Mais

20. Oktober 2010

Kurz vor Haselünne führt die  B 213  über die Schulmannshöhe. Rechter Hand liegt dann ein Gasthof, neben dem  jahrzehntelang auf einigen Weiden Damwild gehalten wurde. Jetzt sind  dort Maisäcker. Eine typische Entwicklung der letzten Jahre im Emsland. Mais, wohin das Auge blickt. In Weser-Ems steht inzwischen auf fast der Hälfte (!) der landwirtschaftlichen Flächen Mais. In ganz Niedersachsen mit seinen 1,9 Millionen Hektar Ackerland ist es inzwischen deutlich mehr als ein Viertel und die Maisflächen nehmen rasant zu. Dieses Jahr könnten es bereits 600.000 Hektar Maisfläche sein.  Die Anbaufläche für Getreidemais bleibt dabei nahezu konstant. Maßgeblich ist vielmehr  der Zuwachs bei Silomais, der als Futter- oder Energiepflanze genutzt wird. 

Der Grund sind die aus dem Boden gestampften Biogasanlagen. Eine 500 Kilowatt-Anlage benötigt täglich etwa 25 Tonnen Mais. Dafür bedarf es rund 250 Hektar Anbaufläche. Das Erneuerbare Energien Gesetz (EEG) fördert Biogasanlagen. In seinem ersten Paragraphen verspricht sagt es : „Zweck dieses Gesetzes ist es, insbesondere im Interesse des Klima- und Umweltschutzes eine nachhaltige Entwicklung der Energieversorgung zu ermöglichen“. Doch bleibt eben dieser positive Effekt für das Klima bei einigen Anlagen auf der Strecke. Laut einer Studie vom Johann-Heinrich-von-Thünen-Institut (vTI, Bundesforschungsinstitut) sind Biogasanlagen sogar klimaschädlich, wenn ihr Gär-Restelager nicht genügend abgedeckt ist. Aus ihm entweicht nämlich Methan, das ein weitaus stärkeres Treibhausgas ist als CO2. Von deutschlandweit 60 untersuchten Anlagen hatten 65 Prozent kein gasdicht abgedecktes Gär-Rückstandslager. Wenn wie auf der Schulmannshöhe außerdem Grünland umgebrochen wird, um darauf Mais anzubauen, wird massenweise auch CO2 freigesetzt. Pro Jahr und Hektar gelangen 10 Tonnen CO2 in die Atmosphäre. Wird aus dem so angebauten Mais dann Biogas, ist die Klimabilanz dieses Stroms kaum besser als die eines Kohlekraftwerks. Eine absurde politische Fehlsteuerung, die bei der letzten Novelle des EEG vor einem Jahr hätte beseitigt werden können. Das hat man verschlafen.

Das Thema Biogasanlagen und Mais und die damit verbundenen Probleme greift N3 heute  um 21.00 Uhr in einem Beitrag für die  Sendung „Menschen und Schlagzeilen“ auf. Schauen Sie mal rein.

(Foto: abgeernteter Maisacker © campact.de)

15 Antworten to “Mais”

  1. Gutgläubiger said

    Dazu letztens im Fernsehen:

    http://www.swr.de/report/-/id=233454/nid=233454/did=6852548/17zgk1k/index.html

    Und dazu:

    http://www.openpr.de/news/412041/GOeTTINGER-ERKLAeRUNG.html

    Wer schützt eigentlich uns und unsere Nahrungsmittel vor der Gülle aus Biogasanlagen?

  2. […] This post was mentioned on Twitter by testi testo, Robert Koop. Robert Koop said: und der #TVTipp #Biogas und #Mais in #N3: http://wp.me/p2aew-1GC […]

  3. Joachim said

    Auch wenn es jetzt nichts mit dem wachsenden Problem der Biogasanlageneuphorie zu tun hat, an der „heatball“ – Idee kann man ermessen, wohin uns die Klimaregulierungsbürokratie führt. Siehe dazu den angehängten Link. http://www.elektor.de/elektronik-news/heatball-der-grose-durchbruch.1547462.lynkx

  4. geknipselt said

    Danke für den Tipp, hier betrifft es uns auch.
    Wir sind auf dem gaaanz platten land hier….rund ums Haus nur Felder und sie bauen jetzt hier eine Biogasanlage. Die meisten Anwohner hier, sorgen sich eher um den Lärm, den die Traktoren verursachen…räusper….
    Das ist ja wohl das kleinere Übel.-
    LG Tina

  5. Mike Mächtig said

    Solange Intensivtierhaltung weiterhin sich ungehemmt entwickeln kann, solange wird auch der Bedarf an Biogasanlagen wachsen. Der selbstgenutzte Wärmebonus ist wie eine Gelddruckmaschine. Hier muss steuernd eingegriffen werden.
    Da demnächst Schlachtabfäle und dergleichen den Mais zumindest teilweise ablösen, ist für die gleiche Anbaufläche eine erhebliche größere Dichte an Biogasanlagen möglich. Also noch mehr Ställe, noch mehr Biogasanlagen, noch mehr Mais. Und das für GmbH und Co.KG. Nicht für die bäuerliche Landwirtschaft.

