Mittendrin VI

25. August 2010

Die Staatsanwaltschaft Osnabrück hat -wie angekündigt- Anklage gegen Andreas H., Ex-Pfarrer der katholischen Kirchengemeinde in Spelle, Schapen, Venhaus und Lünne (Foto: kath. Kirche in Spelle, re.), erhoben. Dem 50-jährigen Geistlichen wird vorgeworfen, vor zwanzig Jahren in Haren die damals 14 Jahre alte Anzeigeerstatterin zwei Mal vergewaltigt zu haben. Bei der ersten Tat soll der jetzt Angeschuldigte den Widerstand der Jugendlichen durch Festhalten überwunden haben, teilte die Staatsanwaltschaft Osnabrück mit. Zu der zweiten Tat habe er die „tiefgläubige Jugendliche“ in die Kaplanei einbestellt. Für den Fall der Weigerung habe ihr der Priester „Nachteile in ihrer Stellung vor Gott angedroht“ und anschließend ihren Widerstand gebrochen, indem er sie an den Armen festhielt und ihren Mund zuhielt.

Die Anzeigeerstatterin hat nach Angaben der Staatsanwaltschaft auch angegeben, sie habe drei Jahre lang immer wieder „sexuelle Übergriffe erdulden müssen“. Diese weiteren Vorwürfe konnte die Staatsanwaltschaft nicht anklagen, weil sie zu allgemein, das heißt „nicht ausreichend konkretisierbar“ waren. Außerdem sind weitere infrage kommende Delikte wie etwa der sexuelle Missbrauch von Schutzbefohlenen bereits verjährt.

Der Priester hat -laut Staatsanwaltschaft- im Ermittlungsverfahren sexuelle Kontakte zur Geschädigten eingeräumt. Diese seien aber einvernehmlich erfolgt. Diese Darstellung der Staatsanwaltschaft steht im Gegensatz zu Presseberichten von Mitte des Monats, in denen es geheißen hatte, der ehemalige Pfarrer stelle sexuelle Kontakte in Abrede. Der Nordhorner Rechtsanwalt Theo Krümberg, der den Theologen verteidigt, hatte erklärt, bei der Anzeige der Zeugin, die die Vorwürfe im Zuge der großen öffentlichen Diskussion über Missbrauchsfälle in der katholischen Kirche im Frühjahr erhoben hatte, handele es sich um einen „klassischen Trittbrettfall“.

Die Anzeigeerstatterin hatte sich in der Tat erst im Frühjahr während der großen öffentlichen Debatte über Missbrauchsfälle in der katholischen Kirche , also mehr als 19 Jahre nach den jetzt angeklagten Taten, an das Bistum Osnabrück gewandt und ihre Anschuldigungen gegen den seither suspendierten Pfarrer erhoben. Die Staatsanwaltschaft Osnabrück vermutet nun, „die Übergriffe“ seien „wegen der als charismatisch empfundenen Ausstrahlung des Angeschuldigten und einem spirituellen Abhängigkeitsverhältnis der Geschädigten zu ihm von ihr ertragen worden“ – so reichlich mystisch-spekulativ  die Presseerklärung der Staatsanwaltschaft. Diese Ausgangslage macht die Einholung eines wissenschaftlichen Gutachtens hinsichtlich der Glaubhaftigkeit der Angaben der Anzeigeerstatterin sehr wahrscheinlich.

Die Osnabrücker Staatsanwälte ermitteln noch in einem weiteren Verfahren wegen ähnlicher Vorfälle  gegen den Ex-Pfarrer, Eine heute 38-jährige Frau hatte den Geistlichen ebenfalls im Frühjahr beschuldigt, er habe sie „im April/Mai 1995“ sexuell missbraucht. Dieses Ermittlungsverfahren konnte laut Staatsanwaltschaft noch nicht abgeschlossen werden.

Die zuständige Strafkammer des Osnabrücker Landgerichts muss nun zunächst über die Zulassung der erhobenen Anklage entscheiden und dabei auch die Frage der Verjährung prüfen. Läge tatsächlich eine Vergewaltigung vor, wäre der Vorwurf nicht verjährt. Erst wenn die Strafkammer die Anklage zur Hauptverhandlung zulässt und das gerichtliche Strafverfahren eröffnet, wird ein Verhandlungstermin festgelegt. Wird die Anklage zugelassen, dürfte die Sache wohl nicht vor Anfang 2011 verhandelt werden.

