Mittendrin-II

31. März 2010

Zurecht hat ein Leser dieses Blogs vor einer Vorverurteilung im Fall des suspendierten Speller Pfarrers Andreas H. gewarnt, der sich mit dem Vorwurf der Vergewaltigung konfrontiert sieht. Heute lese ich in der Lokalzeitung, dass der 49-jährige den gegen ihn erhobenen Vorwurf der Vergewaltigung bestreitet. Gegenüber dem Osnabrücker Bischof Franz-Josef Bode hatte der Geistliche nur  ein „Fehlverhalten“ zugestanden.

Seit gestern ermittelt die Staatsanwaltschaft Osnabrück gegen den Geistlichen. Er steht im Verdacht, in seiner Zeit als Jugendseelsorger in Haren von 1990 bis 1993 eine Minderjährige über Jahre vergewaltigt und sexuell missbraucht haben. Bischof Franz-Josef Bode hat den Priester deshalb angezeigt, nachdem der Geistliche „die Möglichkeit zur Selbstanzeige nicht genutzt“ hatte. Dazu, so der Verteidiger des Beschuldigten, der Nordhorner Rechtsanwalt Theo Krümberg habe kein Anlass bestanden, weil der Vorwurf der Vergewaltigung falsch sei. Doch die Neue OZ schreibt bereits von „einem mutmaßlichen Täter“ und nicht von einem Beschuldigten.Zu welchem Ergebnis die Ermittlungen führen und ob es zu einem Gerichtsverfahren kommt, ist gegenwärtig offen.

Die Mindeststrafe bei Vergewaltigung beträgt zwei, die Höchststrafe 15 Jahre. Aus § 78 StGB folgt daraus für das Verbrechen eine Verjährungsfrist von 20 Jahren. Bei minderjährigen Opfern beginnt diese 20-jährige Frist jedoch erst mit der Vollendung des 18. Lebensjahres zu laufen. Die Frau, die die Vergewaltigung behauptet, soll zur angeblichen Tatzeit ab 1990 noch nicht 18 gewesen sein. Eine Vergewaltigung ist also noch nicht verjährt.

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Geschlossen

31. März 2010

Man merkt es eigentlich immer, wenn eine Sache zu routiniert betrieben wird. Gerade lese ich:

Stadtverwaltung am Karsamstag geschlossen.
Lingen. Das Bürgerbüro und die Tourist-Information im Rathaus der Stadt sowie die Stadt- und Hochschulbibliothek haben wegen des Osterfestes am Karsamstag, 3. April, geschlossen.

Da stehen also die Bürger aber auch alle Besucher unserer kleinen Stadt vor verschlossenen Türen. Die Gäste können womöglich „Infotower“-Schaufenster herumdrücken, der inhaltlich sehr bescheiden informiert. Einen Hotspot-Internetzugang finden sie nicht. Getwittert wird auch nicht.  Die drei Fahrradboxen hinter dem Rathaus sind so versteckt, dass man sie nicht einmal erahnt, also auch nicht nutzt. Die 1995 (!) beschlossene Fahrradstation mit Luft für Reifen und mit der Möglichkeit, kleinere Reparaturen selbst vorzunehmen, ist immer noch nicht realisiert.

Mit anderen Worten: Touristen, Gäste und Besucher behandelt man im und am Rathaus nicht sonderlich gut.  Sie sollten doch eigentlich die touristische Information offen vorfinden, wenn sie hier z.B. mit dem Rad unterwegs sind. Aber Karsamstag beispielsweise, wenn Ostergäste mit und ohne Untersatz in der Stadt sind, ist geschlossen.  Auch sonst ist es an Wochenenden nicht besser. Im Winterhalbjahr ist an Freitagen schon um 12.30 Uhr (ab April wenigstens erst um 16 Uhr) geschlossen, Samstags um 13.00, Sonntags immer. Das sind Öffnungszeiten, die an den Bedürfnissen der Bediensteten aber nicht an denen der Gäste und Besucher Lingens ausgerichtet sind.

Die Tourist Information braucht andere Öffnungszeiten, wenn Touristen kommen und damit sie dort die Angebote der Stadt überhaupt erfahren können. Dabei kann der neu gegründete LWT auch personelle Hilfestellung leisten, dessen Rolle im Gestrüpp der örtlichen Strukturen mir bislang nicht klar ist.

