Fluchtweg II

23. Oktober 2010

Die bislang faktisch unkontrollierte Massentierhaltung mit ihren Hunderten Käfigen und Ställen  im Emsland geht unverdrossen weiter. Anträge für 230 neue Großmastställe liegen beim Landkreis auf Halde. 150 von ihnen betreffen industrielle Monsterställe, die nach dem Bundesimmissionsschutzgesetz zu genehmigen wären – oder eben nicht. Rund 30 Millionen Geflügelmastplätze gibt es in unserem Landkreis bereits. 100 Hähnchen und Hühnchen pro Kopf. Sie scheißen uns schlicht zu.

Dass es so weit gekommen ist, ist die zwangsläufige Folge langjährig sorgloser und rechtlich zweifelhafter Genehmigungspraxis und einer kumpelhaften Verknüpfung von absoluter CDU-Mehrheit, fehlender Kontrolle durch die lokalen Medien, augenzwinkernd mitmachenden „Wie hätten Sie’s denn gern?“-Genehmigungsbehörden und  industriellen Nahrungsmittelproduzenten, die immer noch so tun und dargestellt werden, als hätten sie irgendwas mit Bauern oder Landwirten zu tun – alle natürlich mit demselben CDU-Parteibuch, sei es tatsächlich oder zumindest im politischen Geiste.

Inzwischen versucht der  Landkreis Emsland unter seinem Landrat Hermann Bröring die Genehmigungsgeister der Massentierhaltung, die man rief und wollte, atmosphärisch etwas  einzugrenzen. Es brennt nämlich ein Jahr vor der Kommunalwahl 2011 politisch und so sucht Hermann Bröring -frei nach § 20 Niedersächsische Bauordnung– seine eigenen Fluchtwege.

Doch erst auf direkten Hinweis von Fachanwalt Peter Kremer (Berlin, mehr…) hat der Landkreis mit seinen Dutzenden von Beamten im Bauamt jetzt  den Brandschutz für die gequälten Kreaturen entdeckt -ich kommentierte. Man konnte ihn einfach nicht mehr missachten, wo er doch tatsächlich in der Niedersächsischen Bauordnung steht. Jetzt soll gar ein „unabhängiges Rechtsgutachten“ Klarheit schaffen – so als ob es das in dieser Frage geben könne, ein unabhängiges Rechtsgutachten.

Und nach all den tausenden Atemwegserkrankungen beginnen die Mannen um Landrat Bröring ein Jahr vor der Kommunalwahl auch noch die Menschen zu beachten, deren Gesundheit durch die unkontrolliert stinkenden Monsterställe bedroht werden. Allerdings nur bei den absoluten Riesenställen und sofern sie nicht jenseits einer 500m-Grenze leben und mit dem zarten Entschuldigungsaugen-Aufschlag, dass man seit Jahren „am Ball“ sei, doch „keine rechtliche Handhabe“ gehabt habe. Welch unehrliches Gerede! Denn niemand hätte den Landkreis gehindert, zum Schutz von Menschen, Tieren und Umwelt Schluss zu machen mit der Ausbeutung der natürlichen Ressourcen und Regeln aufzustellen, was geht und was nicht. Woanders war dies möglich. Denn weshalb, Hermann Bröring, gibt es diese Emslandisierung mit ihren Monsterställen praktisch nur  hier im Nordwesten,vorzugsweise in Cloppenburg, Vechta und eben im Emsland?

Die Menschen merken: Was der Landkreis will, kommt  viel zu spät und ist nicht konsequent; ein Drittel der auf Halde liegenden 230  neuen emsländischen Anträge braucht gar nichts und die anderen 150  brauchen auch nicht etwa den jetzt entdeckten Keimschutz, sondern nur ein Gutachten, ob denn Keimschutz sein müsse. Ähnliches gilt auch für den bislang nahezu immer fehlenden Brandschutz … Das Fluchtmanöver des 2011 scheidenden Landrats ist also durchsichtig und  führt nur in eine  Sackgasse. Heraus geht es hier.

