Anders

27. November 2010

Angesichts der knappen Haushaltskasse in Lingen stehen drei große Projekte besonders zur Diskussion: die Emslandarena, der Ausbau der Ulanenstraße und der Turnhallenbau der Matthias-Claudius-Schule. Der Ausbau der Ulanenstraße ohne umfassendes Verkehrskonzept ist reichlich sinnfrei. Er soll zwar den Verkehrslärm in Stadtteil Damaschke reduzieren, der durch die B 213 zerschnitten wird. Allerdings ist die Umleitung von Schwerverkehr von der Bundes- auf eine bloße Gemeindestraße schon rechtlich ein Problem.
Daneben hat der neue stellvertretende Ratsvorsitzende Bernhard Teschke (CDU, Foto lks.) am Donnerstag in der Ratssitzung auf einen anderen Umstand hingewiesen: Eine durchgreifende Verbesserung brächte wohl allein die Verlagerung der B 213 in westlicher Richtung – beginnend an der Wallheckenstraße in Clusorth-Bramhar und endend an der Umgehungsstraßenauffahrt in Altenlingen. Das gehöre in die Raumordnungsplanung, sagte der Brögberner Ratssenior und hat damit recht. Aber diese Millionenlösung wird, wenn überhaupt, erst in 20 Jahren realisiert.
Also hat der Lingener Rat trotz der Haushaltsmisere mit dem aufgestellten Nachtragshaushalt beschlossen, die Ulanenstraße auszubauen – nicht nur  wie bisher geplant auf 500m Länge sondern gleich bis zur Straße „Im Brooke“. Außerdem sollen die Adolfstraße und die Kolkstraße in der Innenstadt ausgebaut werden, „weil das Geld da ja von den Anliegern zurückfließt.“ Da habe ich schon meine Zweifel, ob der Umbau der Adolfstraße überhaupt von den Anliegern zu bezahlen ist.

Vor allem aber zeigt sich bei den Beschlüssen, was von den Ankündigungen von Beeck, CDU & Co im OB-Wahlkampf zu halten ist, bei den notwendigen Kürzungen Projekte für Kinder und Jugendliche auszunehmen.

Denn während in Lingen mit dem Nachtrag Geld für den Straßenausbau ausgegeben wird, werden gleichzeitig Investitionen für Kinder und Schulen gestrichen. Und FDP-Mann Jens Beeck hält das auch noch für richtig, weil „gerade im Kinder- und Jugendbereich in Lingen und im Emsland Vorbildliches geschaffen worden ist„. Also darf man kürzen, meint wohl Herr Beeck.

Beeck, CDU & Co ließen ihrem Wortbruch am Donnerstag gleich ein Beispiel folgen: Die Matthias-Claudius-Schule, die besonders dringend eine neue Turnhalle braucht: „Wir haben Schulleiter Udo Kösters um eine Ortsbegehung gebeten“, sagte jetzt Claudia Becker (Die BürgerNahen) und meinte nach dem Ortstermin: „Ich war wirklich erschrocken. Die Turnhalle ist fast 60 Jahre alt und einfach marode. Splitterndes Holzparkett, fehlender Prallschutz und übel riechende Sanitäranlagen – da ist die Sicherheit der Schulkinder gefährdet!“ Die Stadt ist  in der Pflicht, den Kindern und Vereinen eine sichere Perspektive zu bieten. Die alte Turnhalle kann sicherlich nicht mit Kleinreparaturen zurecht geflickt werden.

Trotzdem ist das notwendige Schulprojekt dank Beeck, CDU & Co im Haushalt gestrichen, während die Straßenbaumaschinen für Ulanen, Adolf- und Kolkstraße anrollen dürfen. So setzt man besondere Schwerpunkte zulasten von Kindern und Jugendlichen und ganz anders als vor acht Wochen versprochen.

(Foto Bernhard Teschke © Stadt Lingen)

5 Antworten to “Anders”

  1. Barbara P. said

    Ich war zu Gast bei der Ratsitzung, sie geben die Sachlage nicht korrekt wieder. Niemand hat bei den Ausgaben im Jugendbereich was gestrichen, bislang ist alles genehmigt worden, was beantragt wurde. Reine Polemik und Augenwischerei-

    Das die Ulanenstrasse ausgebaut wird, danken Ihnen bestimmt die vielen Menschen, die dort sei Jahren mit der Situation leben müssen.

    Übrigens die Schüler der Math. Claudius-Schule dürfen bestimmt auch in der Vorzeige turnhalle an der Gebr. Grimm Schule turnen.

    • Sie geben dieselbe falsche Schilderung wieder, die Jens Beeck in der Ratssitzung verbreitet hat. Ihnen liegt die Ratsvorlage nicht vor, die Beecks (und ihre) Äußerung widerlegt. Ich werde Sie im Laufe des Sonntags hier als pdf-Datei einstellen, die ich erst herstellen muss (hier zuhause aber zurzeit nicht herstellen kann). Anschließend urteilen Sie selbst.

      Was von der Ulanenstraße zu halten ist, sagt Ihnen der Kommentar von @Analyst. Und bitte nehmen Sie zur Kenntnis, dass der Verkehr von einer Bundesstraße nicht ohne weiteres auf eine Gemeindestraße gelenkt werden darf.

      Die Turnhalle Gebrüder-Grimm-Schule ist zurzeit ausgebucht. Zu Fuß brauchen die Grundschüler von der Matthias-Claudius-Schule für den knapp 1,2 km langen Weg eine knappe viertel Stunde, zurück ebenso. Eine halbe Stunde Fußmarsch für eine Sportstunde (Grundschule-Sportstunde immer nur 45 Minuten) halte ich für Unfug. Und kommen Sie mir bitte nicht mit dem Satz, dass der Fußmarsch schon Teil der Sportstunde sei.

  2. Analyst said

    Es gibt zwei Möglichkeiten. Den Verkehr der B 70 / 213 aus südwestlicher Richtung weiterhin auf die Haselünner Straße und den Verkehr aus Richtung Haselünne über die Ulanenstraße zu leiten. Das würde den Verkehr auf der B213 in Damaschke etwas verringern. Oder den gesamten Verkehr zwischen B 70/213 und Haselünne über die Ulanenstraße zu führen. Das würde den Durchgangsverkehr etwas mehr reduzieren. Beide Möglichkeiten setzen jedenfalls eine intensive Verkehrsleitung bzw. Verkehrsumleitung durch Schilder bzw. Verbote voraus, da die kürzeste Verbindung zwischen zwei Punkten bekanntlich eine Gerade ist.
    Aber ganz gleich wie man den Verkehr auch leitet, an der Einmündung der Ulanenstraße in die B 213, Haselünner Straße wird auf jeden Fall eine zusätzliche Ampelanlage erforderlich werden. Diese Ampelanlage wird zu entsprechenden Rückstaus des Lingener Ortsverkehrs auf der Haselünner Straße führen mit zusätzlichem stop and go Verkehr. In toto wird der Ausbau der Ulanenstraße deshalb dem Ortsteil Damaschke keine Entlastung sondern eine zusätzliche Belastung mit Lärm und Abgas bringen

  3. waltraud schober said

    Bei der Ratssitzung ging es um den Nachtragshaushalt 2010 und um die Streichung von Haushaltsresten 2009. Im Haushaltsausschuss hatten alles Parteien sich darauf verständigt, dass eine Zustimmung/Streichung zum Nachtrag nicht bedeutet, dass die jeweiligen Projekte gestrichen werden. Alles kommt für 2011 neu auf den Tisch – so die Verabredung im Haushaltsausschuss (s. Protokolle!)!

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