Vorbei…

22. August 2010

„Soziale Netzwerke und minderjährige Nutzer“ lautete das Thema des Informationsabends des Lingener Stadtelternrats letzten Donnerstag im Gebäude des „it.emsland“-Zentrums. Auf dem Programm standen mehrere Kurzvorträge zum Thema, u.a. mit Vertretern der Polizei und der Landesmedienanstalt Niedersachsen. Es war klar, dass zu diesem Thema offenbar erhebliches Interesse und Aufklärungsbedarf besteht. Schon deutlich vor Beginn der Veranstaltung war der nicht kleine Saal voll.

Nach kurzer Begrüßung durch den it.emsland-Geschäftsführer Michael Schnaider referierte zunächst Carsten de Groot von der Landesmedienanstalt über „Zahlen, Daten und Fakten“ der  Mediennutzung von Jugendlichen. De Groot  fasste sich aber so kurz, dass  viele fragende  Gesichter  die Folge waren.

Im Anschluss referierte Ansgar Hulsmeier über „Soziales Netzwerk am Beispiel der „el-community ”. Schon der Titel des Vortrages ließ befürchten, dass es sich vielleicht mehr um eine Verkaufsveranstaltung als Informationsabend handeln würde. Und so kam es auch. Hulsmeier verkaufte den Anwesenden „sein“ Portal, ein „regionales“ Sozialnetzwerk, dass – genaugenommen – gar kein Regionsspezifisches ist; denn natürlich ähneln sich Sozialnetzwerke stark in ihren Grundfunktionen, aber für diese Informationen muss man keine Informationsabende aufsuchen.

Mit Hulsmeier verpasste man es, besorgten Eltern die Portale und Seiten zu zeigen, die ihre Kinder auch wirklich nutzen. Die vorgestellte EL-Community hat in ihrem gesamten Zielgebiet gerade einmal rund 142 Kinder und jugendliche Nutzer im Alter zwischen 12 und 15 Jahren. Wie viele davon wirklich aktiv sind, ist zudem unklar. Zum Vergleich: Im SchülerVZ, dem meistgenutzten Portal bei Heranwachsenden sind es schon mehr als doppelt so viele allein vom Lingener Gymnasium Georgianum. Es scheint so, als sei der Referent wohl aus Beziehungsgründen eingeladen worden, unterhält doch „die EL-Community“ ihr Büro im Gebäude des it.emsland.

Nach dem entsprechend verkorksten Vortrag über die EL-Community ergriff Dieter Rothlübbers vom „Präventionsteam der Polizei Lingen” das Wort. Jetzt sollte es spannend werden, erzeugt die Polizei oft Ängste. Doch es kam anders. Rothlübbers hielt einen kurzen Vortrag über Gefahren beim Chatten im Netz. Vom eigentlichen Titel „Sind soziale Netzwerke gefährlich?
” sprach er nicht. Zwar war der Vortrag sachlich ok und nicht durchtränkt von Panikmache, ging aber trotzdem am Thema vorbei. Rothlübbers ging zudem unversändlicherweise offenbar davon aus, dass die anwesenden Eltern bereits Seiten und Werkzeuge wie „icq“, „msn“ und „knuddels.de“ kannten. Auch hier also: Viele fragende Gesichter.

Auch die anschließende Podiumsdiskussion verlief dann so, wie man es nun erwartete: Am Thema vorbei.

Gast und Kommunikationsexperte David Philippe, der  wohl die bessere Wahl für das Vorstellen eines Sozialnetzwerkes gewesen wäre, stellte  klar, dass soziale Netzwerke nicht nur Negatives mit sich bringen, sondern auch positiv für eigene Zwecke des Nutzers eingesetzt werden können.

Auf die Frage von Sabine Stütting, wie sich ein Soziales Netzwerk wie die EL-Community eigentlich finanziert und ob dies mit den Daten der Nutzer geschieht, erhielten sie und die anderen Anwesenden nur eine halbherzige Antwort. Natürlich finanziert sich die EL-Community über Werbung, so der Vertreter, verschwiegen wurde aber, dass sich Soziale Netze eben auch damit brüsten, ganz gezielt, auf die Hobbys, Interessen, Wohnorte, oder Altersstrukturen angepasste Anzeigen schalten zu können und dazu die gespeicherten Daten der Nutzer zu nutzen. Selbst wenn dies nicht für die EL-Community gelten sollte, gilt es sehr wohl für andere, große Netzwerke.

Verständnisloser Höhepunkt der Diskussion war dann die Forderung eines Vaters, der bemerkt hatte, dass der Browser Mozilla Firefox gespeicherte Passwörter offen im „Einstellungen“-Menü anzeigt, nach einer gesetzlichen(!) Lösung für „dieses Problem“. Als hier keiner der anwesenden Experten widersprach, Michael Schnaider der Forderung sogar beipflichtete, war ich froh, dass die Veranstaltung dann doch schnell vorbei war. Am Thema war sie es -wie gesagt- sowieso schon.

ein Beitrag von Max Koop

(Foto © Soziales Netzwerk von caratello, creative commons)

2 Antworten to “Vorbei…”

  1. […] sah es ein anderer Besucher des Infoabends. In vielen Punkten muss ich mich einfach anschließen. Sein Resümee des Abends zeigt vor allem den geringen Nutzen für die anwesenden Eltern. Ob ich bereits […]

  2. Guntah said

    Lustig, dass die Noz Leudde auch auf solchen Veranstaltungen Ihre Produkte präsentieren.

    http://www.ifra.com/website/xma2010.nsf/xma/48609C13DA0D64BFC1257742004FB7B4?OpenDocument&PRJIB14062010163043

    Bisschen lang der Link – Sorry.

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