Stadtgestalt

22. September 2010

Gleich zwei Bauobjekte in Lingen haben jetzt besondere regionale Beachtung gefunden. Acht Architekten und Ingenieure wurden am Dienstagabend in Oldenburg für ihre herausragenden Leistungen mit dem „Weser-Ems-Preis für Architektur und Ingenieurbau 2010″ der OLB-Stiftung ausgezeichnet. Darunter Hubert Vickers und Sebastian Deeken. Die Preise wurden am Dienstag im Rahmen einer Feierstunde in Oldenburg übergeben.

„Alle preisgekrönten Werke zeichnen sich durch außergewöhnliche Ideen und zeitlose Architektur aus“, sagte Benedikt Buhl, Sprecher des Vorstands der OLB zu den Preisträgern. Sie seien ein Beweis architektonischer Vielfalt in der Region. Die fünfköpfige Jury, zu der Prof. Dr.-Ing. Rainer Hempel (Köln), Prof. Dr. Ulrich Krempel (Sprengel Museum Hannover), Dipl.-Ing. Cornelia Müller (Berlin), Dipl.-Ing. Felix Zwoch, (Bauwelt, Berlin) und Dipl.-Ing. Julia Tophof (Berlin) als Vorsitzende gehörten, hatte ausführlich über die Beiträge und die Verteilung der Preissumme von insgesamt 15.000 Euro beraten. Die Jury habe sich bemüht, sachliche und einfache Objekte zu finden, die zeitlos beispielgebend sind, sagte OLB-Chef Buhl. Der Weser-Ems-Preis im Bereich Architektur und Ingenieurbau wird alle  vier bis fünf Jahre vergeben. Ziel der OLB-Stiftung ist es, die Planungs- und Bauqualität bei Bauherren, Architekten und Ingenieuren im nordwestlichen Niedersachsen zur fördern.

Im Fall der Lingener Fahrradabstellanlage und Fuß- und Radwegeunterführung zum und vom künftigen Hochschulcampus an der Kaiserstraße, erstellt von Vickers Architekten aus Lingen (Foto: Dipl.-Ing. Hubert Fickers re., mit Lingens Tiefbauamtsleiter Georg Tieben) , hat die Jury die zwei eingereichten Projekte zusammengefasst und als ein gelungenes städtebauliches Konzept gewertet. Das Gesamtensemble sei in seiner städtebaulichen architektonischen Formensprache in überzeugender Weise stilsicher und detailreich in den städtischen Kontext integriert, betont die Jury in ihrer Beurteilung. Mit den minimalistischen Materialien Glas und Beton werde in dem Konzept die Unterführung nutzungsorientiert umgesetzt. Die Bepflanzung mit einzeln stehenden Birken, geschickt eingebundene Treppen und Einfassungen sowie ein atmosphärisch überzeugendes Lichtkonzept rundeten das Projekt ab. In dieses Gesamtensemble sei die „Fahrradabstellanlage ästhetisch und funktional perfekt integriert“, so die Jury. Sie vergab an den Preisträger einen von drei ausgelobten Geldpreisen über 4.000,00 Euro.

Auch der Entwurf für den Umbau des Wohnhauses von 1962 in der Lingener Julius-Landzettel-Straße durch den Architekten Dipl.-Ing.  Sebastian Deeken  überzeugte die Jury  „durch sein städtebauliches, architektonisches Gesamtkonzept“. Das Objekt stelle ein gutes Beispiel zum Bauen im Bestand dar und leiste damit einen wertvollen Beitrag zum nachhaltigen Bauen, unterstrich die Jury, die die Auszeichnung mit einem Geldpreis von 1.500 Euro verband. Die frühere Bewohnerin des Hauses, die resolut-sympathische  Annemarie Lucas, hätte sich gefreut.

„Das einfache, zweigeschossige Gebäude wurde durch Rückbau und einen Anbau zu einer kubischen Gebäudeform transformiert. Die Gebäudefigur deutet auf den  südlich gelegenen Park und den Dortmund-Ems-Kanal hin.“ Die Jury würdigte die Verbindung zwischen Bestand und Neubau: „Durch die Addition einzelner‚ geometrischer Körper entstand eine Gebäudeskulptur, die die alten und neuen Elemente erlebbar macht.“

Es freut, dass Stadtgestalt in Lingen doch noch stattfindet. Übrigens: Keines der ausgezeichneten Architekturprojekte trägt eine Reklametafel.  Ist Ihnen doch auch sofort aufgefallen?

(Fotos oben lks: © dendroaspis2008, alle anderen © OLB-Stiftung, )

15 Antworten zu “Stadtgestalt”

  1. ulrike said

    Ich denke,daß die geometrische Gebäudeskulptur ganz besonders die Bewohner des Nachbarhäuschens freut, die mit Haus und Garten nun weitgehend im Schatten liegen.Nachbarschaftliche Rücksichtnahme ist nicht prämierungswürdig.

