Bilder

26. August 2010

Kanzlerin Angela Merkel hat heute das heimatliche Atomkraftwerk besucht und dort die Konzernchefs Jürgen Großmann (RWE) und Johannes Teyssen (E.ON) getroffen. Trotz strömenden Regens demonstrierten mehrere Hundert Atomkraftgegner  vor dem Kraftwerksgelände gegen eine Laufzeitverlängerung der Atommeiler. Atomkraft sei keine Brückentechnologie für die erneuerbaren Energien, sagte auf einer kleinen Kundgebung der Sprecher der Initiative Campact, Christoph Bautz. Er warf der Bundesregierung «Klientelpolitik» zugunsten der Atomindustrie vor.  Bautz kritisierte, dass Merkel eine Liste mit 160 000 Unterschriften für den Appell «Atomkraft abschalten» in Lingen nicht entgegennehmen wollte.

Mit der Botschaft Atomkraft ist ein Irrweg, Frau Merkel! hatten zuvor in den frühen Morgenstunden Aktivisten der Umweltorganisation Greenpeace gegen den PRO-Atomkurs der Bundesregierung protestiert. Die Umweltschützer projizierten den Spruch an den Kühlturm des Atomkraftwerkes. Auch Greenpeace  fordert die Bundesregierung auf, die Atomkraftwerke nicht länger laufen zu lassen.

Eine am Dienstag von Greenpeace vorgestellte Studie des Wuppertal Instituts belegt:  Erdgaskraftwerke sind die einzige Brückentechnologie, die gebraucht wird, um gefahrlos ins Zeitalter der Erneuerbaren Energien zu gelangen. Atomkraft ist als Brücke hingegen nicht geeignet, da die Reaktoren kaum regelbar sind und die natürlichen Schwankungen bei der Stromerzeugung aus Wind und Sonne nicht ausgleichen können. Eine hocheffiziente Gasbrücke würde zudem den Import von Gas künftig stark reduzieren. Das Potential dieses Energieträgers besichtigte Merkel gleich neben dem AKW Emsland . Dort besuchte  sie ein von RWE betriebenes Gas- und Dampfturbinenkraftwerk.

Anschließend fuhr sie zur Fa „Emsflower“ der niederländischen Gartenbau-Unternehmerfamilie Kuipers aus de Lutte, die nahe des Schüttorfer Kreuzes ein -zig Fußballplätze großes Gewächshausareal betreiben, das seit einem halben Jahr mittels eines modernen Naturholzkraftwerks mit Wärme und Energie versorgt wird.

Damit von Merkels  Besuch auch die richtigen Bilder in den Medien zu finden sind, ist der Kanzlerhubschrauber derweil ein paar Kilometer abseits geparkt. Es sollen wohl keine Bilder für die Medien entstehen, auf denen Frau Merkel in den energieaufwändigen Helikopter steigt, also fährt sie um ein paar Ecken hinter die Büsche der Gemeinde Emsbüren und besteigt ihr Luftgefährt dort.

Nachtrag: Hier die Alternative zum Sommermärchen 2011. Das Youtubevideo von Deichkönigin:

(Foto oben: AKW Lingen, Greenpeace-Aktion am 26. August @Fred Doll, Greenpeace)

16 Antworten to “Bilder”

  1. Frank O. said

    Der NDR berichtet im Fernsehen von 300 Demonstranten. Das finde ich doch sehr mager. Nachdem ich gelesen hatte das sogar Busse aus Bielefeld, Münster,Osnabrück, Rheine und Bremen kommen sollten, hatte ich dann doch mit mehr gerechnet.
    Vielleicht ist der Wiederstand in der Bevölkerung schon soweit abgeflaut das man sich einfach damit abfindet was kommen wird.
    Denn was kommen wird, ahnen wir doch alle schon lange.

    • Dieter Herrmann said

      Es ist schon lustig wie stark die Zahlen innerhalb des NDRs variieren, so berichtete NDRinfo über 200 NDR1 hingegen von besagten 300 (http://de.wikipedia.org/wiki/300_(Film) :D).

