Schockstarre

5. Mai 2010

Gestern hat die Lingener Tageszeitung in der gedruckten Ausgabe  über den Asbestfund im Emsauenpark geschrieben. Etwa 15 % des Berichtes stimmt. In dem kurzen Online-Berichtchen stimmen gar nur 5 %. Es klang nämlich so, als habe man zwei, drei Asbestbrocken gefunden. Die Sache ist aber schwerwiegend und gar nicht lustig, vielmehr richtig (!) teuer. Also fragen Sie mal nach. Zum Beispiel so:

  • Wer hat das Asbest gefunden?
  • Wann wurde es gefunden und wo genau?
  • Welche Asbestmengen sind bisher gefunden worden?
  • Steht fest, wie viel Asbest eingegraben worden ist?
  • In welchem Zustand befindet es sich? Sind es Brocken, Flocken, Platten?
  • Welche Flächen genau sind kontaminiert?
  • Was soll jetzt mit diesen Flächen geschehen?
  • Werden Sie dekontaminiert?
  • Auf welche Weise werden die Flächen dekontaminiert?
  • Gibt es dabei ein Risiko für Arbeiter, Anwohner, Käufer?
  • Wie lange dauern die Arbeiten?
  • Was kostet die Dekontamination?
  • Wer zahlt?
  • Erhöht sich dadurch der Kaufpreis der künftigen Grundstücke?
  • Wieviel Kubikmeter zu entsorgenden Asbestabfall gibt es?
  • Was soll mit dem Asbestabfall geschehen?
  • Wie kommt der Abfall auf welche Deponie?
  • Wie teuer ist die Deponierung?
  • Schlafen Sie nächtens noch durch, Herr Büring?

Meine Fragen sind weder vollständig noch ordentlich sortiert. Denn ich kann Ihnen sagen, Lingens Kommunalpolitiker sind in dieser Frage erst seit ein paar Tagen informiert und seither in Schockstarre. Ich eingeschlossen. Die Verwaltungsspitze auch. Der Zeitung entnehme ich, dass immerhin Stadtrat Ralf Büring einen Ausweg sucht. Der ist auch bitter nötig.  Gesprochen wird ansonsten nur hinter vorgehaltener Hand und nicht-öffentlich – is‘ also überhaupt nicht mit „öffentlich kommunizieren„, wie zu lesen ist! Öffentlich beraten wir im Bau- und Planungsausschuss heute die Möblierung des neuen Busbahnhofes. Man muss eben Schwerpunkte setzen…

(Foto: Asbestplatten © GalerieOpWeg, flickr.com)

26 Antworten zu “Schockstarre”

  1. bn_Sabine Stüting said

    Wenn es heißt, dass Brocken von Asbestzement in einer Routinebegehung im letzten Abschnitt gefunden wurden, dann ist klar, dass die Asbestfasen damit nicht mehr gebunden vorliegen und freigesetzt werden können. Aus dem Text der Stadt Lingen geht aber nicht hervor, ob es sich um eine Begehung VOR sämtlichen aktuellen Arbeiten oder danach handelt. Im ersten Fall wären es wohl schon lange bestehende Kontaminationen, die dem Voreigentümer angelastet werden müssten. Im zweiten Fall – und für mich durchaus vorstellbar – wären die Brocken im Rahmen der Abbrucharbeiten entstanden und in den Boden eingearbeitet worden. Dann sollte gefragt werden, ob die abzureißenden Bauteile im voraus auf Asbest untersucht wurden oder Informationen eingeholt wurden, bevor man die Arbeiter dem Risiko ausgesetzt wurden.
    Als erstes schuldet der aktuelle Eigentümer den einem Krebsrisiko ausgesetzten Arbeitern (und auch den Anwohnern) eine Antwort auf diese Frage.
    Die anderen Fragen lassen sich lösen – mit technischem Sachverstand und – natürlich – viel Geld. Die politische ist die nach der berühmten „Verantwortung“ – spannend.

    • Robert Koop said

      Nein, Frau Stüting, nicht im Rahmen der Abrissarbeiten. Die Schadstoffe sind unter einer gepflasterten Fläche gefunden worden.

      • bn_Sabine Stüting said

        dann wird wohl zumindest die momentane gesundheitliche Gefährdung geringer sein. Unter einer gepflasterten Fläche – also Baureste als Stabilisierung des Grundes? dann könnte ein Bodenaustausch erforderlich werden…. und der gesamte ausgetauschte Boden deponiepflichtig???