Kanzlerin

30. März 2010

Wie gut kennt OB Pott die Kanzlerin? Der Oberbürgermeister hat in seiner Haushaltsrede vor einigen Tagen tiefes Vertrauen in die amtierende Kanzlerin Angela Merkel, offenbart. So formulierte er im Blick auf die Gewerbesteuer u.a.:

„Deshalb warne ich vor einer Abschaffung der Gewerbesteuer. Wir werden uns nach der Osterpause nochmals in einem gesonderten Tagesordnungspunkt mit dem Thema befassen. Ich bin der Auffassung, dass wir als Rat dazu eine Resolution verabschieden sollten. Hier verlasse ich mich aber auf das Wort der Bundeskanzlerin, die noch im vergangenen Jahr in Bochum ausdrücklich den Bestand der Gewerbesteuer zu gesichert hat. Wir nehmen die Bundeskanzlerin beim Wort.“ Ich frage mich, ob diese Hoffnung Bestand haben kann.

In ihrer Regierungserklärung 2005 sagte die Kanzlerin:

“Wir haben uns deshalb dazu verpflichtet, … bis 2010 mindestens 0,51 Prozent … des Bruttoinlandsprodukts für die öffentliche Entwicklungszusammenarbeit aufzubringen. Ich weiß, was ich da sage.“
Das hat sie damals vor fünf Jahren gesagt. Offensichtlich wusste sie nicht, was sie sagt; denn sie hat ihr Versprechen bei den diesjährigen Haushaltsberatungen eiskalt gebrochen. Die Bundesrepublik wird mit 0,4 Prozent weit unter dem Ziel liegen. Das Ziel um fast dreißig Prozent verfehlt. Wie peinlich und somit „versprochen – gebrochen.“

Was meint denn Heiner Pott, welche Halbwertszeit Merkels Erklärung aus 2009 hat? Ich kann mir jedenfalls vorstellen, wie die Kanzlerin vor der Resolution des Lingener Rates erzittern und ganz zügig 0,51 Prozent realisieren wird.

ein Gastbeitrag von Gerhard Kastein

Dienstfahrt

30. März 2010

Bundespräsident Horst Köhler ist in die Kritik gekommen. Er wird seines Amtes nicht gerecht, heißt es. Michael Spreng kommentiert  in seinem Blog:

„Dabei gäbe es tatsächlich wichtige Themen für einen Präsidenten: Kindesmissbrauch zum Beispiel. Da wäre moralische Autorität gefragt, nachdem die kirchlichen Autoritäten abgedankt haben. Oder die verzweifelte Lage alleinerziehender Mütter und ihrer Kinder, deren Schicksal durch das Hartz-IV-Urteil wieder ins Licht gerückt wurde. Oder die Krise Europas, die den Menschen Angst macht. Ein Bundespräsident mit moralischer Autorität wäre heute wichtiger denn je. Aber Horst Köhler muss an diesem Anspruch scheitern. Dafür reicht es nicht, ein rechtschaffener und sympathischer Mann zu sein.

In den nächsten Monaten wird es noch einige Versuche des Präsidenten geben, durch Reden und Interviews an Autorität und Relevanz zu gewinnen. Es ist aber zu befürchten, dass dies nicht gelingt. Das ist traurig. Das wird noch eine lange, bittere Dienstfahrt für Horst Köhler. Er tut einem leid. Und das sollte ein Bundespräsident nicht tun.“

Gar nicht falsch, wie ich finde und dabei an Johannes Rau denke und an Richard von Weizsäcker, der im nächsten Monat 90 Jahre alt wird.  Hier geht’s zum ganzen Spreng-Text.

(Foto: Schloss Bellevue, Amtssitz des Bundespräsidenten, © Birgit Winter, pixelio.de)

deutsch

30. März 2010


Wenn die Nachrichten aus den Niederlanden zutreffen und es kein spezieller Beitrag zum 1.4. ist, beschließt morgen Abend Reinhard Meys „Gute Nacht, Freunde“das letzte Mal das niederländischn Radio-Programm “Met het Oog op Morgen”. Das ist deshalb etwas Besonderes, weil  das Lied 35 Jahre  (!) am Ende des Programms stand – Abend für Abend! In Holland!  Ein Lied in deutsch!  Toll!
Zum 1. April, so meldet jetzt die Website des Programms, soll es eine andere Gutenachtmusik geben. Jetzt soll etwas Neues, Englisches das Reinhard Mey-Lied ablösen. Wat sneu!

(Quelle)

Albern

30. März 2010



Jede Kleinstadt blamiert sich so, wie sie es verdient. An der Frerener Straße zeigt jetzt der Ortsrat Laxten, wie er sich die Gestaltung unserer Stadt vorstellt. Albern.

Vertuschung

29. März 2010

Kohl-Regierung vertuschte Wassereinbruch

Jahrelang hat die schwarz-gelbe Bundesregierung unter Helmut Kohl nach SPIEGEL-Informationen den Wassereinbruch im Atommüll-Endlager Asse vertuscht. So sollte die Kernenergie in Deutschland gesichert werden

Es läuft und läuft und läuft. Seit 1988 plätschert an mehreren Stellen Salzlösung ins marode Atomlager Asse – mit verheerenden Folgen für die Standsicherheit des Bergwerkes. Zunächst war die Herkunft der Flüssigkeit unklar. Nach SPIEGEL-Informationen erbrachten interne Untersuchungen von zwei Wissenschaftlern aber spätestens 1995 den Beweis, dass die Flüssigkeit von außen in das Bergwerk eindringt.

