Abgeschafft

9. Dezember 2010

Die Stadt schafft den traditionellen Neujahrsempfang ab. Nach einer Mitteilung der Ems-Vechte-Welle lädt  nunmehr „die Verwaltung“ am  zweiten Januarsonntag, in den Saal der Wilhelmshöhe ein. Dort soll es dann eine Diskussionsrunde mit Bürgern zu aktuellen Themen geben. Neben Oberbürgermeister Dieter Krone stellen sich auch die Dezernenten den Fragen der Menschen. Besonders bemüht wirkt diese Aufforderung: Interessierte können schon jetzt Themenfelder für die Diskussion im Rathaus anmelden. Die Diskussion wird geleitet von Ems-Vechte-Welle-Redakteur Marko Schnitker.
Wir hatten derlei Versuche schon einmal – vor gefühlt 15 Jahren, als aus dem traditionellen Neujahrsempfang eine Tralala-wie-lustig-Präsentation mit Bauchredner und ähnlichem wurde. Jetzt also Interviews mit städtischen Dezernenten. Muss nicht, geht nicht.

Denn ein Neujahrsempfang der Stadt ist kein Podiumsgespräch mit Dezernenten oder  ein Interview von Verwaltungsmitarbeitern. Beides hat nichts miteinander zu tun und ich kann mir auch -direkt und offen gesagt- Schöneres vorstellen, als mir auch noch in dem notwendigen festlichen Rahmen die Mitteilungen eines ganz bestimmten Dezernenten anzuhören.

Um es anders zu sagen: Der  Neujahrsempfang  unserer Stadt ist ein festlicher Empfang, auf dem der Oberbürgermeister als gewählter oberster Repräsentant der Bürgerschaft Rückblick und Ausblick zugleich gibt. Das wünsche sicherlich nicht nur ich  durch den neu gewählten Oberbürgermeister Dieter Krone.

Nachtrag (vom 10.12.2010):
Inzwischen hat die Presseabteilung der Stadtverwaltung den kleinen Faux-pas bemerkt, den ich einleitend erwähnt habe. Also heißt es jetzt hier offiziell:

Die Stadt Lingen lädt alle Bürgerinnen und Bürger am 9. Januar zu einem Bürgerempfang zu Neujahr in den Saal Wilhelmshöhe in Lingen ein. Oberbürgermeister Dieter Krone und die Dezernenten, der Erste Stadtrat Dr. Ralf Büring, Stadtkämmerin Dr. Claudia Haarmann und Stadtbaurat Georg Lisiecki, werden während des Bürgerempfang in einer offenen Gesprächsrunde Stellung zu aktuellen Themen der Stadt beziehen. …

Nota bene ein bisschen protokollarische Nachhilfe:
Die große selbständige Stadt Lingen (Ems) führt den Namen „Stadt Lingen (Ems)“.“
(§ 1 Abs. 1 Hauptsatzung der Stadt Lingen (Ems) )

(Foto: gernhaex, CC)

10 Antworten to “Abgeschafft”

  1. schmut said

    Da bin ich in mal absolut in allen Punkten ausnahmslos bei Ihnen.

    Ich frag mich auch, warum nicht auf altbewährtes setzen? Nur weil die Podiumsdiskussionen im Wahlkampf sich einer großen Nachfrage erfreuten, sollte man sie nun nicht als „Allzweckwaffe“ einsetzen.
    Außerdem könnte man mal einen Eindruck davon bekommen, wie sich unser möglicherweise dauerhafter OB als Redenschwinger eignet.

    • Frank O. said

      Wenn man Ratssitzungen in allen Punkten endlich öffentlich machen würde, könnte man sich so einen Schnick und Schnack ersparen.

      Ich zitiere Herrn Koop: „Der Neujahrsempfang unserer Stadt ist ein festlicher Empfang, auf dem der Oberbürgermeister als gewählter oberster Repräsentant der Bürgerschaft Rückblick und Ausblick zugleich gibt.“

      Vielleicht möchte man den Bürgern aber auch damit einfach nur den Rückblick auf dieses Jahr ersparen und die Zukunft sieht so aus wie Gleis 2 am Bahnhof, dessen Umbau ja noch dises Jahr fertig wird und bereits Anfang November begonnen hat.So zumindest die hohen Versprechen der Bahn und co..

      Also dann doch lieber eine Podiumsdiskussion in der man die Bürger besänftigt und schonmal neue Versprechen abgibt, die man nicht hält, damit man auch im Januar 2012 wieder einen Grund hat für eine neue Diskussionsrunde.

    • @schmut

      in allen Punkten ausnahmslos bei Ihnen

      Bei dieser Formulierung frage ich mich: Kommen Sie aus Geeste?

  2. Markus Held said

    Herr Koop hat – ja, nur ausnahmsweise – mal recht!

