Teil

18. September 2010

Mit einem tagesaktuellem Thema startete gestern in Hannover das Junge Schauspiel  in die Theaterspielzeit 2010/2011. Mitten im zweiten Frühling der Atomenergie errichtet es  in Hannovers Altstadt ein Hüttendorf – frei nach dem historischen Vorbild der Freien Republik Wendland. Ein 10-tägiges Theater-Experiment.

Den Hannoverschen Ballhofplatz bespielt das junge Schauspiel  bis zum 26. September 2010 mit „Freie Republik Wendland – Reaktiviert„. Um gegen die Errichtung eines Atommüllendlagers zu protestieren, hatten im Sommer 1980 bei Gorleben Atomkraftgegner das Gelände der Tiefbohrstelle 1004 besetzt und dann ihren eigenen Staat gegründet. Nach 33 Tagen wurde die Aktion von mehreren tausend Bundesgrenzschutzbeamten durch einen massiven Polizeieinsatz beendet.

Zum 30-jährigen Jubiläum lädt nun das Junge Schauspiel Hannover „alle Menschen von 0-99 Jahren“ ein, einen Staat nach eigenen Vorstellungen zu bauen. In einem errichteten Hüttendorf finden tagsüber Workshops und Vorträge, Podiumsdiskussionen (u. a. mit Jürgen Trittin), thematische Filmabende, Theateraufführungen und Konzerte statt.

Das muntere Theaterprojekt über die Anti-Atom-Bewegung in den 80er Jahren hat für Ärger mit der erneut griesgrämig-verklemmt wirkenden CDU gesorgt. Einige Programmpunkte seien eindeutig parteipolitisch, kommentiert der CDU-Landtagsabgeordnete Dirk Töpffer. Der Steuerzahler zahle für pseudointellektuelle Gespräche mit dem ehemaligen Bundesumweltminister Trittin, sagte Töpffer. „Das halte ich schlicht für ungesetzlich.“  Man ist sofort versucht, „Huch“ zu rufen (wer will, darf auch „Hurz“ singen).

Theater-Intendant Lars-Ole Walburg ging sogar auf die Kritik ein: „Es geht hier nicht nur um Atomkraft.“ Mit der theatralen Hüttenaktion solle vor allem über Utopien und unser Demokratieverständnis diskutiert werden. Regisseur Florian Fiedler wies darauf hin, dass man sich beim Theater bemüht habe, auch Atomkraftbefürworter zu Streitgesprächen einzuladen – leider vergeblich. Bei allen großen Energieversorgern sei angefragt worden, aber niemand wollte mit aufs Podium. Herrlich!

Ich hab mir erst einmal die Augen gerieben ob dieser ganzen Posse. So verschroben wie Herr Töpffer kann niemand sein, meine ich jetzt – selbst wenn er ein 2006 in Hannover gescheiterter OB-Kandidat ist. Deshalb bin ich mir inzwischen  fast sicher, dass dieses provinzielle Stammtischgerede des lokalen CDU-Kleingeistes ein geschickt inszenierter Teil des Hannöverschen Theaterprojekts ist. Der antagonistische Widerspruch zwischen Realität und Utopie vielleicht?  Ein weiterer  Teil der christdemokratischen Performance ist offenbar auch der heutige Mittagstermin des CDU-Mannes: Das Herbstfest vom Kronsbergkreis mit der Freiwilligen Feuerwehr Bemerode, Hinter dem Dorfe, 30539 Hannover. Sollten Sie allerdings noch etwas unsicher sein, fragen Sie vielleicht mal direkt nach: Dirk.Toepffer@lt.niedersachsen.de

Wahlempfehlung

18. September 2010

Sowohl von Einzelpersonen, Wählern und auch der Presse wird gefragt, ob Sabine Stüting und die BürgerNahen eine Wahlempfehlung für die Stichwahl aussprechen. Dazu heißt es jetzt auf der Internetseite der BürgerNahen:

Es gibt unsererseits keine Verhandlungen mit anderen ausgeschiedenen OB-Kandidaten über eine gemeinsame Unterstützung in der Stichwahl. Jens Beeck wird sich neutral verhalten, so wie er schon in den Diskussionen keine Bewertungen über die Mitkandidaten abgegeben hat. (Fama narrat: das hindere ihn und die FDP allerdings nicht daran, die Plakatträger dem CDU-Kandidaten zur Verfügung zu stellen).

Wir sind auch als Gegenentwurf zur bisherigen Politik der CDU in Lingen angetreten, so dass eine formelle Unterstützung von Herrn Leinweber nicht zu begründen ist. Mir scheinen überdies einige seiner Unterstützer mehr als kritikwürdig – aus eigener Erfahrung kann ich nur so viel sagen, dass es auch Angebote gibt, die man nicht annehmen kann.

Wir haben eine größere inhaltliche Gemeinsamkeit mit dem Stichwahl-Kandidaten Dieter Krone angenommen und daher mit eben diesem sowie der SPD und den Grünen ausgelotet, ob wir eine formelle Wahlempfehlung aussprechen können. Dabei traten Differenzen vor allem bei dem Thema der Emslandarena auf, die wir ablehnen. Ein weiterer Punkt war unsere Einschätzung, dass ein Teilausbau der Ulanenstraße erstens nicht hilfreich wäre, und zweitens den Blick von der nötigen Gesamtplanung einer Nordtangente ablenken würde.

Schwerwiegender für uns war, dass Dieter Krone keine Erklärung abgeben wollte, wie die weitere Zusammenarbeit mit den Oppositionsparteien im Rat ausgestaltet werden könnte. Dabei ging es uns um zu verhandelnde, aber verbindliche Vereinbarungen, wie die Programmpunkte „Politikstilwechsel“, Überparteilichkeit, Transparenz und Bürgernähe mit Leben erfüllt werden könnten.

Ich empfehle daher meinen Wählern, sich selber ein Bild von den verbliebenen Kandidaten zu machen und ihre Entscheidung nach Sachpunkten zu treffen. Ich selber werde es ebenso halten und mich – voraussichtlich per Briefwahl – beteiligen.