Balve

29. November 2009

Heute kam diese E-Mail:

http://twitter.com/pegamo/statuses/6120585770
:-/ Ich habs 3x gelesen und versteh es immer noch nicht.

Nachgegoogelt fand ich schnell diese Information:

Die Deutschen Meisterschaften Springen und Dressur werden im kommenden Jahr an getrennten Orten, aber einheitlich vom 4. bis 6. Juni stattfinden. Die Dressur-DM soll in Lingen im Rahmen des Internationalen Dressurfestivals stattfinden, in Balve treten die Springreiter an. Hintergrund dieser Aufteilung ist ein Kompromiss. Um der Fussball-WM in Afrika und den damit verbundenen TV-Übertragungen bei ARD/ZDF auszuweichen, bemühte sich Balves Turnierchef Dieter Graf Landsberg-Velen um einen früheren Termin.
Ursprünglich war die DM in Balve für den 10. bis 13. Juni 2010 terminiert worden. Das Dressurfestival in Lingen vom 4. bis 6. Juni wird nun neuer DM-Standort Dressur, dafür rückt Balve auf das gleiche Wochenende und verzichtet auch auf Dressur-Rahmenprüfungen. Stattdessen wird die Springreiter-DM aber erneut in ein CSI eingebettet

Quelle: www.pferdenachrichten.de

Merke, lieber E-Mailschreiber:
Balve ist ein Städtchen in Südwestfalen. Lingen sind wir.

Grafik: Stadtwappen Balve

Prophet

27. November 2009

Im Blog der Ruhrbarone bin ich auf einen interessanten Beitrag von Ruhrbaron Stefan Laurin gestoßen. Sein Fazit:

„Wir müssen über die Zukunft lokaler Medien diskutieren – sie sind in wesentlich größerer Gefahr als die bundesweit agierenden. Und ich möchte sie nicht missen.“

Laurin knüpft an die -ach so schwierige und wohl auch langweilige (Laurin)-  Arbeit von Lokalredakteuren an. Die säßen in sterbenslangweiligen Ausschuss-Sitzungen der Kommunen und dort sei es so:

„Nahezu 90 Prozent der Vorlagen, die von der Verwaltung erstellt werden, gehen einstimmig durch. Die Zustimmung des Rates oder des betreffenden Aussschusses – beispielsweiese bei der Genehmigung von Garagen – ist eigentlich eine Formsache. Klar, zu der Ratssitzung, auf der die einschneidenden Sparmaßnahmen beschlossen werden,  Koalitionskrisen offensichtlich und Dezernenten gestürzt werden, würde ich gehen – und wahrscheinlich auch andere Blogger. In die langweilige Standardsitzung nie.
Nur: in der muss man über Jahre gewesen sein, um zu verstehen, was in einem Rat passiert, um die Konfliktlinien zu erkennen und die handelnden Personen einzuschätzen. Sterben die Lokalteile, findet sich für sie kein Geschäftsmodell, das es erlaubt, Journalisten in diese Sitzungen zu schicken wird es mit der Transparenz in der Lokalpolitik zu Ende gehen.“

Stefan Laurin hat, mit Verlaub, von Kommunalpolitik keine Ahnung. Dröge Routine sind 90 % aller Ratssitzungen, spannend die „Standard“-Sitzungen der Ausschüsse. Noch spannender wäre es, wenn die lokale Zeitung die örtlichen Themen wirklich aufbereiten, recherchieren und kritisch darstellen würden. Vielleicht mal auch vor einer Beratung?! Und da ist es wieder: mein Lieblingsthema die „Lingener Tagespost“ und ihr Journalismus. Die „LT“ leistet nämlich solche Arbeit grundsätzlich erst einmal nicht. Alle sechs Monate ein halbwegs kritischer Kommentar zu den herrschenden Verhältnissen- das reicht nicht.