    Was bezweckt der OB mit dieser unsinnigen Veranstaltung? Vermutung: Er selbst vermag es nicht, zu den Themen dieser Stadt Stellung zu nehmen und ist auf die Unterstützung seiner Dezernenten abgewiesen.

    Wo hat der neue OB eigentlich seine Vision zur Zukunft dieser Stadt? Davon würden wir auf dem Neujahrsempfang gerne mehr hören, aber keine Dampfplauderei von (meist älteren) Lingenern als Fragesteller (siehe Bürgerversammlung am Dienstag) und den vorgefertigten Antworten der Verwaltungsspitze.

    • Buggy said

      Wenn Du Überraschendes, Unkalkulierbares und Emotionen willst, solltest Du Parteitage der Grünen besuchen- da kann man Basisdemokratie noch spüren.

      • Christoph said

        Nicht nur dort. Ich zitiere Jens Spahn, Mitglied des Bundestages, CDU:

        „Die Diskussionsstimmung auf dem Grünen-Parteitag war vergleichbar mit der auf dem jüngsten CDU-Parteitag.“

  3. […] kompletten Text findet Ihr bei Robert Koop im Blog. von → Politik ← Theater an der Wilhelmshöhe: Musical Night 2011 LikeSei der […]

  4. Ignaz Wrobel said

    Die Abschaffung des Neujahrsempfangs in seiner bisherigen Form ist zu begrüßen. OB Krone möchte damit ein Zeichen setzen und das ist gut so!
    Das sektlaunige Treffen der Lingener Nomenklatura in seiner bisherigen Form war immer schon, spätestens nach dem dritten Glas, niveaulos und hat sich in diewser Form in Zeiten einer Bürger-Beteiligungs-Demokratie überlebt! Hartnäckige Anhänger des offiziellen Umtrunks auf Kosten der Allgemeinheit sollten nach Messingen ausweichen, da ist es noch wie früher!
    In Lingen sollte aus dem Neujahrsempfang ein Bürgerfest werden,mit mehr Kultur und offen für alle: Und neben den obersten städtischen Beamten sollten vor allem die obersten Vertreter der Stadtratsfraktionen auf dem Podium Platz nehmen. Diese Damnen und Herren haben doch stets ein großes Mitteilungsbedürfnis und sie haben ja auch aufgrund ihres Mandats das Recht, Politik zu machen, zumindest bis zur nächsten Wahl!
    Und an der Fähigkeit von OB Krone, ein paar perspektivische Sätze zur Entwicklung unsere Stadt zu formulieren, sollte doch wirklich niemand mehr zweifeln! Das haben doch schon ganz andere Lokalgrößen leidlich geschafft!

    • Klingt ein bisschen wirr, was Sie da schreiben, bester Herr Wrobel. Und es ist mehr als „(niveaulos), spätestens nach dem dritten Glas“ zu behaupten und zu suggerieren, was nicht stimmt – dass sich die rund 1000 Teilnehmer des Neujahrsempfangs, die sie als Nomenklatura bezeichnen, betrunken hätten. Offensichtlich waren Sie nie da. Noch einmal: Wenn sie „ein Bürgerfest“ wollen, dann besuchen Sie bitte einen Jahrmarkt, eine Comedy-Show oder das Altstadtfest im kommenden September. So bürgerfestähnlich, wie Sie es wollen, ging es jedenfalls schon einmal zu beim Neujahrsempfang, als die ehrenamtliche OB Frau Ramelow dieselben Ideen hatte wie Sie; das hat in den 1990er Jahren dem Neujahrsempfang gar nicht gut getan. Jetzt sollen wir diversen Interviews unserer Verwaltungsspitze lauschen dürfen. Dies wird zur Rechtfertigung für strittige Entscheidungen verkommen und weder inhaltliche Klärung des Gewesenen noch programmatische Wegweisung des Kommenden sein. Merke: Es muss nicht alles über Bord, nur weil ein Neuer auf der Brücke steht.

      Noch dies: Ja, der Neujahrsempfang erfolgt „auf Kosten der Allgemeinheit“. Stets war diese Allgemeinheit dazu vom Oberbürgermeister, ihrem gewählten höchsten Lingener Vertreter, frei und offen eingeladen, weshalb in den letzten Jahren regelmäßig mehrere hundert Lingener teilnahmen. Ein solcher Neujahrsempfang war und ist richtig, gut und selbstbewusster Ausdruck unseres gemeinsamen demokratischen Selbstverständnisses. Wenn Sie statt dessen Eintritt kassieren wollen, gehen Sie besser an eine Kinokasse. Und lästern Sie nicht über Messingen. Die machen das ganz anständig für eine solche kleine Gemeinde, wenn auch nach meinem Eindruck dem Messinger Empfang ein bisschen weniger CDU-Lastigkeit ganz gut täte.

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