Niggemeier

24. Februar 2010

Die Verlage müssen von der (ohnehin schon reduzierten) Mehrwertsteuer befreit werden, Google muss verboten oder zur Zahlung von Lizenzgebühren verpflichtet werden, ARD und ZDF müssen das Internet verlassen, das Zitatrecht muss drastisch eingeschränkt, das kostenlose Anbieten von Informationen untersagt und die Gratis-Kultur im Internet insgesamt vernichtet werden — dann, ja dann könnten die Verlage vielleicht, möglicherweise, wenn das Wetter stimmt, in der Lage sein, auch in Zukunft Qualitätsjournalismus anzubieten, und womöglich sogar im Netz. Sonst können sie für nichts garantieren.

Stefan Niggemeier kritisiert  in seinem Blog diese unsägliche Verleger-und-Privatsender-Kampagne gegen öffentlich-rechtliche Inhalte im Internet. Sein Schluss, den ich unterschreibe, lautet:

„Ich wünsche mir starke, freie Öffentlich-Rechtliche im Netz. Ich glaube, dass sie der Qualität und der Vielfalt des Online-Journalismus gut tun können. Und ich glaube, anders als offenbar die Verleger selbst, dass gute private journalistische Angebote trotz dieser Konkurrenz bestehen können.“

Einmal mehr ist der Beitrag des Medienjournalisten lesenwert. Finden Sie nicht auch?

Kana

23. Februar 2010

In meinem gegenwärtig favorisierten Meine-Güte-Blog lese ich gerade in der Mittagspause:

„Schlechte Nachrichten für Biertouristen in Amsterdam: wer in der Grachtenmetropole ein echtes Heineken zischen will, der sollte es sich um keinen Preis zapfen lassen, sondern sich schön an die Flasche hängen. In den Kneipen der Hauptstadt wird nämlich im großen Stil beschissen, berichtet das Gratis-Blatt Spits. Klammheimlich werden hauptsächlich die Fässer der Marke Heineken mit billigem, laschen No-Name-Bier ausgetauscht. „Das schmeckt eh keiner raus“, so die laxe Begründung der Barkeeper. (mehr…)“

Da muss ich sofort weniger an die „Hochzeit von Kana“ aus dem biblischen Johannes-Evangelium denken als an die wundersame Bierwandlung am Lingener Markt in den 1980er Jahren. Da war es doch  tatsächlich so, dass im damaligen Café Alt-Wien im Bierkeller bisweilen „Pils 2000“ der legendären Germania-Brauerei oder der DUB -ich erinnere mich nicht mehr genau, favorisiere aber Germania- dass also dieses Pils angezapft wurde, aber über dieselbe Bierleitung oben an der Theke Veltins aus dem Hahn floss. Eine wundersame Verwandlung, die mich lange rätseln ließ, wie solcherlei möglich ist.

Die Antwort war aber natürlich einfach: Lingen ist eben Spitze und einmal mehr weit vor Amsterdam – von Osten gesehen sowieso … 😉

(Bild: Hochzeit zu Kana, Giotto di Bondone (entstanden 1304-1306))

Vorrat

23. Februar 2010

Frank Rieger ist Sprecher des Chaos Computer Clubs und technischer Geschäftsführer einer Firma für Kommunikationssicherheit. Im Auftrag des Bundesverfassungsgerichts hat er ein Gutachten zur Vorratsdatenspeicherung verfasst und jetzt in der FAZ dem geschätzten Leser ausführlich die Vorratsdatenspeicherung erklärt und ihre Konsequenzen aufgezeigt. Er fängt vor knapp 100 Jahren an, bevor er die aktuelle bedrohliche Dimension des staatlichen Kontrollwahns beispielhaft darlegt:

„Als im Ersten Weltkrieg immer mehr portable, benutzbare Funkgeräte an allen Fronten zum Einsatz kamen, wurde das Abhören des gegnerischen Funkverkehrs innerhalb kürzester Zeit üblich. Schnell folgte die Einführung und…“

Hier gehts weiter.

