LWT II

21. August 2010

Heute Samstagmittag, kurz vor 14 Uhr. Ein sportlich gekleidetes, jung gebliebenes Rentnerehepaar schiebt zwei gut bepackte Tourenräder um die „Touristinformation“ im Neuen Rathaus. Die ist schon seit einer Stunde geschlossen. Sie schauen ratlos. Ich frage, ob ich helfen kann. Die beiden fit gebliebenen Radfahrer suchen eine „Unterkunft für eine  Nacht“. Sie kommen aus Norden und sind seit vier Tagen unterwegs auf dem Ems-Radweg und der Dortmund-Ems-Kanal-Route– abwechselnd und so wie es beliebt. Sie wollten, wie sie mir verraten, unabhängig sein und haben deshalb kein Zimmer für die Nacht vorgebucht. „Wir suchen so etwas um 50,60, vielleicht 70 Euro und haben schon vergeblich einige Hotels angerufen.“

Ich schlage das Kolpinghaus vor, das seine Zimmer vor drei, vier Jahren renoviert hat und im Internet sehr ordentlich bewertet wird und überhaupt „die Lage ist optimal“. Aber niemand geht dort ans Telefon. Zur Not wollen sie bis zur Jugendherberge fahren („wir haben einen Jugendherbergsausweis, aber es ist ja ein bisschen weit draußen…“). Ich weise sie auf das auf dem  Weg liegende Hotel garni Veldscholten hin. Die beiden entschließen sich, es beim Kolpinghaus persönlich  zu versuchen. Wir verabschieden uns.

OK, dass es ganze drei versteckte Fahrradboxen hinter dem Rathaus gibt und die geplante „Fahrradtankstelle“ bzw. „Fahrradstation“ an gleicher Stelle zwar vor 15 Jahren beschlossen aber bislang von den Autofahrern im Rathaus nicht verwirklicht wurde, wissen Sie bestimmt ebenso wie Sie vom Fehlen ordentlicher und preiswerter Hotelbetten in Lingen gehört haben, die Niederlassung einer Hotelkette wie accor zum Beispiel.  Die Öffnungszeiten der Lingener Touristinformation sind besucher-unfreundlich, weil sie sich nach denen des so genannten öffentlichen Dienstes richten und nicht nach den Bedürfnissen der Besucher unserer  Stadt. An der Lingener Touristinformation findet sich kein einfaches und kostenloses System, freie Hotelzimmer in Lingen zu finden. Die Stadtkarte rechts neben dem Shop enthält praktisch keine Hotelhinweise. Dieter Krone will sanften Tourismus. Dazu braucht man erst einmal eine ordentliche Infrastruktur und einige Dinge, mit denen man die hunderte Radfahrer erfreuen und versorgen kann, die monatlich unsere kleine Stadt besuchen. Eigentlich eine wirkliche Aufgabe für den LWT, das notwendige Mitdenken.

ps Auf der Internetseite des Ems-Radwegs ist der LWT bisher nicht einmal angekommen. Dort wirbt noch der Verkehrsverein.

Ulrike

21. August 2010

Ulrike hat vor Ihrer Reise nach Berlin kommentiert, es gebe zu viel zu lesen in diesem Blog. Neinnein, es gibt keinen Ghostwriter Ulrike  und jaja, man sollte nicht die ganze Zeit vor dem Mac oder PC sitzen. In fünf Wochen ist die OB-Wahlkampfzeit zu Ende und es wird dann wieder etwas ruhiger sein. Alternativen zeigt  diese -leider nur englischsprachige- Internetseite:

Sabine Stüting hat sich hierfür entschieden. Für Sie und alle andern bleibt immer noch viel Auswahl hier.
Schönes Wochenende!

(ps Danke an spreeblick für den Seitentipp!)

LWT

21. August 2010

Früher gab es in Lingen den WVV, gegründet Anfang der 1970er Jahre; dann wurde in den 1980er der WVV aufgelöst, und es gab anschließend, weil es so besser sei,  den eigenständigen Wirtschaftsverband und einen eigenständigen Verkehrsverein. Jetzt gibt es seit ein, zwei Jahren wieder einen Zusammenschluss der beiden zum LWT (Logo rechts), weil es so besser sei. Jede organisatorische Neuorientierung wurde begleitet mit großem Wortgeklingel, dass und wie notwendig, erforderlich, besser, synergetisch usw. usf. es sei. Sie ahnen es: Gebracht hat es eigentlich nichts.

Allerdings ist jetzt eine Sache neu: Die Stadt schiebt am Rosenmonatg, beim Altstadtfest und vielleicht auch noch bei anderen Festivitäten ganz ungeniert die Sondernutzung der öffentlichen Innenstadtflächen  ohne große Ausschreibung, flächendeckend und pauschal dem privaten LWT zu, und der kassiert ab – kräftig. Statt 100 Euro Sondernutzung gemäß kommunaler Satzung kostet ein Ausschank schnell mal das 20-fache, beispielsweise beim Altstadtfest, wo die Antrittsgebühren (der LWT schreibt tatsächlich Gebühren!) dann flotte 2000 Euro oder mehr ausmachen. Am Rosenmontag  versuchte die Lingener Ordnungsbehörde gar, die genehmigte Außengastronomie einzelner Betriebe zu verbieten, weil der LWT das Sagen habe. Das alles ist sehr seltsam und ungesetzlich. Es spült aber Geld in die LWT-Kassen und spart so Zuschüsse seitens der Stadt. Auch dass gleich sechs Kivelingssektionen (oder sind es fünf) ihre Stände beim kommenden Altstadtfest aufbauen dürfen und gleichzeitig Vereine aus den Ortsteilen nicht sehr zahlreich vertreten sind, irritiert mich deutlich.

Der LWT eV hält sich zugleich trotz der Einnahmen  in nicht unbedeutenden Teilbereichen vornehm zurück. Beispielsweise bei der Entsorgung menschlicher Bedürfnisse, die bei öffentlichen Lingener Festivitäten traditionell auf dem Niveau der frühen zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts verharrt. Innenstadtbewohner kennen die sie treffenden Konsequenzen daraus zur Genüge.

Hat vielleicht jemand eine Idee, was man jetzt machen sollte?