Artgerecht

22. Oktober 2010

In Deutschland werden jährlich mehr als 500 Millionen Nutztiere geschlachtet. Der allergrößte Teil dieser Tiere stammt aus der industriellen Intensivmast, deren Protagonisten unbeirrt auf Expansion drängen, obwohl bei uns bereits viel zu viel Fleisch produziert wird. Das Emsland nimmt bei der Massentierhaltung bundesweit eine Spitzenstellung ein.  Andernorts wehren sich deshalb die Menschen längst gegen diese  Entwicklung, die sie als „Emslandisierung“ ihrer Umwelt bezeichnen und als bedrohend empfinden.
Im Emsland gibt es aber auch anderes. Beispielsweise die Internetseite von emsland-artgerecht.de (Logo lks). Emsland-artgerecht.de möchte emsländische Fleischerzeuger, den Fleischhandel sowie die emsländischen Verbraucher zusammenführen, denen die artgerechte Haltung von Tieren am Herzen liegt. Die Internetseite richtet sich also an alle, die Fleisch bewusst konsumieren wollen und auch bereit sind, hierfür einen angemessenen Preis zu zahlen. Sie ist also nichts für Vegetarier oder Veganer. Man erfährt folglich, in welchen Restaurants des Landkreises Emsland artgerecht erzeugtes Fleisch serviert wird. Wo artgerevht erzeugtes Fleisch verkauft wird und schließlich nennen die Initiatoren auch Bäcker und Konditoren im Emsland, die ihre Waren ohne Ei aus der Käfighennenhaltung herstellen.

»Artgerecht« soll dabei einfach heißen, dass Tiere nicht in qualvoller Enge gehalten werden, dass sie Auslauf haben und angeborenen Verhaltensweisen nachgehen können. Und dass sie nicht mit Futter ernährt werden, das ihrer Art fremd ist. Der Begriff »artgerecht« ist nicht geschützt. Auch die Massentierhaltung wird daher frech und dreist von ihren Betreibern mit dem Attribut »artgerecht« versehen. Artgerecht sind die Massentierställe aber nicht, weil sie die Mindestanforderungen missachten, die sich an den Kriterien der Naturverbände orientieren.

Die Seite gibt Einkauftipps und mehr. Sie lohnt den Besuch.

Aufruf!

21. Oktober 2010

In wenigen Stunden läuft die Mitzeichnungsfrist der „Petition: Nukleare Ver- und Entsorgung – Einhaltung der Verträge zur Abschaltung der Atomkraftwerke bis zum Jahr 2023 vom 17.08.2010“ auf dem offiziellen Portal des Bundestages aus.

Jetzt um 21:40 Uhr fehlen aktuell nur noch 3500 Unterschriften, um die 50.000 Mitzeichner Stufe zu erreichen, bei der sich der Ausschuss des Bundestages mit der Petition auseinandersetzen wird.

Immerhin sind in den letzten drei Tagen 30.000 (!) Unterschriften hinzu gekommen. Ich hoffe , dass ich durch meinen kleinen Blog noch einige weitere beitragen kann.

Jetzt mitzeichnen!

(Foto: CC baracoder)

Cindy

21. Oktober 2010

Cindy aus Marzahn
Programm: Nicht jeder Prinz kommt uff’m Pferd!
Donnerstag, 21. Oktober 2010, 20 Uhr
Emslandhallen – Lingen (Ems)
29,00 Euro

Mais

20. Oktober 2010

Kurz vor Haselünne führt die  B 213  über die Schulmannshöhe. Rechter Hand liegt dann ein Gasthof, neben dem  jahrzehntelang auf einigen Weiden Damwild gehalten wurde. Jetzt sind  dort Maisäcker. Eine typische Entwicklung der letzten Jahre im Emsland. Mais, wohin das Auge blickt. In Weser-Ems steht inzwischen auf fast der Hälfte (!) der landwirtschaftlichen Flächen Mais. In ganz Niedersachsen mit seinen 1,9 Millionen Hektar Ackerland ist es inzwischen deutlich mehr als ein Viertel und die Maisflächen nehmen rasant zu. Dieses Jahr könnten es bereits 600.000 Hektar Maisfläche sein.  Die Anbaufläche für Getreidemais bleibt dabei nahezu konstant. Maßgeblich ist vielmehr  der Zuwachs bei Silomais, der als Futter- oder Energiepflanze genutzt wird. 