Damit war klar, dass die Müllkippe abzusaufen droht. Als…

Weiter auf den Seiten von Spiegel-online.

Hetze

29. März 2010

BKA WARNT

Datenschutz hilft Kinderschändern

BILD online von heute

Mittendrin

29. März 2010

„Die Arbeit unserer Einrichtung ist bis ins Detail darauf ausgerichtet, den Jungen zu helfen, ihre eigene Persönlichkeit zu entwickeln und zu festigen.“ So beschreibt sich die katholische Internatsschule in Thuine. Ihr Rektor, der Franziskanermönch Heinz-Günther H. ist jetzt aller Ämter enthoben worden.

Andreas H., Pfarrer der Kirchengemeinden Spelle, Schapen, Venhaus und Lünne, segnete noch am 14. Januar im Beisein des niedersächsischen Innenministers die neue Polizeistation in Spelle ein und verschwand dann „wegen psychischer Erkrankung“ quasi über Nacht. Jetzt hat ihn der Osnabrücker Bischof, wie die lokale Presse am Samstag etwas verschämt meldete, „von seinem Amt entpflichtet“.
Beide Männer sind Priester und beide haben sich in den sexuellen Missbrauch verstrickt. Der Speller Seelsorger H. ist dabei, folgt man der taz,  „ein mitreißender Gottesmann“. Im Rahmen der fundamentalistischen Christusgemeinschaft (mehr…) scharte er mit der aus dem Orden der Franziskanerinnen ausgeschlossenen Stephanie Bensmann  junge Menschen um sich und veranstaltete für sie Extra-Treffen und Exerzitien. „Wahre Indoktrinationsmeetings“ müssen das gewesen sein, wusste 2005 die taz. Zunächst seien „die Beziehungen zu den Eltern hinterfragt“ worden, „weil angeblich Eltern ihre Kinder immer festhalten wollen“. Deshalb würden sie den Blick dafür verlieren, was gut und was schlecht für ihre Kinder ist. Und deshalb sollte man ihnen nur das Nötigste über die Erbauungsveranstaltungen erzählen. Auch andere soziale Kontakte seien nach und nach torpediert worden. Den Mitgliedern sei im Wesentlichen vermittelt worden, sie seien schlecht, die Welt ebenso und die Menschen ohnehin. Ein ganz anderer Missbrauch, aber durchaus auch, wie wir jetzt sehen, ein selbstkritischer Ansatz…

Der Thuiner Pater soll  schlüpfrige Parties im Lingener Ludwig-Windthorst-Haus gefeiert haben, das sich bekanntlich als intellektueller Brutofen des katholischen Konservatismus begreift. So schaffte er es gar mit „perversen Knobelspielen“ in die BILD-Zeitung, den -wie man weiß-  Schneidbrenner des Boulevardjournalismus. Lange bekannte Missbrauchsfälle in Papenburg, Haren, Meppen und Dalum  kommen zu den beiden jetzt öffentlich gewordenen Fällen hinzu und zeigen, dass „wir im Emsland“ mittendrin statt nur dabei sind: In der aktuellen Missbrauchsdebatte, die die katholische Kirche peinigt.

Die Gründe für die Missbrauchsfälle sind vielfältig. Sie haben jenseits der individuellen Schuld sicherlich auch mit dem Zölibat und der damit zusammenhängenden Frage zu tun, wer das Priesteramt anzunehmen bereit ist. Noch mehr betreffen die Missbrauchsfälle das schädlich-verklemmte Verständnis der katholischen Amtskirche von Sexualität. Doch vor allem finden sie ihren Boden in der hierarchischen und autoritären Struktur der katholischen Kirche und dem entsprechenden Selbstverständnis ihrer Amtsträger. Beides begünstigt  eben Machtmissbrauch jeder Art. Diese Strukturen führen zum Schweigen der katholischen Christen und sollen es auch. Selbst jetzt.

Neues (30.03.2010) aus Spelle hier.

(Foto: Dom St. Peter in Osnabrück © Birgit Winter, pixelio.de)

Puhdys

26. März 2010


Puhdys
40 Jahre – Akustiktour 2010
Montag, 29. März 2010, 20 Uhr
Theater an der Wilhelmshöhe, Lingen (Ems)

28 / 34 / 39 Euro – Verkehrsbüro Lingen
nur noch Einzelkarten, sonst ausverkauft