Kein Prophet zu sein braucht man angesichts der medialen lokalen Langeweile für die Prognose, dass angesichts langsam sinkender Verkaufszahlen in absehbarer Zeit in Lingen (Ems), in Meppen und Papenburg die drei bislang selbständigen  Redaktionen der Neue-Osnabrücker-Zeitung-Lokalausgaben zur Disposition gestellt werden – zugunsten einer einheitlichen Emslandredaktion in Meppen, wo es bekanntlich selbst im Theater so zugig ist, dass die Besucher der Aufführung im Mantel folgen. Dabei hat snext in seinem ruhrbarone-Kommentar doch nicht Unrecht:

„Der Lokalteil ist das Herz der Tageszeitung. (Zeitungs-)Mäntel sind in der Regel austauschbar, weil eh alle über dieselben Themen schreiben. Über meine Gegend aber schreibt nur der, der sich hier auskennt. Wird Lokales gestrichen, fällt der Sinn einer Regionalzeitung weg.“

Daran sollten die Betriebswirtschaftler unseres -außerdem im Vergleich besonders teueren- Monopolblattes denken, bevor sie es noch weiter nivellieren. Und den Redakteuren sei empfohlen, (lokal)politischer zu werden. Kritik -gern auch, aber bitte nicht nur an mir- hilft. Sonst passiert, was Stefan Laurin, schon mit gerade spürbar spitzen Fingern so beschreibt:

„Immer mehr Politiker fangen an zu bloggen – sie nutzen Blogs als PR Medium, versuchen, eine, wenn auch meist, kleine Community, aufzubauen. In den seltensten Fällen diskutieren sie quer zu ihrer Parteilinie – und wenn, dann zumeist um sich selbst zu profilieren. Sie machen – und das ist natürlich legitim, PR in eigener Sache. Mal mehr, mal weniger geschickt.“

Gut, dass wir in Lingen noch nicht so weit sind. Hier reguliert noch die Lokalpresse… 😉

(Foto © Rainer Sturm, pixelio.de)

Attacke

26. November 2009

Einer der Vorläufer der Neuen Osnabrücker Zeitung („NOZ“) war das ehemalige Osnabrücker CDU-Lizenzblatt „Neues Tageblatt“ bzw. später die „Neue Tagespost“ .  Es soll Leute geben, die  der Meinung sind, dass die NOZ mit all ihren Unterausgaben bis heute diesen genetischen Webfehler hat: ein parteipolitisches CDU-Blatt zu sein. Solchen Leuten fühle ich mich durchaus verbunden. Deshalb bin ich nicht unsensibel, wenn es um parteipolitische Angriffe auf die Medienfreiheit geht, allemal die öffentlich-rechtliche.

Hessens Ministerpräsident Roland Koch (CDU) reitet gerade eine solche Attacke auf die Meinungsfreiheit und die Staatsfreiheit der öffentlich-rechtlichen Medien. Er will verhindern, dass der Vertrag des parteifernen Chefredakteurs Nikolaus Brender für fünf Jahre verlängert wird. Das aber will Markus Schächter, erfolgreicher  Intendant des ZDF, der am Montag in New York mit dem Ehren-Emmy für sein «herausragendes Management» eine bemerkenswerte Auszeichnung in Empfang nehmen durfte.

Morgen am Freitag  tagt ab 14.00 Uhr im ZDF-Hauptstadtbüro „Unter den Linden“ der 14-köpfige Verwaltungsrat des Senders und wird darüber entscheiden, wer sich durchsetzt. Neben dem Vorsitzenden Kurt Beck und seinem Stellvertreter Roland Koch agieren in dem Gremium noch weitere Spitzenpolitiker. Als Vertreter der Länder sitzen Peter Müller, Matthias Platzeck und Edmund Stoiber, und als Vertreter des Bundes Bernd Neumann (Staatsminister für Kultur und Medien) im Verwaltungsrat. Acht weitere Vertreter sollten eigentlich aus gesellschaftlichen Organisationen kommen – sechs dieser Vertreter stehen allerdings als altgediente Parteisoldaten im Dunstkreis der beiden Volksparteien. So kommt es, dass der “Freundeskreis” der Union gleich neun der vierzehn Mitglieder stellt und somit über eine entscheidende Mehrheit verfügt, um die Personalentscheidung des ZDF-Intendanten Schächter zu torpedieren oder passieren zu lassen, wie der SPIEGELFECHTER schreibt.