Neben dem weltlichen Strafverfahren muss sich der Tatverdächtige auch in einem kirchenrechtlichen Strafverfahren rechtfertigen. Eine Vorprüfung durch die Missbrauchskommission des Bistums Osnabrück sei abgeschlossen, hatte dazu kürzlich der Sprecher des Bistums Osnabrück Hermann Haarmann bestätigt. Weil sich in der Vorprüfung der Verdacht gegen den Priester erhärtet habe, gebe es zurzeit nach der Vorprüfung nun eine förmliche Voruntersuchung, die in den nächsten Wochen abgeschlossen werden könne. Die Ergebnisse werde der Osnabrücker Bischof Franz-Josef Bode dann zur Glaubenskongregation nach Rom schicken, die die Entscheidung in dem kirchenrechtlichen Verfahren treffe.

Der heute 50-jährige Theologe gilt als führender Kopf der sogenannten „Christusgemeinschaft“, einer orthodoxen geistlichen Gemeinschaft mit Schwerpunkt im Bistum Osnabrück.

(Foto © Ramsch, Creative commons)

33 Antworten to “Mittendrin VI”

  1. lingentheo said

    ich nehme mal an, dass die jungen Damen seinerzeit den attraktiven jungen Kaplan H… angehimmelt haben infolge der eigenen sexuellen Entwicklung und Orientierung. Denke mal, dass der sex einvernehmlich geschah. Man wird dem Kaplan anderes nicht mehr nachweisen können.

    Zusatz: Den vom Verfasser dieses postings verwendeten Klarnamen habe ich gestrichen. RK

    • lingentheo said

      Herr Koop, den könnten Sie doch freiboxen!!!

      • Dieter Herrmann said

        Ist das jetzt wieder „offensichtliche Ironie“? ಠ_ಠ

      • Uwe_B said

        Das mit der Ironie ist gut.

        Aber das wäre dann meines erachtens passender:
        “ Kreuzüge? Hexenverbrennungen? Inquisition? Vergewaltigung? Missbrauch? Wir wissen wie man feiert. Ihre Kirche!

    • Chrissi said

      Klar, wahrscheinlich hatten die jungen Damen auch alle immer soooo kurze Miniröcke an und waren selbst schuld. Das meinen Sie jetzt nicht ernst, lingentheo??? Die bösen, haltlosen Frauen!

    • hexhex said

      ein Opfer der Herr Pfarrer.

      Nicht umsonst gibt es Therapien für Sexualstraftäter. Nicht umsonst spricht man trotzdem von hohen Rückfallquoten. Das weniger, weil die Kinder so verlockend sind, sondern, weil die Täter krank sind. Hier sind ja Gott sei Dank endlich Konsequenzen gezogen worden.

      In fürsorgenden Berufen finden sich solche Männer gerne ein, und zeigen gerne vordergründig beruflichen Eifer. Machtmissbrauch inbegriffen.

      Aber es ist wohl der Gipfel, wenn hier die Opfer solch eines Verbrechers von ihnen, lingentheo degradiert werden. Die gesamte Art ihrer Formulierungen ist gegenüber den Opfern abwertend und widerlich. Sie haben nichts kapiert.

  2. Uwe_B said

    Herr Koop, können sie es eigentlich nach moralischen Aspekten betrachtet so einen Menschen, der wenn es denn so ist, die Gunst der Stunde nutzt und Frauen, Kinder etc. missbraucht überhaupt verteidigen?? Wenn ja, dann sollten Sie bei sich mit einer moralischen Inventur beginnen. Für Menschen die in die Kategorie Vergewaltiger, Frauen und Kinderschänder fallen, habe ich kein Verständnis.

  3. Ernst said

    @Uwe_B

    Natürlich fällt ein Verständnis schwer. Aber ist die Schuld von Andreas H. bewiesen? Hat er nicht das Recht vor Gericht fair verteidigt zu werden? Und was wenn er doch unschuldig ist?

    Den Verteidiger tangiert die Schuld des mutmaßlichen Täters doch gar nicht.

    • Uwe_B said

      @ Ernst
      Wo behaupte ich denn das der Andreas H. schuldig ist? Ich beziehe meine aussage darauf das ich für solche Menschen die Missbrauch begehen nichts übrig bzw. kein Verständnis habe, auch nicht für deren Verteidiger.

      • Alan Shore said

        Wie stehen Sie denn so generell zum Rechtsstaat?
        Jeder Angeklagte, egal ob ein kleiner Dieb oder der größte Massenmörder, hat Anspruch auf eine adequate Verteidigung. Das ist der Job eines Anwaltes.

