Stadland/Grohnde/Lingen

13. September 2010

Die Süddeutsche Zeitung hat die Reaktionen in den drei niedersächsischen Kommunen ausgewertet, die von einer möglichen Laufzeitverlängerung der Atomkraftwerke betroffen sind. Hier (fast ganz) im Wortlaut das dpa-Extra der Süddeutschen, das Einblicke in die offizielle Lingener Politik enthält – auch die Aussage, dass Ralf Büring parteilos sei:

Längere Laufzeiten an Standorten in Niedersachsen umstritten

Die drei Atomkraftwerke in Niedersachsen werden nach den Plänen der Bundesregierung noch viele Jahre am Netz bleiben. Damit sind Arbeitsplätze und Gewerbesteuer- Einnahmen an den Standorten weiterhin gesichert. Bei den betroffenen Kommunen stoßen die längeren AKW-Laufzeiten jedoch auf geteilte Meinungen.

«Einerseits sehe ich natürlich durchaus die Vorteile, gerade was Arbeitsplätze angeht. Auf der anderen Seite sind aber die Risiken: Keiner weiß, was für Probleme entstehen, wenn ein Meiler älter wird», sagte der Bürgermeister von Emmerthal, Andreas Grossmann (SPD), am Dienstag der Nachrichtenagentur dpa. In seiner Gemeinde befindet sich der Atommeiler Grohnde, der nach bisheriger Planung 2018 vom Netz gehen sollte. Nun darf er wohl bis 2032 weiterlaufen.

Dadurch wachse der Berg von Atommüll im Zwischenlager direkt am Kraftwerk im Kreis Hameln-Pyrmont weiter, ohne dass absehbar sei, wo ein Endlager entstehen solle, kritisierte Grossmann. Die Kommunen müssten zudem etwas von den geplanten Sonderabgaben für die Energiekonzerne abbekommen. Denn ein Atomkraftwerk sei auch ein Standortnachteil, beispielsweise für den Tourismus.

So sieht es auch der Erste Stadtrat von Lingen, Ralf Büring (parteilos), wo das Kraftwerk Emsland nun bis 2034 Strom liefern soll. Die zusätzlichen Abgaben würden die Gewinne der Energieversorger schmälern, so dass diese weniger Gewerbesteuer zahlen müssten. «Wir möchten nicht schlechter dastehen als bisher.» Zugleich forderte er, dass die Sicherheit des Kraftwerks in Zukunft gewährleistet bleiben müsse. «Ich habe Verständnis für die Laufzeitverlängerung, aber die Rahmenbedingungen müssen stimmen.»

Der Bürgermeister der Gemeinde Stadland, wo Niedersachsens ältester Atomreaktor steht, begrüßt dagegen das Energiekonzept der Bundesregierung ohne Einschränkung. «Das Kernkraftwerk möge so lange laufen wie technisch vertretbar», sagte Boris Schierholz (parteilos). Bereits im vergangenen Jahr habe der Gemeinderat mehrheitlich für eine Verlängerung gestimmt. Eigentlich sollte das AKW Unterweser schon 2012 abgeschaltet werden. Jetzt ist eine Verlängerung bis 2020 vorgesehen. Für die strukturschwache Region im Kreis Wesermarsch sei das Kernkraftwerk von großer Bedeutung, betonte Schierholz.

….“

(aus Süddeutsche und HAZ; Foto: dendroaspis2008, flickr.com)

2 Antworten to “Stadland/Grohnde/Lingen”

  1. Ignaz Wrobel said

    Respekt Herr Büring!
    Zumindest mit Blick auf die städtischen Finanzen schimmert eine gewisse Distanz zur CDU/FDP-Laufzeitverlängerung durch.
    Vielleicht könnte unser derzeitiger Verwaltungschef auch einmal die Zeit aufbringen, um sich über die üblen Folgen des Uranabbaus in Ländern wie dem Niger oder Zentralafrikanischen Republik zu informieren (heute im DEUTSCHLANDRADIO).
    Perspektivisch gesehen maövriert sich Lingen mit dem Festhalten an der Atomenergie ins Abseits: Da sind andere Regionen längst weiter.

    Ignaz Wrobel

  2. Frank said

    Durch die Laufzeitverlängerung wird Lingen wohl wesentlich weniger Geld in der Stadtkasse haben!

    Verdienen werden nur die großen Energiekonzerne, die die Steuer als Betriebsausgabe absetzen können. Dadurch entstehen bei Körperschaft- und Gewerbesteuer Ausfälle von ca. 700 Mio. €. Die Hälfte davon entfällt auf die Kommunen und ein Viertel etwa bei den Ländern.

    Da kann man ja absehen, dass wir für die Aktionäre und Konzerne zahlen dürfen!

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden /  Ändern )

Google Foto

Du kommentierst mit Deinem Google-Konto. Abmelden /  Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden /  Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden /  Ändern )

Verbinde mit %s

This site uses Akismet to reduce spam. Learn how your comment data is processed.