S21

11. Oktober 2010

Schon wieder sind die Emsländer für überraschende Erkenntnisse gut. Im EL-Kurier-„Voting der Woche“ sind  (gegenwärtig) drei Viertel von ihnen Anhänger des Bahnprojekts Stuttgart21. Schon unlängst, bei der Abstimmung über das geplante Atommülllager Gorleben sah es ähnlich aus. Da will ich gern helfen, eine kleine Bildungslücke zu schließen.

„Stuttgart 21 ist mehr als ein Bahnhof. Die baden-württembergische CDU und sogar Bundeskanzlerin Merkel haben bereits ihr Schicksal an das umstrittene Infrastrukturprojekt gekoppelt. Ob dies eine weise Entscheidung war, darf bezweifelt werden, da nahezu alle Sachargumente gegen den unterirdischen Bahnhofsneubau sprechen….“

weiter auf der Seite von Jens Berger:  SPIEGELFECHTER.de

28 Antworten to “S21”

  1. Frank O. said

    1. Herr Koop über den Sinn und die Wertlosigkeit solcher Umfragen (gerade auch im EL-Kurier) haben wir hier doch neulich erst ausführlich diskutiert.
    Das wird jetzt etwas langweilig wenn diese öfter kommen.

    2. Geht es bei Stuttgart 21 schon lange nicht mehr nur um einen Bahnhof oder um die Politiker.
    Hier geht es um die DB überhaupt.
    Die DB zieht Gelder aus den deutschen Bahnverkehr und investiert weltweit aber nicht ins deutsche Streckennetz. So hat die DB in über 130 Ländern Firmen gegründet oder gekauft und das alles von den Geldern deutscher Steuerzahler und Kunden.
    Während hier in überfüllten Zügen die Klimaanlagen versagen und defekte Loks auf den Gleisen stehen bleiben, investiert die DB fleißig weiter in die Mienenlogistik in Australien. Es wurden bereits mehrere 100 Milliarden in ausländisvhe Firmen investiert die überwiegend rote Zahlen schreiben und wohl nie Gewinn erwirtschaften werden. Da ist Stuttgart 21 doch nun wirklich nur ein Sandkorn in der Wüste.
    Die DB gehört dem deutschen Steuerzahler und der sollte ein Recht darauf haben, dass deutsche Züge auch rollen. Und das nach Fahrplan und ohne unnötige Defekte! Dem interssiert keine Mienenlogistik in Australien!
    Eine sehr schöne Reportage dazu sehen sie hier http://www.ndr.de/flash/mediathek/index.html wenn sie in der Suche „Das Bahn-Fiasko“ eingeben.
    Die Reportage ist erschütternd und unglaublich zugleich. Es wird wirklich Zeit das mehr Bürger auf die Straßen gehen und mit solchen idiotopischen Missständen aufräumen.

  2. Frank said

    Mal sehen, was meine Stuttgarter Freunde von der Umfrage halten…

  3. Frank said

    Unglaublich, wie die Zeitung manipuliert/manipuliert wird. Da werden die Ja-Stimmen im Voting innerhalb von ein paar Minuten ca. 23.00 Uhr – 23.04 Uhr von ca. 64 % Ja auf 74 % hoch. Und das um 23.00 Uhr!
    Wer manipuliert so die Abstimmungen? Warum macht der EL-Kurier nichts dagegen? Man müsste doch nachverfolgen können, wer die Abstimmungen so manipuliert. Seriös geht anders!!!

    Traurig aber wahr.

  4. Wahlversemmler said

    Es stellt sich die Frage, ob ein Schlichter wie Heiner Geißler in diesem Fall überhaupt vermitteln kann. Der Verlauf der Gespräche dürfte überaus interessant werden. Es hat so gar nichts mit den Tarifverhandlungen zu tun, sind doch jetzt viel mehr Lobbyisten im Spiel und eine Win-Win-Situation wird es auch nicht geben. Eine gut vorbereitete Bürgerbefragung, weit vor Beginn der ersten Bauarbeiten, hätte sofort Klarheit gegeben. Die Politik muss einsehen, dass die „frühzeitige Öffentlichkeitsbeteiligung“ allein nicht reicht.