Der Grund sind die aus dem Boden gestampften Biogasanlagen. Eine 500 Kilowatt-Anlage benötigt täglich etwa 25 Tonnen Mais. Dafür bedarf es rund 250 Hektar Anbaufläche. Das Erneuerbare Energien Gesetz (EEG) fördert Biogasanlagen. In seinem ersten Paragraphen verspricht sagt es : „Zweck dieses Gesetzes ist es, insbesondere im Interesse des Klima- und Umweltschutzes eine nachhaltige Entwicklung der Energieversorgung zu ermöglichen“. Doch bleibt eben dieser positive Effekt für das Klima bei einigen Anlagen auf der Strecke. Laut einer Studie vom Johann-Heinrich-von-Thünen-Institut (vTI, Bundesforschungsinstitut) sind Biogasanlagen sogar klimaschädlich, wenn ihr Gär-Restelager nicht genügend abgedeckt ist. Aus ihm entweicht nämlich Methan, das ein weitaus stärkeres Treibhausgas ist als CO2. Von deutschlandweit 60 untersuchten Anlagen hatten 65 Prozent kein gasdicht abgedecktes Gär-Rückstandslager. Wenn wie auf der Schulmannshöhe außerdem Grünland umgebrochen wird, um darauf Mais anzubauen, wird massenweise auch CO2 freigesetzt. Pro Jahr und Hektar gelangen 10 Tonnen CO2 in die Atmosphäre. Wird aus dem so angebauten Mais dann Biogas, ist die Klimabilanz dieses Stroms kaum besser als die eines Kohlekraftwerks. Eine absurde politische Fehlsteuerung, die bei der letzten Novelle des EEG vor einem Jahr hätte beseitigt werden können. Das hat man verschlafen.

Das Thema Biogasanlagen und Mais und die damit verbundenen Probleme greift N3 heute  um 21.00 Uhr in einem Beitrag für die  Sendung „Menschen und Schlagzeilen“ auf. Schauen Sie mal rein.

(Foto: abgeernteter Maisacker © campact.de)

Ems-Mädel

19. Oktober 2010

Fast  genau zehn Jahre, nachdem Mariele Fasselt, erste Vorsitzende des Frerner Kulturkreises Impulse am 23. November 2000, nach schwerer Krankheit verstorben war, ist jetzt ihr Traum Wirklichkeit geworden: Die Räumlichkeiten der ehemaligen Molkerei in Freren sind saniert und der Öffentlichkeit vorgestellt worden.  Die „Alte Molkerei“ war allerdings inzwischen auch ohne Sanierung ein Aushängeschild für sozio-kulturelle Arbeit im sonst eher nicht „kulturlastigen“ ländlichen Emsland. Die Grundlage für all dies legte Mariele Fasselt mit ihrer visionären Überzeugungskraft, die mit kräftiger Hilfe der damaligen Lingener  Landtagsabgeordneten Elke Müller (SPD) auch recht bald die Förderung der SPD-geführten Landesregierung in Hannover fand. In Freren tat man sich damit lange deutlich schwerer. Trotz einer angekündigten Investitionsbeteiligung von über 80 % der von der damaligen Ministerin Helga Schuchardt trefflich unterstützten Landesarbeitsgemeinschaft Soziokultur in Niedersachsen e.V. (LAGS) und einer positiven Reaktion des Landkreises Emsland lehnt die Samtgemeinde Freren ihren Anteil am Ausbau der Alten Molkerei zum Kulturzentrum ab. Und dies trotz eines „umjubelten Probelaufs“, bei dem die kulturellen Ideen Fasselts und ihrer Aktiven 1993 einen Sommer lang begeisterten. Ich erinnere mich gut an die zornige Elke Müller, die damals über die „Ignoranz und Kulturlosigkeit dieser Frerener Männer“ schimpfte. Heute ist dies Geschichte. Aber weiter prägt mit der  Thuinerin Maria Kuiter eine weibliche Vorsitzende die Arbeit des Kulturkreises Impulse und seiner rund 15 ehrenamtlichen Aktivisten. Der Kulturkreis bleibt das Rückgrat des Frerener Kulturzentrums. Die Erkenntnis: Die Frauen haben hier etwas bewegt und geschaffen.