Die deutschen Mediengurus attackieren jetzt Koch. Aber der wird am Ende wohl die Vertragsverlängerung verhindern und mit diesem Sieg gleichwohl der Verlierer, Chefredaktuer Brender ohne neuen Vertrag der Gewinner  sein.
Klicken Sie mal in die gut recherchierte Kolumne des SPIEGELFECHTERs und lesen Sie die Hintergründe. Es lohnt.

(Foto: © M. Hauck, pixelio.de)

Zwischenmeldung

24. November 2009

Heute, einen Monat vor Heiligabend, sendet die Ems-Vechte-Welle diese Zwischenmeldung

24.11.09 / 07:35
CDU im Lingener Stadtrat will Emslandarena nun doch an Lindenstraße bauen

Lingen. Die CDU im Lingener Stadtrat will nun doch, dass die Emslandarena am Standort der jetzigen Emslandhallen gebaut wird. Das geht aus einer Pressemitteilung der Union hervor. Wichtig sei allerdings, dass alle planerischen, juristischen und finanziellen Voraussetzungen erfüllt werden könnten. Der Standort an der Frerener Straße sei damit noch nicht vom Tisch. Priorität genieße jetzt aber wieder die Lindenstraße. Zudem will die CDU-Stadtratsfraktion offenbar auch noch einmal über die Größe der Veranstaltungshalle diskutieren. „Bei Sitzplätzen, Hallengröße und dem Parkplatzangebot wollen wir noch einmal neu nachdenken und diese anpassen“, erklärte die Fraktionsvorsitzende Swenna Vennegerts. Die ursprünglichen Planungen für die Emslandarena sehen fünf Tausend Plätze vor.

In der entsprechenden CDU- Presseerklärung wird dann noch heftig mit Worten gelingelt (einstimmig, Bekenntnis, nach vorn preschen…); doch das ist eher amüsant und ich erwähne es  nur am Rande. „Einstimmig“ ist dabei besonders charmant.

Nun, offenbar ist in Lingen so alle  fünfzehn, zwanzig Jahre eine Bürgerinitiative tatsächlich erfolgreich: Anfang der 1970er Jahre die Initiative für ein unabhängiges Jugendzentrum, um 1990 die Initiative für eine Gesamtschule in Lingen und jetzt 2009 die BI „Arenawahn“. Das Arenabauwerk gegenüber der Hedonklinik ist offenbar vom Tisch und das ist gut so.

Was aber  ist jetzt zu tun? Die „Arenawahn“-Fragen sind längst nicht beantwortet.

Vielmehr ist jetzt erst einmal  zu untersuchen, ob die Emslandarena überhaupt bezahlbar ist. Sie wissen, die „Delle“ ist ein ernstes Thema und die notwendige Frage dazu lautet:  Wie entwickeln sich die kommunalen Finanzen in Zeiten der Wirtschaftskrise?  Ich kenne die Antwort nicht, aber ich verlange eine ehrliche und keine populistische Antwort. Es ist die bei weitem wichtigste Frage für dieses Projekt.

Daneben muss das Konzept der Emslandarena klar sein. „Bei Sitzplätzen, Hallengröße und dem Parkplatzangebot wollen wir …  diese anpassen“, sagt die CDU. Also will sie eine (um wieviel?) kleinere Halle. Macht das Sinn? Dies kann man nur beantworten, wenn die Konzeption auf dem Tisch liegt.

Dann muss der Lärmschutz geklärt sein. Jenseits aller Definitionsprozesse haben alle Anwohner, insbesondere die im Wohngebiet am Pumpenkolk einen Anspruch auf Schutz vor Lärm.  Dies beinhaltet auch passiven Lärmschutz, z.B. den Einbau entsprechender Fenster. Ob der südliche Pumpenkolk aber ein „Reines Wohngebiet“ nach der Defintion des Bauplanungsrechts bleiben muss oder nicht, muss diskutiert werden.