    • Bernd Koop said

      Es gibt in diesem Fall doch auch nur bedingt zwei Seiten. Denn die S21 Gegner teilen sich doch in viele, viele Splittergruppen. Und wenn jetzt zB statt 300 Bäumen „nur noch“ 25 gefällt werden, ist das für die Gruppe, die befürchtet es könnten mehr als doppelt so viele (Steuerzahler-)Milliarden als veranschlagt ausgegeben werden, noch lange kein Grund den Widerstand aufzugeben.

      Sollten auch nur Bruchteile der Fakten bei Spiegelfechter (Link im Beitrag) zutreffen, sind die Kalkulationen bis über beide Ohren schöngerechnet. Und damit scheint S21 nicht finanzierbar. Vermittlungsarbeit ist demnach eher zwischen Bauherren und den eigenen Gutachten zu betreiben.

      • Frank O. said

        Das ist so nicht ganz richtig.
        Da der Grundwasserspiegel dort abgesenkt wird, werden vielleicht weniger Bäume gefällt aber absterben werden sie im großen Umkreis.

        • Michael Ryba said

          Es werden insgesamt 282 Bäume gefällt, viele davon mehrere hundert Jahre alt. Bisher wurden 25 Bäume gefällt um Platz für das Gebäude zur Grundwasserregulierung zu schaffen. Die restlichen werden zu einem späteren Zeitpunkt – vorausgesetzt die Planung wird nicht verändert – ebenfalls gefällt werden.

          • Bernd Koop said

            Also damit eine Gruppe der S21-Gegner, die sich nicht vom Projekt überzeugen lassen wird, selbst falls man zB den bisherigen Kostenrahmen einhalten könnte.

      • ulrike said

        Audiatur et altera pars:
        Leserbriefe aus der Stuttgarter Zeitung:
        „Zahlen auf den Tisch
        Endlich werden die Gegner gezwungen (sofern sie nicht wieder mit vorgeschobenen Einwänden die Gespräche ablehnen) ihre „Fakten“ und Zahlen vorzustellen. Etwas Besseres kann gar nicht passieren. Denn es wird spätestens jetzt für viele klar, auf welchen Luftblasen, unprofessionellen Behauptungen und unbelegbaren Geschichten ihr ganzer Widerstand basiert. Selbst mit dem am meistversprechenden K21 werden sie gewaltig auf die Schnauze fallen, denn a) diese Variante wurde auch gründlich geprüft und sehr bald wegen technischen Unzulänglichkeiten und magels an Kosteneinsparungen verworfen und b) K21 ist unökologischer als man es sich überhaupt vorstellen kann. Es wird sich herausstellen, dass K21 nur ein von technischen Dilettanten benutztes Alibiargument ist, mit dem Ziel, darüber hinwegzutäuschen, dass es den meisten Gegnern gar nicht um S21 geht. Sondern nur um die Wahlkampagne der Grünen, die es verstanden haben, mit ihren wohlbekannten Mitteln bei den Massen den Vernufts-Kurzschluss auszulösen . Sollte ihnen ihr Endziel gelingen (Landtagswahlen gewinnen), ist das böse Erwachen aller, die heute den Grünen Brandstiftern so nachgeeifert haben, vorprogrammiert. Wirtschaftsstandort und Musterländle ADE !

        Andrea Kühne,
        12.10.2010
        K 21 Tunnelbau & Baumfällaktion
        Für K21 gibt es keine Zahlen und Fakten. Nur wilde Spekulationen. Bei K21 sind sich die verschiedenen Interessengruppen ja schon sehr uneins, was wie auszusehen hat.

        Interessant übrigens:
        Gegen S21 führt man die Angst um das Grundwasser und die Bäume an. Bei K21 wird vorgeschlagen, ein Tunnel unter dem Rosensteinpark zu bauen….
        …Für den Tunnelbau müssten im Park ebenfalls Bäume gefällt werden: Tunnelzugang, Baustrecken, Sicherheitsschächte usw. Und das Grundwasserrisiko besteht auch…

        Schon merkwürdig, da führt man Gründe gegen S21 an, und verweist auf K21 als Alternative. Doch die Alternative bringt die gleichen Probleme mit.

        Liebe S21 Gegern: Schaut euch bitte die Gegenvorschläge genau an: Auch hier müssen viele Bäume gefällt werden. Ausserhalb Stgt sogar wesentlich mehr. Und auch hier gibt es ein Risiko für das Grundwasser.
        Die Parkschützer schlagen als Alternative ein Konzept mit den gleichen Problemen vor
        Hinzu kommt: In der Vergangenheit wurden gegen das alternative NBS Projekt schon über 170`000 Unterschriften gesammelt. Die Alternative welche viele S21 Gegner vorschlagen wird per Unterschrift von mehr als doppelt so vielen abgelehnt als S21.