      • Uwe_B said

        Generell stehe ich zu unserem sogenannten Rechtsstaat, nur, wäre ich Strafverteidiger, hätte ich aus moralischen Gründen, Schuld hin oder her ein Problem damit und würde die von mir genannte Personengruppe nicht verteidigen.

      • Alan Shore said

        §145 StPO

        (1) Wenn in einem Falle, in dem die Verteidigung notwendig ist, der Verteidiger in der Hauptverhandlung ausbleibt, sich unzeitig entfernt oder sich weigert, die Verteidigung zu führen, so hat der Vorsitzende dem Angeklagten sogleich einen anderen Verteidiger zu bestellen. Das Gericht kann jedoch auch eine Aussetzung der Verhandlung beschließen.

        (4) Wird durch die Schuld des Verteidigers eine Aussetzung erforderlich, so sind ihm die hierdurch verursachten Kosten aufzuerlegen.

  4. Chrissi said

    Versteh ich das denn falsch? Ist Herr Koop der Verteidiger? Ich dachte, ein Nordhorner namens Theo Krümberg? Herr Koop, ich bitte um kurze Aufklärung hier! Danke!

    • Uwe_B said

      @ Chrissi

      Nein ist Herr Koop nicht. Meines wissens der von Ihnen genannte aus Nordhorn.

      Meine Frage richtet sich eigentlich mehr an Herrn Koop bezüglich Verteidigung bei solchen Straftaten

      • Jürgen said

        Uwe_B
        die von Ihnen zitierte Straftat muss noch erst vor Gericht bewiesen werden. Herr H. benötigt zu seiner Verteidigung selbstverständlich den besten RA den er kriegen und bezahlen kann.

      • Uwe_B said

        Sicher muss es erst noch bewiesen werden und das bezahlen……naja, sorgen wird er sich da nicht machen müssen, gibt ja genug die seinen Rücken stärken aus der „CG“ und als Pfarrer, so schlecht ist sein Einkommen ja auch nicht. Im schlimmsten Fall hat er ja immer noch das Recht auf einen Pflichtverteidiger

  5. Ernst said

    @Uwe_B

    Der Mann steht vor Gericht und ist MUTMAßLICHER Täter!!! Es ist nicht bewiesen. Was wäre, wenn er unschuldig ist?

    Sind Sie nicht in der Lage einmal die andere Seite der Medaille zu betrachten?

    • Uwe_B said

      Wenn er unschuldig ist?? Schön, da wird er sich und seine Anhängerschar („CG“) freuen. Nur, der fade Beigeschmack wird bleiben, so oder so, siehe Wetterfrosch Kachelmann, Pater Heinz Günter H. Thuine.

  6. Michael said

    Sollten sich die Vorwürfe als wahr herausstellen, dann wäre das besonders verabscheuungswürdig und widerlich, da gerade die Hauptprotagonisten der CG sich mehr noch als „normale“ Geistliche auf den goldenen Thron der heiligen Moral- und Sittenwächter gesetzt und andere Menschen streng verurteilt haben. Ebenso traurig wie unverständlich, dass es immer noch Menschen gibt, die solch scheinheiligen Seelenfängern hinterherlaufen!

  7. Uwe_B said

    @ Alan Shore

    so ganz trifft Ihre Aussage bezüglich §145 STPO nicht zu. Ein Anwalt ist Frei-Berufler. Niemand darf Art und Umfang seiner Tätigkeit bestimmen. Wenn er das Mandat nicht will, will er es nicht. Da der Herr Andreas H. ja über finazielle mittel verfügt hat sich das mit dem Pflichtverteidiger wohl erledigt:-)

    • Alan Shore said

      Ich habe keine Aussage zu §140 StPO getätigt. Ich wollte nur noch einmal klarstellen, dass ein Verteidiger, der unter den in (1) genannten Umständen sein Mandat in der Hauptverhandlung unangemessen erfüllt und dieses Verhalten zu einer Aussetzung des Verfahrens führt, nach (4) haftbar gemacht werden kann. Natürlich kann ein Mandat abgelehnt werden, aber es gilt die Unschuldsvermutung und in diesem Fall davon ausgehend ist es der Job eines Strafverteidigers professionell – unabhängig von Emotionen – vor Gericht für seinen Mandanten einzutreten.