  2. Die Fragen sind nicht nur ausserordentlich berechtigt! Diese Fragen und viele Andere hat Heiner Pott und seine CDU hinterlassen. Es wird Zeit einen neuen Weg zu gehen. Noch wichtiger im aktuellen Fall ist es Schaden nicht zu begrenzen, sondern zu beheben. Keine Frage wer das bezahlen wird; es sind die Bürgerinnen und Bürger dieser Stadt.

    • Hendrik said

      „Keine Frage wer das bezahlen wird; es sind die Bürgerinnen und Bürger dieser Stadt.“
      Wie leider zu häufig schon wir dies taten.

  3. steffie said

    Seien wir doch einmal ehrlich! Eigentlich sollte doch jedem klar gewesen sein, dass bei dem unsinnigen und voreiligen Abriss der Kasernen Altlasten gefunden werden. Ich zumindest bin da nicht überrascht.

    Guckst du hier
    Viele weitere Beispiele findet man dazu im Internet.

    Überrascht bin ich auch nicht über die Darstellung dieser Angelegenheit in der örtlichen Presse. Hier wurde einmal mehr von der Verwaltung über die örtliche Presse eine gezielte Teil- oder auch Falschinformierung der Bevölkerung vorgenommen.
    • Warum wird nicht die ganze Wahrheit erzählt?
    • Warum sollen die Ratsmitglieder diese Angelegenheit vertraulich behandeln? Die vom Volk gewählten „Politiker“ dürfen dem Volk nicht die Wahrheit sagen oder nichts erzählen?
    • Weil wir – die Bürger – dieses alles (auch noch) bezahlen müssen?

    Die gesteuerte Informationspolitik zieht sich durchs ganze Land – von Berlin bis in die Provinz. Scheibchenweise müssen „Vorgänge“ bestätigt werden, weil man deren Existenz nicht mehr verschweigen kann.

    Wie gut, dass es Infomationsplattformen wie diesen Blog gibt, auf denen jeder interessierte Bürger viele der ihm vorenthaltenen Informationen findet.

    Daher hoffe ich, dass es bald zu dem hier auf diesem Blog vorgeschlagenen „Informationsforum“ kommt! Die vielen positiven Kommentare zeigen deutlich, dass hier Bedarf besteht und viele bereit sind mitzumachen.

    Interessant ist übrigens auch die heutige Darstellung archäologischer Funde auf dem Laxtener Esch. Die vor einigen Wochen bei der LT abgegebene Presseerklärung der BI Arenawahn vom 13.04.2010 zu diesem Thema ist NIE von der Lingener Tagespost veröffentlicht worden. Warum wohl?

    Guckst du hier

    Gruß an alle Informationswilligen

    Eure Steffie

    • BI ARENAWAHN said

      Danke Steffie!
      Hier gleich die Ergänzung der BI:

      Ein riesiger, fetter und schöner Fundplatz

      So benennt die Bezirksarchäologin, Dr. Jana Esther Fries, die Funde auf dem Laxtener Esch.
      Entgegen der ersten Vermutungen, man sei auf Funde aus der Jungsteinzeit (3500 bis 1800 v.Chr.) gestoßen, steht nun fest, die Bodenfunde reichen bis in die mittlere Steinzeit zurück (9000 bis 4000 Jahre v. Chr.)
      Aufgrund der langen Wartezeit bis zum Abschlußbericht haben wir von der Bürgerinitiative ARENAWAHN Lingen allerdings gehofft, die Bürger Lingens, würden umfangreicher informiert.

      Das Foto, auf dem sich die abgebildeten Personen so über einen dargestellten roten Punkt auf einem weißen Blatt Papier freuen (denn mehr kann der Betrachter leider nicht erkennen), ist zwar sehr lustig, gibt dem interessierten Leser aber keinerlei Auskunft darüber, was nun wirklich alles unter dem Eschboden in Laxten verborgen liegt.

      Wir berichteten bereits vor einigen Wochen auf unserer Homepage genauer, was alles schon nach den ersten, oberflächlichen Grabungen gefunden wurde. Frau Fries gab in einem Telefongespräch umfangreich Auskunft über Großsteingräber, Urnenfunde, ein ganzes Dorf und Spuren einer Straße. Ebenso begeistert die Tatsache der Vielfalt und der Menge, die dicht bei dicht liege.