      Aber es ist natürlich wie immer bei solchen Veranstaltungen, die größten Wichtigtuer müssen von außerhalb angekarrt werden, da tun sie sich alle nicht viel.

      Sehen konnte man sie nicht und hören? Na ja wenn man sich lang genug konzentrierte vielleicht und die Luftballons waren auch schnell weg, was bleibt ist alles beim alten.

    • Frank said

      300 Demonstranten mögen für den einen eine recht magere Teilnehmerzahl sein, jedoch gibt es auch Leute, die arbeiten und eben an einem Donnerstag morgen nicht in Lingen dabei sein können. Interessanter finde ich die Zahl von 160.000 Unterschriften gegen Atomkraft, die man Frau Merkel überreichen wollte. Das ist doch schon eine stattliche Zahl! Außerdem habe ich keine Befürworter gesehen. Man will doch die Rücknahme des Atomausstiegs! Wo waren denn die Befürworter der Kernkraft? Man kann es sich sehr einfach machen und Zahlen so drehen, wie es einen gerade in den Kram passt, aber die Gegner stellen wenigstens etwas auf die Beine und lassen sich nicht kaufen, wie Parteien!

      Die Bevölkerung vor Ort hat meines Erachtens Angst, denn es geht ja um soooo viele Arbeitsplätze und um Gewerbesteuereinnahmen. Eben um Wohlstand… für einige Wenige aber auf keinen Fall für die Bürger.
      Bedenklich finde ich die Aussagen (LT) vom SPD-Ratsvorsitzenden Wiedorn „Die Emsländer seien generell sehr geduldig in solchen Dingen“ um dann weiterzufahren „Viele sehen auch die großen wirtschaftlichen Effekte, die vom Atomkraftwerk ausgehen“ und „Aber vor dem Atomkraftwerk in Lingen habe ich eigentlich keine Angst“, „Lingen ist eine kleine Stadt, man kennt die Leute, die dort arbeiten, und das sind alles anständige Menschen.“ Gerade der lezte Satz grenzt an Verdummung! Das ist doch eindeutig ein Plädoyer pro Atomkraft. Und das von einem SPD-Politiker.

      Von Niemandem aber ein Wort zum Endlager, wo wir vor der Haustür doch einen wunderbar geeingeten Standort haben… aber da werden dann sicherlich auch Leute arbeiten, die man kennt 😦

  2. Thomas Adolf said

    hier die Bilder, die von der NOZ gerade getwittert wurden:

    http://www.noz.de/bildergalerien/47265185/200-demonstranten-protestieren-in-lingen

  3. Eco Scout said

    … das konservative Emsland wurde nicht ohne Grund als Standort für die Atomindustrie gewählt. Hätte es da mal Szenen wie in Wackersdorf oder Brokdorf gegeben, wäre das vielleicht anders. Aber vielleicht wachen die Leute ja auf, wenn das Emsland auch das „End“lager bekommt!

  4. Küster said

    Erstaunlich wer so alles nicht da war.

  5. Monia said

    Vielleicht waren ja ganz viele Demonstranten gestern schon da: http://www.noz.de/artikel/47272477/merkel-will-atomkonzerne-anzapfen

  6. Monia said

    Morgen ist „gestern“ ja auch richtig. Aber nicht heute.

  7. Kib said

    Dieter Herrmann sagte 26. August 2010 um 18:49
    Das gilt für beide Seiten, ja auch das Merkel war kaum zu sehen

    Herr Hermann, was hätten Sie denn erwartet?

  8. Kib said

    Nachtrag: Robert, lagst richtig mit deiner Vermutung, dass Bild – HAN berichtet:
    http://www.bild.de/BILD/regional/hannover/dpa/2010/08/25/merkel-besucht-atomkraftwerk-lingen.html

  9. Frank O. said

    Netter Artikel auch bei Spiegel-Online!!
    Siehe hier: http://www.spiegel.de/politik/deutschland/0,1518,714035,00.html#ref=rss

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