Aufschwung

17. August 2010

Ich freue mich, dass sich die Wirtschaft schneller erholt, als die Fachleute gedacht haben. Aber ich glaube doch, dass die Gefahr eines Strohfeuers besteht. „Historisch sei dieses Wirtschaftswachstum, so verkünden die Statistiker. Im Vergleich zum Vorjahr sei die deutsche Wirtschaft um gigantische 4,1% gewachsen. So eine Zahl gab es im wiedervereinigten Deutschland noch nie. Das ist zwar korrekt, aber dennoch nur eine Seite der Medaille. Das Bezugsquartal des Vorjahres lag nämlich um stolze 6,8% unter dem Ergebnis des Frühlingsquartals 2008. Die aktuelle Wirtschaftskraft liegt trotz “XL-Wachstum” immer noch unter den guten Zahlen des Jahres 2006.

Darauf weist Jens Berger bei telepolis hin.  Und er warnt auch -zu recht- vor einer einseitigen Ausrichtung auf den Export. Denn „in China drohen die ersten Immobilienblasen zu platzen, während der amerikanische Arbeitsmarkt zusätzliche Sorgen bereitet. Die USA scheinen als künftige Lokomotive der Weltwirtschaft ohnehin auszuscheiden, wollen sie ihren gigantischen Schuldenberg in den nächsten Dekaden abbauen.“

Deutschland, die viertgrößte Volkswirtschaft der Welt, hat natürlich das Potential, einen selbsttragenden Aufschwung anzustoßen. Dabei müsste man lediglich seine eigenen Vorgaben erfüllen und die Binnennachfrage stärken. Höhere Löhne also. Der Euro-Stabilitätspakt sieht vor, dass die Löhne sich im Idealfall in der Höhe des Inflationsziels oberhalb der Produktivitätssteigerung bewegen.

Das Inflationsziel der EZB beträgt 2%, der Anstieg der Arbeitsproduktivität wird in diesem Jahr nach Schätzungen von Eurostat 1,6% betragen. Eine Lohnsteigerung von 3,6% wäre daher stabilitätskonform. Doch von solchen Lohnsteigerungen wollen die deutsche Politik und die Wirtschaft freilich nichts wissen. Derartige Lohnzuwächse seien in diesen Zeiten nicht möglich, so die Arbeitgeberverbände und deren Lobbyisten in den Wirtschaftsinstituten. Der Aufschwung sei „noch“ zu fragil, man dürfe ihn nicht durch Lohnsteigerungen ersticken, so die Botschaft.

„Gab es eigentlich je eine Zeit, in der Lohnsteigerungen nach Ansicht dieser „Experten“ angebracht sind? Geht es bergab, darf man den Abschwung nicht durch Lohnforderungen verstärken, geht es bergauf, darf man den Aufschwung nicht durch Lohnforderungen gefährden…“

Alles weitere, was zu sagen ist,  lesen Sie hier.

A 31

17. August 2010

Die gute Nachricht für emsländische Autofahrer: Die A 31 in Richtung Heimat soll zwischen Gescher und Gronau in Zukunft wieder eine Fahrbahn haben, auf der es nicht mehr so holpert und hüpft wie bislang. Die schlechte Nachricht vor allem für die vielen Berufspendler: Bis das so ist, werden schätzungsweise fast drei Jahre (!) ins Land gehen.

Im Mai 2011 soll die Fahrbahn des „Ostfriesenspießes“ auf 15 Kilometern Länge zwischen den Anschlussstellen Gescher/Coesfeld und Gronau/Ochtrup komplett erneuert werden. Rund zwei Jahre veranschlagt der Landesbetrieb Straßen.NRW für die rund 24 Millionen Euro Euro teure Baumaßnahme. Die ersten Maschinen sollen Anfang Mai 2011 anrollen. Die Grundsanierung soll dann in Abschnitten zu je fünf Kilometern Länge erfolgen.

