Goldenes Buch

23. September 2010

Bevor ich den Grund vergesse, möchte ich noch ein paar Bemerkungen zum Goldenen Buch unserer Stadt machen:

In Berlin gibt es eine weitgehend unbekannte CDU-Ministerin Schröder, die sich im Familienressort versucht. Bei ihrem Besuch in Lingen vor einigen Tagen durfte sie sich in das Goldene Buch eintragen (Foto lks. Frau Schröder vorn, dahinter 1. Bürgermeisterin Ursula Haar und 3. v. lks  1. Stadtrat Ralf Büring, sowie Fans). Dazu müssen Sie wissen, dass es das Gästebuch der Stadt gibt und das Goldene Buch. In die laufende Reihe der Gästebücher darf sich jeder eintragen, der im Rathaus empfangen wird: ausländische Besuchergruppen, ehemalige Schulklassen, Preisträger in der Musik und früher auch mal im Sport usw.

Der ehemalige Oberstadtdirektor Karl-Heinz Vehring hatte Recht, als er sagte: „Wir empfangen grundsätzlich jeden und dies angemessen, freundlich und höflich. Denn wer weiß, was aus unseren Besuchern in der Zukunft noch einmal wird.“ Das war vor Vehring anders. Aber Vehring ist ein kluger Mann und lag richtig: Ende der 1980er Jahre besuchte  eine polnische Parlamentariergruppe die Stadt, die der legendäre SPD-Bundestagsabgeordnete Jan Oostergetelo (Höcklenkamp) in die Region eingeladen hatte. Auch sie verewigte sich im Gästebuch und niemand ahnte, dass einer der Unterzeichner nur wenige Jahre später plötzlich polnischer Ministerpräsident war. Ein junger Bundestagsabgeordneter, der 1985 mit reichlich Verspätung zu seinem Empfang eintraf, wurde 1998 Bundeskanzler. Auch er trug sich ins Gästebuch ein, nicht in das Goldene Buch.

In das Goldene Buch der Stadt und zu ihrer Ehre durften sich nämlich stets nur  illustre Persönlichkeiten eintragen wie Konrad Adenauer, Walter Scheel, Yehudi Menuhin und José Carreras  oder auch die beeindruckenden Ehrenbürger unserer Stadt: Die Holocaust-Überlebenden Ruth Foster, geb Heilbronn und  Bernard Grünberg sowie der Berliner Bischof Martin Kruse. Bei Theo Lingen bin ich mir nicht einmal sicher, meine aber, dass er auch zu denen gehört, die sich in das Goldene Buch eintragen durften.

Jetzt also kam diese Frau Schröder, eine normale Bundesministerin, von denen es im Laufe der Jahrzehnte Hunderte gegeben hat und geben wird. Doch auch sie, eine bislang wenig bedeutende Politikerin,  durfte sich in das Goldene Buch Lingens eintragen. Weiß jemand, warum?  Nachhaltigen Eindruck hat die Ehre bei der verehrten Frau Ministerin auch nicht gemacht. Ihr Twitterkommentar über den Aufenthalt in Lingen belegt dies.

Ich finde, dass der Eintrag in das Goldene Buch unserer Stadt mehr ist als ein für parteipolitische Medienspielereien ausnutzbarer Vorgang.  Entsprechend sollte sich die CDU künftig verhalten. Aber es scheint mir ohnehin, dass die Lingener Union immer beliebiger wird. Das zeigen auch ihre Auswahl des OB-Kandidaten, ihr Umgang mit der Baugeschichte unserer Stadt, der Umgang mit den natürlichen Ressourcen, den materiellen und immateriellen Werten und Zukunftschancen.

(Foto: © Stadt Lingen)

10 Antworten to “Goldenes Buch”

  1. Hans said

    SCHWARZER FILZ!!!! Die merken es doch einfach gar nicht mehr.

  2. Dieter Herrmann said

    Vielleicht sind Goldene Bücher auch einfach nur noch überbewertet und womöglich nicht mal mehr zeitgemäß.

  3. Frank O. said

    Ich glaube hier wird das goldene Buch der Stadt Lingen mit dem goldenen Buch der CDU Lingen verwechselt.
    Liegt es denn noch im Rathaus oder wird es schon im Konrad-Adenauer-Haus aufbewahrt??

  4. Hans said

    natürlich sind „goldene Bücher“ zeitgemäß. Was denn sonst, Herrmann? Jede Stadt ist stolz, wenn berühmte und verdiente Personen kommen und sich eintragen. Nur ist Köhler äh Schröder eben weder das eine, noch das andere. Das Gästebuch hätte gereicht und wäre passend gewesen.

    Aber der CDU Filz -4 Stück sind ja auch dem Bild- sieht das halt anders. Memo: „Der Krsitina müssen wir aber das GOLDENE BUCH hinlegen!“

  5. Matthias said

    In der Einwohnerklasse der Städte in Deutschland ist Lingen absolute Spitzenklasse. Wenn denn die „böse CDU“ dafür verantwortlich ist, sollten wir mit diesem „Übel“ weiterleben.

  6. Robert Koop said

    Wenn, Matthias, wenn…

    Aber was hat Ihr Hinweis mit dem Goldenen Buch der Stadt zu tun? Nüscht!

    Und ich verrate Ihnen noch was: Wenn die „böse SPD“ dran gewesen wäre, wäre die Entwicklung genauso positiv gewesen – vielleicht sogar etwas positiver und nachhaltiger gewesen. Es gibt nämlich eine Reihe von Punkten und Ereignissen der letzten 40 Jahre, die hätten die Sozis anders gemacht. Dem Gemeinwohl wäre dies besser bekommen, einigen Profiteuren allerdings nicht.

  7. Jochen S. said

    hätte, hätte, Fahrradkette..

    gerne glaube ich (selbst Ihnen, hehe), daß das Lingener Pferdchen mit einem „Sozi“-Reiter ähnlich flott, aber womöglich andere und bessere Wege geritten wäre. Den Beweis kann man leider nicht antreten, wie auch.

    Zum „Tanz um das Goldene Buch“:

    Jedes Kaff ist doch froh, wenn sich mal ein wenn auch B- oder C-Promi dorthin verirrt. Also ab damit ins güldene Papyrus, ob Schröders Kristina oder Schröders Gerd oder Schröders Atze. Kommt Bohlen oder Loddarmattäus, schrübe er selbstredend hinein, ob nun ein Schwarzer oder Rotgrünwasweißich gerade den OB mimt.

    Also wo genau ist der Aufreger?

  8. Robert Weemeyer said

    Ich finde es ein bisschen kleinkariert, eine Bundesministerin – mag sie auch jung und neu im Amt sein – mit einfachen Abgeordneten des Bundestages oder des Sejm gleichzusetzen. Hätte sich denn ein Bundesminister von der SPD oder von den Grünen nicht ins Goldene Buch eintragen dürfen? Oder sind die vielleicht einfach nicht nach Lingen gekommen?

    • In den letzten Jahrzehnten sind genügend viele Minister der SPD und Grünen in unsere Stadt gekommen. Natürlich haben sie sich nicht in das Goldene Buch eingetragen. Es war allen Verantwortlichen klar, dass es dafür einfach nicht reicht, Minister in Berlin oder früher in Bonn zu sein. Kleinkariert ist daher das, was jetzt geschehen ist.

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