Klicken Sie mal rein, auch und gerade wenn sie nicht „Anne Mustermann in einer schwierigen Lebensphase“ sind.
Riegers Artikel erscheint zu einem spannenden Zeitpunkt: Am 2. März wird das Bundesverfassungsgericht nämlich seine Entscheidung zur Vorratsdatenspeicherung verkünden. Einzelne richterliche Äußerungen in der mündlichen Verhandlung und meine jüngsten eigenen beruflichen Erfahrung mit einem bemerkenswerten konservativen Umschwung lassen mich skeptisch sein, ob das Gericht die demokratiefeindliche Vorratsdatenspeicherung tatsächlich generell untersagt, oder  ob die Verfassungshüter den Anwendungsbereich lediglich einschränken. Zumindest in der mündlichen Anhörung am 15. Dezember überwogen allerdings die Stimmen, die für eine völlige Abschaffung der Datenspeicherung plädierten, so dass Gerichtspräsident Hans-Jürgen Papier meinte:  „Der Senat ist verwundert, dass er für das angegriffene Gesetz heute keinen politischen Verantwortlichen hat finden können, der es verteidigt.“ Hauptsache, er selbst macht da keine Ausnahme…

(Foto: Vorrat – © Rainer Sturm, pixelio.de)

NL

21. Februar 2010

Innerhalb von drei Monaten wird es Neuwahlen in den benachbarten Niederlanden (Wappen lks) geben, die trotz ihrer Bedeutung in der Region eher nicht so sehr zur Kenntnis genommen wird. Seit dem 22.02.2007 gab es in Holland eine große Koalition. Die sozialdemokratische Partei der Arbeit, PvdA, um den Finanzminister Wouter Bos wollte aber jetzt die Afghanistan-Mission in Uruzgan nicht mehr, ihre Koalitionspartner CDA mit Ministerpräsident Jan-Peter Balkenende und Christenunie sahen das anders.
Die PvdA-Minister traten daraufhin nach stundenlangen Diskussionen mit den anderen Ministern zurück. Jetzt drohen für lange Zeit instabile Regierungen im Nachbarland.

„Die Niederlande wird in ihrer Erscheinungsweise sozusagen die Berliner S-Bahn West-Europas“, kommentiert Blogger Falk Madeja, auf dessen Informationen ich hier zurückgreife. Er meint: „Ich persönlich denke allerdings, dass die Afghanistan-Frage den meisten Niederländern nicht so wichtig ist. Die machen sich eher Sorgen um Hypotheken, Jobs, Einwanderungspolitik und das politische Chaos – das seit dem Mord an Pim Fortuyn offensichtlich nicht zu stoppen ist.“

Die erste Umfrage des niederländischen Meinungsforschers Maurice de Hond nach dem Zerbrechen der Koalition zeigt, dass die PvdA des jetzt „Ex-Finanzministers“ landesweit von 15 auf 19 Sitze im Haager Parlament steigt. Aber dort gibt es insgesamt 150 Sitze. Gegenüber den letzten Wahlen wären selbst 19 PvdA-Sitze immer noch ein Verlust von 14 Sitzen!
Die Ein-Mann-Partei des Rechtspopulisten Geert Wilders -das ist sozusagen die Hollandausgabe einer Polit-Kreuzung von Schneeschipper Guido Westerwelle und  Schneesniefer Ronald Barnabas Schill (Hamburg) – kommt in dieser Umfrage auf 24 Sitze, die CDA auf 26 und der VVD 23. Diese sogenannte rechte Koalition käme zusammen auf 73 Sitze und damit nicht auf die Mehrheit, eine mögliche linke Koalition aus PvdA, SP, Groen Links und D66 auf nur 63.