      Für uns interessierte Anwohner, Laxtener und Lingener Bürger, sowie für jeden, der sich für Archäologie begeistern kann, ist es nicht nachvollziehbar, warum die Verwaltung und die örtliche Presse nur so dürftige Informationen bekannt geben.

      Sollte es überhaupt bekannt werden? – Das fragen wir uns jetzt ernsthaft, nachdem die Informationen so schleppend und spärlich an die Öffentlichkeit kommen. Wurde der Pressebericht der BI Arenawahn vom 13. April 2010 doch von Herrn Pertz abgelehnt mit dem schriftlichen Hinweis, man wolle den Bericht, nach Rücksprache mit Frau Dr. Fries, selber schreiben. Schade, hier hätte man viel mehr berichten können.

      Die Vermutung liegt nahe, dass in Verbindung mit dem seinerzeit geplanten Bau der Emslandarena, der Schock groß gewesen sein muss, auf dem Esch an der B 214 auf diese überaus interessanten Funde gestoßen zu sein.

      Statt seitens der Verwaltung und Politikverantwortlichen froh zu sein, dass gerade noch zur rechten Zeit von diesem Standort der neuen Emslandarena abgewichen wurde (!), wird vehement und krampfhaft verschwiegen, welcher finanziellen Katastrophe die Stadt Lingen ausgewichen ist.

      Natürlich konnten die Mitglieder der BI von diesen hochinteressanten Funden im Voraus nichts wissen, aber wir sind froh, hier in doppelter Hinsicht Schlimmeres verhindert zu haben.

      Wenngleich es dem einen oder anderen in Rat und Verwaltung auch schwer fällt, das zuzugeben. Es ist, wie es ist.

  4. eddie said

    Da bin jetzt ja mal gespannt, ob die Stadt Lingen clever genug war, in dem Kaufvertrag über das Kasernengelände, eine Kostenübernahmepflicht des Verkäufers für eventuell gefundene Altlasten zu dokumentieren. Wenn nicht, dann hat die Stadt Lingen das Gelände mit allen Risiken sicherlich zu teuer erworben. Verantwortlichkeiten?

    Kennt jemand die Verträge?
    Oder den Kaufpreis?
    Und die genauen Abrisskosten?

    Müssen jetzt nicht diese ganzen Kosten später in den Kaufpreis der Baugrundstücke eingerechnet werden?

    Kann jemand sagen, zu welchem Preis der m² verkauft werden soll, bzw. welcher Preis angestrebt war?

    Wenn dies jetzt man keine „Luxusgrundstücke“ werden!

    Aber in Lingen leben wohl genug „Betuchte“, die sich ein stadtnahes Grundstück zum Leben wie eine Ölsardine leisten können.

  5. bn_Reinhard_Rauscher said

    Die genannten Prozentzahlen kann ich nicht nachvollziehen, wohl aber ein ausgesprochenes Unwohlsein ob einer ungenügenden Informationspolitik der hiesigen Lokalpresse konstatieren. An sich ist davon auszugehen – und das tat ich auch -, dass die Presse angemessen und neutral über aktuelle Sachverhalte/Fakten berichtet. Beschönigen und oder Weglassen (wie es in der Politik leider immer mehr überhand nimmt) führt zu genau dem eben beschriebenen unguten Gefühl, dass nämlich gerade die hochbrisanten Informationen nicht veröffentlicht werden!
    Auch die Politik ist an dieser Stelle gefordert.

  6. Anton said

    Tja Heiner, das nenn ich Timing!

  7. Thomas said

    Leute,
    jeder 2. Schuppen der in den 70’ern irgendwo im Hinterhof stand, hatte diese Eternit-Platten obenauf liegen. Das wird bei Kasernen nicht anders gewesen sein. Ich frage mich wo das Zeug damals entsorgt wurde. Die Funde dieser Platten hätten vor dem Kasernenabriss einkalkuliert werden müssen.
    Die Kosten dafür natürlich auch.

  8. Birgit Kemmer said

    Information:

    Im heutigen Planungsausschuss der Stadt Lingen, wurde mitgeteilt, dass die Asbestfunde im EmsAuenPark im nächsten Wirtschafts- und Grundstücksausschuss behandelt werden, weil der für den EmsAuenPark zuständig ist. Bei Interesse bitte erscheinen.

    Asbest wurde im Füllsand bzw. Schüttelsand gefunden, und zwar unter den Bodenplatten, war in den 60er durchaus üblich, also Absicht (illegale Entsorgung) lag damals wohl nicht vor. Die Unwissenheit wird heute teuer bezahlt.

