Kreisliga

21. Juni 2009

imagesVor einem halben Jahr habe ich geschrieben, dass der ASV Altenlingen -der Verein, in dem fast alle meine Söhne kicken oder gekickt haben- mit seiner 1. Mannschaft gewinnt – seit ich nicht mehr zuschaue. Jetzt haben sie sich tatsächlich zum Aufstieg in die Kreisliga durchgekämpft ( 😀 ). Es war ein dramatisches letztes Spiel. Warum dramatisch ? Sie ahnen es: Ich war dabei und fast wäre es nicht gut gegangen.
Das alles unterstreicht einmal mehr die Frage, wie es eigentlich in Altenlingen weitergehen soll. Sie erinnern sich an den hektischen  Kahlschlag im Frühjahr und andere, ebenso wuchtige wie unsinnige Projekte, die den Stadtteil umgraben.  
Die unions-unangenehm-ungewollte, politische Folge der heftigen Diskussionen hat uns die Lokalpresse völlig vorenthalten: In Altenlingen gab es bei der EU-Wahl für die CDU einen deftigen Dämpfer. Sie rutschte in den beiden Wahlbezirken A-West und A-Ost von zusammen bisher 67,9 % auf 56,1%. Im Wahlbezirk Altenlingen-Ost verlor sie gar die absolute Mehrheit – zum ersten Mal seit  Verleihung der Lingener Stadtrechte im frühen 14. Jahrhundert.  

Dabei hat Altenlingen doch längst anderen Stadtteilen den Rang abgelaufen; dort – und nicht beispielsweise in Laxten – wohnen immerhin CDU-Landrat, CDU-Bundestagsabgeordneter, Stadtwerkechef  und inzwischen auch Parteivorsitzende. Wir erkennen: Der Stadtteil ist wichtig, Altenlingen ist nicht nur Kreisliga. 

Die absehbare Konsequenz: Trostpflaster müssen her!  Jetzt gibt es erst einmal ein „Sportkonzept“. Über das diskutierte am vergangenen Mittwoch der Lingener Planungs- und Bauausschuss. Das „Sportkonzept“ präsentierte die Verwaltung, keine sechs Monate nach dem Kahlschlag an der Waldstraße. Tags zuvor hatte es schon der Altenlingener Ortsrat vor dem anschließenden gemeinsamen Besuch „bei Thien“ abgesegnet. Darin enthalten sind eine neue Turnhalle an der Altenlingener Grundschule und „der vierte Platz für den ASV“. 

Erinneren Sie sich? Seit Jahren wird von den vorörtlichen Strippenziehern um Laurenz P. und Michael K.  geschickt kolportiert, dass „die Raffinerie“ dem Ortsteil in Bälde die notwendige neue Turnhalle „bezahlt“. Fragt man nach, wird mit zartem Augenaufschlag und offiziell dementiert. Besagter Augenaufschlag dabei ist übrigens geradezu legendär. Vielleicht deshalb hält sich genauso hartnäckig das Gerücht, der Altenlingener Ortsrat habe besagtem Kahlschlag und den anderen wuchtigen  Projekten, die den eigenen Stadtteil umgraben, nur deshalb zugestimmt, weil dann „die Raffinerie die Turnhalle bezahlt“ und „wegem dem vierten Sportplatz für den ASV“.  

Diskutiert wurde im Ausschuss dann aber nicht  über die die „2-Feld-vielleicht-doch-BP-finanzierte-Turnhalle“, die die Schule natürlich braucht,  sondern über den „vierten Platz“. Der wird auch gebraucht und soll am Ende der Straße Am Wallkamp gebaut werden. Geplant wird er folgerichtig mit ASV-Vereinsheim, das dann tatsächlich ein Dankeschönsponsering von der BP bekommen wird; der offenbar darüber uninformierte Stadtbaurat Lisiecki zu seiner Planskizze mit Vereinsheim: „Das ist erst mal nur ein Platzhalter…“.