Aus großer Butterhalle, kleinen und großen Milchkontoren, Speichern, Laboren, Kühlkeller und der alten Mühle ist dank vieler Spenden und noch mehr Einsatz ein vorbildliches ländliches Kulturzentrum entstanden, in dessen Mittelpunkt eine „helle, durch eine Pfeilerreihe gegliederte Halle“ (LT) steht mit offenem Mauerwerk aus Bruchsteinen, das die Historie des Hauses widerspiegelt. Rund  50 Veranstaltungen fanden dort bislang jährlich statt. Es werden mehr werden.

Auf Vorschlag von Ruth Brüne und Annette Balzer-Brüne von der Stifterfamilie heißt der  Veranstaltungsort nach der Renovierung jetzt „Ems-Mädel-Halle“. Den Namen trugen früher die nahrhaften Produkte der Brüne’schen Molkerei. „Ems-Mädel“ ist ein richtiger Name. Denn ohne die Kraft aller „Ems-Mädel“ um Mariele Fasselt, die Dritte der Brüne-Schwestern, wäre es angesichts des Zauderns der Männer mit all dem  wohl nichts geworden.

Umso schöner  nach den Jahren des Männer-Neins ist es jedenfalls, dass bei der Einweihung der renovierten Räume der  „Alten Molkerei“ mit dem Frerener  Samtgemeindebürgermeister Godehard Ritz (CDU) jetzt doch noch ein männlicher Vertreter „geradezu eine Liebeserklärung an die Alte Molkerei abgab“, wie die lokale Presse weiß. Dies zeigt dann immerhin eine gewisse sozio-kulturelle Lernfähigkeit.

Supernova

19. Oktober 2010

Am kommenden Wochenende findet in Lingen wieder das „Supernova! Clubfestival“ statt. Es beginnt am Freitag um 20.00 Uhr im Centralkino mit „Böse Down Under“ einem Film von Roman Schaible, der die Band „Der Fall Böse“ auf einer Tournee durch Australien begleitete. Im Anschluss an den Film spielen „Der Fall Böse“ ab 22.30 Uhr im Koschniski in der Schlachterstraße.

Supernova! Clubfestival (Freitag)
Freitag
, 22.10.2010
um 20.00 Uhr „Böse Down Under“ im Centralkino
ab 22.30 UhrDer Fall Böse“ im Koschinski
Tickets (nur Freitag) 7,00 Euro (VVK)

Am Samstag 23.10. bietet das Supernova dann im Alten Schlachthof gleich auf zwei Bühnen Musik. Es spielen im großen Saal des Schlachthofes „Die Sterne„, „Gary„, „Kristof Schreuf“ und „Tusq“ , während im kleinen „Elektro-Saal“ „Supershirt„, „Captain Capa“ und (in den Umbaupausen) „DJ Joko“ zu hören sind.

Supernova! Clubfestival (Samstag)
Samstag
, 23.10.2010
Einlass ab 19.00 Uhr, Beginn 19:30 Uhr
Alter Schlachthof
Ticket (nur Samstag) 16,00 Euro (VVK)

Es gibt noch limitierte Kombitickets für beide Tage zum Preis von 20,00 Euro im Vorverkauf.

