Jubel

29. August 2010

Mal wieder einen Blick auf das Sportleben der Region unter besonderer Berücksichtigung des qualifizierten Schiedsrichterwesens. Die Fußballmannschaft des ASV Altenlingen trat am Freitagabend in Haren zu einem Kreisligaspiel (Endstand: 2:2) an. Die junge  Altenlingener Mannschaft ist als „spielstark und fair“ bekannt. Unter allen niedersächsischen Fußballteams belegte sie in der letzten Saison als fairste Mannschaft unserer Region Platz 17 von gefühlt 1000 Mannschaften und jetzt dies in Haren:

Es war ein normales Spiel, versichern Beobachter. Keineswegs hart oder unfair geführt. Altenlingen beendete trotzdem das Spiel nach 97 (!) Minuten mit nur 9 Mann. Schiedsrichter war laut fussball.de der Papenburger  Heiner Lohmann. Bekanntlich geht es beim Fußball nicht ohne Schiedsrichter, aber vielleicht wäre es am Freitag ohne Schiedsrichter Heiner Lohmann mehr um Fußball gegangen. Bitte jetzt kein „Übertriebener Jubel“ – sonst … s. 45. Minute.

Nordhorn

29. August 2010

Die Hochwasserlage in Nordhorn ist weiterhin angespannt. Die Feuerwehr Nordhorn kann mit eigenen Mitteln der Situation nicht Herr werden. Aus diesem Grund hat der Krisenstab beim Landkreis die Bundeswehr um Unterstützung gebeten. Etwa 35 Soldaten aus Diepholz, die noch vorgestern in Osnabrück im Hochwasser-Einsatz waren, werden in der Kreisstadt erwartet. Sie sollen zunächst vor allem beim Füllen von Sandsäcken helfen. Kritisch sind in der Nacht zu Sonntag nach Auskunft der Feuerwehr die Uferbereiche am Püntendamm und das Povelgelände rund um die Vechteaue.

Die Geschäfte am Püntendamm und an der Firnhaberstaße wurden mittlerweile von Feuerwehrkräften und Anliegern mit einem Wall aus Sandsäcken abgesichert. Vereinzelt haben auch in der Hauptstraße Geschäftsleute bereits ihre Läden mit Sandsäcken und Folien gesichert. Indes sind viele Nordhorner in der City auf den Beinen, um den Einsatzkräften bei der Arbeit zuzuschauen.  “Die Arbeit der Wehrleute wird leider immer wieder durch Schaulustige in diesem Bereich behindert, aus diesem Grund bittet die Feuerwehr darum die Bereiche auch aus Gründen der allgemeinen Sicherheit zu verlassen”, heißt es in einer Pressemitteilung der Feuerwehr.

Um den Druck von der Vechte rund um die Vechteinsel zu nehmen, hatte die Feuerwehr gegen 21 Uhr damit begonnen, auch an der Rückseite der Baustelle Bentheimer Torbrücke die Spundwände mit einem Bagger niederzudrücken. Dadurch kann das Wasser nun schneller zum Kornmühlenwehr abfließen. Die Schleuse am Verbindungskanal konnte bislang noch nicht vollständig geöffnet werden. Durch das Hochfahren der Vechteschleuse in Brandlecht will man nun den Druck nehmen, damit die Verbindungsschleuse geöffnet werden kann. Mittlerweile erhalten THW, Feuerwehr und DLRG auch Verstärkung durch die Nordhorner Speditionsfirma Rigterink. Wie Bürgermeister Meinhard Hüsemann den GN mitteilte, stellt die Spedition 300 Paletten für Sandsäcke und Sicherungsmaßnahmen bereit.

Seit 18 Uhr war die Firnhaberstraße vom Vechte-Hochwasser akut betroffen. Die neugestaltete Einkaufsstraße steht teilweise unter Wasser, die Abwasserschächte konnten das Wasser nicht mehr aufnehmen. Auch das Einkaufzentrum „Vechte-Arkaden“ ist vom Hochwasser akut gefährdet. Sandsäcke sollen hier wie an der Hagenstraße die Vechte am Übertreten hindern. Am Neumarkt trat Wasser aus der überlasteten Kanalisation, sodass Teile des Parkplatzes und der Seeuferstraße überschwemmt sind.

Die Feuerwehr Nordhorn ist im Großeinsatz, mehrere Feuerwehren aus dem Umkreis kommen der Wehr aus der Kreisstadt zur Hilfe. Seit 17.50 Uhr besteht bei der Feuerwehr Nordhorn und Brandlecht Vollalarm. Der Pegelstand der Vechte stieg seit dem Vormittag kontinuierlich und hatte im Laufe des Nachmittags an manchen Stellen bereits eine kritische Marke erreicht. Auf dem Povelgelände musste die Feuerwehr bereits nachmittags Kellerfenster mit Sandsäcken schützen. Viele Uferwege im Stadtgebiet sind überschwemmt und nicht mehr passierbar, einige wurden vorsorglich gesperrt. Die Bevölkerung wird von der Feuerwehr aufgerufen, Uferbereiche und Überschwemmungsgebiete der Vechte und der Kanäle nicht zu betreten.

Bis 22 Uhr wurde in Nordhorn weiterhin ein ansteigender Wasserpegel gemessen. In der Innenstadt und auf dem Povelgelände bereitet man sich deswegen auf eine lange Nacht vor: Keiner weiß, ob und wann der Pegel fällt. Sorgenvoll schaut man auch auf den Sonntag, da neues Regenwetter angesagt ist.