        • Hendrik said

          @ Ulrike
          haben Sie die Hauptaussage dieses Blog-Eintrages von Herrn Koop überhaupt gelesen? Also den Artikel bei Spiegelfechter.com?

          Sie sagen, „Doch die Alternative bringt die gleichen Probleme mit.“, ich frage mich, wie Sie gedenken die Hinweise auf die Unzulänglichkeiten des S21 Projektes zu widerlegen oder auch nur teilweise zu entkräften.

          Mit einem Weiteren „wenn alle von der Brücke springen Bäume fällen, dann darf man das auch!“ wird es wohl nicht gelingen, klappt es doch jetzt schon nicht wirklich.

          Das Projekt S21 hat mehr Nach- als Vorteile. Es sollte also nicht durchgeführt werden. Die Finanzierung ist mehr als auf nur auf einem wackeligen Fundament kalkuliert, es hört sich eher nach BWLer-Wackelpudding an. Es bahnt sich das an, was hinterher stets empört: Wie konnte man nur anfangen, wo die Zusatzkosten doch absehbar waren. Ich, und viele fragen also: Warum dann anfangen?

          Wie die Kosten/Nutzen-Rechnung für das Projekt Kopfbahnhof21 aussieht mag ich nicht zu bewerten. Klar ist aber, dass S21 eben nicht alternativlos ist. Noch nicht. Kämpfen wir darum und unterstützen wir die die es auch tun dabei, dass es so bleibt!

          • ulrike said

            Ja,habe ich .Der autor ist schon berühmt für seine Darlegungen und erzeugt den Eindruck,zumindest fünf naturwissenschaftliche Studiengänge mit Promotion abgeschlossen zu haben.

          • Hendrik said

            Ich sehe Jens Berger in erster Linie als unabhängigen Journalisten. Seine Quellen und Aussagen ergeben Sinn und decken Defizite auf.

            Aber zurück, warum sind Sie den für den Ausbau von S21? Aus polit-taktischen Gründen oder doch weil die Argumente überzeugten? Ich frage vor allem deswegen, weil ich selbst erst in den letzten Wochen vom „was stellt ihr euch den so an, ist doch ok was da geplant wird“ zum Gegner des Projektes wurde.

    • ulrike said

      Im Stadtgebiet von Stuttgart stehen ( nur auf städt. Boden) ungefähr 30 000 Bäume.Das nur als Info,um mal nachzudenken. Jedes Jahr werden über 800 davon gefällt,teils wegen Baumassnahmen,teils um den Bestand zu verjüngen. Dazu kommmen noch die Bäume,die Privatleute auf ihren Grundstücken umlegen.

      • Hendrik said

        Wie viele der Bäume sind 200 Jahre und älter? Würde mich interessieren, nur als Info, um mal nachzudenken.

        • Michael Ryba said

          Der mittlere Teil des Stuttgarter Schloßgartens in dem sich die Bäume befinden, wurde um 1810 angelegt. Ein Großteil der Bäume dürfte aus dieser Zeit stammen, einige sind sicherlich älter.

          Den Stuttgartern waren diese Bäume übrigens schon immer wertvoll. Nach dem 2. Weltkrieg wurde – obwohl Brennholz knapp war – bewusst auf ein Fällen der Bäume verzichtet.

    • ulrike said

      Klarer Fall einer vom Saulus zum Paulus Mutation, und das in heutiger Zeit.Toll, Hendrik.Geht das aufs Konto dieses Herrn Berger?Dem ist ja alles zuzutrauen.

      • Hendrik said

        Gehen Sie doch einfach auf die Fragen ein. Es wirkt eher lächerlich, wie Sie andere diffamieren ohne wirklich Stellung zu beziehen.

        Warum erachten Sie Stuttgart 21 für sinnvoll?

  5. Jutta said

    noch ein Leserbrief zu vorurteilsfreien Meinungsbildung aus der Stuttgarter Zeitung

    „K21 wirklich eine Alternative???
    Liebe Gegner von S21!
    Ich bin ein klarer Befürworter von S21. Und das, obwohl ich kein Bauunternehmer bin! Ich bin auch kein Immobilien-Projektentwickler und kein Lohnschreiber von irgendjemand. Ebenso bin ich kein Mitglied irgendeiner Partei. Und ich zahle Einkommensteuer. Und das sicher mehr als die meisten der Demonstranten gegen S21.