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(Quelle: chriszwolle, creativecommons)

Nabucco

17. August 2010

Bad Bentheim – Burg Bad Bentheim
Donnerstag, 19. August 2010 – 20 Uhr

und

Festung Bourtange (Niederlande)
Samstag, 28. August 2010 – 20 Uhr

Für je einen Tag verwandeln sich der Innenhof der Burg Bad Bentheim und die Festung Bourtange in ein Freilufttheater.  Die Prager Festspieloper präsentiert:
Giuseppe Verdis Nabucco – Der weltberühmte Gefangenenchor in einer wunderschönen Kulisse:  Auf dem Areal der Bentheimer Burg und in der Festung Bourtange.

€ 29,- / 39,- / 39,- / 49,- / 44,- / 54,-

Karten telefonisch 0531 34 63 72 oder im Internet : www.Paulis.de

Touristinformation Bad Bentheim, Schloßstraße 18, Tel. 05922 98 33 0

oder

Vesting Bourtange Tel. 0031599-354313 oder info@bourtange.nl

Schöne Bilder

17. August 2010

Als Wilfried Telkämper vor zehn Jahren für das Lingener OB-Amt kandidierte und gegen Heiner Pott verlor, gab es schöne Bilder des Kandidaten. Am schönsten war das mit dem Papst. Johannes Paul II. hatte das Europaparlament besucht und schüttelte Telkämper, dem Vizepräsidenten, die Hand. Wie Sie wissen, hat das Foto an dem unangefochtenen Sieg von Heiner Pott nichts ändern können.

Jetzt traut sich der Geester Hans-Josef Leinweber zur CDU-Kandidatur in Lingen. Er soll allerdings nur 11. Wahl sein, also der Elfte, den die lokalen CDU-Häuptlinge fragten, ob er ihnen denn nicht aus der Kandidatenlosigkeit helfen wolle. Und so hofft er jetzt. Tatsächlich gibt es ja erstens die Geschichte, dass in Lingen selbst ein schwarzer aufgestellter Stock gewählt würde, böte ihn die CDU auf. Und zweitens gibt es jetzt noch prominente Unterstützung. Kanzlerin Angeeela (O-Ton Wulff) Merkel kommt am 26. August ins südliche Emsland und will auf ihrer Reise für schöne Bilder mit dem Lingener Kernkraftwerk Emsland auch einen Atommeiler besuchen. Danach stehen das Gasturbinenkraftwerk nebenan und die Bioenergieheizanlage bei Emsflower in Emsbüren auf dem PR-Programm.

Warum Merkel sich nicht mit der ungeklärten Endlagerfrage beschäftigt und Gorleben nicht besucht, konnte ihr neuer Regierungssprecher Seibert am Montag nicht erklären. Also geht es, wie damals in Grönland, nur darum „schöne Bilder“ zu produzieren. Und da wird für Hans-Josef Leinweber -ich bin mir sicher- etwas abfallen, das dann tags drauf in der Lokalpresse mindestens vierspaltig und vielleicht klitzeklein in BILD Hannover -das muss man erwarten!- zu sehen sein wird. Hans-Josef Leinweber bei meet & greet mit der Kanzlerin. Die Botschaft wird sein, dass er eben gut sei, wenn sich schon die Kanzlerin  mit ihm… . Die Zeitung wird aus der halben Minute einen Gedankenaustausch machen, auch wenn es nur ein Fototralala ist. Schöne Bilder ersetzen eben notwendige und bei Leinweber bekanntlich auch fehlende Inhalte. Letzte Woche bei seinem Fotografen-Besuch auf dem Wochenmarkt und nächste Woche, wenn er sich, heran geschoben, neben Frau Merkel ablichten lässt, von Brückentechnologie (wie lang soll eigentlich die Brücke sein?)  schwätzen und das hohe Lied der Atomenergie singen wird und dabei doch, wie wir alle, längst weiß, dass  ein Atomkraftwerk keine Brücke sein kann. Ach, Hans-Josef!

