Sperre

28. September 2010

Eigentlich sollte in knapp einem Monat die Ratsfahrt 2010  stattfinden. Innerhalb der 5-jährigen Wahlperiode verreist der komplette Rat einmal – meist reihum in die Partnerstädte. Stellen Sie es sich einfach als Betriebsausflug (oder angesichts der allerjüngsten Entwicklung auch wie eine Klassenfahrt 😉 ) vor, an dessen Ende dann bisweilen gar das menschliche Verständnis zueinander deutlich gewachsen ist und von denen man sich manchmal nur schwer erholt. Berühmt sind die -meist in weinseeliger Stimmung –  geschlossenen Duzfreundschaften bei solchen Fahrten. Meist am letzten Abend. Eines der beeindruckendstes Beispiele endete mit Hilfe französischen Rotweins in diesem Duz-Dialog: „Ich heiße Karl-Heinz!“ „Und ich bin Michael!“

Diesmal sollte die Ratsfahrt im kommenden Oktober  in Lingens katalanische Schwesterstadt Salt (Wappen, lks) gehen. Doch daraus wird nun nichts. Die Kolleginnen und Kollegen des Rates waren nämlich nicht bereit, sich kostendeckend an der Fahrt zu beteiligen, mit anderen Worten:  die Reise selbst zu bezahlen. Ich will mich dabei nicht rausreden: Aber ich hatte mich nicht angemeldet, weil ich schlicht keine Zeit hatte.  Trotzdem ist natürlich klar, dass die Kosten jeder Ratskollege auch selbst tragen könnte.  Die Reise hätte sonst den städtischen Etat mit geschätzt 20.000 Euro belastet.

Tja, dann rechnen wir alle mal gemeinsam nach. Das nahezu einstimmige Ergebnis:  20.000 Euro sind zu viel, allemal in Zeiten, in denen es eine allgemeine Haushaltssperre gibt und der gesperrte Haushaltsplan 13 das Geld nicht hergibt. Es sei, heißt es, die Stadtkämmererin Dr. Claudia Haarmann  gewesen, die darauf hinwies und vorsichtig-bestimmt Bedenken anmeldete, nun ausgerechnet für diese „Maßnahme“ die bestehende Haushaltssperre zu lockern.

Spannend ist nun die glaubhafte, aber von mir noch nicht endgültig verifizierte Information, dass die Union (!) im Lingener Stadtrat Druck machte und kurzerhand -nach vergeblichen Beratungen mit den anderen Fraktionen- „in diesen schwierigen Zeiten“ die Ratsfahrt 2010 absagte. In den Minderheitsfraktionen habe trotz Etatproblemen eine deutlich größere Reisefreude  geherrscht, vernahm ich aus der Verwaltung. Mein Gesprächspartner klang etwas verwundert ob dieser gedanklichen Minderheiten-Sperre. Eine Verwunderung, die ich teile.

Noch ein Tipp: Wer von hier als Ratsmitglied oder Nichtratsmitglied nach Salt möchte, kann zB bei dieser Fluggesellschaft von hier oder hier losfliegen und  in Girona landen – 5 km von Salt entfernt. Hier gibt es preiswerte Hotels und alles weitere findet sich dann bestimmt auch.