    Da die Stadt Lingen,also wir alle, die Kasernen für einen symbolischen Euro gekauft haben, auch mit der Gefahr hin, dass dort Altlasten vorhanden sind, wird letztendlich die Stadt Lingen die Kosten zu tragen haben. Oder vielmehr diejenigen, die dort ein Grundstück erwerben möchten.

    • Peter said

      Was ein Lob für Herrn Koop:

      Der politische Gegner nutzt diesen Blog, um dort zu informieren. Das sagt einigens aus !

      • Birgit Kemmer said

        Ich weiß zwar nicht wer Peter ist, aber ich als Grüne, bin gewiss nicht der politische Gegner, auch wenn ich mit Robert nicht immer, einer Meinung bin.

        Ist die Äera der Klassenfeinde und politischen Gegner nicht schon lange abgelaufen?

    • Wenn tatsächlich die Sanierungskosten auf die Käufer umgelegt werden, kostet ein Quadratmeter Baugrund ca 140 Euro. Das dürfte es dann mit dem Wohnen am Emsauenpark gewesen sei, beste Birgit.

      • Birgit Kemmer said

        Bester Robert,

        sind 140,–€ pro Quadratmeter Baugrund zuviel?

        Da in Lingen Bauplätze ausreichend vorhanden sind, und bisland noch jeder Bürgerwunsch nach einem Bauplatz befriedigt wurde, sollten wir uns nicht über die Preisgestaltung aufregen, vielmehr um die Verschwendung von Grund und Boden.

  9. Jochen S. said

    alles halb so wild.

    Die Eternitplatten (und darum geht es, nicht um den -wesentlich gefährlicheren- Spritzasbest, der zB auf Heizungsrohre aufgebracht wurde) sind solange ungefährlich, wie diese nicht zB geflext oder durchbohrt werden. Erst dann entstehen die gefährlichen (Mikro)Fasern.

    Eternitplatten verwittern natürlich auch, aber dann muß man schon gehörig im Staub herumrühren, bis eine Gefährdung real wird.

    Zur Kaserne: WENN die Funde unterhalb irgendwelcher Betonplatten liegen, dann sind die schon einiges älter. In der Kaserne (selber dort gedient, jaja, noch so ein Nicht-Verweigerer) waren sämtliche Fahrbahnen (auf denen Panzer und LKW herumgurkten bzw. abgestellt wurden) betoniert. Und das schon in den Siebzigern des letzten Jahrhunderts. Entsprechend alt sind die Funde.

    Vermutlich hat man damals Bauschutt (also auch alte Eternitdachplatten) als Fundament genutzt.

    Daraus der Stadt einen Strick drehen zu wollen, ist unangebracht, auch wenn es Spaß macht 😉

    Andernfalls hätte man jede Betonplatte erstmal umdrehen/aufgraben müssen.

    Hinterher sind sowieso alle schlauer und haben es besser gewußt.

    PS. Ich will hier nichts beschönigen, aber hysterisches Gekreische (wie in den ersten Beiträgen)
    ohne jedes (bau-)technische Wissen macht das Ganze auch nicht besser.

    Gruß Jochen

  10. schmut said

    hey jochen, spitzen kommentar.
    ich kann die gefährdung leider selbst nicht wirklich einschätzen aber die meisten kommentare pushen den asbestfund hoch, als handle es sich um eine unser aller existenzbedrohende giftmüllgrube.

  11. hedi said

    @Jochen S.
    @schmut

    Ich würde dieses Problem nicht so verharmlosen. Die aufgefundene Menge an Asbest ist so groß, dass es einem fast die Sprache verschlägt: 50.000 t (Gewichtseinheit – nicht Behälter) sollen es sein !!!
    (Ich hoffe, es ist nur ein Gerücht – ich befürchte aber: es stimmt)

    Je zu entsorgende Tonne entstehen Kosten von ca. 100 Euro. Wir reden hier also über 5 Millionen Euro. Steuergelder versteht sich.

    Alles halb so wild?

    Interessant ist nur, dass diese Kosten eigentlich auf die Käufer der Baugrundstücke umgelegt werden müssen. Ich bezweifle, dass die GEG diese Grundstücke dann noch an den Mann/Frau bringen kann.
    Hier verweise ich auf den Kommentar von eddie.

    Selbst wenn das Grundstück „günstig“ eingekauft werden konnte, entstehen jetzt doch erst einmal Kosten, die so nicht eingeplant waren. Der Abriss der Kasernen kam ja schon viel teurer als veranschlagt.