  6. Dieter Herrmann said

    Das sind halt die Geister, die man rief, regenerative Energieträger haben halt ihren Preis!

    • lingentheo said

      HEUTE * MONITOR * ARD 21.45 UHR

      „DIE LÜGE VOM TEUREN ÖKOSTROM“

      http://www.wdr.de/tv/monitor/index.php5

      • ottoh said

        Was Monitor da so an „Wahrheiten“ verbreitet, darf man auch nicht alles glauben. Da behaupten die doch, dass bei Sonnenschein die deutschen Solardächer schon den Strom von 8 Kernkraftwerken ersetzen. So dreist lügen nicht einmal deren Hersteller.

        Der Anteil von Solarstrom am insgesamt in D produzierten Ökostrom ist in der zum irreführenden Kommentar gezeigten Grafik sogar richtig dargestellt worden. In der Tat ist inzwischen der Ökostrom eine echte Konkurrenz zu Kohle und Kernkraft geworden. Nicht wegen der niedrigen Preise dieses Stroms, sondern wegen der großen Mengen, die RWE und Co. abnehmen MÜSSEN, ob sie wollen oder nicht, ob der Strom gebraucht wird oder auch nicht.

        Ökostrom ist faktisch Monopolstrom. Unabhängig von der angebotenen Menge bleibt der Preis dieses Stroms immer gleich hoch und um ein vielfaches teurer als konventioneller Strom. Und die Erzeuger haben dabei eine gesetzliche Abnahmegarantie. Das sollte auch einmal erwähnt werden.

        Trotz des hohen Preises von Ökostrom wird tatsächlich der „böse“ Strom billiger, denn diese Menge muss komplett und immer über die Börse verkauft werden. Der Ökostrom aber eben nicht. Bei guten Ökostrom Wetterlagen entsteht wegen der Abnahmepflicht für Öko nämlich ein sehr hohes Überangebot an konventionellem Strom, das dann nur als Sonderangebot verkauft werden kann. Und das drückt tatsächlich die Preise.

        Den Zuschauern am Fernsehgerät wird ohne zu lügen tatsächlich eine Situation dargestellt, die der Realität nicht im Geringsten entspricht. Laut Monitor kann Solarstrom (zumindest vom im Off gesprochenen Kommentartor behauptet) schon 8 Kernkraftwerke ersetzen. Falsch.

        Die ges. Ökostromproduktion KÖNNTE bis zu 8 Kernkraftwerke ersetzen, wenn wir mal in ganz Deutschland eine Wetterlage HÄTTEN, dass alle gleichzeitig optimal Strom erzeugen könnten. Ob da nun die Solarstromer dabei sind oder nicht, macht an der Gesamtmenge des regenerativ erzeugten Stroms nur einen äußerst geringen Anteil aus (was in der gezeigten Grafik am andersfarbigen oberen Rand der Kurve auch richtig dargestellt wurde), verursacht inzwischen jedoch den Löwenanteil der EEG Umlagen.

        Fakt ist leider auch, dass die gesamte in D produzierte regenerative Energie bislang noch nicht einmal dazu ausreicht, dauerhaft auch nur ein einziges Kernkraftwerk stillzulegen. Denn leider weht der Wind nicht immer genau dann stark, oder die Sonne scheint besonders lange, wenn gerade viel Strom gebraucht wird. Wir schimpfen zwar inzwischen mehrheitlich über Kohle und Kernkraft, doch wenn es ernst wird, will keiner seinen Braten nur dann in den Backofen schieben bzw. seinen Fernseher oder PC einschalten können, wenn an der Nordsee gerade kräftiger Wind weht. Das wäre aber ohne konventionellen Strom leider der Fall. Und südlich des Weißwurstäquators würde man wohl nur noch als Spitzenverdiener seinen Strom kaufen können, denn die Stromleitungen für den zusätzlichen Ökostrom will ja auch niemand haben. Konsequent, wie wir Deutschen nun mal in Sachen Umwelt sind, werden wir dann wohl schon bald den Ökostrom zur Erzeugung von Blitzen nutzen. Zum Beispiel statt Feuerwerk… Ohne Stromleitungen wird uns da nicht viel übrig bleiben.

        Bei diesen tollen Aussichten ist doch am Ende die eigenen Biogasanlage tatsächlich irgendwann der Weisheit letzter Schluss. Statt Garage und Terrasse eine kleine Biogasanlage. Unser Garten liefert alles, was wir für den gemütlichen Fernsehabend brauchen. Weg mit dem Kirschbaum, platz für den Mais! Mais statt ökologisch minderwertigem Rasen, Mais statt Rosen. Rein damit in den Fermenter, Gashahn auf und Gasmotor angeschmissen, schon flimmert die Kiste. Wenn wir einen Strom sparenden LED Fernseher betreiben, bleibt sogar noch ein wenig Gas zum Kochen übrig. Nur ans Müffeln müssen wir uns halt gewöhnen.

