Verwerfung

1. April 2010

Eine beeindruckende Entdeckung haben jetzt  heimische Geologen im Emsland gemacht: Unsere Region durchzieht die San-Bonifatius-Verwerfung. Diese tektonische Verwerfung ist eine Transformstörung, an der die auf dem Magma im Erdinneren dahin treibende Holländische Platte an der Emsländischen Platte vorbei driftet. Sie erstreckt sich -so die Geologen-  über gut 150 Kilometer Länge vom niederländischen Winschoten  bis zum Norden von Westfalen und teilt so die Weser-Ems-Region in zwei Hälften auf. Lingen liegt auf der rechtsdrehenden Emsländischen Platte und Nordhorn auf der linkswirkenden Holländischen Platte. Die San-Bonifatius-Verwerfung ist übrigens eine der wenigen Plattengrenzen an Land; die überwiegende Zahl der Plattengrenzen liegt auf dem Grund der Ozeane.
Die Geologen benannten ihre Entdeckung der tiefreichenden Verwerfung nach dem Hlg. Bonifatius, pilgerte der „Apostel der Deutschen“ doch schon 754 nach Christus an ihr entlang gen Dokkum im Norden Frieslands. Auf weiten Strecken ist heute die Verwerfung übrigens mit bloßem Auge in der Landschaft zu erkennen und wird zusätzlich für jedermann  an den blauen BAB-Schildern der A 31 bestätigt.
Faszinierend  ist dabei, dass täglich Tausende von Verkehrsteilnehmern auf der Autobahn 31 die Folgen dieser enormen Verwerfung zu ertragen haben. In nördlicher Richtung musste bereits im vergangenen Sommer wegen des schwachen Fahrbahnuntergrundes die Höchstgeschwindigkeit zwischen Twist und Meppen-Nord auf 80 km/h reduziert werden. Der Grund: Die Emsländische Platte wandert jährlich 6 cm nach Norden. In südlicher Richtung ist deshalb inzwischen eine 6 km breite Erdspalte entstanden. So zeigen die A31-Schilder an der Abfahrt Wesuwe noch eine Entfernung nach Lingen von 40km und Nordhorn 4 km weiter an. Wenige Kilometer weiter südlich aber ist die Strecke nach Lingen nicht mehr vier Kilometer kürzer sondern -wegen San-Bonifatius- zwei Kilometer länger.

Das beeindruckende Phänomen hat jetzt durch die Arbeit der heimischen Geologen endlich seine Bestätigung erhalten. Dies unterstrich am Donnerstag auch Landrat Hermann Bröring. Mit Blick auf möglicherweise drohende  tekto-theologische Verwerfungen meinte der emsländische Landrat, dass zu keiner Zeit eine Gefährdung der Bevölkerung bestanden habe. Sein Grafschafter Amtskollege wollte sich danach nicht mehr äußern. Bröring selbst will heute Mittag am Moormuseum eine Hinweistafel auf die San-Bonifatius-Verwerfung enthüllen.

5 Antworten zu “Verwerfung”

  1. Heukampstannener said

    Hm. Fein beobachtet Herr Koop,

    das bestätigt meinen lang gehegten Verdacht, dass unüberwindbare Schluchten bestehen zwischen uns und den Niederländern. Ganz besonders auf der Autobahn. Deshalb hat sie ja auch zwei Spuren, eine für uns, eine für sie. Nur – keiner erklärt´s denen.

    Heißt das denn, dass Holland in absehbarer Zeit so weit weg ist wie England? Dann find ich Erdplattenveschiebungen gut. Kann man den Prozess irgendwie beschleunigen, so wie beim Klima?

    Scherz. Ich liebe Holländer!

    Ihr Rester Lirpa,
    1. April 2010

    P.S. Aber wenn England weiter mitdriftet, find ichs schon gut so. 8)

  2. Conny Spielmanns said

    gelungen…

    01.04.2010

    Danke !

  3. Ingrid P. said

    …Klasse!

  4. […] und den Emsköppen bewiesen getan. Doch nun kommt wohl eine neue Categorie hinzu: Geologen: “Lingen liegt auf der rechtsdrehenden Emsländischen Platte und Nordhorn auf der linkswirkende…” tut ein Emskopp-Blog behaupten und (ausnahmsweise) mal recht haben, wie Geologe Hans-Josef […]

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