Faustisch

31. August 2010

Am Montag gehörten E.ON und RWE zu den größten Gewinnern an der Frankfurter Börse. Denn die von schwarz-gelb angedachten 10 bis 15 Jahre Laufzeitverlängerung für deutsche Atomkraftwerke spülen Milliarden in die Kassen der Strommonopolisten. Eine 15jährige Laufzeitverlängerung beschert den Atmokraftwerk-Betreibern nach Berechnungen des DIW mehr als 96 Milliarden Euro.

Selbst wenn die Regierung ihre Drohung wahr macht -sie wird einknicken- und einen Teil der Mehreinnahmen über eine „Brennelementesteuer“ abschöpft, blieben den Stromkonzernen noch rund 62 Milliarden Euro Mehreinnahmen – bei einer 10jährigen Laufzeitverlängerung wären dies immer noch 41 Milliarden Euro.

Es geht also um das ganz große Geld. Und da bleibt der für die nächsten 300.000 Jahre tödlich strahlende Atommüll einfach auf der Strecke.

Auch in Lingen macht man sich über die Folgen dieses Beschlusses keine besonderen Gedanken und sieht  das Thema vor allem pekuniär:

„Im Zuge der Diskussion um die Brennelementesteuer und einen weiteren Beitrag der Atomkonzerne möchte ich betonen, dass auch wir, als Standortkommune, von einer möglichen Verlängerung der Laufzeiten profitieren wollen“,

sagte Erster Stadtrat Ralf Büring. In der ARD ergänzte er: „Womit auch immer!“ Nun: RWE wird mangels Endlager sicherlich das „standortnahe Zwischenlager“ ausbauen wollen und dafür gibt es ja Baugenehmigungsgebühren. Und ansonsten fließt die Gewerbesteuer. Bloß wenn mit der Atom-Technologie etwas schief geht, dann war es das mit dem schönen Emsland. Wahrlich ein faustischer Handel.

(Foto: “ Brennstäbe“ Foto: © dendroaspis2008)

4 Antworten to “Faustisch”

  1. Frank said

    Übrigens… das Institut, das lt. eignem Gutachten eine lange Laufzeitverlängerung für „wünschenswert“ hält, wird von RWE und Eon finanziert! UNGLAUBLICH!

    http://www.zeit.de/wirtschaft/2010-08/rwe-eon-energiekonzept-koeln

    • Dieter Herrmann said

      plus, da muss ich dem Gabriel ja ausnahmsweise Recht geben, das sind Wirtschaftstheoretiker und keine technischen Sachverständige, z.B. vom TÜV!

  2. Frank O. said

    Gabriel: „Dreiste Interessenpolitik“

    Das Thema Atom vergiftet die Stimmung in der schwarz-gelben Regierungskoalition. Vor dem Gipfeltreffen bei Bundeskanzlerin Angela Merkel herrscht weiterhin Streit über die Verlängerung der Laufzeit von Kernkraftwerken.

    Bayerns Umweltminister Markus Söder (CSU) attackierte Bundesumweltminister Norbert Röttgen (CDU), weil dieser angeblich die Ergebnisse des Regierungsgutachtens zur Energiepolitik infrage stelle. „Sein Verhalten in der Frage der Laufzeitverlängerung ist eine Hypothek für die Verhandlungen“, sagte Söder der ‚Bild‘-Zeitung. Röttgen versuche durch Trickserei die Entscheidung zur Verlängerung der Laufzeiten der Atomkraftwerke zu verzögern. Der Bundesumweltminister tritt im Gegensatz zu weiten Teile der Union und der FDP für eine möglichst zurückhaltende Verlängerung der Laufzeiten der Atommeiler ein. Im Gespräch sind Zeiträume zwischen 10 und 15 Jahren.

    Die Spitzen der Koalition treffen sich im Kanzleramt, um ihr Energiekonzept möglichst abschließend zu beraten. Dabei soll der Streit über die längeren Atomlaufzeiten beigelegt werden. Davon hängt auch ab, welche Zusatzzahlungen die Atomindustrie für Investitionen in erneuerbare Energien leisten soll. An dem Treffen im Kanzleramt nehmen neben Merkel und den Fachministern auch die Parteivorsitzenden Guido Westerwelle (FDP) und Horst Seehofer (CSU) teil. Die Faktionschefs sind ebenfalls eingeladen.
    ———————————————————-

    AKW schlecht gegen Terrorangriffe gesichert!

    Bei dem Gipfel geht es auch um zusätzliche Schutzmaßnahmen für Atommeiler bei Terrorangriffen. Sie seien bislang ungenügend, zitiert das Magazin ‚Der Spiegel‘ aus einem von der Umweltorganisation Greenpeace in Auftrag gegebenen Gutachten. Die „Erfolgswahrscheinlichkeiten einer Terrorgruppe“ würden als „beunruhigend hoch“ eingeschätzt.

    Unterdessen hat SPD-Chef Sigmar Gabriel der Bundesregierung erneut Interessenpolitik für die Stromkonzerne vorgeworfen. “ Ich kenne keine Bundesregierung in der Vergangenheit, die so offen und so dreist die wirtschaftlichen Interessen eines kleines Teils der Wirtschaft vertreten hat wie die jetzt amtierende“, sagte er.

    Außerdem warnte er vor einem Verfassungsbruch bei der anstehenden Entscheidung. „Wenn Länder 10, 15 oder auch nur 8 Jahre länger für alte Atommeiler Sicherheitsaufgaben bekommen, dann müssen die Länder auch im Bundesrat beteiligt werden“, so Gabriel. „Wenn die Bundesregierung das nicht vorsieht, ist das ein Bruch der Verfassung und dann werden wir dagegen klagen.“

    Quelle: http://www.rtl.de

  3. […] davon etwas erhalten, glaubt bestimmt nicht mal der Erste Stadtrat Ralf Büring, der dies unlängst noch gefordert […]

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