Weg

5. September 2010

Der Ems-Report, das in Meppen gemachte, kostenlose Anzeigenblatt, hatte es nie leicht.  Aber die Herausgeber machten es sich auch selbst schwer.  Die Macher hatten zwar einen hohen Anspruch, sie schrieben und schrieben. Die Ausrichtung des Blattes und die Botschaft seiner Berichte blieben aber stets dunkel. Die redaktionellen Beiträge ertranken geradezu in fehlenden klaren Aussage. Man erinnert sich mit Schaudern an die Textwüsten der ersten Jahre, die alle lesen sollten, aber schon optisch niemand zu lesen vermochte. Dann brachte das Blatt zeitweise Lokalseiten aus Lingen und umzu, die größtenteils so bieder und hausbacken waren, dass die lokale Tagespresse dagegen geradezu revolutionär wirkte. Richtig guten, zumal kritischen  Journalismus brachte das Blatt nie zustande. Nur damit hätte der Ems-Report aber angesichts der Hofberichterstattung a la LT/MT/EZ  bestehen können.  Entsprechend das Echo: Das Wichtigste waren meist die Werbebeilagen. Schließlich wurde die Mittwochausgabe aus wirtschaftlichen Gründen eingestellt, dann gab es vor einigen Monaten ein neues, gelungenes Layout – doch  jetzt bereits dasselbe nochmal. Es gibt dafür wohl massive wirtschaftliche Gründe; denn auch der Ticketshop des Ems-Report in der Lingener Lookentorpassage hat seine Pforten geschlossen.

Und dann dieser Satz im aktuellen Editorial: „Das äußere Erscheinungsbild … ist nur ein Teil auf dem neuen Weg. Viel wichtiger ist die neue inhaltliche Ausrichtung des Verlages“, schreibt in der aktuellen Ausgabe Susanne Smit-Heikens, die nun  verantwortlich zeichnet.

Was das bedeutet, finden wir schnell:  Schlecht getextete Werbeartikel von lokalen Unternehmen und Behörden und dann Anzeigen, Anzeigen, Anzeigen, Werbung, Werbung, Werbung – die Artikel transportieren nur eins: Alles ist schön. Es gibt keine Probleme in der Region, keine Politik, keine Diskussion, keine Suche nach Besserem – reiner platter Werbemist. Der Ems-Report hat also  Abschied genommen von jedem journalistischen Anspruch. Er ist weg davon und  jetzt nur noch ein Werbeblättchen und zwar eines der schlechteren Sorte. Unfassbar oberflächlich und öde.  Das sichtbare Ende einer Zeitung.

Eine Antwort zu “Weg”

  1. […] Alte Schlachthof hat darauf reagiert, dass es -gar nicht oberzentral!- überhaupt keine echten Vorverkaufsstellen mehr in Lingen gibt. Er  bietet jetzt auch Tickets zum Selbstausdrucken an. Leider wohl […]

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