Übertroffen

24. April 2010

Heute Abend freue ich mich. Denn heute hat die Anti-AKW-Bewegung ihre hohen Ziele weit übertroffen. Knapp 40 Jahre nachdem sie entstanden ist; zwei Tage vor dem 24. Jahrestag der Kernenergie-Katastrophe von Tschernmobyl in der Ukraine. Ein besonderer Grund zur Freude: Der Generationenwechsel der Bewegung klappt richtig gut.
Über 100.000 Menschen bildeten auf den  120 Kilometern zwischen den (Schrott-)Atomkraftwerken Brunsbüttel und Krümmel eine Kette. Ein riesiger Erfolg für diese Ökologie-Bewegung.

Nicht nur bei der Menschenkette an der Elbe wurden die Erwartungen übertroffen. Vor dem nordrhein-westfälischen Zwischenlager Ahaus waren weitere 6000 (Polizei) bis 8000 (Veranstalter) Menschen auf den Beinen; dort trafen allein 50 Sonderbusse ein. Und auch in Biblis demonstrierten 20.000 Männer und Frauen, die größte Demonstration dort seit über 20 Jahren; die Polizei sprach hier von 10.000 Teilnehmern.
In Glückstadt sagte Jürgen Trittin (Grüne): „Sechs Atomkraftwerke in Deutschland könnten sofort abgeschaltet werden.“ Weil es zu viel Strom aus Atom- und Kohlekraftwerken im Netz gebe, müssten Windparks abgeschaltet werden. „Das ist pervers.“ Der SPD-Vorsitzende Sigmar Gabriel sprach in Elmshorn über die Erfolge aus der Zeit der rot-grünen Regierung im Bereich erneuerbare Energien. „Die Menschen waren ja froh darüber, dass der Ausstieg aus der Atomkraft Schritt für Schritt passiert ist“, so Gabriel weiter. „Jetzt wollen CDU und FDP das bis zu 28 Jahre verlängern. Dagegen werden sich die Menschen schon ziemlich wehren.“
Grünen-Chef Cem Özdemir nahm in Hamburg teil und freute sich über die hohe Beteiligung an der Aktion. Es gehe darum, ein Signal zu setzen, dass die Mehrheit der Bevölkerung eine Laufzeitverlängerung ablehne, sagte Özdemir der Nachrichtenagentur ddp. „Die CDU muss sich schon gut überlegen, ob sie sich dem Bevölkerungswillen entgegen stellt.“
Eine Verlängerung der Laufzeiten betrifft auch das Atomkraftwerk in Lingen. Es zählt zu den Meilern, die besonders lange länger laufen sollen. Das in Lingen errichtete Zwischenlager wäre damit deutlich zu klein und müsste -entgegen allen Vereinbarungen und Zusicherungen- dauerhaft erweitert werden.

(Foto: CampAct.de)

6 Antworten to “Übertroffen”

  1. Thomas said

    Da es ohne konkretes Atomausstiegsdatum und ohne konkreten Ausstiegsplan auf absehbare Zeit kein Endlager in Deutschland geben wird, werden wir uns darauf einrichten müssen, dass wir in Lingen nicht nur ein Zwischenlager haben, sondern ein faktisches Endlager haben werden. Das ist der Preis, den wir offenbar zu zahlen bereit sind für eine Energieerzeugung mit maximal 35 % Wirkungsgrad. Ich denke es ist Zeit dem Thema Energie ein eigenes Ministerium zu widmen. Neben einem Haushaltsplan sollte es auch einen Energieplan geben.

  2. @Thomas
    Faktisches Endlager in Lingen? Mal den Teufel nicht an die Wand!

    Ein eigenes (Atom-)Ministerium gab es bekanntlich schon mal (mehr…). Ich halte wenig davon. Neue Bürokratien helfen nicht weiter.
    Die Geschichte zeigt auch: Die gute Energiepolitik der rot-grünen Koalition von 1998 bis 2005 war nicht davon abhängig, dass es dafür ein eigenes Ministerium gab. Entscheidend waren der politische Wille und die Fähigkeit, Nachhaltigkeit bei der Energieerzeugung zu schaffen und sich nicht -wie jetzt- den Interessen der großen Energiekonzerne unterzuordnen.

    • Thomas said

      Wir lügen uns doch ständig was in die Tasche. Gorleben wird es wegen der Geologie und nicht zuletzt auch wegen der Symbolik wohl nicht werden. Einen anderen Standort zu finden, erkunden und bei der Bevölkerung eine Akzeptanz dafür zu schaffen, wird so langwierig, dass wir beide den Tag, an dem der Müll in warmen Castoren aus Lingen abzieht, wohl nicht erleben werden. Das mag Schwarzmalerei sein, aber die Geschichte der Atomenergie gibt keinen Anlass zum Optimismus.

      Ich befürworte ein eigenes Energieministerium, um die Bedeutung dieses Bereiches zu stärken und Verantwortlichkeiten klar zu definieren. Energie wird neben Wasser das wichtigste Thema des 21. Jahrhunderts.

  3. Peter said

    Ist das Zwischenlager in Lingen nicht schon jetzt zu klein? Es ist auf jeden Fall aktuell nahezu voll.

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