Stichwahl

10. September 2010

Gerade sehe ich diese grafische Auswertung des heutigen ZDF-Polit-Barometers. Sie betrifft die Bundespolitik. Aber die Stimmung wirkt sich auch auf unsere Stadt aus. Bei der Bundestagswahl vor einem Jahr beispielsweise landete die CDU bei den wichtigen Zweitstimmen nur bei 45 %, bei den Erststimmen lag sie mit ihrem lokal bekannten Kandidaten Hermann Kues allerdings deutlich über 50 %. Heute ist die politische  Großwetterlage  für die Union nicht gut; sie ist schlechter als 2009.

Deshalb lege ich mich hier mal entschlossen fest. Keiner der männlichen Kandidaten wird am Sonntag die absolute Mehrheit erhalten. Auch Kandidatin Sabine Stüting nicht. Es wird eine Stichwahl um das Amt des Lingener Oberbürgermeisters geben. Die Sichwahl ist dann am 26.02.2010 – also in zwei Wochen.

Die wichtigste Information für diejenigen Lingener und Lingenerinnen, die am Sonntag in den Wahlvorständen im Wahllokal sitzen, ist folglich der Satz:

„Bitte nehmen Sie Ihre Wahlbenachrichtigungskarte wieder mit. Damit Sie sie in zwei Wochen noch vorlegen können.“ (Informierte wissen allerdings, dass man und frau auch ohne Benachrichtigungskarte wählen können, wenn sie sich im Wahllokal ausweisen oder sonst bekannt sind.)

Die spannende Frage ist dann: Wer kommt in die Stichwahl? Auch das ist offen. Der CDU-Kandidat Leinweber kann sich nicht sicher sein, dafür ist die Diskrepanz zwischen seiner teueren Hochglanzwerbung und der Realität zu groß.  Ein „Oppositionskandidat“  wird allerdings  dabei sein.  Und daher sofort die nächste spannende Frage: Was machen die unterlegenen Kandidaten? Geben sie eine Wahlempfehlung ab?

Einen Blankoscheck darf und wird es da nicht geben. Alle müssen sich vielmehr zusammensetzen und beratschlagen. Dann muss eine Vereinbarung geschlossen werden – über Inhalte und über Verfahren, gemeinsame politische Inhalte zu realisieren. Haushaltssanierung, Arbeitsplätze, Migranten und Hartz IV-Empfänger, Aufforstung, Stadtsanierung, Emsland-Arena, Kinderbetreuung, Kulturpolitik, Baugebiete, Energiepolitik, Personelles – das wären so spontan meine inhaltlichen Punkt. Formell sollte es ein starkes OB-Büro geben und einen wöchentlichen Jour fixe , an dem man sich gemeinsam mit dem OB plus  Stab zum Meinungsaustausch trifft.

Und wo ich dies schreibe, gehen meine Gedanken zurück in den März 2000. Auch damals war die politische Stimmung in der Stadt großartig und für den gemeinsamen Oppositionskandidaten Wilfried Telkämper gab es großen Zuspruch. Doch dann am Wahlabend traf nach 15 Minuten das Ergebnis aus Damaschke ein: Zweidrittel Pott, Eindrittel Telkämper und das war dann auch das Endergebnis. Also Freunde der Ratsminderheit: Werdet nicht besoffen vor Zuversicht. Es kann auch alles ganz anders kommen, beispielsweise dann, wenn die Innenstadt wieder nur zu 40% wählt und die Ortsteile zu 60%. Es sei denn, die Bewohner in den traditionell CDU-wählenden Außenbereichen denken an Biogas, abgeholzte Wälder, Friedhofskapellen und stinkende  Tierkadaverfabriken.

7 Antworten to “Stichwahl”

  1. ulrike said

    Das Fell des Bären erst verteilen, wenn er erlegt ist,und nach der Wahl ist vor der Wahl.Dann geht`s weiter.