Übrigens:

Lingens Alte Schlachthof hat darauf reagiert, dass es -gar nicht oberzentral!- überhaupt keine echten Vorverkaufsstellen mehr in Lingen gibt. Er  bietet jetzt auch Tickets zum Selbstausdrucken an. Leider wohl – mangels Hardware im Centralkino und Koschinski – nur für denSupernova-Samstag, aber immerhin. Ob Emslandhallen, Theater & Co bald wohl nachziehen? Bestellen kann man jedenfalls jetzt bequem&zuhause per Kreditkarte oder Bankeinzug – lediglich einen funktionstüchtigen Drucker sollte man bereithalten.

Bahn

18. Oktober 2010

Endlich mal was Nettes von unserer Bahn. Nix mit S21 und auch nichts mit unserem schlanken Mittelbahnsteig, der keiner ist und jetzt auf städtische Kosten…. aber lassen wir das einmal beiseite. Denn ab nächsten Montag präsentiert die Bahn eine neue Discount-Aktions-Fahrkarte: das Chefticket.

Erhältlich ist das Chefticket für 25 Euro pro Strecke in der 2. Klasse nur über die speziell eingerichtete Facebook-Seite facebook.com/chefticket. Buchbar ist es -ausschließlich über die facebook-Seite- zwischen dem 25. Oktober und 7. November, der Reisezeitraum muss zwischen dem 1. November und 15. Dezember liegen. Reisen, die zwischen dem 12. und 15. Dezember liegen, sind erst ab dem 2. November buchbar.

Pro Strecke ist die Gültigkeit des Tickets auf 1 Tag begrenzt, man darf aber bis zum nächsten Morgen um 10 Uhr unterwegs sein und alle bekannten Züge der Deutschen Bahn nutzen vom ICE-Züge bis zu S- und Regional-Bahnen. Allerdings besteht Zugbindung. Man muss sich auf jeder Strecke auf einen bestimmten Zug festlegen. Umtausch und weitere Ermäßigungen sind beim Chefticket nicht möglich. Und was das Ticket sonst noch für Folgen haben kann, guckst Du hier:

EEG I

17. Oktober 2010

Nach dem Anstieg der EEG-Umlage für 2011 werden allgemein höhere Strompreise erwartet. Bei einem Stromverbrauch von durchschnittlich 3500 kw  für einen 4-Personen-Haushalt errechnen sich rund 60 Euro im Jahr.  Die vier Stromnetzbetreiber in Deutschland  –Amprion (vormals RWE Transportnetz Strom GmbH) betreibt  heute das frühere Netz der RWE und der VEW,
EnBW Transportnetze AG, umfasst das Netz der früheren Badenwerk AG und der EVS (Energie-Versorgung Schwaben AG), Transpower Stromübertragungs GmbH (vormals E.ON Netz GmbH, jetzt im Besitz der niederländischen Tennet), die das frühere Netz von PreussenElektra und der Bayernwerk AG umfasst, und 50Hertz Transmission (vormals Vattenfall Europe Transmission GmbH), die heute das frühere Netz der VEAG, der BEWAG und der HEW betreibt – haben gleich das Doppelte der für einen 4-Personen-Haushalt zu erwartenden rund 5  Euro pro Monat herum posaunt, nämlich 10 Euro – so macht man Stimmung.

Die Bundesnetzagentur (korrekt Bundesnetzagentur für Elektrizität, Gas, Telekommunikation, Post und Eisenbahnen) sieht derweil nicht einmal einen Grund, die EEG-Umlage in voller Höhe auf die Kunden abzuwälzen

Mit 3,53 Cent pro Kilowattstunde wird die EEG-Umlage für das kommende Jahr deutlich höher ausfallen als in diesem Jahr (2,047 Cent). Während dies allgemein als Zeichen für höhere Strompreise bei den Endkunden gewertet wird, sieht die Bundesnetzagentur keinen Grund dafür, dass die Stromanbieter die höhere EEG-Umlage auf die Kunden abwälzen. Matthias Kurth, der Präsident der Bundesnetzagentur, erklärte dazu, dass die wachsende Menge an Ökostrom auf dem Markt die Großhandelspreise für Strom gesenkt habe, weil teure Kraftwerke nicht mehr am Markt bestehen können. An der Strombörse sinken die Strompreise bereits seit längerer Zeit.

