Mülleimerplatz-II

6. April 2010

OK – den Vorwurf akzeptiere ich, meine Städtebau-Kritik sei kleinkariert. Allerdings sind nicht nur die Mülleimer sondern noch anderes am und um den Universitätsplatz Ausdruck von geschmacksferner Gleichgültigkeit. Zum Beispiel die Hausfenster. Mindestens die Silbermedaille erhalten dabei diejenigen der Wohnungen des Schwesternwohnheims an der Ecke Clubstraße. Oder finden Sie diese tristen Gardinen-Eindrücke im Erdgeschoss in irgendeiner Weise gelungen?
Den ersten Preis für Gedankenlosigkeit bekommen aber in diesem Frühjahr gleichberechtigt das Theaterpädagogische Zentrum der Emsländischen Landschaft und das Europäische Zentrum für Amateurtheater. Sie bewohnen das Professorenhaus. Es ist eines der beeindruckenden Bauwerke dieser Stadt – ein zweigeschossiger Fachwerkbau mit seinen vier Flügeln um einen quadratischen Innenhof gruppiert. Das Gebäude beherbergt heute mehrere städtische Kultureinrichtungen. Im vergangenen Jahr ist es renoviert worden. Weil solche Selbstverständlichkeiten, ein historisches Bauwerk instand zu halten, offenbar immer eine großspurig-verquastes Motto benötigen, hieß es damals, das Gebäude werde zum „Haus der Sinne für alle Generationen und Kulturen“ umgebaut. Leuteleute, Ihr macht doch gute Arbeit. Aber sehen, hören, riechen, schmecken, tasten (wahrscheinlich die Türklinke) und auch noch alle (!) Kulturen. Auch hier: Weniger ist mehr.
Meine Sinne blieben an den zahlreichen, pink-lila-farbenen Fensteraufklebern hängen, die irgendein baudenkmalloser PR-Fuzzie vor der Wiedereröffnung in alle Frontfenster des farblich historisch-originalgetreu gestalteten Hauses geklebt hat. Niemand hat sie bisher wieder weggenommen. Und diese beeindruckend unhistorische Geschmacklosigkeit sieht dann aus der Nähe so aus wie rechts, und b Sie es glauben oder nicht, je weiter man auf dem Platz entfernt ist, desto störender sind sie für das Baudenkmal. Links übrigens zeigt das kleine Foto ein nichtssagend-plattes Werbeschild für irgendeinen Landratsverein der Region, wobei die Schildbefestigung auf besonders intelligente Wesen in die 500 Jahre alten Eichenbalken gebohrt wurden. Ich stocke auf: Viel weniger, ist viel mehr.
Aber das Gebäude wird auch diese, so verkrampft-geschmacklosen Werbe-Klebe- und Bohrereien überleben. Allemal übrigens den all diese Geschmacksverirrung nicht bemerkenden Stadtbaurat L. Da bin ich mir sicher.

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