Parkraum ist ausreichend vorhanden. Die Tiefgarage unter der Lookentorpassage und der P-Platz an der  Berufsakademie und der Halle I/II bieten zusammen mit den Parkhäusern am Rathaus, am Medicus-Wesken-Gesundheitszentrum, am Emslandstadion und auf dem Festplatz selbst allemal genügend freien Parkraum in den Zeiten, in denen die Emslandarena betrieben würde, so dass auf dem Kirmesplatz kein Parkhaus benötigt wird.  Parkraum nur für einen Nutzer vorzuhalten, ist eine Verschwendung von Raum und Geld. Das kann man sich wirklich sparen!

Also Freunde, jetzt geht’s zwar nicht erst los mit den ernsthaften Diskussionen. Aber zu Ende sind sie keinesfalls.

Noch dies: Die lokale  FDP schweigt seit zwei Wochen auf ihrer Internetseite. Was soll sie auch sagen? Die Truppe um Jens Beeck steht im Abseits auf einem Acker an der B 214 und ist ganz allein. Da landet man im Regen, wenn man sich aus demokratsichen Diskussionen zugunsten vermeintlicher Standhaftigkeit ausklinkt.  Sie ist einer der Verlierer der Entwicklung. Ein anderer heißt mit Vornamen Georg.

Hutgeschäft

23. November 2009

Ob Hut oder Arena, ob Theo oder Heiner – irgendwie dasselbe. Obwohl, Lingen hat kein Hutgeschäft. Es rechnet sich wohl nicht…

Irritierend

23. November 2009

Während Bündnis’90/Die Grünen einen besonders wichtigen (und überfälligen) Antrag in die Beratung des Lingener Rates eingebracht haben (mehr…und zur Erinnerung), hat mich ein Text der Lokalpresse irritiert und ich habe ihn zwei Mal lesen müssen. Zunächst hatte ich den Bericht über ein Interview mit den Stadtwerkechefs Arno Ester und Ulrich Boss so verstanden, dass die Strompreise der Lingener Stadtwerke um 70 Euro steigen, hieß es doch:

70 Euro mehr für Strom

Die Entlastung für unsere Kunden bei den Strompreisen wird im kommenden Jahr geringer ausfallen als erwartet. Die Verbraucher müssen sich ab Januar 2010 mit 2,047 Cent je Kilowattstunde an einer bundeseinheitlichen Umlage für die Förderung sauberer Energien beteiligen. Für einen durchschnittlichen Lingener Haushalt bedeutet das rund 70 Euro netto an Mehrkosten im Jahr.“

Stabil bleibt der Strompreis für die Lingener im kommenden Jahr, obwohl die Preise für Strom durch eine Umlage des Erneuerbare-Energien-Gesetzes (EEG) um etwa 75 Prozent geklettert sind. Das erklärten Arno Ester und Ulrich Boss, beide Geschäftsführer der Stadtwerke Lingen, in einem Gespräch mit unserer Zeitung. (mehr…)

Was ist also los? Das Erneuerbare-Energien-Gesetz (EEG) regelt die Vergütung für Strom aus regenerativen Quellen. Die Mehrkosten für Strom aus Sonnenenergie, Windkraft, Bioenergie, kleinen Wasserkraftwerken und Erdwärme werden mittels einer Umlage von allen Stromkunden bezahlt. Die so genannte EEG-Umlage ist die Differenz zwischen den Vergütungskosten für EEG-Strom und dem Börsenpreis für herkömmlichen Strom. Sie wird nach einer Prognose der großen Energieversorgungsunternehmen von ca. 1,1 Cent pro Kilowattstunde in diesem Jahr auf rund 2 Cent im Jahr 2010 ansteigen.

Dieser Anstieg hat nach Angaben des Verbandes Erneuerbarer Energien im Wesentlichen drei Gründe:

1.) Aufgrund der Wirtschaftskrise ist 2009 die Stromnachfrage und damit der Strompreis an der Börse gesunken. Die Differenzkosten zwischen herkömmlich erzeugtem Strom einerseits und nach EEG vergütetem Strom andererseits wurden dadurch größer. Außerdem verteilt sich die EEG-Umlage auf einen geringeren Gesamtstromabsatz. Sobald jedoch die Wirtschaft wieder Tritt fasst und Strom wieder stärker nachgefragt wird, reduzieren sich die Differenzkosten und die EEG-Umlage sinkt.

