Garbarek

11. Oktober 2009

garbarek01Häufiger bittet man mich, „auch mal etwas Positives“ über Lingen zu schreiben oder auch einen kritisch erwähnten Namen wegzustreichen (Freundlicher Hinweis aus der Rathauscrew: „Robert, sonst gibt’s das zurück!“). Gestrichen wird nicht, es sei denn, man liefert mir ein Argument. Aber heute will ich mal wirklich Positives berichten. Denn Lingen ist einmal mehr Gastgeber für Spitzenkultur -und das ganz ohne Emsland-Arena :-D.

Denn Jan Garbarek kommt am 11. November. Die FAZ hat vor seiner aktuellen Tour, die ihn auch in unsere Stadt führt, ein Interview geführt, in dem er sagt, er schaue mittlerweile „über die Grenzen des Jazz hinaus. Ich höre Volksmusiken der ganzen Welt, höre klassische Musik und lerne von der Musik des zwanzigsten Jahrhunderts. Das verursacht ein ziemliches Chaos in meinem Kopf. Aber ich bin sicher, irgendwann wird es sich klären und etwas Neues daraus entstehen. So viel ist aber auch sicher: Reiner Jazz wird es nicht mehr sein.“

Jan Garbarek lässt trotzdem oder gerade deswegen nicht nur die deutsche Jazz-Szene in Verzückung geraten. Der Norweger, 1947 geboren, ist als Jazz-Musiker ein Autodidakt. In den frühen sechziger Jahren begann er seine Karriere unter dem Einfluss von John Coltrane. Später spielte er mit vielen amerikanischen Musikern zusammen, unter anderem mit den legendären Don Cherry, George Russell, Ralph Towner und von 1972 bis 1979 mit Keith Jarrett, heißt es bei der FA und:

Seit den achtziger Jahren hat der stilistisch vielseitigste Jazzmusiker seiner Generation Einflüsse unterschiedlichster Kulturen verarbeitet. Seine erste Aufnahme für die Plattenfirma ECM – „Afric Pepperbird“ – nahm er 1970 auf. Seitdem sind auf dem Label mehr als vierzig Aufnahmen mit ihm erschienen.

Experten sagen: „Keiner spielt das Saxophon so wie Jan Garbarek. Sein Ton ist zu seinem unverwechselbaren Markenzeichen geworden und dieser Ton hat schon lange eine ganz andere Tragweite erreicht, als es der Begriff Jazz eigentlich zulässt. Mich beeindruckt diese Musik immer wieder auf ein Neues!“ Hören Sie mal rein:

Die Musikzeitung blogt zu Jan Garbarek: „Der norwegische Saxophonist präsentiert mit seiner Formation wie kein anderes Ensemble in Europa über alle Genregrenzen hinweg Instrumentalmusik mit stark improvisatorischer Ausrichtung, ohne sich dabei auf den „Jazz“ zu beschränken.  Nach wie vor ist er einer der einflussreichsten Musiker der skandinavischen Jazz- & Musikszene. Beeinflusst durch traditionelle norwegische Folklore, die seinem Spiel den unverwechselbaren eigenen Klang verleiht, begeistert er mit komplexen Kompositionen ein ungewöhnlich breites Publikum.“ So ist es wohl!

Am 17. Oktober beginnt also die  Jan Garbarek Group im badischen Offenburg eine ausgedehnte Deutschland-Tournee, die durch einunddreißig Städte führt. Sie gastiert mit dem Percussionisten Trilok Gurtu begleitend zur aktuellen ECM CD „Dresden“ im Oktober und November am
17.10.09 – Offenburg, Oberrheinhalle
18.10.09 – Aachen, Audimax, Universität
20.10.09 – Heidelberg, Stadthalle, Enjoy Jazz Festival
21.10.09 – Bremen, Glocke
23.10.09 – Osnabrück, Kongresshalle
25.10.09 – Mülheim, Stadthalle
26.10.09 – Paderborn, Paderhalle
27.10.09 – Erlangen, Heinrich-Lades-Halle
28.10.09 – Frankfurt, Alte Oper
29.10.09 – Karlsruhe, Konzerthaus
30.10.09 – Trier, St. Maximin
31.10.09 – Hamm, Alfred Fischer Halle
06.11.09 – Neuwied, Heimathaus
08.11.09 – Saarbrücken, Congresshalle
09.11.09 – Freiburg, Konzerthaus
10.11.09 – Leverkusen, Jazzfestival
11.11.09 – Lingen, Theater an der Wilhelmshöhe
14.11.09 – Jena, Volkshaus
15.11.09 – München, Philharmonie Gasteig
17.11.09 – Berlin, Philharmonie
18.11.09 – Dresden, Schlachthof
19.11.09 – Ludwigsburg, Forum

Wie für alles exzellente, sind die Eintrittskarten für das Konzert im „Theater an der Wilhelmshöhe“ nicht ganz billig. Aber es gibt sie (noch) hier.

Übrigens: Ich weiß nicht, ob es noch genauso ist. Aber früher sprach Jan Garbarek während der Konzerte nie auch nur ein einziges Wort. Er kam einfach auf die Bühne und begann zu spielen. Seine Sprache war seine Musik. Mit seinem Saxophon verzauberte er sein Publikum. Am Ende verabschiedete sich der weltweit einzigartige Saxophonist mit einer Verbeugung und einem schlichten „takk“ („Danke“) von seinen Gästen. Nur, dass Sie bescheid wissen.

Hier noch ein kleine Zugabe:

Viel Spaß am 11. November  im Theater an der Wilhelmshöhe!