    Ich bin stolzer Baden-Württemberger! Der Wohlstand unseres Bundeslandes beruht auf Innovation und Tradition! Wohlstand ist keine Selbstverständlichkeit, sondern muß erarbeitet werden. Dazu gehört auch Aufgeschlossenheit für den Fortschritt und eine gute Infrastruktur! Münchner Flughafen und Startbahn West in Frankfurt wurden damals erbittert bekämpft von „Gegnern“. Sie wurden trotzdem gebaut. Niemand kann sich unser Land ohne diese Infrastruktur-Kapazitäten mehr vorstellen, wo Mobilität für unsere Gesellschaft immer wichtiger wird. Schauen Sie doch mal, wie selbst untere Einkommenschichten heute durch Deutschland und die Welt reisen dank Bahn-Sonderangeboten und Billig-Flieger! Ich will daß B-W fortschrittlich bleibt und weiterhin eine moderne Infrastruktur hat. Und sollte S21 tatsächlich ein Prestige-Objekt sein, so wäre ich auch stolz darauf. Die meisten Bundesländer haben modernere Bahnhöfe und mehr Autobahnen.

    Liebe Gegner…Sie wollen Stuttgart 21 mit allen Mitteln bekämpfen! Woher kommt die Überzeugung, daß die Planer der Bahn dümmer sind, als Ihre Experten. Herr Grube baut ja nicht für sich! Er ist angestellter Manager und tut das, was für die Bahn gut und richtig ist aus seiner Überzeugung! Zumal S21 ja nicht von Herrn Grube initiert wurde. Beschlüsse sind gefallen, als noch Politiker der GRÜNEN im Bahn-Aufsichtsrat saßen.
    Sie, liebe Gegner, argumentieren immer mit den Kosten! Wer gibt mir von Ihnen die Garantie, daß mit K21 viel geringere Kosten entstehen? Zumal die Planungskosten für S21 dann sinnlos versenkt werden. K21 ist ein Projekt, das jetzt erst noch richtig geplant werden muss? Haben Sie da schon alle Kosten, die in den nächsten 10 bis 15 Jahre bis zur Realisierung entstehen, auf dem Tisch? Wissen Sie, wie der Stand der Technik in 10 Jahren ist. Wenn dieser viel besser ist, verbauen Sie dann die alte Technik, mit der heute kalkuliert wurde? Damit die Kosten „ehrlich“ bleiben.“

    • Frank said

      Die zehn wichtigsten Argumente gegen S 21

      1. Zeitplan: Für einen Stopp ist es nicht zu spät
      Der für Stuttgart 21 verkündete Baustart hat bisher nur Arbeiten für eine sowieso notwendige Generalmodernisierung nach sich gezogen. Angesichts drastischer Unterfinanzierung erscheint die gemeinsame zeitgleiche Realisierung der Neubaustrecke Wendlingen-Ulm mit Stuttgart 21 vor 2025 fragwürdiger denn je. Bereits jetzt notwendige Ausnahmegenehmigungen und schon eingetretene Pannen wecken erhebliche Zweifel an der Sorgfalt der Planungen zu Stuttgart 21. Zudem lauern in noch ausstehenden Planfeststellungsbeschlüssen weitere Bau- und Kostenrisiken. Deshalb wäre es fatal, die Unumkehrbarkeit des Projekts jetzt willkürlich zu erzwingen.

      2. Kosten: Stuttgart 21 ist schlecht kalkuliert und zu teuer
      Seit Beginn der Planungen kam es zu enormen Kostensteigerungen, scheibchenweise kommt die wahre Dimension ans Licht. Die für Frühjahr 2010 zugesagten Ergebnisse der Wirtschaftlichkeitsüberprüfung der Neubaustrecke Wendlingen – Ulm – und damit aktuelle und realistischere Baukosten – liegen immer noch nicht vor. Statt 6,5 Milliarden Euro werden Stuttgart 21 und die Neubaustrecke Wendlingen – Ulm mindestens 10 Milliarden Euro kosten und zum weit überwiegenden Teil aus öffentlichen Kassen finanziert. Über die Finanzierung dieser Mehrkosten wurde kein Einvernehmen hergestellt. Sind die Arbeiten soweit fortgeschritten, dass ein Ausstieg unmöglich ist, werden den Steuerzahlern die weiteren Kosten aufgebürdet.