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2.) Durch eine neue Ausgleichsmechanismusverordnung, die ab 2010 in Kraft tritt, werden Bestandteile des Strompreises schlicht umgeschichtet: Waren bislang mit dem EEG-Strom verbundene Netzdienstleistungen Teil der Netzentgelte, so werden diese Kosten künftig über die EEG-Umlage abgerechnet. Diese wird auf der Stromrechnung der „nichtprivilegierten Letztverbraucher“, das sind v. a. Haushalte und mittelständische Unternehmen, gesondert ausgewiesen. Durch die Entlastung der Netzentgelte müsste auch der Strompreis entsprechend sinken. Bislang hat jedoch kein Stromversorger erklärt, diese reduzierten Netzentgelte an seine Kunden weitergeben zu wollen.

3.) Der Ausbau der Erneuerbaren Energien wird auch im Jahr 2010 dynamisch weitergehen. Obgleich die garantierte Vergütung je eingespeister Kilowattstunde EEG-Strom für neue Anlagen Jahr für Jahr sinkt („Degression“), wird sich die EEG-Umlage noch ca. bis ins Jahr 2014 leicht nach oben entwickeln, bevor sie anschließend deutlich abnimmt. Dies prognostiziert z. B. die Studie „Stromversorgung 2020“ der Agentur für Erneuerbare Energien und des Bundesverbands Erneuerbare Energie (BEE).

„Aus volkswirtschaftlicher und klimaschutzpolitischer Sicht ist das Wachstum der Erneuerbaren Energien sehr zu begrüßen“, betont Jörg Mayer, Geschäftsführer der Agentur für Erneuerbare Energien. „Schließlich überwiegen die Kosteneinsparungen für vermiedene Brennstoffimporte sowie Umwelt- und Klimaschäden die EEG-Umlagekosten bei weitem.“

Mayer kritisiert in diesem Zusammenhang die Strompreiserhöhungen mehrerer Energieversorger, die sich auf die gestiegene EEG-Umlage berufen: „Die Erneuerbaren Energien taugen nicht als Sündenbock für Strompreiserhöhungen. Was bei der EEG-Umlage steigt, sinkt gleichzeitig bei den Netzentgelten. Wer unter Verweis auf die EEG-Umlage die Strompreise massiv erhöht, gleichzeitig aber günstigere Beschaffungskosten an der Strombörse und sinkende Netzentgelte nicht an die Kunden weitergibt, spielt mit falschen Karten.“

Soweit die Information der EEG-Vertreter. Also mein vorläufiges Fazit:
Die Stadtwerke erhöhen die Preise nicht. Warum sie sie trotz deutlich günstigerer Beschaffungs- und Netzkosten nicht senken, weiß ich nicht; das wird nur in den Gremien der Stadtwerke hinter verschlossenen Türen dargestellt. Aber ich weiß, dass zB die Kosten der atomaren Endlagerung für den „herkömmlichen Strom“ -wie es Arno Ester und Ulrich Boss im Interview (nur) für die Erneuerbaren Energien erklärt haben- tatsächlich „von allen bezahlt“ werden – dauerhaft, also in dieser Generation und der nächsten und der nächsten und der nächsten und der nächsten und der nächsten und der nächsten und …. Da zahle ich gern für erneuerbare Energien und ertrage auch nicht ganz vollständige Interviews.

Übrigens, liebe Stadtwerke-Geschäftsführung, so ein ganz großer PR-Knaller war Euer Interview über die Preiserhöhung, die nur eine indirekte ist, wirklich nicht. Da wäre es besser, wenn meine Stadtwerke mehr für erneuerbare Energien täten. Gab es nicht einmal den Plan, in Hanekenfähr ein Wasserkraftwerk zu bauen? Damit könnte man doch nach 15 Jahren endlich mal loslegen. Oder anlässlich der Renovierung Sonnenenergiemodule auf die Eisenbahnhalle I/II zu setzen, wäre doch auch eine Idee.

Und ansonsten: Axel Hingst, übernehmen Sie!