    Wenn man dazu die „negativen Ereignisse“ der letzten Zeit betrachtet, sehe ich die „Flucht“ von Heiner Pott in einem anderen Licht. Und, dass sein Vertreter Dr. Ralf Büring wegen privater Gründe für das Amt des OB nicht zur Verfügung steht, auch.

  12. schmut said

    50.000 tonnen sind natürlich krass. die daraus resultierenden kosten ebenfalls.
    dass der stellenwechsel von heiner pott aber mit dem nun gefundenen asbest zusammenhängen soll, ist eine ziemlich freche, gar dreiste anschuldigung.

    doch wer weiß, vielleicht hat er sich im mondlicht einen spaten geschnappt, testgrabungen durchgeführt und so das unheil kommen sehen (der 11.9 ist übrigens von der CIA initiiert worden…).

    dass herr büring sich nicht zur wahl stellen möchte, kann ich aufgrund derartiger unterstellungen im übrigen sehr gut nachvollziehen.

    • Naja. Ich weiß es nicht, ob dies eine Rolle gespielt hat. Er wird es uns nicht verraten. Aber Fakt ist: Die Information des Verwaltungsausschusses erfolgte eine Woche, nachdem „uns Heiner“ erklärt hatte, er gehe nach Hannover. Und da schien die Sonne, nicht der Mond.

  13. Harald Nüsse said

    Seit ich am Mittwoch den Radweg zwischen Ems und ehemaligen Kasernengelände befuhr, frage ich mich wie in Lingen Eternitplatten aussehen. Arbeiter unter Vollschutz entsorgen, wenige Meter von ungeschützen Fußgängern und Radfahren entfernt, faserartiges Isoliermaterial aus einem alten Rohrschacht der Wärmeversorgung.

  14. Klaus B. said

    Was ist eigentlich aus dem Grundstück um das ehemalige Offiziersheim geworden? Ist das bereits verkauft? Sollte da nicht gehobene Gastronomie angesiedelt werden? Man gar nichts mehr darüber gehört oder gelesen. Muss da auch mit solchen Asbestablagerungen gerechnet werden? Wer kann da Auskunft geben?

  15. Dieter Spielmanns said

    Dazu per 12.05.2010 auf der IT-Seite der Stadt Lingen

    Emsauenpark Reuschberge

    Asbestfunde auf dem Kasernengelände
    Fakten und Hintergründe

    Wie die Stadt Lingen am 4. Mai mitteilte, wurden im Zuge der Abbrucharbeiten auf dem Gelände der ehemaligen Scharnhorst-Kaserne Bruchstücke von Asbestzementplatten im Boden gefunden. Derzeit prüfen Altlastensachverständige das Ausmaß und die Ursachen der Funde. Die Stadt Lingen informiert im Folgenden über die momentane Sachlage.

    Wo wurde der Asbest gefunden?
    Das Material wurde im nördlichen Bereich des Kasernengeländes entlang des Langschmidtswegs gefunden, und zwar unterhalb einer mit Betonplatten versiegelten Fläche. Das Material liegt sowohl oberflächlich als auch in tieferen Bodenschichten vor.

    Wann und wie wurde der Asbest gefunden?
    Das Material wurde im Rahmen einer Routinebegehung während der letzten Phase der Abrissarbeiten Ende April entdeckt. Nachdem die Materialproben positive Asbestfunde ergaben, nahm die Stadt Lingen eine erste Einschätzung der Ausbreitung der Verunreinigung vor. Daraufhin hat die Stadt Altlastensachverständige beauftragt, das Ausmaß und die Ursachen genau zu untersuchen.

    Um welche Art von Asbest handelt es sich?
    Es handelt sich um Bruchstücke von Asbestzementplatten. Asbestzement ist ein festgebundenes Bauprodukt, das nach dem Zweiten Weltkrieg bis in die achtziger Jahre aufgrund seiner Leichtbaueigenschaften in Fassaden oder auf Dächern eingesetzt worden ist. Bei den nachgewiesenen Asbestfasern handelt es sich um Chrysotil, eine der häufigsten Asbestarten, auch Weißasbest genannt, die in mit einem Anteil von max. 15 Prozent im Zement enthalten ist und davon fest umschlossen wird. Im Gegensatz hierzu ist der Asbestanteil bei Spritzasbest deutlich höher (größer 60%) und die Dichte des Materials deutlich niedriger. Bei Spritzasbest sind die Asbestfasern nur schwach gebunden und können deswegen leichter freigesetzt werden.