      3. Öffentliche Haushalte: Rekordverschuldung
      Bund, Länder und Kommunen weisen Rekordverschuldungen auf, die Regierung hat einen harten Sparkurs ausgerufen. Bereits vorher war der Verkehrsetat drastisch unterfinanziert. Wichtige Verkehrsprojekte werden dem Rotstift zum Opfer fallen. Die knapper werdenden Gelder müssen Projekten mit einem hohen verkehrlichen Nutzen, den weder Stuttgart 21 noch die Neubaustrecke aufweisen, zufließen. Jetzt gilt erst recht: Stuttgart 21 ist nicht zeitgemäß.

      4. Bauzeit: Verlängerungen bereits programmiert
      Es ist völlig illusorisch, davon auszugehen, dass die Projekte Stuttgart 21 und Neubaustrecke Wendlingen – Ulm jährlich ein Viertel der insgesamt bundesweit zur Verfügung stehenden Verkehrsinvestitionsmittel erhalten werden. Geringere jährliche Mittel bedeuten aber eine Verlängerung der Bauzeit. Ein gravierender Nachteil der Projekte ist, dass sie erst dann einen Nutzen entfalten, wenn sie vollständig fertig gestellt sind – voraussichtlich nicht vor 2025. Weil Stuttgart 21
      ohne die Neubaustrecke „auf dem Acker“ endet, wird der Tiefbahnhof auch nicht vorher fertiggestellt.
      Die Leidensjahre für die Stadt Stuttgart mit der „größten Baustelle Europas“ mitten in der City erhöhen sich auf 15 – 20 Jahre.

      5. Kannibalisierung: Schaden für das große Ganze
      Werden Stuttgart 21 und Neubautrasse weiter verfolgt, bleiben sinnvolle Projekte für die Schiene – wie die Rheintalbahn, die als wichtigste deutsche Frachtverbindung Nordseehäfen und Mittelmeer verbindet – auf der Strecke. Die Verlagerung des Güterverkehrs auf die Straße wird so weiter vorangetrieben. Transnationale Trassen werden vernachlässigt und viele kleine Projekte mit großer Wirkung weiter verschoben. Zum Nachteil für Bürger, Wirtschaft und Klima.

      6. Planung: Qualität mangelhaft
      Die Planungen für Stuttgart 21 wie auch für die Neubaustrecke weisen extreme Defizite auf, von den Grundannahmen bis zu den Details:
      Der bestehende Kopfbahnhof weist eine höhere Leistungsfähigkeit auf als der geplante Tiefbahnhof. Zudem sind bei diesem nachträgliche Kapazitätsausweitungen ausgeschlossen – ein milliardenteures Nadelöhr.
      Die Neubaustrecke wird mit Planzahlen begründet, die durch die Realität längst überholt sind:
      Berechnet wurde die Strecke mit doppelt so vielen Zügen wie heute – bei weiter sinkender Tendenz – tatsächlich fahren. „Leichte, schnelle Güterverkehrszüge“, die weiter zur Notwendigkeit der Strecke angeführt wurden, existieren nirgends. Statt dessen geht der Trend im Güterverkehr zu langen, schweren Zügen, die aber die Steigungen der Neubaustrecke – größere Steigungen als die Geislinger Steige – nicht bewältigen könnten.
      Am Flughafen werden in einem Abstand von ca. 250 m zwei Bahnhöfe entstehen – ein Schwabenstreich. Auf den Fildern soll aus Kostengründen das S-Bahn-Netz mit genutzt werden. Sicherheitsbedenken des Eisenbahnbundesamtes werden durch befristete Sondererlaubnis des Verkehrsministers umgangen. Zudem müssten die Züge im künftigen Hochgeschwindigkeitsnetz langsam fahren. Und viele Fahrzeuge, wie sie heute in Deutschland, der Schweiz oder Italien üblich sind, wären künftig auf der Strecke nicht mehr zugelassen.