        Mache mir also niemand diese hübschen Biogasanlagen madig. Diese dunkelgrünen, geblähten Zipfelmützen in der Landschaft sind doch hübsch anzusehen. Und auch der Mais ist doch eigentlich toll. So weit das Auge reicht ein ruhiges Graugrün, ein sanftes Wogen der wertvollen Pflanzen im Winde. Kein Hindernis weit und breit versperrt den Blick in die Ferne. (Zumindest wenn man über 1,80 groß ist und über den Mais hinausragt.) Ja und nicht zu vergessen, schon lange bevor man angekommen ist, erkennt man den geliebten, ganz individuellen Duft seiner kleinen Biogasanlage, weiß man, dass man bald zuhause ist.

        • Was Monitor da so an „Wahrheiten“ verbreitet, darf man auch nicht alles glauben. Da behaupten die doch, dass bei Sonnenschein die deutschen Solardächer schon den Strom von 8 Kernkraftwerken ersetzen. So dreist lügen nicht einmal deren Hersteller.

          Falsch! Erstens ist das Zitat unvollständig. Zweitens beträgt die Nennleistung der Photovoltaik in Deutschland zurzeit >10 MWp. Monitor berichtet (hier das Sendemanuskript) von einer Stromspitze, die am sonnigen 23. September 2010 erzeugt wurde und der Menge von 8 Atomkraftwerken entspricht. Guckst Du hier (2:40 min)! Was ist daran falsch? Ich verrate die Antwort: Nix!

          Also, lieber ottoh, sollte man sich nicht so blauäugig in Lobbyarbeit einbinden lassen…

          • kib said

            Zum Thema Lobbyarbeit gibt es übrigens bereits auch im STERN Nr. 39 vom 23.09.2010 einen lesenswerten Leitartikel: Die Atom-Lüge (So führen uns Regierung und Stromkonzerne hinters Licht). Der Artikel ist leider noch nicht online freigegeben. Wie heftigst im Zusammenhang mit energiepolitischen Tatsachen gelogen wird, kann ein halbwegs aufrichtiger Mensch kaum ermessen.
            Aber, machen wir uns mal nichts vor: Die Regierung Schröder hat in 1999 kalkulierte, dass im Jahre 2010 bereits 12,5 % unseres Stroms aus erneuerbaren Quellen erzeugt werden soll. Wir liegen aktuell 40% darüber.
            Das ist doch mal eine wirklich konservative Kalkulation, wie schön, wäre das bei den Baukosten für Stuttgart 21 annähernd so (aber das ist es völlig anderes Thema).
            Das grüne Energie nicht ganz so blöd ist, zeigt uns, der Chef des Windkraft-Unternehmens Enercon, Aloys Wobben, derzeit reichster Niedersachse und zudem gebürtiger Emsländer (RK kennt ihn vermutlich). Herr Wobben war übrigens derjenige, der glasklar gesagt hat: Kommt ein Kohlekraftwerk nach Dörpen, produziere ich nicht in Haren. Schön, dass er dies nun doch realisiert (bzw. realisieren kann).neue Arbeitsplätze im nördlichen Emsland. Das ist wahrlich eine Hausnummer, und ich freu mich schon auf den Aufmarsch des Landkreises bzw. die Presse anlässlich der Einweihung der Produktionsstätte. https://www.noz.de/lokales/47965910/enercon-baut-neues-rotoren-werk-in-haren Vermutlich schleicht dort die Garde an, die just einer Laufzeitverlängerung zugestimmt hat (ob aktiv oder passiv)

            Was mich im Zusammenhang mit der Diskussion von alternativen (vernünftigen) Energien sehr verwundert ist, dass sich niemand über die sonstigen skurrilen Subventionen echauffiert.
            Weder über bisherige (u.a. „Kohlepfennig“-> niedliche Formulierung, das waren Milliarden) noch über aktuelle („Hotelfrühstück“- Dank Dir Guido)
            Es gäbe dann z.B. noch den „Haustrunk“ (Schnaps/Bier frei) für Mitarbeiter in Brenner- oder Brauereien, den halbierten , die eine „Kiste“ im Monat frei haben, MWST-Satz auf Tiernahrung (warum eigentlich) und …

  7. Hermann said

    Mich würde mal interessieren, wieviel Energie für die Bestellung der Äcker, Ernte, Transport und Entsorgung bei Biogasanlagen entsteht.
    Im Oktober sieht man überall nur Trecker mit Maisanhänger. Der Verbrauch der Erntemaschinen würde mich auch mal interessieren

    • ulrike said

      Richtig,die Geamtbilanz müsste berechnet werden. Aber bei jeder Energierzeugung. Obwohl die Grünen vor Jahren den Reklamespruch formulierten: die Sonne ist umsonst! Das mag wohl! Die Nutzung derselben aber nicht. Was die oben angesprochene Ästhetik angeht: die Verspargelung der Landschaft durch Windräder übertrifft noch den harmonischen Eindruck der zipfelmützigen Biogasanlagen. Man sieht erstere eher am Horizont.

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