    Gibt es ein Risiko für Nachbarn?
    Da die Fasern bei Asbestzement festgebunden sind, geht von intaktem Material keine Gesundheitsgefährdung aus. Gesundheitsschädlich wäre das Einatmen von freigesetzten Asbestfasern. Der Boden, der sich im Bereich der gefundenen Plattenbruchstücke befindet, wurde auf das Vorhandensein freigesetzter Fasern beprobt. Im Ergebnis konnten keine Fasern festgestellt werden. Eine mögliche Faserfreisetzung wird durch den vorsichtigen Umgang mit den belasteten Flächen vermieden. Die Flächen werden außer zur Befeuchtung nicht mehr befahren, so dass mechanischer Abrieb verhindert wird. Das weitere Vorgehen wird mit den zuständigen Behörden abgestimmt. Der Schutz der Umgebung hat hierbei höchste Priorität.

    Gibt es Risiken für zukünftige Käufer von Grundstücken oder Wohnungen?
    Um eine Wohnbebauung planungsrechtlich zu ermöglichen, ist eine Sanierung der Flächen erf orderlich. Die Stadt prüft gemeinsam mit dem Gewerbeauf sichtsamt und dem Landkreis Emsland, welches Verfahren zur Entfernung des Asbests aus dem Boden technisch und wirtschaftlich möglich ist.

    Warum wurde der Asbest nicht im Vorfeld entdeckt?
    Im Rahmen der Voruntersuchungen wurde der Boden auf Altlasten untersucht, die durch die vorherige Nutzung in den Boden gelangt sein können. Bei einem Militärstandort sind dies beispielsweise Verunreinigungen durch Öl und Kraftstoffe, die durch den Umgang mit Fahrzeugen und Tankstellen in den Boden gelangen können. Bruchstücke von Asbestplatten geraten nicht durch die militärische Nutzung in den Boden. Der Boden wird daher nicht routinemäßig auf Asbest untersucht. Wie die Asbestzementplatten in den Boden gelangt sind, kann zum jetzigen Zeitpunkt noch nicht abschließend beantwortet werden.

    Wurde auch Asbest in den ehemaligen Kasernengebäuden entdeckt?
    Ja. Bis in die achtziger Jahre war die Nutzung von Asbest als Baustoff und Dämmmaterial gang und gäbe. Die Asbestbaustoffe aus den Gebäuden wurden vor den eigentlichen Abbrucharbeiten ausgebaut und fachgerecht entsorgt. Die Bodenflächen waren zu dem Zeitpunkt noch mit Betonplatten versiegelt, so dass also während dieser Arbeiten keine Asbestzementplatten in den Boden gelangt sein können.

    Wie wird die Sanierung aussehen?
    Die Stadt prüft zur Zeit in Abstimmung mit dem Gewerbeaufsichtsamt und dem Landkreis Emsland ein technisches Verfahren, um die Bruchstücke der Asbestzementplatten aus dem Boden zu entfernen. Unter der Voraussetzung, dass sich dieses Verfahren als technisch und wirtschaftlich durchführbar erweist, werden die betroffenen Flächen möglichst schnell saniert.

    Die Stadt Lingen steht den Bürgern für weitere Informationen zur Verfügung. Bitte wenden Sie sich an emsauenpark@lingen.de.

  16. Robert Koop said

    „Wurde auch Asbest in den ehemaligen Kasernengebäuden entdeckt?
    Ja. Bis in die achtziger Jahre war die Nutzung von Asbest als Baustoff und Dämmmaterial gang und gäbe. Die Asbestbaustoffe aus den Gebäuden wurden vor den eigentlichen Abbrucharbeiten ausgebaut und fachgerecht entsorgt. „

    Das ist nicht die ganze Wahrheit und soll womöglich suggerieren, dass auch die (bekanntlich völlig intakten (und vielfach nutzbaren) Kasernengebäude nur abgerissen werden konnten und mussten, weil sie asbestbelastet waren. Tatsächlich gab es nach meiner Erinnerung geringe gebundene Asbestanteile in Wandfarben der Kasernen, die keine Altlasten darstellten. Übrigens wurde schon 1979 Spritzasbest in Westdeutschland verboten. 1993 folgte das Komplettverbot in Deutschland, aber erst 2005 in der ganzen EU.

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