OT

16. November 2010

Der Deutsche Journalisten-Verband (DJV) fordert die deutschen Zeitungsverleger auf, die zunehmende Tarifflucht und Kostensenkung durch Leiharbeit und Outsourcing umgehend zu beenden. Auch die so genannte OT-Mitgliedschaft im Bundesverband Deutscher Zeitungsverleger (BDZV) wird von vielen, meist konservativen Verlegern  zum Tarifdumping genutzt. OT steht für „ohne Tarifbindung“. Blätter wie die Fuldaer Zeitung oder die „Neue Osnabrücker Zeitung“ (NOZ) sind Mitglied im BDZV, ohne dass sie an die vom Verlegerverband ausgehandelten Tarifverträge gebunden sind. Das liest man auf der Internetseite des DJV.

Lohndumping wollen sich die im DJV (Logo re.) organisierten Journalisten der NOZ schon längst nicht mehr gefallen lassen. Sie demonstrierten gestern in der Großen Straße, Osnabrücks Edelmeile, unmittelbar vor dem Stammhaus des im Familienbesitz befindlichen NOZ-Verlages. Der ist –laut der reichlich glatt und gehübscht wirkenden wikipedia-Seite–  finanziell unabhängig und beschäftigt derzeit knapp 450 fest angestellte Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter, davon etwa 150 in der Redaktion. Das Bemerkenswerte: Für die Redakteurinnen und Redakteure hat es seit 2003 keine Gehaltserhöhung mehr gegeben. Die Bezahlung für Nachwuchsredakteure liegt sogar 20 -30 % unter dem Tarif. Der NOZ-Verlag weigert sich, die Tarife des BDZV einzuhalten. Als Ausgleich wird von den Redakteuren ein überdurchschnittliches engagment erwartet. Dazu gehören auch unbezahlte Überstunden.

Der Deutsche Journalisten Verband hat die NOZ-Verlagsleitung unter der Verantwortung der Herren Christoph Niemöller und Laurence Mehl aufgefortdert, endlich einen Haustarifvertrag auszuhandeln. Die Forderung gibt es bereits seit Jahren, bisher ohne Erfolg.

Noch schwerer haben es übrigens die so genannten Freien bei der NOZ. „Freie“ sind Journalisten, die ihre Texte oder Bilder wie Unternehmer selbständig vermarkten. Seit Februar sind die verbesserten Vergütungsregeln für Freie an Tageszeitungen in Kraft. Die NOZ hält sich nicht dran. Sie schrieb ihren Freien sogar einen Brief, dass esx künftig 20% weniger (!) Honorar gebe.  Zum Vergleich: Südlich der Mainlinie erhalten „Freie“ für dieselbe Arbeit durchaus schon mal doppelt so viel, wie die NOZ zahlt – jetzt 20% weniger als bisher. Bemerkenswert bei einem Unternehmen, das gute Renditen erzielt und, wie der DJV weiß, in Osnabrück auf Platz 4 der Gewerbesteuerzahler steht.

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