Feuerwehr und THW müssen nach wie vor vom schlimmsten Fall der Fälle ausgehen, da immer noch nicht einzuschätzen ist, wie viel Hochwasser aus der Obergrafschaft über die Vechte noch weiter in die Grafschafter Kreisstadt geführt wird. Auf dem Bauhof der Stadt an der Enschedestraße hatte das THW frühzeitig damit begonnen, Sandsäcke abzufüllen und an kritische Hochwasserstellen zu bringen. Zudem schaffte sie aus Ochtrup und Rheine 40.000 zusätzliche Sandsäcke nach Nordhorn. Da es in Nordhorn keine offizielle Pegelmessung gibt, hat die Feuerwehr an bestimmten Gefahrstellen Posten abgestellt, die die Hochwasserstände kontrollieren. Am Nachmittag war die Feuerwehr zu einer Krisensitzung zusammen gekommen, um das weitere Vorgehen abzusprechen die Sicherungsvorkehrungen einzuleiten.

Hinweis (und Dankeschön):

Der Beitrag stammt aus dem Blog des   Nordhorner „Hotel am Stadtring“, Foto: © Hotel am Stadtring

ERE-update

29. August 2010

Glaubt man den Auguren, wird es zunächst doch nichts mit der  russischen Übernahme der BP-Raffinerie in Lingen, über die vor knapp einem Monat spekuliert wurde. Die Europa-Ausgabe der Wirtschaftszeitung „Wall Street Journal“ berichtet jetzt, dass der russische Staatskonzern Rosneft 50% der Ruhr Oel GmbH („ROG“) erwerben will. Diese Anteile gehören seit der Gründung des  Unternehmens 1983 der staatlichen venezolanischen Ölgesellschaft  Petróleos de Venezuela S.A. (PDVSA).

Die andere Hälfte des Gemeinschaftsunternehmens gehörte zunächst der staatlichen deutschen Veba Oel AG . Ruhr Oel GmbH war weltweit die erste Kooperation zwischen einem Erdöl produzierenden und einem Erdöl verbrauchenden Land. Später fusionierte der VEBA-Konzern mit der VIAG zur E.ON AG.  2002 erwarb dann die Deutsche BP AG in zwei Schritten das Ölgeschäft von der E.ON AG und damit auch die Anteile an der Ruhr Oel. Inzwischen ist die Deutsche BP AG in der BP Europa SE aufgegangen. In dieser Europäischen Aktiengesellschaft mit dem Sitz in Hamburg (Handelsrgeister AG Hamburg  HRB 8243) hat  BP zum 01.01.2010  seine Landesgesellschaften Deutschland, Österreich, Belgien, Niederlande und Polen zusammengefasst.

Ruhr Oel besitzt die beiden Gelsenkirchener Raffinerien Scholven und Horst, die nur 7 km voneinander entfernt liegen. Gesteuert werden das Raffineriesystem und die petrochemischen Anlagen von der Betriebsführungsgesellschaft BP Refining & Petrochemicals GmbH (BP RP), einer 100 %igen Tochter der Deutsche BP AG mit Sitz ebenfalls in Gelsenkirchen. BP RP ist auch mit der operativen Steuerung der  „Erdölraffinerie Emsland“ (ERE) in Lingen beauftragt; im Gegensatz zu den beiden Gelsenkirchener „ROG“-Raffinerien ist die ERE aber eine 100 %ige Tochter der BP Europa SE. Daneben hält die Ruhr Oel GmbH auch Anteile an den Raffinerien PCK in Schwedt, Miro in Karlsruhe und Bayernoil in Vohburg. Insgesamt kontrolliert das Unternehmen rund ein Viertel der Raffineriekapazitäten in Deutschland. Darüber hinaus hält ROG Beteiligungen an verschiedenen Pipeline-Gesellschaften und ist Muttergesellschaft der DHC Solvent Chemie GmbH in Mülheim.

Die laut „Wall Street Journal“ bevor stehende Übertragung der Gesellschaftsanteile von der venezolanischen PDVSA auf Rosneft betrifft auch BP, das die zweite Hälfte an Ruhr Oel hält. BP hat deshalb ein Vorkaufsrecht an dem 50%-Anteil des venezolanischen Partners. Damit die Briten auf dieses vertragliche Vorkaufsrecht verzichten, soll Rosneft ihnen ein attraktives Angebot gemacht haben, berichtet das „Wall Street Journal“. Danach wollen Rosneft und die im Unterwassergeschäft bekanntlich sehr erfahrene 😉 BP künftig gemeinsam die Ölreserven in der Arktis erforschen. „Dies wäre ein wichtiges Signal, dass BP trotz der Ölkatastrophe im Golf von Mexiko als Partner für neue Projekte weiter salonfähig“ ist, kommentiert SPIEGEL-online. BP und Rosneft kennen sich bekanntlich, die Konzerne arbeiten schon bei einer Reihe anderer Projekten zusammen.

Die ERE im Lingener Stadtteil Holthausen-Biene würde also bei dieser Lösung erst einmal nicht verkauft, sondern bliebe als 100%ige Tochtergesellschaft weiterhin im Eigentum der Deutschen BP AG.

(Korrektur 30.08.2010)