      7. Folgen spürbar: Reisen per Bahn wird stressiger, langsamer, teurer
      Die Menschen und ihre Bedürfnisse standen bei den Planungen alles andere als im Mittelpunkt. Heute gehört der Stuttgarter Hauptbahnhof zu den pünktlichsten Großbahnhöfen Deutschlands – zukünftig soll ein integraler Taktfahrplan im zentralen Verkehrsknotenpunkt des Landes nicht mehr möglich sein. Stuttgart 21 bedeutet: längere Reisezeiten, teurere Tickets, umständliches Umsteigen, fehlende Verbindungen. Vor allem Berufspendler und die Reisenden im Nahverkehr werden mit einem verminderten Zugangebot und/oder mit höheren Fahrpreisen für das Prestigeprojekt bezahlen.

      8. Bonatzbahnhof: Meisterwerk der Architektur, Kulturdenkmal
      Der Stuttgarter Hauptbahnhof ist ein architektur- und geistesgeschichtliches Kulturzeugnis ersten Ranges. Die Gefahr besteht, dass die DB noch vor Genehmigung aller Teilabschnitte von Stuttgart 21 und der Neubaustrecke voreilig Fakten schafft, nur um die „Unumkehrbarkeit“ von Stuttgart 21 vordergründig zu demonstrieren: durch den Teilabbruch dieses Meisterwerks!

      9. Procedere: Bürgerwille und Bürgerbeteiligung bleiben außen vor
      Das bisherige Geschehen um Stuttgart 21 hat bewiesen: Bei diesem Prestigeprojekt bleibt der Bürgerwille auf der Strecke und Bürgerbeteiligung wird zur Farce. Der weit überwiegende Teil der Stuttgarterinnen und Stuttgarter lehnt das Projekt ab. Woche für Woche demonstrieren Tausende vor dem Stuttgarter Hauptbahnhof gegen das Prestigeprojekt. Mehr als 15.000 „Parkschützer“ wollen den Stuttgarter Schlossgarten nicht zerstören lassen.

      10. Die Alternative: Kopfbahnhof 21
      Bereits als bloßes Denkkonstrukt besticht das Alternativmodell „Kopfbahnhof 21“ seit vielen Jahren durch zahlreiche Vorteile – von den im Vergleich zu Stuttgart 21 deutlich niedrigeren Kosten ganz zu schweigen. Höchste Zeit, dieses Modell ernsthaft zu planen!

      Falls Sie Lust haben, können Sie sich ja mal hier informieren:

      http://www.kopfbahnhof-21.de/
      http://www.parkschuetzer.de/
      http://stuttgarterappell.de/
      http://www.s21.siegfried-busch.de/
      http://www.unsere-stadt.org/
      http://stuttgart-21-kartell.org/
      http://www.leben-in-stuttgart.de/

  6. ulrike said

    Bericht aus der Esslinger Zeitung vom 14.10.2010

    STUTTGART 21
    Polizisten berichten von ihrem Einsatz im Schlosspark

    ESSLINGEN: Beamte schildern bei einer CDU-Veranstaltung die Stuttgarter Demonstration vor zwei Wochen aus ihrer Sicht

    Immer öfter widersetzen sich Bürger den Anweisungen der Polizei. Oft unter Alkohol und oft mit Gewalt. Laut der Polizeilichen Kriminalstatistik haben diese Fälle in den vergangenen zehn Jahren um fast ein Viertel zugenommen. Ein Thema, das den regionalen CDU-Arbeitskreis Polizei am Dienstagabend beschäftigt hat. Fast zwangsläufig geriet die Veranstaltung zu einer Diskussion um den Polizeieinsatz am 30. September.

    Von Doris Brändle
    Thomas Blenke, der Polizeisprecher der CDU-Landtagsfraktion, trug mit einem orangefarbenen Button am Revers seine Haltung zum Bahnprojekt zur Schau: „S 21, Ja!“ stand drauf. Polizeihauptkommissar Rainer Staib, Zugführer einer Einsatzabteilung der Bereitschaftspolizei und Vorsitzender des CDU-Arbeitskreises Polizei in Göppingen, war bei den Demonstrationen im Stuttgarter Schlosspark dabei. „Der normale Stuttgarter Bürger legt uns gegenüber eine Aggressivität an den Tag, die wir so bisher nicht kannten. Wenn wir nur dastehen, um am Zaun das Grundwassermanagement abzusichern, schlägt uns Hass entgegen. Es fallen Wörter wie Kindermörder und Vergleiche mit 1933“, sagte er. Ein Kollege, Einheitsführer einer Spezialeinheit in Göpp-ingen, war bei jenem vielkritisierten Polizeieinsatz am Donnerstag vor zwei Wochen ganz vorn mit dabei. Seinen Namen will er in der Zeitung nicht lesen, er habe Angst, dass sonst sein Haus beschmiert werde.