  2. Luise said

    Das Gebäude in der Lingener Julius-Landzettel-Straße ist so fotografiert worden, dass das Nachbarhaus nicht mit abgebildet ist. Gar nicht so einfach. Der Abstand zum jetzt im Schatten liegenden Nachbarhaus ist sehr gering. Außerdem würde man dann auch sehen, dass sich das neue kubische Gebäude überhaupt nicht einfügt. Dieses Bauwerk als „städtebauliches, architektonisches Gesamtkonzept“ anzupreisen ist zynisch. Offensichtlich hat sich kein Mitglied der Jury das Gebäude vor Ort angesehen.

  3. ulrike said

    Dank an Luise,daß sie auch so aufmerksam durch die Stadt geht.Auch bei der Unterführung,die ihre “ städtebauliche architektonische Formsprache stilsicher mit minimalistischen Materialien“ usw.usw.usw.(wer denkt bei der Häufung von Sprechblasen nicht zwangsläufig an H.J.L?)die wie gesagt wortreich gerühmt wird,gibt es jemanden auf der Verliererseite:Die armen Birken. Das sind nämlich Bäume, die auf viel Feuchtigkeit angewiesen sind,(sie krabbeln auch gerne in die Kanalisation wurzelseits)und stehen da jetzt hinkümmernd und trocknend herum,da so ein Stadtverschönerer ,ohne Ahnung von Natur,sie auf eine sandige Erhöhung der Optik wegen pflanzen ließ.Um sie herum schwarze scharfkantige Schottersteine ( Optik), die sich hervorragend zum Einwerfen der Glasscheiben der Neubauten benutzen lassen.Dabei wäred doch der besoffenen Emslandjugend durchaus ein leichtes Bücktraining zuzumuten,anstatt alles auf Brust-und Griffhöhe zu deponieren.Alles prämienwürdig.Über die Vandalismusschäden an der bunten Glaswandbeleuchtung in Höhe von 30.000 Euro pro Jahr plus dasselbe als Personalkosten für den Wachdienst, berichtete ich schon anderer Stelle. Prämienwürdig auch die Verdoppelung der Fahrraddiebstähle infolge der Fahrradaufbewahranstalt,die so gut wie nicht einsehbar ist.Da kann man mal sehen,wie weit Theorie und die praktischen Folgen hier auseinander liegen.Und was lernen wir daraus? Glaubt nicht alles,was mit vielen schönen Worten versehen euch blind für die Tatsachen machen soll.Und auch hier das Märchen von des Kaisers neuen Kleidern.

  4. Ingrid said

    …na ich hoffe doch mal, daß die Geldprämien für die öffentlichen Bauten auch direkt in die städtische Kasse einfließt. Schließlich wurden von dort – von den Bürgern – auch diese übertriebenen, vandalismusanfälligen und ständig zu reparierenden Objekte mit-geplant, für doch so toll befunden und in Auftrag gegeben, ohne Folgekosten zu bedenken.
    Mal abwarten, ob dies Ding von Busbahnhof, mit himmelhohem Dach ohne jegliche Funktion auch zumindest auf diesem Weg noch wieder Geld einbringen wird…

  5. Dieter Herrmann said

    Hm, wie war das jetzt? Leinweber war dafür auch neue Wohngebiete auszuweisen und Herr Krone will halt alles vorhandene nur etwas dichter zubetonieren und ggf. den alten „ungrünen“ (ja ja parteilos) Plunder abreißen lassen?!

    • Hendrik said

      Jeder hört das, was er möchte. Ich habe verstanden, dass Krone nicht Häuser zwischen bereits vorhandene setzen will, sondern noch freie Plätze nutzen will oder halt Abriss und Neubau. In vorhandenen Wohngebieten.

      • Dieter Herrmann said

        Mit jedem Abriss geht ein Stück Lingen verloren, egal wie orginalgetreu der Nachbau wird, und das nur wegen irgendwelcher willkürlich festgelegte Energiebilanzen?
        Auch eine Art dem Wohnungsleerstand in einigen Gebieten entgegen zu treten.

        • Frank O. said

          Herr Herrmann,
          bitte hören Sie sich doch den Leifstriehm nochmal an.
          Da werden sie hören, dass Herr Krone von leerstehneden Häuser spricht deren Scheiben eingeschmissen sind, die verfallen und die Umgebung verschandeln.

          Herr Leinweber hingegen möchte sehr gerne neue Baugebiete. Dieses aber nicht ohne Grund!
          Ich sage dazu mal:
          Die Servicebetrieb Geeste -Entwicklung- GmbH
          Sowas möchte er natürlich dann auch in Lingen. Wie sowas aussieht und was für Auswirkungen das hat, können sie sich gerne in Geeste und Umgebung einmal erfragen.

