JUbler

19. August 2009

2010OB Heiner Pott hatte zur heutigen Bürgerversammlung zur Emsland-Arena im Lokal Klaas-Schaper seine eigenen JUbler mit an Deck. Eine Handvoll aus den Reihen der JU genannten Jungen Union und eine ganze Anzahl von CDU-Mitgliedern, die stets  in begeisterten Applaus ausbrachen, wenn Heiner Pott engagiert für sich und sein Lingen-Bild im allgemeinen und pro Emsland-Arena im besonderen sprach. Nun, ich fand beides gleichermaßen eher inszeniert-bemüht. Und als Laxtens Ortsbürgermeister Gerd Hoffschroer mit seiner Frage über die Peinlichkeitslatte floppte, wann der OB Pott endlich auch diejenigen Bürger zum Gespräch empfange, die nicht in der BI Arena-Wahn aktiv seiem, war das Niveau endgültig nicht ganz so, wie ich es mir gewünscht hatte.

Vor etwa 300 Interessierten hatte die Verwaltung zuvor routiniert ihr Programm abgespult. Begrüßung Pott, Darstellung seines Lärmgutachtens durch den Gutachter, Darstellung des Bebauungsplanverfahrens durch den Leiter des Planungsamtes, Darstellung eines Verkehrskonzepts. Erst nach 75 Minuten, in denen eigentlich nur sattsam Bekanntes von den Offiziellen vorgetragen wurde,  durften die Bürger fragen und taten dies dann auch reichlich. Niemand fragte aber nach dem Erlebnis von OB Pott und von Stadtrat Büring bei ihren beiden Besuchen bei Bernhard van Lengerich, dem Nachbarn der Emslandhallen an der Lindenstraße. Das wäre wirklich eine neue Information gewesen.

Die Vertreter der BI Arena-Wahn kündigten an, die Lärmgutachten durch einen eigenen Sachverständigen überprüfen zu lassen. Das ist gut so, obwohl ich grundsätzlich nichts von diesen Grenzwert-, Milligramm- und Dezibeldiskussionen mit Fachleuten halte. Meine Erfahrung ist, dass politischer Streit nicht mit Technokraten gelöst wird, und ich empfinde diese Nivelliererei auf der Grundlage bestehender wissenschaftlicher Rechenmodelle als unsäglich. Nach diesen Rechenmodellen wird es zB auch im Gauerbach oder in Ramsel nicht lauter, wenn Abends um 23 Uhr 1000 Kraftfahrzeuge vorbeifahren. Diesen Unfug haben die Experten mit ihren Modellen so errechnet. Die errechnen mit ihren Modellen auch, dass die Erde eine Scheibe ist. Da fällt mir dieses Beispiel ein:  Die 10 Sekunden auf eine  glühenden Elektroherdplatte gedrückte Hand wird keine Brandblasen werfen, weil sich nach den einschlägigen Rechenmodellen der Experten im Tagesschnitt die Handtemperatur nur geringfügig erhöht.

Bürgerzitat des Abends durch Peter Blauert: „Die Emsland-Arena ist wirklich ein Leuchtturmprojekt, weil uns in ein paar Jahren das Wasser bis zum Hals steht!“

OB-Zitat des Abends auf Frage zur Verbindlichkeit der 25-Mio-Euro-Grenze:  „Wir werden in einem Jahr sehen, wo wir stehen, und dann werden wir entscheiden.“

In einem Jahr – hat er tatsächlich gesagt. Eigentlich sollten die Gelder aus dem Konjunkturprogramm II nur in Projekte fließen, für die in diesem Jahr die Hälfte ausgegeben wird. Das scheint nicht ganz zu klappen.

(Grafik: © pix2art, pixelio)

Delle

19. August 2009

berwis_cheeseHeute erfahren wir etwas über „die Delle“. Das Internet verrät folgende Definitionen des Begriffs. So ist Delle

  • eine Stadt im Osten Frankreichs an der Grenze zur Schweiz bzw.
  • Dellé (* 12. März 1970 in Berlin-Lichterfelde), bürgerlich Frank Allessa Dellé alias Eased ist ein deutscher Reggae-Musiker und einer der drei Frontmänner der Band Seeed;
  • Dellen ist ein Seensystem in der schwedischen Provinz Gävleborgs län.
  • The Dells sind eine schwarze R&B-Gesangsband, die ihren größten Erfolg in den späten 1960ern und frühen 1970ern zu verzeichnen hatte.

Nach einem Internet-Wörterbuch der deutschen Sprache ist die Delle außerdem „eine leichte Vertiefung“. In Lingen schließlich  ist Delle dann noch ein „Mindestens-11,5-Mio-Euro-Minus“. Das wird aber nicht so ganz deutlich in der heutigen Lokalpresse, die über die Bemerkungen von OB Heiner Pott und Kämmerin Claudia Haarmann über die Auswirkungen der weltweiten Finanzkrise auf den Haushalt der Stadt berichtet. Die Finanzkrise führe nur zu einer „kleinen Delle“, lesen wir. Dann können wir uns bei diesem Minierlebnis ja beruhigt zurücklehnen.

Wir erfahren aber dann weiter, dass die aktuellen Gewerbesteuer-Einnahmen dieses Jahres bei 36 Mio Euro liegen, statt 40 Mio wie veranschlagt. Außerdem fehlen 1,5 Mio an anderer Stelle. Zusammen sind dies ca. 5,5 Mio Euro, falls ich mich nicht verrechnet habe. Wir erfahren nicht, dass wir 2009 haben, weil wir das schon wissen. Geschmeidig informativ geht die Verwaltungsspitze dann auf 2010 über, und es heißt:

„Wenn sich dies alles aber so verfestigen sollte, könnten im Haushaltsjahr 2010 knapp sechs Millionen Euro fehlen…“

Die Zahl 11,5 Mio Euro , also die Summe aus 2009 und 2010, wird nicht genannt. Dies empfinde ich erst einmal als argumentative Delle und frage mich, ob ein 11,5 Mio Loch im kommunalen Haushalt tatsächlich eine Delle ist, zudem eine „kleine“.

Dann aber sagt der OB etwas Bemerkenswertes auf die Frage „unserer Zeitung“, ob die gegenwärtig sichtbaren Auswirkungen der Finanzkrise auch beim Thema Emsland-Arena eine Rolle spielen „würden“. Da antwortet OB Pott.

„Eine Investitionsentscheidung wird zum aktuellen Zeitpunkt ohnehin nicht getroffen.“

Und was das heißt, darüber darf nun angesichts gedellter Kommunalfinanzen dellenfrei nachgedacht werden.

(Käsedellenfoto © berwis auf pixelio)