Entsorgen

14. September 2010

Das Atommülllager Asse entstand 1965 in einem stillgelegten Salzstock. Nachdem dort die Salzförderung 1964 aus wirtschaftlichen Gründen endete, kaufte die damalige Gesellschaft für Strahlen- und Umweltforschung (GSF) das Bergwerk. Bereits zwei Jahre später begann in dem damaligen Forschungsbergwerk die Einlagerung schwach radioaktiver Abfälle. Das Bergwerk droht einzustürzen. Es dringt Wasser ein. Deshalb hat im Januar dieses Jahres das Bundesamt für Strahlenschutz empfohlen, die knapp 126 000 Fässer Atommüll zu bergen, die dort bis 1978 verbuddelt wurden.

Die Behälter enthielten zunächst schwach radioaktive Abfälle z.B. aus Laborabfällen, kontaminierten Geräten und Kleidung, Asche aus Verbrennungsprozessen und Luftfiltern aus Atomanlagen. Die ersten Fässer wurden senkrecht übereinander gestapelt. Später änderte die GSF das Einlagerungsverfahren, um die Kammern besser ausnutzen zu können. Fortan wurden die Fässer mit Hilfe eines Gabelstaplers liegend in bis zu zehn Lagen übereinandergestapelt. Weil diese Techniken relativ viel Zeit beanspruchten, wurden die Fässer ab 1974 per Schaufellader in die Kammern gekippt. Ab 1972 wurden zudem 1293 200-Liter-Fässer mit mittelstark radioaktiven Abfällen in der Asse eingelagert. Das Schlimmste: In der Asse lagern auch mehrere Kilogramm extrem giftiges Plutonium.

All dies zurückzuholen kostet Milliarden Euro und ist zudem besonders gefährlich. Also werden Gutachten erstellt und natürlich wollten die Gutachter wissen, was genau angeliefert worden sei. Aber die Atomfirmen, die vor ein paar Jahren ihren Atommüll an die Asse geliefert haben, mussten nun einräumen, dass sie das selbst nicht wissen und vergessen haben. Denn ihre Bücher mussten sie nur zehn Jahre aufbewahren. Unter den Einlieferern in Asse ist auch die Betreiberin des alten Lingener „Kernkraftwerks“, außerdem die Betreiber der (alten) Atommeiler Würgassen, Stade, Unterweser, Isar, Gundremmingen, Biblis, Kahl, Obrigheim und Brunsbüttel. Alle haben den Asse-Gutachtern mitgeteilt, dass ihnen keine Informationen mehr vorliegen. Die Gutachter dazu: „Zum Zeitpunkt der Einlagerung war der heute hohe Anspruch an die Langzeitsicherheit noch nicht gefordert.“ Und sie fügen entschuldigend hinzu, das Wissen um die Gefahren der verschiedenen radioaktiven Abfälle habe „sich erst mit Fortschreiten der Kerntechnik und der Erfahrungen bei Lagerung und Transport entwickelt“.

Klingt wie eine verständnisvolle Entschuldigung.

Sie wissen vielleicht, dass ich auch Notar bin. Verwendete Schreibgeräte müssen zB nach DIN 16554/2 urkundenecht sein. Meine notariellen Urkunden muss ich 100 Jahre aufbewahren. Aber sie strahlen ja auch nicht sonderlich.

7 Antworten to “Entsorgen”

  1. ulrike said

    Großer Gott,wirklich 100 Jahre?Haben Sie denn schon ein Endlager angemietet für die Aktenberge? Die ganzen Vorgänge zeigen dem geneigten Leser doch nur, warum inzwischen eine politische Entscheidung das Synonym für sachfremd und bescheuert ist. Fachleute sind bei politischen Gremien vermutlich nur Ballast, den es abzuwerfen gilt.Die 10 Jahresfrist ist übrigens gesetzeskonform,hätte aber abgeändert werden können.Wenn es denn gewünscht gewesen wäre.

  2. Frank O. said

    Man ist fassungslos und kann nur ohmächtig zuschauen.
    Währen Nachbarstaaten längst erkannt haben das ein Salzstock als Endlager vollig ungeeignet ist, werden hier weiter Millarden an Steuergeldern begraben.

    http://www.waz-online.de/Nachrichten/Politik/Niedersachsen/Ausschuss-unter-Tage-gruenes-Licht-fuer-Gorleben-Untersuchung-steht-bevor

    http://www.waz-online.de/Nachrichten/Politik/Niedersachsen/Opposition-kritisiert-Regierung-fuer-Festlegung-auf-Endlager-Gorleben

    Armes Deutschland!

    Was wundert man sich da wenn keiner mehr zur Wahl geht.

    • Frank O. said

      Nachtrag:

      „Die größte politische Lüge“

      Grünen-Fraktionschef Jürgen Trittin hat die Bundesregierung erneut scharf kritisiert – er bezeichnete das atomare Endlager Gorleben als „Schwarzbau“.
      Der Grünen-Fraktionschef im Bundestag, Jürgen Trittin, hat erneut scharfe Kritik an der Haltung der Bundesregierung geübt, an einem atomaren Endlager Gorleben festzuhalten. Er sagte am Donnerstag im ARD-Morgenmagazin: „Was in Gorleben passiert, ist keine Erkundung, das ist die größte politische Lüge, die derzeit in der politischen Landschaft herumgeistert.“
      Gorleben sei „wunderbar erkundet“, sagte Trittin. Schwarz-Gelb wolle das Atommüll-Endlager zu Ende bauen, obwohl es für diesen Standort nie ein atomrechtliches Genehmigungsverfahren gegeben habe. Trittin sprach von einem „Schwarzbau“.

      Quelle: sueddeutsche.de
      ——————————————————–
      In einem Interview, auf dem Sender Vox, behauptetet gestern ein CDU-Obmann „Es gäbe keinerlei geologischer Bedenken“.

      Erst Vorgestern habe ich in der HAZ folgendes gelesen:

      Sorge wegen Gasvorkommen unter Gorleben

      Die Linken sprechen von hochexplosiven Befunden, die Bürgerinitiative Umweltschutz Lüchow-Dannenberg sieht die Eignung des Salzstocks Gorleben durch ein neues Problem infrage gestellt. Der Grund liegt in Erdgasvorkommen unter dem Salzstock. … weiter bei der HAZ

  3. bn_ReinhardRauscher said

    Kann das sein, dass die Unterlagen eines Notars viel brisanter sind als dieser arme Atommüll, mit dem ja über Jahrtausende bis auf ein bisschen Zerfall nicht viel passiert? Recht hat doch unser Gesetzgeber bei der Festlegung dieser Fristen!
    Nicht mal ordentlich stinken kann dieser arme vielbesungene Müll. Alles im sogenannten grünen Bereich. Ende. Schlimmstenfalls buddeln wir ihn wiedr aus und woanders wieder ein.

    Wen interessiert denn schon in 10.000 Jahren die Gründung eines e.V. oder ein Grundstücksverkauf ?
    Ineressiert eigentlich jemanden in 10.00 Jahren, wo der Atommüll gerade eingelagert ist? Ich glaube, ja!

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