Niederlage

7. September 2010

Noch ein kurzes Wort zur Podiumsdiskussion in Halle IV. Sie war ein großer Erfolg für die kommunale Demokratie und Selbstverwaltung: Denn in Halle IV hörten rund 800 Lingenerinnen und Lingener zu und viele Hundert an den Radiogeräten der Übertragung durch die Ems-Wechte-Welle. Sie war eine ebenso große Niederlage für die Moderatoren Jürgen Blohm und Thomas Pertz, die der Veranstaltung keine Struktur zu geben vermochten. Schlimmer noch: Sie waren damit extrem einseitig. Dies zeigt dieser Beitrag der Redezeiten der Kandidaten, die auf dem Podium saßen.

Sabine Stüting 11:49 min
Hans-Josef Leinweber 17:43 min
Dieter Krone 22:40 min

Wilfried Fenslage 8:49 min
Jens Beeck 23:49 min
Jörg-Friedrich Küster 12:32 min

Rest (Moderation, Fragen) ~ 25:24 m

Zusammengerechnet ergibt das ~123 Minuten. Wenn Moderatoren es -wie heute- zulassen, dass ein Kandidat fast drei Mal so lange spricht wie derjenige mit der geringsten Redezeit, haben sie schlecht gearbeitet und gezeigt, dass sie überflüssig waren. Auch Sabine Stüting ist nach der Zeitauswertung masssiv durch die Moderatoren benachteiligt worden. Ihre Aussagen waren trotzdem oder gerade deshalb überzeugend. Sie war prägnant, kurz und präzise.

Fazit

7. September 2010

Die heutige OB-Kandidaten-Diskussion hat nur teilweise das gehalten, was von ihr erwartet worden war. Das lag daran, dass beide Moderatoren Jürgen Blohm (VHS) und Thomas Pertz (LT) ihren Job nicht gemacht haben. Sie haben nicht eingegriffen, wenn die fünf Männer auf dem Podium wieder ihr Gerede begannen. Sie haben sie reden lassen, nicht nachgefragt, nicht unterbrochen, wenn einmal mehr nur Allgemeinplätze zu hören waren. Wie es anders geht, hatten vor Wochenfrist die beiden Emsvechtewelle-Moderatoren

Auch dies hätten sie unterbinden oder jedenfalls offen legen müssen: CDU-Kandidat Leinweber las seine Statements zu einem Großteil vom Blatt ab. Man hatte ihm oder er hatte sich -wohl als Reaktion auf sein Gestammel vor einer Woche im Lookentor- die wesentliche Aussagen aufgeschrieben. Er las vom Zettel ab. Unter den Augen des klugen Ersten Stadtrats Büring, der die Diskussion die ganzen zwei Stunden lang stehend neben dem Podium verfolgte (Foto).

Fünf Tage vor der OB-Wahl sind -aller salbungsvollen Worte und Phrasen zum Trotz- die Unterschiede der Kandidaten längst klar und deutlich. Ich beschreibe sie so:

Die CDU präsentiert mit Hans-Josef Leinweber alles andere als einen guten Mann. Er ist Beamter und das zeigt auch sein wenig souveränes Auftreten. Man kann sich nicht vorstellen, dass er unsere Stadt führt, dass er Ziele aufzeigt und Vorstellungen entwickelt, wie und wohin es gehen soll. Er liest ab. Das sagt alles. Er als OB und Stadtbaurat L. im Amt – keine schöne Vorstellung.

Jens Beeck findet ausnahmslos alles richtig, spricht  von „Entscheidungen“, die „wir“ getroffen haben. Wie ein Fußballer, der seit 19 Jahren nur auf der Tribüne sitzt, aber so tut, als sei er aufm Platz. Er hat in den 19 Jahren nur geredet, gestaltet hat die CDU. An anderer Stelle habe ich schon gelesen, dass er nach seinen Aussagen der wahre CDU-Kandidat sei – allerdings ohne soziale Bezüge, kapitalorieniert und bürgerfern, weil er alles besser zu wissen vorgibt.

Dieter Krone war heute zweifellos stärker als in den letzten Wochen. Er hat auch fast am meisten geredet. Auch seine Positionen sind aber konservativ, was seine rot-grünen Unterstützer verdrängen. Ich fürchte, sie würden bei einer Wahl Krones schnell erschrocken aufwachen. Denn schon eine leidlich organisierte CDU-Ratsmehrheit würde ihn einfangen und einbinden, hat er doch keine soziale oder ökologische Vita aufzuweisen. Deshalb würde er nur einen Winter lang tanzen und sich dann von früheren (ehrenamtlichen) OBs wie Ulla Ramelow oder Hans Klukkert schnell nicht mehr unterscheiden. Ich fürchte, er ist ein großer rot-grüner Irrtum.