Laut Kurth seien die hohen Strompreise für Endkunden unter anderem dadurch begründet, dass viele Stromanbieter mit langfristigen Kontingentkäufen von 2008 die damaligen hohen Beschaffungskosten weitergeben mussten. Diese Preisspitzen seien für 2011 aber nicht mehr maßgeblich, so der Chef der Bundesnetzagentur. Dementsprechend könnten viele Stromanbieter den Beschaffungskostenanteil für Stromkunden reduzieren, weswegen die Erhöhung der EEG-Umlage nicht zwangsläufig zu einer höheren Stromrechnung führen müsse. Kurth rief daher die Verbraucher ausdrücklich dazu auf, die Strompreise zu vergleichen und gegebenenfalls zu einem günstigeren Stromanbieter zu wechseln.

Also: Wie viel ist Ihnen als Verbraucher die Stromerzeugung aus erneuerbaren Energien wert?

(Foto: gruene_sachsen, cc flickr)

Zusammenhalten

16. Oktober 2010

“ Ich appelliere an alle, die in unserem Land Verantwortung tragen, in der Integrationsdebatte zu mehr Sachlichkeit zurückzukehren. Es steht doch außer Frage, dass in Deutschland lebende Migrantinnen und Migranten die deutsche Sprache lernen und sich an unser Grundgesetz halten müssen. Dafür bedarf es nicht der Notwendigkeit, verbal immer stärker aufzurüsten. Wir müssen uns der Sache widmen: Ausreichend Angebote für Integrationskurse schaffen, effektive Sprachförderung anbieten und konsequente Veränderungen im Bildungssystem einleiten, wie wir es in Berlin längst gemacht haben.

Um sachliche Politik geht es den Akteuren aber leider nicht: Alle Beteiligten wissen ganz genau, was sie tun. Sie wissen, dass gerade in der Integrationsdebatte der Ton die Musik macht. Ich warne daher davor, das gesellschaftliche Klima in unserem Land weiter zu vergiften und Alltagsdiskriminierung zu fördern. Es ist ein Spiel mit dem Feuer.

Die Motivlage ist dabei leider klar und leicht zu durchschauen: Angesichts immer weiter sinkender Umfragewerte und eines drohenden Machtverlusts in Baden-Württemberg widmet sich die Union mal wieder ihrem polarisierenden Lieblingsthema. Ein beliebtes Mittel der Konservativen, um von eigenen Schwächen abzulenken. Wir kennen das nicht zuletzt von Roland Koch. Ich rate Frau Merkel, Herrn Seehofer und auch Herrn Mappus: Machen Sie einfach Ihre Arbeit gut und verantwortungsvoll. In Stuttgart und im Bund in Berlin. Dann bedarf es keiner Polarisierung der Gesellschaft zur Wählermobilisierung.

Aber anstatt verantwortungsvolle Politik zu machen, spaltet Schwarz-Gelb die Gesellschaft immer weiter und spielt verschiedene Bevölkerungsgruppe perfide gegeneinander aus: Schwarz-Gelb spielt mit Ängsten, belastet einseitig alle Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer, stellt gesetzlich Versicherte gegen privat Versicherte, Mieter gegen Vermieter, Geringverdiener gegen Arbeitslose, Nichtmuslime gegen Muslime, Deutsche gegen Migranten und verschärft gesellschaftliche Konflikte wie bei Stuttgart 21 oder durch die Aufkündigung des Atomkompromisses.

Es ist beschämend, den führenden Köpfen der Union und damit auch elementaren Teilen der amtierenden Bundesregierung eine Selbstverständlichkeit zurufen zu müssen: Frau Merkel, Herr Seehofer: Sie tragen Verantwortung für das gesamte Deutschland. Sie sind gewählt, um unsere Gesellschaft zusammenzuhalten. Vergessen Sie das nicht!“

Klaus Wowereit, 16.10.2010

 

(Foto: Oliver Wolters, Creative Commons)