    Im Park sei es an jenem Donnerstag ruhig gewesen, berichtete er – bis die Schüler kamen. „Ein Mann hat sie mit einem Megafon gezielt in den Park geleitet. Aus meiner Sicht haben Linksextreme gezielt auf die Teilnehmer eingewirkt“, sagte er. Die Schüler seien von ihnen aufgefordert worden, den Gitter-Lastwagen der Polizei zu blockieren und zu besteigen. „Wir haben sie immer wieder aufgefordert, runterzusteigen und haben sie runtergeholt.“
    „Bespuckt werden ist erniedrigend“

    Es habe sich etwas verselbstständigt: „Die Bürger warfen Baustellen-Rohre auf die Straße. Es herrschte allgemein das Gefühl, jetzt ist alles erlaubt.“ Die Polizei habe die Demonstranten vielfach aufgefordert, den Platz zu verlassen, doch keiner sei gegangen. „Wir haben die Leute zum Teil fünf oder sechs Mal weggetragen, aber die haben sich sofort wieder hinten angestellt.“ Pfefferspray hätten sie irgendwann eingesetzt, „um den Druck rauszunehmen“. Die Polizisten seien getreten und bespuckt worden. Ein Polizeikollege ergänzte: „Be-spuckt zu werden ist fast das Schlimm-ste, was einem im Dienst passieren kann. Das ist so erniedrigend, da kriege ich fast lieber eine Flasche ab. Man kann sich nicht vorstellen, was es heißt, da ruhig zu bleiben.“

    Heftige Medienschelte übte Landtagsvizepräsidentin Christa Vossschulte: „Die einseitige Berichterstattung hat mich tief betroffen gemacht.“ Blenke stimmte ein: „Die Fernsehbilder haben den Eindruck vermittelt, als hätte der Einsatz mit Wasserwerfern begonnen.“ Dabei seien die erst nach anderthalb Stunden, eingesetzt word-en. „Das abgestufte Vorgehen der Polizei ist nicht erwähnt worden.“

    Der Rentner, der mit seinem bluten-den Auge in allen Zeitungen zu sehen war, sei immer wieder gezielt auf den Wasserstrahl zugegangen. Die Polizei hat inzwischen Videos ins Netz gestellt, die das belegen sollen (http://org.polizei-bwl.de/ppstuttgart/Seiten/Stuttgart21Video.aspx).

    Auch ein S 21-Gegner hatte sich zu der CDU-Veranstaltung gesellt. „Das Verhalten der Polizei war unangemessen. Sie hätte sich zurückziehen müssen, als die Leute nicht gegangen sind“, sagte er. Eine Sitzblockade sei ein Akt zivilen Ungehorsams und der sei erlaubt. „Wenn ein Platzverweis erteilt worden ist, dann ist das nicht mehr erlaubt“, entgegnete Staatsanwalt Apostolos Milionis. Und Staib sagte: „Es kann nicht sein, dass statt im Parlament mit Sitzblockaden politische Entscheidungen getroffen werden und die Polizei nicht einschreiten darf.“

    Auch wenn die Positionen unversöhnlich blieben – am Ende ging einer der Polizisten mit dem S 21-Gegner noch raus auf eine Zigarette.

    Artikel vom 14.10.2010 © Eßlinger Zeitung

  7. Dieter Herrmann said

    > (http://org.polizei-bwl.de/ppstuttgart/Seiten/Stuttgart21Video.aspx).

    Zu Schade, es wurde hinter einer Anmeldung versteckt. Oder ist es das Video, das SAT.1 und die Bild bereits einen Tag danach publizierten?

  8. schmut said

    alle mal den spiegel kaufen und den essay über den wutbürger lesen…danach weiter machen…

  9. Sofonisba Anguissola said

    Oben bleiben!
    Kölner Stadtarchiv eingestürzt-schon vergessen?

  10. Christoph Frilling said

    Der Wutbürger-Artikel erinnert schon ein bisschen an Schepsdorf und Altenlingen. Aber für Lingen sollten wir das alles noch differenzierter betrachten.

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