Die auch bei der heutigen Diskussion überforderten Jörg Küster und Wilfried Fenslage haben keine Chancen. Küster, den die Muse in den 1990er Jahren küsste und der flotte Musik machte, ist heute so unendlich verkniffen, wie ich mir einen OB nicht vorstellen mag. Und Wilfried Fenslage ist als Versicherungsmakler zweifellos besser aufgehoben.

Keine Frage, dass ich für Sabine Stüting werbe; denn ich bin von ihr überzeugt, nicht nur weil sie -sorry, Jungs!- die höchste Intelligenz aller Bewerber hat. Ungeschminkt ehrlich ist schon ihr Wahlplakatfoto – im Gegensatz zu den photoshop-bearbeiteten Männerbildern.
Vor allem inhaltlich überzeugt sie mit einer nach vorn gerichteten Politik: Sparen in der Verwaltung wegen der Haushaltsmisere hat sie (als erste) gefordert, die Wiederaufforstung in Altenlingen, ihr Einsatz für Frauen und Betreuungsgarantie für Kinder ab 1, etwas das die männliche Konkurrenz nicht ein Mal verbalisiert hat, ihre Bereitschaft, den demografischen Wandel als etwas zu begreifen, das zum Gestalten zwingt (und nicht zu neuen Baugebieten in Baccum oder sonstwo, Dieter Krone!).  Sie präsentiert ein modernes Programm. Heute Abend erhielt ich nach der Diskussion eine cc-E-Mail an Sabine Stüting, die ich an dieser Stelle ausschnittsweise zitiere, weil sie meine Meinung wiedergibt:

Liebe Sabine,
wir möchten Ihnen zu Ihrem Auftritt in Halle IV sehr herzlich gratulieren. Sie waren offen und darum auch glaubwürdig, klar in der Argumentation und der Begründung Ihrer Aussagen und die Aussagen waren vernünftig, d.h. unideologisch, plausibel und überzeugend….

So isses. Sabine Stüting wird Lingen führen, nicht verwalten. Fürs Verwalten hat sie hoch qualifizierte Verwaltungsbeamte. Sie wird sich nicht vereinnahmen lassen.

Twitter

7. September 2010

Ankündigung:

Roberts Blog twittert heute Abend über die Podiumsdiskussion der sechs OB-Kandidaten fünf Tage vor der Lingener Oberbürgermeisterwahl. Beginn 19 Uhr.

(Eine Zusammenfassung aller Twitter-Kommentare zur Podiumsdiskussion in der Halle IV gibt es hier)

Fragen

7. September 2010

CDU-OB-Kandidat Hans-Josef Leinweber lässt jetzt auch noch in und nach „seinen eigenen“ Tweets rätseln. Zum Beispiel heute hier:

Dieser Tweet ist wohl eine Farce. Er gelangte nämlich ins Netz  „via web“. Folglich müsste Kandidat Leinweber  also in der CDU-Fraktionssitzung  im Sitzungszimmer des Lingener Konrad-Adenauer-Haus mit einem Laptop sitzen. Ich wette ein Bier darauf, dass er keinen Laptop dabei hatte und die Kollegen von der schwarzen Feldpostnummer  weder  Wlan noch Lan in ihrem Sitzungszimmer hinten im Konrad-Adenauer-Haus vorhalten.

Dann bleibt noch die weitere Frage, ob eigentlich in der CDU-Fraktionssitzung auch über nicht-öffentliche Punkte der Lingener Ratspolitik diskutiert wurde, während der Kandidat aus Geeste daneben saß. Solche Beratungen nicht-öffentlicher Punkte sind üblich. Ich denke da an beispielsweise an Grundstücks- oder Personalentscheidungen. Dann aber dürfte Hans-Josef Leinweber aus Geeste gar nicht dabei sein. Hat man ihn also rausgeschickt? Ich müsste mal die Verwaltungsspitze per E-Mail fragen; die nämlich ist traditionell immer dabei Montagabends in den „sehr diskussionsfreudigen“ Beratungen, in denen sich die CDU-Ratsmitglieder offenbar so verausgaben, dass sie dann in den Ratssitzungen meist nur noch schweigen … 😉