Wietpas

21. Dezember 2010

Dass es in niederländischen Coffeeshops weniger Kaffee als allerlei Zubereitungen der indischen Hanfsorte Cannabis sativa gibt, ist eine Binsenweisheit.  Dass deutsche Kunden dort  straffrei Cannabis erwerben könnten, ist ein ebenso hartnäckiges wie falsches Gerücht (guckst du hier…). Zu Risiken und Nebenwirkungen fragen Sie also auch hier am besten Ihren Anwalt; denn ungeachtet der grundsätzlichen Strafbarkeit werden nicht selten Coffeeshop-Besucher auf informell-verschwiegenen Kanälen von niederländischen Wachtmeistern ihren deutschen Kollegen gemeldet, die dann an der Grenze energisch zur Kleinstmengen-Durchsuchung schreiten und bei Autofahrern freundlich zum (stets freiwilligen) Mahsantest bitten.

Nun wird im -ob all der Hanftouristen genervten- südniederländischen Maastricht (Provinz Brabant) diskutiert, ob Cannabis nur noch an Niederländer abgegeben wird – auf Bezugskarte sozusagen. Codename: Wietpas – also übertragen „Gras-Ausweis“. Der um eine Stellungnahme bemühte Europäische Gerichtshof hat nichts dagegen – aber sogar  Maastricht selbst will das nicht wirklich, ebenso wie  Peter den Oudsten in unserer Nachbarstadt Enschede. Der Bürgermeister der ostniederländischen Großstadt, melden die „Grafschafter Nachrichten“ , sieht das Dilemma, will aber kein Coffeeshop-Verbot für Ausländer, sprich für deutsche Hanffreunde.

Den Oudsten analysiert  pragmatisch: Wenn man den Kleinmengenkauf in den Coffeeshops nur noch Niederländern erlaube, werde sich der ganze Handel „mit den Ausländern“ auf die Straße verlagern. Außerdem gebe es sowieso keine Probleme mit den ausländischen Rauschgiftkonsumenten in Enschede, jedenfalls nicht wie in Maastricht. Also gilt: „Enschede wil geen wietpas“ – Enschede will keinen „Gras-Ausweis“.

Peter den Oudsten macht sich zunehmend ganz andere Sorgen: Das Problem sei die Stärke der so genannten Softdrugs. Das meiste Marihuana sei nämlich inzwischen durch seinen hohen THC(-Wirkstoff-)Gehalt so stark, dass das Prädikat „soft“ falsch ist, schreibt er in seinem WebBlog.  Daher will der Bürgermeister  die Gras-Anlieferungen der Coffeeshops staatlich kontrollieren lassen. „Wir sollten den Wietbezug  für die Coffeeshops legalisieren. Aber das ist nicht drin, obwohl wir ein großes Dilemma haben.“

(Foto: Enschede (NL) Coffeeshop © aliquando flickr)

Abgeschlossen

21. Dezember 2010

Ja, da haben wir doch alle (oder jedenfalls manche) dies gelesen:

Lingens Erster Stadtrat Dr. Ralf Büring ist zuversichtlich, dass noch in diesem Jahr der Mittelbahnsteig am Bahnhof auf einer Länge von etwa 106 Metern um zwei Meter verbreitert wird. (25.09.2010)   (schon vorher mehr… 09.09.2010)

und

Die Arbeiten für den Ausbau des Mittelbahnsteiges im Lingener Bahnhof werden am 6. Dezember beginnen und sollen am 20. Dezember abgeschlossen sein. Das teilte Stadtbaurat Georg L…Mitgliedern der Lingener Schüler-Union (SU) mit. (12.11.2010)

und

Auf die Frage, wann denn mit der Fertigstellung zu rechnen sei, antwortete der Stadtbaurat, dass zurzeit der Regenwasserkanal eingebaut werde: „Sollte das Wetter mitspielen, hoffen wir, dass noch vor Weihnachten die Arbeiten am Mittelbahnsteig abgeschlossen sind – so hat es die Bahn jedenfalls versprochen.“ (09.12.2010)

denn wie jubelt der wissende LT-Kommentator:

Der Bahnsteig am Lingener Bahnhof wird verbreitert. Damit ist dieses leidige Thema endlich abgeschlossen. Neben Rat und Verwaltung kann sich insbesondere die Lingener Schüler-Union diesen Erfolg auf ihre Fahne schreiben – eine tolle Sache. (09.12.2010)

Jaja – endlich abgeschlossen. Ich glaube, irgendwann im letzten Spätsommer habe ich mit unserem Ersten Stadtrat Ralf Büring gewettet, dass sie nicht fertig wird, die Nachrüstung des von Stadtbaurat L. sehenden Auges zugelassene Murks-Mittelbahnsteigs, der jedem Dorf zur Ehre gereicht.  Gestern war der 20. Dezember, da sollte -so L.- der Umbau fertig sein. Nun, ich war nachmittags auf dem Mittelbahnsteig, um seiner vollmundig vom Oldenburger L. angekündigten, neuerlichen Fertigstellung beizuwohnen. Die fand aber nicht statt. Is ja klar, lag nicht an der jahrelangen Mistplanung sondern am Mistwetter: „Schneechaos“ (- früher hieß das bekanntlich bloß Winter). Aber immerhin taten die rotweißen Flatterbänder am Bahnsteig das, was sie tun sollten: Sie flatterten im Winde. Guckst du auf Foto: Da wo Lampe leuchtet, flattert unten Rotweiß-Band.

Und jetzt erwarte ich – bitte sofort!- die Wetterkommentare von JU und SU, also dass es am Wetter liege, von dem alle reden, bloß die Bahn nicht ( hier mehr…)und nicht an einem verkorkst-schlechten Gesamtplan, den diejenigen  zu verantworten haben, die sich jetzt feiern und belobigen lassen. Und sie lassen sich feiern für eine typische Emslandlösung: Es wird nicht etwa der ganze Bahnsteig ausgebaut sondern es werden nur 102m dran geflickt. Längere („IC“-)Züge halten weiterhin zu einem Großteil am Dorfbahnsteig. Wahrlich ein großartiger Erfolg von Rat und Verwaltung und Schülerunion.

(Foto re: CC-BY-NC Roberts Blog, kleines Foto lks: Werbeplakat Deutsche Bundesbahn 1966 © DB )