  6. Achim said

    @Dieter Hermann

    Es geht hier nicht um Vandalismus, sondern um etwas ganz anderes.

    Die demographische Entwicklung wird es mit sich bringen, dass mehr Lingener sterben als neu dazu kommen. Es liegt in der Natur der Sache, dass auch Eigenheim- und Eigentumswohnungsbesitzer zu den zukünftig nicht mehr unter uns Weilenden zählen werden. Was soll bitte mit deren Immobilien geschehen?

    Neubürger sollen nach Leinwebers Vorstellung mit zahlreichen Baugrundstücken in neuen Baugebieten versorgt und gelockt werden und eben nicht aus dem Bestand erwerben.. Zudem sollen auch die Alten, bevor sie denn das Diesseits verlassen, die Möglichkeit haben, ihre alte Immobilie zu verlassen, wenn das alte Haus/Grundstück wegen Wegzug der Kinder zu groß geworden ist oder der Unterhalt und die Pflege aus Altersgründen schwer fällt. Dann sollen sie sich in einem der vielen Neubaugebiete was Neues, Kleineres zulegen können. Klingt zwar sehr bürgerfreundlich, ist nur leider nicht zu Ende gedacht.

    Denn was wird aus der alten Immobilie? Die steht leer und bleibt leer. Wer immer sich kleiner setzen will, wird in Kauf nehmen müssen, dass er sein altes Haus nicht mehr los wird, weil das Angebot gebrauchter Immobilien rasant wächst, die Nachfrage aber wegen einer insgesamt schrumpfenden Bevölkerungszahl sinkt. Durch den Ausweis von Neubaugebieten reduziert sich die Nachfrage zusätzlich, die Schere geht immer weiter auf.

    Neubürger interessieren sich zunächst nicht sonderlich für den Bestand, da sie beim Kauf einer gebrauchten Immobilie im Vergleich zum Neubau immer Kompromisse eingehen müssen. Und sie sollen sich auch nicht für Bestandsimmobilien interessieren, denn daran kann die Stadt nur die Grunderwerbssteuer verdienen. An einem Grundstücksverkauf aus städtischem Eigentum jedoch sowohl die Steuer als auch einen satten Gewinn.

    Mit einer solchen Politik wird zwangsläufig ein immer schneller wachsender Überhang an leer stehenden Immobilien gefördert. Das bedeutet jedoch nicht nur, dass schon bald in allen Wohngebieten Häuser und Wohnungen langfristig vor sich hin verfallen werden. Jeder Besitzer einer Immobilie muss sich leider auch darüber im klaren sein, dass diese Politik sehr schnell zu einem dramatischen Wertverfall seiner bestehenden Immobilien führen wird.

    Die ursprünglich einmal auch als Alterssicherung gedachte Investition in ein Eigenheim oder eine Eigentumswohnung wird sich so zu einem höchst unerfreulichen Verlustgeschäft entwickeln. Und das trifft letztlich auch irgendwann diejenigen, die in Lingen neu bauen sollen mit voller Wucht.

    Wer also nicht ganz blöd ist oder seinem sauer verdienten Geld nicht wirklich ausgesprochen böse ist, wird bei solchen Perspektiven allerdings erst gar nicht in Lingen investieren. Schon sehr bald allerdings auch kein Unternehmer mehr. Denn dort wo der Immobilienmarkt kaputt ist, findet man auch keine qualifizierten Führungskräfte mehr. Die meiden solche Orte aus gutem Grund.

    Genau diese Entwicklung will Krone verhindern.

    Jetzt verstanden, Herr Hermann?

  7. ulrike said

    Guter Kommentar von Achim. Bliebe noch hinzuzufügen,daß sich die geschilderten Bedingungen noch durch das zu erwartende Gesetz zur Energieeinsparung bei allen Immobilien so verschärfen wird,daß eine Enteignung der Besitzer zu erwarten ist.Kaum einer der älteren Hausbesitzer wird die vom Gesetz geforderten Dämm
    -Maßnahmen bezahlen können,da sie bis zumehr als 100.000 EURO und so einem vielfachen des Hauswertes betragen können.Dieser aktuelle Hauswert liegt schon heute meist nur noch in Höhe des Grundstückwertes, der Käufer erhält also eine gebrauchte Immobilie für umsonst.

    • Dieter Herrmann said

      Enteignung wegen nichtbezahlbarer Energiesparmaßnahmen? WOW! Das klingt ja schon nach Ökoterrorismus! Naja Solarbranche wird sowieso in 1-2 Jahren den Zusamenbruch erleben, wenn die Förderung weiterhin so schnell abgebaut wird. Muss man sich doch gar nicht wundern, das man sich mit verlängerten AKW-Laufzeiten eine Energiereserve erhalten will.

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