  8. Ernst said

    so… ist ein Bsp, aber um mal vereinfacht zu zeigen, wie schnell man auch zu unrecht verdächtigt wird und was das für Folgen hat, hier mal dieses:

    http://www.ardmediathek.de/ard/servlet/content/3517136?documentId=3202514

    Der Rechtsstaat ist nicht fehlerlos und darum müssen die Rechte von ALLEN fair wahrgenommen werden.

  9. Andy said

    Hallo Herr Koop,
    warum schreiben Sie immer von einer Anzeigeerstatterin ?
    Meines Wissens hat sich die Frau lediglich an das Bistum OS gewandt, der Bischof hat dann seine Erkenntnisse der Staatsanwaltschaft mitgeteilt. Da es sich um ein Offizialdelikt handelt, ermittelt die Staatanwaltschaft auch ohne Anzeige.
    Oder ist die Frau nun Nebenklägerin?

    @lingentheo:
    Ob der Sex einvernehmlich war, ist „nur“ strafrechtlich von Bedeutung. Moralisch gilt etwas ganz anderes: Kein 30jähriger hat etwas bei einem 14 jährigen Mädchen verloren und für einen Kaplan, Lehrer oder Trainer gilt dieses in besonderer Weise.
    Und hier sind wir wieder beim Strafrecht. Der Missbrauch Schutzbefohlener ist bereits verjährt. Also selbst wenn Pferrer H. vom Vorwurf der Vergewaltigung freigesprochen werden sollte, heißt das nicht unschuldig bezüglich des Missbraauchs, es wird halt nur nichts mehr verfolgt.

    • Ich finde die Begriffe „Opfer“ und „Geschädigte“, die sich mehr und mehr einbürgern, falsch und gefährlich. Denn sie nehmen dasjenige inhaltlich vorweg, was es eigentlich erst zu beweisen gilt, dass jemand geschädigt und /oder Opfer ist- Der Begriff „Anzeigeerstatterin“ tut das nicht. Wenn hier die „Anzeige“ wirklich nur beim Bischof erfolgt ist und nicht, wie ich meine gelesen zu haben, auch bei den Ermittlungsbehörden, wäre der Begriff auch nicht ok. Da haben Sie recht. Dann müsste man von „Zeugin“ sprechen. OK?

      • Uwe_B said

        Interessantes Wortspiel Herr Koop. Ich komme nochmals auf meine Frage an sie vom 25. August 2010 um 11:46 zurück.Wäre nett wenn Sie mir die beantworten würden.Falls Sie nicht scrolen wollen: Herr Koop, können sie es eigentlich nach moralischen Aspekten betrachtet so einen Menschen, der wenn es denn so ist, die Gunst der Stunde nutzt und Frauen, Kinder etc. missbraucht überhaupt verteidigen?? Wenn ja, dann sollten Sie bei sich mit einer moralischen Inventur beginnen. Für Menschen die in die Kategorie Vergewaltiger, Frauen und Kinderschänder fallen, habe ich kein Verständnis.

  10. Gutgläubiger said

    Wenn die Anzeige vom Bistum kommt könnte man zu der Erkenntnis gelangen, dass es für die Amtskirche ein gefundenes Fressen ist, einem abtrünnigen Moralsektierer das Kreuz zu brechen. Man könnte von sich ein wenig ablenken und einen lästigen Mitbewerber aus dem Rennen um die Gunst der Schäfchen schmeissen.

  11. Uwe_B said

    Immerhin, bei Staatlichen Subventionen an die Kirchen insgesamt 15,80 Mrd. Euro jährlich,in der Summe von ca. 15,8 Milliarden Euro Euro ist die weit gehende Staatsfinanzierung der kirchlichen Sozialeinrichtungen noch gar nicht enthalten: Für Caritas und innere Mission gibt es noch einmal ca. 50 Milliarden Euro extra Subventionen vom Staat. Die Kirchen selbst verwenden für öffentlich-soziale Zwecke nur ca. 8 % der ca. 9 Milliarden Euro Kirchensteuer jährlich. Sie greifen nicht gern in die eigene Tasche, solange die Melkkuh, der Staat, sich melken lässt. So werden die blutigen Kirchenfundamente mit immer neuen Geldströmen aus der Staatskasse übergossen.Auch Moslems, Atheisten und aus der Kirche Ausgetretene müssen Gehälter von katholischen Bischöfen zahlen, da das Geld aus dem allgemeinen Steuertopf genommen wird (also nicht von den Kirchensteuern, wie manch einer glaubt).

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