Schnellabschaltung

24. Juli 2009

atomkraftneindanke

ddp meldete im Laufe des Vormittags und zehn, zwölf Stunden nach einem „Ereignis„:

„Im Atomkraftwerk Emsland in Lingen ist es in der Nacht zum Freitag zu einer Schnellabschaltung des Reaktors gekommen. Grund sei die nicht ordnungsgemäß funktionierende Überwachungseinrichtung eines Maschinentrafos gewesen, sagte eine Sprecherin des Umweltministeriums in Hannover. Das Ereignis sei «nichts Dramatisches» gewesen. Es sei in der untersten Meldekategorie eingestuft worden.
Beamte der Aufsichtsbehörde seien im Kraftwerk, um sich ein Bild zu machen, sagte die Sprecherin.

Der Reaktor werde voraussichtlich in den nächsten zwei Tagen wieder ans Netz gehen, sagte ein Sprecher des Betreibers RWE Power in Essen. Der Maschinentrafo sei nach bisherigen Erkenntnissen nicht beschädigt worden. Von der Störung sei kein sicherheitsrelevantes Teil im Sinne des Atomrechts betroffen, sondern ein Bauteil, wie es in jedem konventionellen Kraftwerk auch vorkomme. Der 1400-Megawatt-Block des Kernkraftwerks Emsland bei Lingen wurde 1988 in Betrieb genommen. Seitdem produziert er nach RWE-Angaben jährlich rund elf Milliarden Kilowattstunden Strom. (ddp)“

Einzelne Passagen aus dieser Pressemeldung habe ich fett hervorgehoben. Sie scheinen mir bedeutsam zu sein.

Was nicht geschrieben ist, also verschwiegen wird: Bei einer Schnellabschaltung wird eine ca. 50-fach erhöhte Radioaktivität freigesetzt. Wenn ein Atomkraftwerk nach einem solchen Abschalten dann wieder hochgefahren wird, gibt es auf jeden Fall wiederum kurzfristig eine erhöhte Strahlenbelastung. Das ist unbestritten. Da dies so ist, wird meist vor der Wiederinbetriebnahme der Anlage die Genehmigung eines erhöhten Grenzwertes beantragt. Die zuständige Behörde, das Bundesamtes für Strahlenschutz, genehmigt diesen Antrag „natürlich“ – nicht im Sinne von Natur, sondern eher von selbstverständlich.

Jetzt sagen einige: Es ist ja nichts passiert, die Sicherheitssysteme haben gegriffen. So, wie in den anderen 5700 (!) Pannen in deutschen Atomkraftwerken in den letzten 50 Jahren. Eine Schnellabschaltung erfolgt überdies  immer dann, wenn andernfalls ein GAU -also der größte anzunehmende Unfall- die Folge sein könnte. Und wie schreibt es ein ZEIT-Leser: „… soweit ich das überblicke, (ist dies) die erste Notabschaltung eines Konvoi-Reaktors überhaupt.“

Die erhöhte Radioaktivitätsabgabe schmeckt, fühlt und spürt man bekanntlich nicht.  Was also werden wir in Lingen jetzt hören? Der Bewertung der Mannen um Atomfreund und Landesminister Sanders (FDP) traue ich kein Millisievert weit. Sie werden uns im Zweifel nicht vollständig oder gar richtig informieren. Ich erahne diese Erklärung: „Es bestand zu keiner Zeit Gefahr für die Bevölkerung.“  Das macht mich dann noch hellhöriger…

(Quelle 1, Quelle 2)

3 Antworten to “Schnellabschaltung”

  1. Birgit Kemmer said

    Da kann Frau nur noch sagen:
    SICHER ist nur das RISIKO.

  2. […] die Erfahrung in verschiedenen Atomanlagen zeigt, ist eine Schnellabschaltung oft mit weiteren “Transienten” (starken Schwingungen) verbunden, die ihrerseits neue […]

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