(Foto © Tim-Heinrich Noll, pixelio)

Mittelbahnsteig III

22. November 2009

Und was sagt diese geradezu Wüste Meldung von heute einem Lingener Mittelbahnsteigbenutzer ?

Die Deutsche Bahn hat im Golf-Emirat Katar den größten Auftrag in der Geschichte des Unternehmens unterzeichnet. Der Konzern soll in der katarischen Hauptstadt Doha ein modernes Nahverkehrs-Schienennetz aufbauen. Vorgesehen ist zudem eine Hochgeschwindigkeits-Trasse vom Flughafen des Emirats nach Doha und weiter auf die Insel Bahrain. Das Gesamtvolumen des Projekts beläuft sich auf 17 Milliarden Euro. Bundesverkehrsminister Peter Ramsauer und Bahnchef Rüdiger Grube sagten nach der Vertragsunterzeichnung in Doha, dass durch den Milliarden-Auftrag zahlreiche Arbeitsplätze in Deutschland gesichert würden.
(Quelle: Deutsche Welle)

Haben Sie vielleicht eine Idee? Bitte nicht unter 583 Zentimeter!

(Foto: © Dieter Schütz, pixelio.de)

Mittelbahnsteig II

19. November 2009

Neue Fragereien zum Mittelbahnsteig:
Es geht das ernst zu nehmende Gerücht, dass in Sachen Mittelbahnsteig im Rathaus ein Modell aus Balsaholz stehen soll – mit einem echten Mittelbahnsteig. Einer, der in Wahrheit 5,86m breit wäre. Ein Modell, das Ausgangspunkte der Dskussionen und Beschlüsse im Rathaus war. Angeblich soll Stadtbaurat Georg Lisiecki auf der Suche nach dem Balsa-Exemplar in seinem Hause sein. Wetten, dass er es nicht findet?

Vielleicht kann man dann auch einmal die Frage beantworten, weshalb die Stadt Lingen eigentlich 180.000 Euro Unterhaltungskosten für den Aufzug am neuen  Mittelschmalbahnsteig für 15 Jahre im Voraus gezahlt hat, wo doch die Deutsche Bahn für jeden haltenden Reisezug von der Landesverkehrsgesellschaft (LNVG) 7,20 Euro erhält. Ein Aufzug ist im Regelfall Sache der Bahn, natürlich auch seine Unterhaltung. Dafür bekommt die Bahn einen Stationspreis, im Falle Lingen(Ems) netto 7,20 Euro pro Reisezughalt. Davon werden Kosten für Instandhaltung, Unterhaltung, Reinigung, Winterdienst, Beleuchtung, Zugzielanzeiger, Ansagen, Aufzüge, Sitzgelegenheiten, Überdachung … bezahlt. Was die DB von der LNVG für diesen Service pro Jahr kassiert, können Sie selber leicht ausrechnen; die InterCity-Züge bitte  nicht mitrechnen, das zahlt DB Reise & Touristik, dient gleichwohl den selben Zwecken. Warum hat die Stadt Lingen (Ems) Betriebskosten für den Aufzug vorweg in einer Summe gezahlt? Hat sie ihn finanziert, aber den Betrieb an die DB abgegeben? Oder eine Sondervereinbarung mit der DB geschlossen, weil sie den Aufzug unbedingt wollte, die DB aber die geforderte Barrierefreiheit billiger herstellen wollte ?

Also: Wofür hat die Stadt 180.000.00 Euro zusätzlich gezahlt? Wer weiß es?

(Foto: © Dieter Schütz, pixelio.de)

Altlasten

16. November 2009

Das Bundesumweltministerium ist jetzt in schwarzer Hand, seitdem die CDU das Ministerium übernommen hat. Dabei gab es auch in den Onlineangeboten des Ministeriums eine kleine Altlastenentsorgung mit politischem Symbolcharakter, wie uns zu Ohren kam. Einige Atom-kritische Publikationen sind kurz nach dem Regierungswechsel heimlich, still und lese von den Webseiten verschwunden.

