefälligkeitsgutachten zurück. Im Falle einer Insolvenz der WKA-Betreiber bleiben allerdings die Grundeigentümer auf den Kosten für den Rückbau sitzen. Um die Landwirte zu beruhigen, boten ihnen die Betreiber zunächst Rückstellungen in Höhe von 25.000 Euro je Windrad an und stellten ihnen daneben einen unrealistisch hohen Wiederverkaufswert der WKA in Aussicht. Es stellte sich aber bald heraus, dass die tatsächlichen Rückbaukosten ein Vielfaches davon betragen. Der Agraringenieur Tilman Kluge hat im Auftrag des hessischen Main-Taunus-Kreises ermittelt, dass mindestens fünf Prozent der Investitionssumme einer WKA für die Rückbaukosten angesetzt werden müssen. Bei den verbreiteten WKA-Modellen E-70 und E-82 des größten deutschen Herstellers (ENER-CON), die jeweils mehr als drei Millionen Euro kosten, wären das mindestens 150.000 Euro. Bei den größeren Modellen E-112 und E-126 entsprechend mehr.

    Man muss sich vor Augen halten, um welche Betonmassen es hier eigentlich unter der Erde geht: Die E-U2 steht auf einem Stahlbeton-Fundament mit einem Volumen von 1.200 Kubikme-tern. Die modernere E-126, die eine Gesamthöhe von fast 200 Metern erreicht, benötigt ein Fundament von 1.500 Kubikmetern Beton, der mit 180 Tonnen Stahl armiert ist. Auf dem runden Fundament, das 3.500 Tonnen wiegt, steht dann ein Turm aus ko-nischen Stahlbeton-Segmenten, der immerhin 2.800 Tonnen auf die Waage bringt. Das auf dem Turm sitzende Maschinenhaus mit Generator wiegt 340 Tonnen, die Nabe mit den Rotorflügeln aus glasfaserverstärktem Kunststoff noch einmal 320 Tonnen. Damit der Boden das Gesamtgewicht von mehr als 7.000 Tonnen tragen kann, muss er zuvor mit Hilfe von Schottergranulat, das in tiefe Bohrlöcher gepresst wird, verdichtet werden. Dadurch kommt es zu Beeinträchtigungen des lokalen Wasserhaushalts. Ohne die aufwendige Entfernung des Fundaments ist deshalb die Rückkehr zu einer normalen landwirtschaftlichen Nutzung der aufgegebenen WKA-Standorte nicht möglich.

    Doch es kommt noch weitaus bedenklicher. Denn das neue Energiekonzept der Bundesregierung sieht vor, dass Betreiber von Windkraftanlagen auch dann be-zahlt werden, wenn sie gar keinen Strom produzieren. Die Bundesregierung beab-sichtigt ja mit ihrem »Energiekonzept« vom Herbst 2010 den Bau riesiger Windparks auf hoher See. Daran wird fleißig gebaut. Doch noch immer fehlen Hochspannungs-Trassen (»Strom-Autobahnen«), die den auf der Nordsee erzeugten Strom zu den wichtigsten Verbrauchsorten in der Mitte des Landes transportieren. Wegen der Bür-gerproteste können die Genehmigungsverfahren zehn Jahre und länger dauern.

    Windrad-Attrappen

    Immer öfter müssen Windräder bei besten Windverhältnissen abgestellt werden, um das Stromnetz nicht zu überlasten. Doch hat die Regierung in ihrem Erneuerbare Energien Gesetz (EEG) auf Drängen der Windkraftlobby für diese Situation Vor-sorge getroffen. Dessen Paragraphen zehn bis zwölf regeln Schadensersatzansprüche für den Fall, dass Netzbetreiber außerstande sind, den von Windkraftanlagen (WKA) erzeugten Strom abzunehmen: Sie bekommen dann die im EEG vorgesehene Einspeisevergütung auch für nicht gelieferte Kilowattstunden. Die Stromverbraucher müssen dann also doppelt zahlen: Einmal für den nur theoretisch von Windkraftanlagen gelie-ferten Strom und noch einmal für den von Kohle- oder Gaskraftwerken erzeugten »Ersatzstrom«. In der Konsequenz könnten die Energiekonzerne wahrscheinlich auch gleich Windrad-Attrappen aufstellen.

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