Wie es bei unseren Nachbarn weiter gehen wird, könnte günstigstenfalls in zehn Tagen etwas deutlicher werden. Am 3. März sind nämlich  landesweit Kommunalwahlen im Reich von Königin Beatrix

Max Goldt

21. Februar 2010


Max Goldt
liest
Berichte aus der hellen alten Zeit

im Central Kino, Marienstraße,
Freitag, 26. Februar, 20 Uhr

10 Euro

Denglisch

20. Februar 2010

Endlich einmal eine gute Nachricht von Deutsche Bahn (Sie kennen die Mitteilung: „Ssenk ju for trewellink wiss Deutsche Bahn“). Wir lesen in einem unseriösen Presseerzeugnis eine seriöse Meldung: Die Bahn schafft ihr Denglisch, also ihre Anglizismen ab, nachdem sie in Lingen bereits den Mittelbahnsteig durch einen mittig in der Gleisanlage gelegenen, schmal-dimensionierten Außenbahnsteig ersetzt hat

Aus „Kiss & Ride“ wird also wieder die Kurzzeitparkzone. „Call-a-bike“ heißt künftig Mietrad-Angebot. Statt „Flyer“ werden künftig wieder Handzettel verteilt. Puristisch deutsch wird es übrigens bei alldem nicht. So wird das englische „Hotline“ in „Service-Nummer“ eingedeutscht. Und der längst akzeptierte Intercity heißt auch künftig Intercity.

Zuschrift

19. Februar 2010

Guten Morgen Herr  Koop,

ich finde fast, Sie vernachlässigen Ihren Blog. Aber ich denke, Sie haben gute Gründe dafür. Es gilt  halt: Erst die Arbeit, dann das Vergnügen.

Dann habe ich noch eine Frage  in -fast- eigener Sache, Sie wissen ja, das ich Verkehrsthemen  liebe: In Lingen gilt seit Wochen Durchschnittstempo zehn, sobald die  Bürgersteige weiß werden. Schulterzucken der Stadt: Sorry, das Streusalz ist  alle. Wenn ich jetzt der Stadt eine Schiffsladung voll Streusalz anbieten würde,  welchen Preis könnte ich dafür nehmen? Im Ernst: Nachbarn von mir hatten Besuch  und Schriftverkehr vom Ordnungsamt, weil sie ihren Bürgersteig nicht  „ordnungsgemäß geräumt“ haben. Der einzige Bürgersteig in Heukampstannen, der  nicht ordentlich geräumt war, ist der vor dem städtischen Spielplatz in der  Meisenstraße. Wie passt sowas zusammen?

Streusalzknappheit hin oder her, mich interessiert, wer da im Rathaus seinen Job nicht gemacht hat und  allzusehr auf den Klimawandel vertraut hat. Diese peinlichen Sandschüttereien  kann man sich ja nicht ansehen! Mich interessiert, ob Maßnahmen ergriffen werden, aus diesen Fehlern zu lernen. Meine Vermutung ist, das zum nächsten Winter unter jedem Ortsschild der Zusatz hängt: „Achtung, eingeschränkter  Winterdienst.“ Dann passt ja wieder alles. Rein rechtlich. Wie in der  Krankenhaustiefgarage…

Ganz unter uns: Ich habe ein paar Oldtimer und mein Nachbar hat einen Hund. Wir mögen Salz beide nicht, fegen  unsere Bürgersteige aber gemäß Bürgerpflicht. Ganz brav von rechts nach…

links…

M.

(Foto: knipseline; pixelio.de)

Wenig

19. Februar 2010

Daumen runter„Nur wenige Bürger und Bürgerinnen interessierten sich am vergangenen Mittwoch, 17.02.2010, für die Bauleitplanentwürfe der Stadt Lingen (Ems). Ca. 60 Besucher, einschließlich der offiziellen Vertreter der Verwaltung und Planungs-Büros fanden den Weg in die Emslandhallen an der Lindenstraße. Wer als Versammlungsteilnehmer eine gut durchdachte und informative Veranstaltung erwartet hatte, wurde enttäuscht.
Die bisherigen Planungen sind für uns weder schlüssig, noch in vollem Umfang nachvollziehbar. Das Verkehrskonzept liegt z.Zt. nicht vollständig vor und ist von einer optimalen Lösung bisher weit entfernt. Die Finanzierung lässt ebenfalls noch Fragen offen. Ca. 5 Mio. Euro, die aus der Wirtschaft einfließen sollen, müssen in Gesprächen „noch verhandelt“ werden. Wohlgemerkt fünf Millionen Euro!
Offensichtlich sind die selben Planer, Büros und Gutachter, wie seinerzeit schon am Standort Laxtener Esch, auch an der Lindenstraße beteiligt. Die selben Personen, die diesen Standort im Übrigen auch schon totgesagt hatten. Dies bedeutet, dass wieder keine Projektsteuerung aus einer Hand stattfindet.