Da wäre zum einen die Publikation “Atomkraft – Ein teurer Irrweg – Die Mythen der Atomwirtschaft”. Und zum anderen die Unterrichtsmaterialien für die Schule mit dem Titel“Einfach abschalten?”, die in einer Serie mit fünf anderen Themenheften erschienen sind. Diese sind sogar von der UNESCO im Jahre 2007 mit einem Preis ausgezeichnet wurden. Von diesen ausgezeichneten Materialien sollen unsere Schüler aber nicht mehr profitieren, weil sie aus der Bestellliste und aus dem Download-Angebot entfernt wurden. Im Internet Archive findet man sie noch in der Bestellliste von Sommer 2008. (Leider gibt es seit August 2008 keine weitere Archivierung der Ministeriums-Webseite. Dies kann auch bewusst so eingestellt worden sein). Und im Google-Cache findet sich auch noch die Beschreibung der Unterrichtsmaterialien:

Atomenergie – Fakten und Kontroversen zum Atomausstieg

Die Unterrichtseinheiten “Einfach abschalten? Fakten und Kontroversen zum Atomausstieg” zeigen beispielhaft Fakten über die Sicherheit von Atomkraftwerken, Endlager, Energie gewinnung durch Atomkraft, aber auch Probleme und Risiken auf, die aus der Nutzung der Kernspaltung erwachsen können. Besonderer Wert wird auf die Darstellung von unterschiedlichen Positionen zur Nutzung der Atomenergie und die Wahrnehmung der damit verbundenen Risiken gelegt.

Glück im Unglück: Die Broschüren sind noch im Netz. “Atomkraft – Ein teurer Irrweg – Die Mythen der Atomwirtschaft” hat Asyl in der Schweiz gefunden und wird auf der Webseite der Energiestiftung noch zum Download angeboten. Die Schulmaterialien sind noch auf denWebseiten des Umweltministeriums in Baden-Würtemberg zu finden.

Übrigens gab es weitere Löschaktionen auf den Onlineangeboten der Umweltministeriums. Auf der Seite erneuerbare-energien.de fand sich ebenfalls “Atomkraft – ein teurer Irrweg. Die Mythen der Atomwirtschaft” als umfangreiche FAQ. Diese ist jetzt auch weg, findet sich aber noch im Google-Cache.

Nachdem wir einen kleinen Fragekatalog an das Bundesumweltministerium verschickt haben, haben wir auch Greenpeace gefragt, was sie davon halten. Tobias Münchmeyer, “Energie-Experte” von Greenpeace kommentierte die Aktion:

“Dem Bürger sachliche Informationen über Risiken und Kosten der Atomkraft vorzuenthalten, ist unverantwortlich. Es spricht nicht für eine transparente Kommunikations-Kultur der neuen Führung eines Ministeriums, wenn ihre ersten Amtshandlungen darauf ausgerichtet sind, still und heimlich Fakten über unbequeme Wahrheiten einzukassieren. Damit legt Umweltminister Norbert Röttgen einen Kommunikations-Fehlstart hin. Alle Interessierte an diesen Informationen können die vom BMU zensierten Informationen ab sofort auf der Website von Greenpeace unter folgenden URLs herunterladen: “Atomkraft – ein teurer Irrweg. Die Mythen der Atomwirtschaft” und “Einfach abschalten?“.

Das Bundesumweltministerium wollte auf unsere schriftliche Anfrage am Freitag Vormittag noch am Freitag antworten. Seitdem haben wir nichts mehr gehört, obwohl wir mehrfach nach fassten. Vermutlich wird sich die Beantwortung durch die Veröffentlichung etwas beschleunigen.

Diese Materialien sind zweimal Gegenstand von parlamentarischen Anfragen der FDP gewesen. Hier ist die kleine Anfrage mit Antwort und hier die große Anfrage mit Antwort.

Solche Aktionen sind ja nach einem Regierungswechsel nicht gerade ungewöhnlich, wenn man bestimmte Lobbyinteressen vertreten möchte. Erfreulich ist, dass man heute mit etwas Recherche und dank einer vielfältigen digitalen Archivierung solche Geschichtskittungen schön enttarnen kann.