Emslandisierung

17. August 2010

In Wietze nahe Celle planen der Agro-Industrielle Franz-Josef Rothkötter („Wir können ja auch sagen, wir produzieren in China“) aus Haren und sein Unternehmen Europas größte Geflügelschlachtanlage. Für deren Auslastung müssten in der Region um Wietze rund 400 (!) Mastfarmen entstehen, sagen Fachleute. Die Gegner dieses agrarindustriellen Großprojekts werden derweil immer zahlreicher. Sie fürchten die hier längst und asndernorts bekannte Belastung der Umwelt durch Antibiotika, Feinstaub und Ammoniak und die Zerstörung des Aller-Leinetals. Inzwischen zählt die lokale Bürgerinitiative 900 Mitglieder. Die Kritiker werfen den Schlachthofbetreibern und Zulieferer-Landwirten auch Tierquälerei vor. Letztere würden die Tiere auf engstem Raum halten. Verhaltensstörungen bis hin zu Kannibalismus und Selbstverstümmelung seien die Folge. Der deutsche Geflügelmarkt sei gesättigt, die Anlage diene einzig und allein der Produktion für den Export, so ein weiteres Argument der Gegner. CDU und FDP im Niedersächsischen Landtag befürworten dagegen die Pläne ebenso wie der Wietzer Gemeinderat, bringt so ein Schlachthof doch Arbeitsplätze – nach Angaben der „Emsland Frischgeflügel“ rund 250.

In der vergangenen Woche hat die Polizei das seit Mai besetzte Baugelände in Wietze geräumt. Aktivisten haben daraufhin am Montagmorgen einen Acker im Kreis Peine besetzt. Sie protestieren damit gegen den Bau einer Hühnerfarm, die den geplanten Geflügelschlachthof in Wietze beliefern soll. Nach Angaben des Besetzerblogs sollen in dem Mastbetrieb künftig ständig 84.000 Hähnchen gezüchtet werden. An anderen geplanten Standorten für Hähnchenfarmen wie Groß Denkte, Cramme, Mehrum, Wendesse und Solschen (alle im Kreis Peine) sollen je Mastperiode bis zu 40 000 Tiere groß gezogen werden. Rund sieben Mastperioden im Jahr sind vorgesehen, jede dauert üblicherweise 35 Tage. Die Bauern erachten die Geflügelzucht als wichtige zusätzliche Einnahmequelle, weil die Gewinnspannen beim Ackerbau immer geringer ausfallen würden.

Der Sprecher der Arbeitsgemeinschaft bäuerliche Landwirtschaft (AbL), Eckehard Niemann, bezeichnete gegenüber dem lokalen Newsportal Celle Heute den geplanten Schlachthof in Wietze als den deutlichsten Ausdruck einer verfehlten Subventions- und Agrarpolitik und einer agrarindustriellen Produktion, die eine unsinnige Produktion von Fleischüberschüssen vorantreibe. Und das alles zu Lasten der Tiere, der Umwelt und der Anwohner. Niemann forderte die Landesregierung auf, ihre Subventionierung und Schönrederei dieser agrarindustriellen Tierhaltung endlich zu beenden Die Schlachthofgegner wollen aber gerade eine „Emslandisierung“ von Ost- und Südniedersachsen verhindern.

„Emslandisierung“ – dieses Wort wird die Amtszeit des auf seinen Landkreis so unkritisch-stolzen Landrats Hermann Bröring (CDU) locker überleben. Längst heißt es in der Blogosphäre:  „Deutschland braucht keine neuen, stinkenden Gülle-Regionen wie die Landkreise Vechta, Cloppenburg und das Emsland!“  Emslandisierung – das ist das Synonym für die brutale Zerstörung der Landschaft, für Gestank und Egoismus und die Vernichtung der bäuerlichen Strukturen gleichermaßen. Es ist -von CDU-Mann Hermann Bröring und seinen Mannen gefördert und zugelassen- blanker Kapitalismus, der ganz wenige reich macht und uns alle ärmer.