Es gibt nur zwei Probleme: 
Der neue „Hauptplatz“ liegt (na, eine Idee?- richtig!) mitten im Wald und kostet weitere 2 Hektar Altenlingener Kiefern und Dünenlandschaft; angeblich soll mit leichten Rodungsarbeiten schon begonnen sein und die Aufforstungsprojekte in Altenlingen sind ohnehin eher kleinteilig und rar. Ich befürchte: Der Ortsrat wird jetzt auch kaum für den Erhalt von zwei Hektar Wald zulasten „seines“ Sportvereins sein, nachdem er vorher viele Hektar spaziergängerfreien Wald zum Abholzen freigegeben hat. Die im Ortsrat und im Ausschuss vorgetragene (FDP-)Alternative ist keine wirkliche. Die Liberalen wollen nämlich den vierten Platz nordwestlich der Grundschule zwischen Wallkamp und Dortmund-Ems-Kanal. Das wird also nur noch mehr Lärm in den Wohnbereich Am Wallkamp bringen.

Und der Lärm des intensiv genutzten ASV-Sportgeländes ist das zweite Problem. Über diesen Lärm, den die Anlieger am Wallkampf und dem benachbarten  Lampenkamp zur Genüge kennen, beschwerten sich  sich zwei Anwohner auch in der Sitzung: Vor allem „abendlicher Krach“ und „die dritte Halbzeit“ werden als störend empfunden. Jede Erweiterung des Sportgeländes am Wallkamp löst diesen Nutzungskonflikt nicht, sondern verschärft ihn nur, übrigens auch durch den Verkehr zu dem zugleich geplanten großen Parkplatz am Ende der Straße.

Mein Vorschlag: Geben wir das Fußballgelände auf, machen daraus Wohnbauflächen und bauen mit dem Geld aus dem Grundstücksverkauf an der alten B70, also westlich (jenseits) des Kanals  ein neues Sportgelände. Das damit einhergehende Problem zusätzlicher Wohnbauflächen bei stagnierender Bevölkerung (mehr…) sehe ich, halte es aber hier nicht für entscheidend.

Der Ausschuss hat am Mittwoch den Bedarf in Altenlingen gesehen, aber das vorgestellte „Sportkonzept“ nicht befürwortet.  Die Verwaltung soll über darüber nachdenken. Mal sehen, ob etwas besseres dabei heraus kommt. Aber vielleicht zieht die CDU mit ihrem Strippenzieher-Netzwerk auch weiter das Vorhaben durch „Altenlingen-ohne-Wald-geht-eigentlich-auch“.

Eine Antwort to “Kreisliga”

  1. Axel Haming said

    Moin moin Robert,

    auch die Bürgerinitiative „Pro Altenlingener Forst“ hatte sich in ihrer Pressemitteilung zur Fahrrad-Demo am 21. Juni zum Ausgang der Europawahl geäußert:

    „Die CDU verliert auf breiter Front bei der Europa-Wahl! Im Wahlbezirk „Altenlingen Ost“ verlor sie gar 16 Prozent-Punkte bei einer Wahlbeteiligung von fast 50 %! Das bedeutet, dass ein Viertel der bisherigen CDU-Wähler ihrer Partei den Rücken kehrten. Dass die CDU damit gerade im Stadtteil Altenlingen im Vergleich mit dem Bundesdurchschnitt doppelt so hohe Verluste zu verzeichnen hatte, hängt doch offensichtlich damit zusammen, dass die Bürger die derzeitigen Entscheidungen der kom­munalen CDU entschieden ablehnen. Dass darüber hin­aus die CDU in den anderen Stadtteilen zwar „nur“ etwa 9 Prozentpunkte verlor, dort aber die Wahlbeteiligung lediglich knapp über der 30 %-Marke lag, verdeutlicht zudem die extreme Politikverdrossenheit der Mehrheit der Bürger. Das ist kein Wunder, wenn man sieht, wie die derzeitige Mehrheitsfraktion und der Oberbürgermeister Heiner Pott den Bürgerwillen igno­rieren.“

    Aber wie so oft erschien darüber nix in der „presse“ – kleingeschrieben!

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