Für solche Großprojekte ist es sicher sinnvoller, Unternehmen zu beauftragen, welche in der Lage sind, Verkehrsplanung, Straßenentwurf, Straßenverkehrstechnik, Immissionsschutz und Projektsteuerung insgesamt ausführen. Bei 25 Millionen Steuergeldern dürfen persönliche Eitelkeiten keine Rolle spielen. Dieses Budget sollte im Übrigen auch nicht dazu verleiten, einen Erfolg schon darin zu sehen, es einzuhalten. Hier ist im Interesse aller Bürgerinnen und Bürger eine optimale Planungs- und Bauausführung in Auftrag zu geben….“

Dieser heutigen Erklärung der BI Arenawahn schließe ich mich an.  Das „Arena-gegenüber-Projekt“ an Lindenstraße und Emslandhallen ist so, wie es vorgestellt wird, völlig unausgegoren. Die 10 Mio für ein eigenes Parkhaus sind überflüssig und rausgeworfenes Geld. Der Kirmesplatz wird dauerhaft entwertet und gerät in eine Hinterhoflage. Dabei ist die Alternative so viel einfacher als der neuerliche Krampf, der vorgestellt wird und der 40 Mio kosten wird, nämlich 25 Mio plus 5 Mio Umsatzsteuern plus 8 Mio Parkhaus plus 2 Mio Unvorhergesehene; das sind übrigens nicht die Pensionsrückstellungen für den verantwortlichen Baurat.

(Foto © Thommy Weiß, pixelio.de)

DÚNÉ

19. Februar 2010


Support: KILL CASINO (GB)
20. Februar 20 Uhr
Lingen (Ems), Alter Schlachthof
14 Euro VVK + Gebühren; Abendkasse 18 Euro
(präsentiert von: MTV.de/Musix/unclesallys/tonspion/myspace.com)

Bravo

14. Februar 2010

Wolfgang „Bubi“ Heilemann, der ehemalige Starfotograf der „Bravo“, öffnet sein Schatzkästchen – ausgerechnet in Bad Bentheim. Dort sind noch bis Ende April die Rockfotos des ersten fest angestellten BRAVO-Fotoreporters aus dreißig Berufsjahren zu sehen – das erste Mal in Deutschland.

In der Ausstellung gibt es ein Wiedersehen mit den großen Musikern dieser Zeit: The Beatles, AC/DC, Alice Cooper, Bob Marley, Freddy Mercury & Queen, Aretha Franklin, Bob Dylan, David Bowie, Rod Stewart, Mick Jagger & Rolling Stones, The Who, Kiss, Slade, Jimi Hendrix, Eric Clapton, Elton John, Bee Gees … und da der Fotograf mit den meisten Stars auch befreundet war (und noch ist), gibt es mehr zu sehen, als man erwartet: z.B. Joe Cocker mit Blockflöte, Udo Lindenberg ohne Hut und die Gruppe ABBA nur mit Alufolie umhüllt

Überhaupt sind Fotos von ABBA sindder Ausstellungsschwerpunkt; denn mit ABBA hat Heilemann eine besondere Verbindung: Er war der deutsche Ansprechpartner der vier Schweden, die er seit deren Grand Prix-Erfolg 1974 fotografisch (und persönlich) begleitet hat, wurde deren Freund  und galt als „Maskottchen“ der Gruppe. Mehr

Die Ausstellung ist noch bis zum 30. April im Altstadthaus, Bad Bentheim, zu sehen. Montags 10- 18 Uhr, Sa 10 – 13 Uhr, Sonntags geschlossen. Der Eintritt ist frei.