Wir haben jetzt nicht nach weiteren Materialien gesucht, die verschwunden sind. Die Beispiele weisen aber daraufhin, dass weitere Publikationen und Atom-kritische Informationen verschwunden sein könnten. Über sachdienliche Hinweise freuen wir uns gerne. Das Internet-Archive und Suchmaschinen laden zum gemeinschaftlichen Suchen und rumspielen ein.

(gefunden bei Netzpolitik.org)
Nun, man braucht kein Prophet zu sein, um zu erahnen, dass dies auch in anderen Ministerien der Fall sein wird – im Umweltministerium unter dem neuen Minister Röttgen (CDU) ist es aber besonders greifbar. Da wird noch so mnche Initiative dem standhaften Sigmar Gabriel mehr als eine Träne nachweinen. Mich erinnert dies sehr an 1982, als es die CDU/FDP-Veranstaltung schon einmal gab und an 1976, als Niedersachsen plötzlich schwarz wurde und der neue Ministerpräsident Ernst Albrecht (CDU) Spitzenleute aus der Staatskanzlei nach Stade zum Wasserwirtschaftsamt oder so versetzte. Derlei gehört wohl dazu, wenn die relative Bevölkerungsmehrheit eine neue Regierung wählt. Vergessen sollte man es trotzdem nicht.

 

(Foto: Altpapier, © C. Köhngen, pixelio.de)

Technokraten

11. November 2009

20090412-IMGP8670Meine E-Mail vom 31.10. an das Eisenbahnbundesamt, das u.a. für die Sicherheit der Eisenbahnen zuständig ist:

Sehr geehrte Damen und Herren,

in großer Sorge wende ich mich an Sie. Im Bahnhof von Lingen(Ems) ist in den letzten Monaten ein „Mittelbahnsteig“ errichtet worden. Dieser ist allerdings so schmal, dass seine Benutzung lebensgefährlich ist. Der jetzige „Mittelbahnsteig“ ist nicht nur kundenfreundlich; er ist nicht betriebssicher. Offenbar gilt der Mittelbahnsteig eisenbahntechnisch als Außenbahnsteig. Er hat lediglich eine Breite von 2,50m. Jährlich nutzen mehr als 1 Mio Fahrgäste den Lingener Bahnhof. Einzelheiten des Problems werden hier und hier und hier geschildert.

Ich bitte Sie sehr dringend, sich umgehend des Problems anzunehmen. Die verantwortlichen Mitarbeiter der DB lehnen eine Planänderung ab. Damit nehmen sie Gefahren für Leib und Leben in Kauf. Dem sollten Sie sofort Einhalt gebieten.

Mit freundlichen Grüßen
Robert Koop

 

Die heutige Antwort der Technokraten des Eisenbahnbundesamtes:

Sehr geehrter Herr Koop,

vielen Dank für Ihre Eingabe.

Der Bahnsteig 2 ist nach Definition der Richtlinie (Ril.) 813 ein Außenbahnsteig, da er nur von einer Bahnsteigkante aus bedient wird. Zu den Überholungs- und Rangiergleisen hin ist der Bahnsteig 2 ordnungsgemäß mit einem Füllstabgeländer als Absturzsicherung versehen.
Die Breite des Bahnsteiges 2 von 2,50 m entspricht den Vorschriften der Ril. 813 für Außenbahnsteige. Im Bereich der Wetterschutzhäuser ist der Bahnsteig an keiner Stelle schmaler als das Standardmaß 2,50 m.
Die Vorgaben der Ril 813 sind erfüllt, der Bahnsteig entspricht den Regeln der Technik.

Ich bedauere Ihnen keine anderslautende Antwort geben zu können.

Mit freundlichen Grüßen
Im Auftrag
Petra Söhngen
Eisenbahn-Bundesamt
Referat Controlling und Öffentlichkeitsarbeit
Heinemannstraße 6
53175 Bonn
Tel: (02 28) 98 26-1 28
Fax: (02 28) 98 26-91 28
E-Mail: SoehngenP@eba.bund.de
Besuchen Sie auch unsere WEB-SITE´s
http://www.eisenbahn-bundesamt.de
http://www.eisenbahn-cert.de

 

Noch Fragen?

 

(Foto: Normbahnsteig © Matthias Balzer, pixelio.de)