Abgeräumt

7. Februar 2010

Reinhard Rauscher, mit dem Lingener Hochschulleben durchaus vertraut, hat vor einigen Tagen in einem Beitrag auf der Internetseite der Wählergemeinschaft „Die Bürgernahen“ Bedenkenswertes über die Wohnsituation der Fachhochschüler berichtet. Er berichtet über das Ergebnis einer städtischen Online-Umfrage , dass 37 % der Studenten, die an der Online-Umfrage teilnahmen, zwischen 101 und 250 €,  42 % zwischen 250-400€ Warmmiete zahlen. „Dies hätte ich  so hoch eigentlich nicht erwartet!“, schreibt Capuccinotrinker Reinhard Rauscher und schlussfolgert: „Was macht man, wenn sich nichts anderes bietet ??“

Anderes bietet sich deshalb nicht, weil die CDU mit OB Heiner Pott an der Spitze die Möglichkeit preisgünstigen Wohnens für viele Studenten (und auch Berufspendler) durch den sinnfreien Abriss der Scharnhorstkaserne  an der Gelgöskenstiege vernichtet hat, obwohl die Scharnhorsthäuser zu einem Großteil gerade renoviert waren. Die freigeschobenen Flächen sollen jetzt als Emsauenpark bereitet werden – mit bisher nicht bekannt gegebenen  Folgekosten. Die durch Immobilien-Klaas geplante Alternative eines Studi-Wohnheimes an der Kaiserstraße/Ecke Werkstättenstraße „rechnet sich nicht“, wie in einer Ausschusssitzung zu hören war; der Investor habe die Pläne zurückgezogen. Der CDU-Nachwuchs „Junge Union“ spielt sich angesichts des Millionen-Desasters ihrer lokalen Altvorderen derweil forsch als studentenfreundliche Politverbindung auf und hofft auf das zögernde Studentenwerk Osnabrück, das auf dem Grundstück des alten Gaswerks ein Studentenwohnheim bauen soll. Da wären wir dann wieder bei mindestens 270 Euro/Zimmer/Monat.

Über die pünktliche Abrissausführung an der Gelgöskenstiege freuten sich jüngst öffentlich Erster Stadtrat Dr. Ralf Büring, Helmut Höke (Leiter Fachbereich Wirtschaftsförderung und Liegenschaften), Oliver Wächter (stellv. Projektleiter Planungsbüro Assmann), Hubert Ungrun, (Fachdienstleiter Liegenschaften) und – bei diesem sogar verständlich- Abbruchunternehmer Markus Moß (Geschäftsführer Moß GmbH & Co. KG) fast unter einem Bagger stehend und ganz öffentlich (guckst Du hier und hier), wie schön abgeräumt jetzt alles ist. Der studentenfeindliche Abriss der Scharnhorstgebäude  kostet nicht nur rd.  3 Mio Euro; er schlägt sich auch heftig in den Kosten nieder, die künftige Reuschberger Bauherren für den Quadratmeter Baugrund zu zahlen haben. Nach einem Arbeitspapier der Verwaltung sollen die etwas großspurig als Innenstadt angebotenen Grundstücke dann kostendeckende 100 Euro/qm kosten. Der lokalen CDU ist das zu viel. Sie hatte unlängst „noch Beratungsbedarf“. Wahrscheinlich darf der Steuerzahler noch einmal ran und direkt subventionieren. Zum Nachrechnen: Wenn die Grundstücke 90 Euro/qm kosten sollten, wären dies 1,5 Mio Euro Steuerzahlergeld.

OB Heiner Pott ist inzwischen vorübergehend in den Ortsteil Bramsche verzogen. Direkt neben die dortige Kirche. Wie praktisch: Denn von da sind es nur wenige Schritte, um an geeigneter Stelle in aller Stille um höhere Vergebung zu bitten.

Die oft gehörte studentische Frage, wo ist eigentlich Lingen, kann man währenddessen locker beantworten: In Deutsch-Absurdistan.

(Foto Abrissbagger  © Kenneth Brockmann, pixelio.de)

5 Antworten zu “Abgeräumt”

  1. Anton said

    „Besorgt sind die jungen Christdemokraten aber über den Gesichtspunkt von Vorurteilen der Bevölkerung gegenüber den Studenten.“

    Blöd nur, dass das der Teil der Einwohner ist, der die CDU wählt. Und der Teil, den das alles einen Scheißdreck interessiert. Un-glaub-lich!

  2. Mag sein. Doch die entscheidende Frage lautet nach diesem Zitat:

    Wer hat den „jungen Christdemokraten“ eigentlich die deutsche Sprache zu vermitteln versucht?

  3. Hallo,

    Vielen Dank für die Erwähnung meines Artikels.
    Allerdings muss ich klarstellen, dass das Ganze nicht „auf meinem Mist gewachsen“ ist, sondern lediglich eine Berichterstattung ist, die ich aber nach meinen Einschätzungen hundertprozentig teilen würde.

    Außerdem würde ich mich fast schon als „2-Monate-Cappuchino-clean“ bezeichnen; leider, mir fehlt da ein Trinkgenosse.

    R.Rauscher

  4. Klaus said

    Hallo zusammen,

    zum Thema Bauplatzpreise:

    Seitens der Stadt wir jetzt nicht mehr von 100 oder gar 90 Euros gesprochen. Derzeitiger Sprachgebrauch „wir versuchen unter den aktuellen Schepsorfer Preisen zu bleiben“. Das hiesse dann knappe 140 Euro! Somit dürfte der Park ungewollt doch größer werden…

  5. […] zu 30 Mio Euro hat die Vernichtung der Lingener Scharnhorstkaserne gekostet und kostet sie noch. Leser dieses Blogs wissen: Schon der Abriss der Kasernengebäude hat öffentliches Vermögen im Wert von 10 – 12 […]

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