Hello again

25. Oktober 2010

Na, Freunde? Alle wieder da?

🙂

Frage

25. Oktober 2010

Nur mal so eine Frage: Was würden Sie tun, trügen Sie in der Verwaltung eines raumordnerischen Mittelzentrums mit oberzentralen Teilfunktionen entscheidend kommunale Verantwortung und hätten politisch leider so richtig überzogen? Also, sagen wir mal, Sie hätten einige Hektar richtig guten Erholungswald für eine mögliche Industrieansiedlung nicht nur in einem Bebauungsplan geopfert sondern tatsächlich abgeholzt und gerodet? Hunderte betroffene Bürgerinnen und Bürger wären deshalb stocksauer und dann hätte sich auch noch das Industrieunternehmen zurückgezogen, für das Sie all dies gemacht hätten.

Denken Sie sich hinzu, dass gerade eine OB-Wahl und auf Sicht Kommunalwahlen anstünden und, weil es nicht der einzige Fehlgriff in letzter Zeit gewesen und auch sonst die politische Großwetterlage mies wäre, stünde der Verlust der traditionellen Mehrheit im Rat an. Nun, dächten Sie sich, die OB-Wahl würde man vielleicht gerade noch gewinnen, aber was dann ?

Unverhofft würde sich dann eine ausländische Firma melden, die Schwierigkeiten hätte, einen bestehenden Mietvertrag ihrer Lingener Niederlassung zu angemessenen Bedingungen zu verlängern. Sie würde bei Ihnen anfragen, ob Sie ihr für die Dutzenden von Mitarbeitern nicht ein neues Firmengelände vermitteln?

Meinen Sie nicht auch, dass dafür dann die gerodete Waldfläche  eine grandiose Alternative sein würde? Natürlich bräuchte das Unternehmen nicht zehn, zwanzig oder dreißig Hektar, sondern nur ein bisschen, sagen wir einmal 1,0 ha, allenfalls 1,2 ha. Aber eine solche Ansiedlung würde natürlich die Befreiung von allen kritischen Nachfragen  sein und Sie als Verantwortlicher würden auch nicht vermitteln müssen, ob es vielleicht doch noch eine Einigung über die Fortsetzung des alten Mietvertrages gibt und man könnte auch andere Lösungen beiseite lassen. Danach würde niemand fragen und wenn, würden Sie dann nicht sagen: „Geht nicht, weil das Unternehmen nur hier…?“

Man würde einfach schnell den einen benötigten Hektar gerodete Fläche verkaufen und nach der notwendigen, teueren Abwasserleitung würde schon gar keiner mehr fragen, weil alle bestimmt Angst hätten, dass die Nachbargemeinde mal wieder zum Zuge käme und die Arbeitsplätze dort… Sie wissen schon. Der eigene OB-Kandidat, würde er denn gewählt, könnte in ein paar Monaten rechtzeitig vor der Kommunalwahl die Grundsteinlegung, das Richtfest und noch die Eröffnung feiern und bis dahin vielfach warnend den Finger heben und mahnen, dass Wälder keine Arbeitsplätze sind und unterstreichen, wie wichtig und richtig es war, abzuholzen und zu roden.

Das wäre dann doch die Lösung –oder?  Wie würden Sie es konkret machen? Würden Sie nicht zunächst mit dem interessierten Konzern verhandeln und ihm dabei allerlei anbieten, was ihn freudig stimmen würde? Gleichzeitig würden Sie sicherlich die Großkopfeten der Noch-Ratsmehrheit einbinden, danach den betroffenen Ortsrat und den zuständigen Ausschuss informieren – eben nur so weit, wie es notwendig sein würde, Mitwisser zu haben. Unter Verschiedenes oder Bericht der Verwaltung beispielsweise. Niemand würde wahrscheinlich ernsthaft nachfragen, wenn man Glück hätte, nicht einmal die Fraktionsvorsitzende der Grünen, obwohl sie im Wirtschaftsausschuss dabei gewesen sein würde. Dann würden Sie zügig weiterverhandeln und dem ansiedlungswilligen Unternehmen so viel anbieten, dass es bescheuert sein würde, Nein zu sagen, und dann würden Sie das Unternehmergeschenk kurz nach der OB-Wahl, die man ja auf den letzten Drücker doch noch gewonnen haben würde, auf den Tisch legen und ganz offiziell von der erleichterten Noch-Ratsmehrheit absegnen lassen. Würde dann ein kritischer Geist nachfragen, würden Sie doch bestimmt locker  auf die früheren Beratungen im Ortsrat und im Wirtschaftsausschuss verweisen und würden sagen: „Das haben wir doch schon gesagt und da hat ja niemand von Ihnen widersprochen!“ und so alles würde seinen Gang gehen. Und der Wald und diese  Öko-Kritiker würden auf diese Weise elegant und dauerhaft  vergessen.

Schwieriger würde es allerdings werden können, wenn nicht der eigene OB-Kandidat sondern unverhofft sein oppositioneller Gegner die OB-Wahl gewönne, weil er längst versprochen hatte, den abgeholzten und gerodeten Wald wieder aufzuforsten. Aber dann würde man ihm eben alles verwaltungsintern nur so darstellen müssen, dass es keine Alternative gibt. Ob der Neue dann das Ganze wohl als Ihren taktischen Trick durchschauen, Flagge zeigen und Alternativen durchsetzen wird?

Also nur mal so die Frage: Wie würden Sie  …?