  2. Martin said

    es gibt leider noch keine Wechselstimmung in Lingen. Davon können Leinweber und Beeck profitieren. Beide vermitteln den Eindruck, dass es so weitergehen kann wie immer. Welch grandioser Irrtum! Die Megathemen werden der Bevölkerungsrückgang und der andauernde Sparzwang sein. Darüber wird von diesen Herren in Unkenntnis oder mit Absicht nicht ernsthaft geredet. Nur vor der Wahl keine unangenehmen Nachrichten verbreiten. Es ist hier nicht unbedingt ein Vorteil jahrelang Ratsherr, dazu noch ohne Gestaltungsmöglichkeit, oder Bürgermeister einer Kleingemeinde gewesen zu sein. Für das Bewältigen der zukünftigen Herausforderungen kann das eher hinderlich sein. Leinweber und Beeck sind die Kandidaten der Vergangenheit, dazu noch von unterschiedlicher Intelligenz und Bildung. Der eine stützt sich dabei auf eine noch satte Unterstützung der Mehrheitsfraktion. Aber das wird sich nach der nächsten Kommunalwahl ändern. Zum schlechten Abschneiden der CDU wird der schwache Kandidat Leinweber ganz erheblich beitragen. Die Union hat hier ein Eigentor geschossen. Gut so,der Abwärtstrend wird beschleunigt. Wer es mit Lingen gut meint, hat nur die Wahl zwischen Krone und Stüting. Beide sind fähig und intelligent genug, sich schnell einarbeiten zu können.Wobei ich hier Frau Stüting einen Vorsprung einräume. Sie sind präsentabel, umfassend gebildet und können sich sowohl in Englisch als auch Französisch mit den Gästen der Stadt unterhalten.Beide sind nicht verstrickt oder verbandelt mit den alten Seilschaften. Also, kritische/r Lingener Wähler/in, erkenne und ergreife die Chance der notwendigen Veränderung.
    P.S.
    Die CDU bezahlt Jungwählern einen Kinobesuch incl. Verköstigung. Herr Leinweber begrüßt die jungen Leute. So tief kann eine Partei sinken. Statt besserer Argumente- Money for Vote. Oder: Pecunia non olet. Woher hat die CDU das viele Geld für die Pflege dieser Landschaft?

    • Frank said

      Woher die CDU das Geld hat???

      Keine Nachrichten gelesen???

      Die CDU hat doch den Energiekonzernen die Lizenz zum Gelddrucken verkauft. Da werden doch wohl noch ein paar Scheinchen zum „Schmieren“ der Jugenlichen übrigbleiben, oder?

    • @Martin

      Woher hat die CDU das viele Geld für die Pflege dieser Landschaft?

      Eine ebenso berechtigte wie spannende Frage. Schon vor 10 Jahren fragte mein damaliger Ratskollege Gerhard Kastein monatelang (vor und nach der ersten Pott-Wahl) nach der Finanzierung der damaligen Pott-Wahlinszenierung, deren Aufwand wir auf 100.000 DM schätzten. Ich glaube, er hat täglich (!) eine E-Mail mit der entsprechenden Anfrage an die CDU und an Heiner Pott geschickt. Geantwortet wurde nicht.

      2000 hatten wir, also das sog Bürgerbündnis aus SPD/FDP/Grüne/UWG, den Aufwand für den Wilfried Telkämper-Wahlkampf damals auf der Internetseite auf den Pfennig genau offen gelegt. Pott schwieg und er schweigt bis heute. Auch Leinweber wird schweigen.

      Es liegt nahe, dass es massive Spenden der Leute gibt, die von der CDU im wahrsten Sinne profitieren. Eine Hand schmiert eben die andere. Damit liegt es auch nahe, dass Sie als Leser dieses kleinen Blogs eine ganze Reihe Spender kennen, ohne letztlich zu wissen, ob und wieviel gezahlt wird. Wenn alles so lauter und ehrlich wäre, müsste die CDU dann ihre Spenden dann verschweigen?

  3. Jochen S. said

    nix ist mit Wechselstimmung. Nicht nur „noch nicht“.

    Schon mal mit den Leuten (Familie, Nachbarn, Kollegen) geredet anstatt hier im Blog mit Gleichgesinnten herumzuphantasieren?

    In schlechten Zeiten (welche nun wohl auch in Lingen anbrechen) schart das gemeine Volk sich erfahrungsgemäß um die bekannten Gesichter. Ob das nun gut ist, sei dahingestellt, es wird so kommen.

    Ich wette eine Palette Katzenfutter.

    • kib said

      @Jochen S. Ich vermute, Sie haben sich etwas bei Ihrem seltsamen Wetteinsatz gedacht. Mein Eindruck nach Gesprächen mit Familie, Freunden & Kollegen deckt sich überhaupt nicht mit Ihrer Einschätzung. Es zeichnet sich eher eine allgemeine Ratlosigkeit ab.Der große Andrang in Halle IV spricht außerdem gegen den Trend, auf „Alltbewährtes“ zurück zu greifen. Aber morgen wissen wir mehr.

  4. Eva said

    Wenn man dieses Ergebnis von der Sonntagsfrage liest, müsste doch Merkel heute persönlich bei Leinweber anrufen und zu diesem gradiosen Sieg gratulieren. Er holt doch wesentlich mehr als die CDU auf Bundesebene holen würde.

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