Enercon

13. Dezember 2010

Aloys Wobben, der aus dem emsländschen Rastdorf stammende Gründer des ostfriesischen Windenergie-Unternehmens Enercon,  hat schon früher Flagge gezeigt. Wenn das damals geplante Kohlekraftwerk in Dörpen komme, werde Enercon  die Pläne für sein Rotorenwerk in Haren aufgeben. Das soll immerhin 1000 Arbeitsplätze ins mittlere Emsland bringen. Mit seiner  „klaren Ankündigung“ sorgte Wobben im Sommer 2009 auf einer Podiumsdiskussion Sögel für Furore. Inzwischen sind die Dörpener Kohlekraftwerkspläne (mehr…) Geschichte, das Harener Rotorenwerk entsteht ab dem kommenden Jahr.

Jetzt haben die Enercon-Mannen um Wobben mit einem ungleich kleineren Schritt den Atomkraftbefürworter vom Deutschen Atomforum  ein Stopp aufgezwungen. Sie erwirkten  eine einstweilige Verfügung gegen ein retourchiertes Werbe-Plakat der Atomlobbyisten. Das Berliner Landgericht folgte Enercon und sah in einer Werbeanzeige einen Verstoß gegen das Wettbewerbsrecht. (Beschluss vom 07.12. 2010 – Az. 16 O 560/10)

Die beanstandete, seit mehreren Wochen geschaltete Atomkraftwerbung zeigt ein geradezu idyllisches Bild: Im Vordergrund vier Windgeneratoren und eine Wiese voller Heuballen, hinter grünen Bäumen lugt im Sommerlicht eine weiße AKW-Kuppel hervor. „Klimaschützer unter sich – Kernkraftwerk Unterweser und Windenergie: CO2-Ausstoß = Null“ steht in weißen Buchstaben in den blauen Himmel darüber  geschrieben. Mit ihr warb das Deutsche Atomforum auf Plakaten und im Internet. Das vermeintliche Foto war in Wahrheit aber nur eine Montage aus AKW und Enercon-Windrädern. Seit drei Tagen ist die Anzeige aus dem Netz verschwunden.

Grund dafür sind Enercon, die hineinretouchierten Windräder und das Landgericht Berlin. Aloys Wobbens Enercon wollte mit seinen Anlagen keine Werbung für Atomkraft  machen. Deshalb beantragte das Unternehmen den Erlass einer einstweiligen Verfügung beim Landgericht Berlin gegen die Anzeige – und war erfolgreich. Die Atomlobby, so das Landgericht, übertrage den guten Ruf, den Windenergie in weiten Kreisen der Bevölkerung genieße, auf die Atomkraft. Das verstoße gegen das Wettbewerbsrecht. Bemerkenswert ist ein Teil der Begründung, in dem die Richter das von den AKW-Betreibern stets bestrittene Konkurrenzverhältnis von Öko-Strom und Atomkraft betonen. Die Anzeige diene dazu, so der Gerichtsbeschluss, Atomstrom „zulasten der Anbieter alternativer Energie“ zu fördern.

Die Enercon-Windräder sind  für Interessierte klar zu erkennen: Der Fuß jeder Anlage ist in grünen Farben bemalt; die Farbgebung ist als Markenzeichen registriert. Die Anlagen haben besonders große Maschinenhäuser in Tropfenform (Foto re.) . Diese Erkennbarkeit war für die Verfügung der Richter wichtig und wurde als Grund für das Urteil hervorgehoben.

Eher unwahrscheinlich ist indes, dass die Atomlobby generell nicht mehr mit Öko-Strom-Anlagen werben darf. Auf den Seiten der Lobbyisten findet sich schon ein Ersatzbild und zwei weitere Anträge Enercons, die in dieselbe Richtung zielten, hat das Unternehmen wieder zurückgezogen. Vor einem Monat hatte das Landgericht Berlin in einem bemerkenswert falschen Urteil bereits erlaubt, Atomkraftwerke als Anlagen mit Null Emissionen zu bewerben.

„Wir sehen Wind- und Kernkraftwerke keineswegs als miteinander harmonierende, klimafreundliche Stromerzeuger an“, erklärte Enecon Geschäftsführer Hans-Dieter Kettwig in einer Pressemitteilung. „Stattdessen wird durch die Verlängerung der Laufzeiten von Kernkraftwerken die Energienwende eher verzögert“. Die länger am Stromnetz verbleibenden Atomkraftwerke sorgen u.a. dafür, dass das Netz länger als bisher geplant mit Atomstrom blockiert wird und somit den kontinuierlichen klimafreundlichen Ausbau der regenerativen Energien behindert.

(Quellen: Frankfurter Rundschau, Generalanzeiger; Foto: Enercon-Windrad, © Albin Denooz, CC)

 

3 Antworten zu “Enercon”

  1. […] This post was mentioned on Twitter by Emsland Retweeter, Robert Koop. Robert Koop said: #Emsland #Enercon und der #Wettbewerb mit der #Atomkraftlobby: http://wp.me/p2aew-1TS […]

  2. kib said

    Aloys Wobben, kein „grüner Spinner“ sondern ein sehr sympathischer „Leisetreter“
    http://www.neuepresse.de/Nachrichten/Ratgeber/Uebersicht/Reichster-Niedersachse-kommt-aus-Aurich

  3. Stromrechner said

    Es bleibt zu hoffen, dass die Politik evt. eher auf solche Unternehmer hört. Denn bisher ist ja nciht so viel zu sehen, was der Natur hilft. Aber die Konzerne haben genug Einfluß. Also müssen eben Konzerne dagegen positioniert werden. Ich setze zumindest einen Teil meiner Hoffnung in Aloys Wobben. Mal sehen ob es sich erfüllt.

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