kalkulatorisch II

19. Juni 2009

Emsland-Arena - Planung der Stadt

Jetzt gibt es trockene Kost und dazu diesen Einstieg:
Heute berichtet die „Lingener Tagespost“:

„Kritik von allen Seiten erntete am Mittwochabend der fraktionslose Ratsherr Robert Koop, dem fast alle Mitglieder des Planungs- und Bauausschusses der Stadt vorwarfen, in Sachen Emslandarena bewusst mit falschem Zahlenmaterial zu hantieren und damit Unruhe und Besorgnis in der Bevölkerung zu schüren.
 Allen voran warf Jens Beeck (FDP) Koop vor, mit Zahlen zu hantieren, die jeder Grundlage entbehrten. …“

Nun denn, widmen wir uns hier den entbehrten Grundlage, nachdem  es die LT  -sagen wir mal- vergessen hat, meine „grundlagenlosen“ Zahlen mitzuteilen. Ich habe sie  in der Sitzung dargestellt. Sie stammen aus den mir vorliegenden Dokumenten und ich schreibe sie noch einmal an dieser Stelle auf :

Grundlage aller Berechnungen ist dabei eine Emsland-Arena  mit 3.500 Sitzplätzen und 25 Mio „gedeckelte Nettokosten“. 

1. Unterhaltskosten:

  • Laufende jährliche Kosten laut  Wenzel Consulting AG bei 3500 Sitzplätze mit Sport =  1.064.000,00 Euro
  • Kreditzinsen 5 % bei 15 Mio Euro Darlehen  = 750.000,00 Euro
  • Abschreibung 2,5 % jährlich von 25 Mio Euro  =  625.000,00 Euro
  • Mehraufwand  für den gleichzeitigen Betrieb von zwei Hallen bzw. Einnahmeverlust EL-Hallen =  200.000,00 Euro
  • Zwischensumme    2.639.000,00 Euro
  • abzüglich Einnahmen   laut  Wenzel Consulting AG = 572.000,00 Euro
  • Summe: jä-/ehrlicher Zuschussbedarf  = 2.067.000,00 Euro .  

Die Zahlen des renommierten Beratungsunternehmens wenzel consulting AG  stammen aus der „Machbarkeitsanalyse“ des Unternehmens vom Juni 2008. Der Kreditbedarf von 15 Mio Euro soll ggf. durch Baukostenzuschüsse von Großbetrieben reduziert werden. Meines Wissens nach liegen dazu bislang keine verbindlichen Zusagen und Verträge vor. Ich rechne  mit 5% Zinsen, wissend dass dieser Zinssatz in Zeiten niedriger Zinsen auch niedriger sein kann.

Der Mehraufwand von 200.000,00 Euro ist geschätzt. Er entsteht, weil zwei Hallen betrieben werden und die Emslandhallen an der Lindenstraße Einnahmeverluste haben; denn Großveranstaltungen werden dort nicht mehr stattfinden. 

Für mich ist nicht klar, wie bei „50-60 Veranstaltungen im Jahr“ 572.000,00 Euro Einnahmen erzielt werden sollen, also pro Veranstaltung rund 10.000,00 Euro. Ich halte diese Zahlen für nicht belastbar und deutlich zu optimistisch.

2. Baukosten

  • 25 Mio Euro soll die Emsland-Arena kosten. Der Betrag ist durch Ratsbeschluss „gedeckelt“, darf also nicht überschritten werden. 
  • Höhere  Baukosten sind wahrscheinlich; bei fast allen Großprojekten der öffentlichen Hand wird es teurer -„gedeckelt“ oder nicht. Steigen beispielsweise die Kosten am Ende um 5 Mio Euro, erhöhen sich die jährlich aufzubringenden Darlehenszinsen um 250.000,00 Euro pro Jahr und die Abschreibungen (Satz von 2,5% pro Jahr) wegen der Wertverluste um 125.000,00 Euro.        
  • Von de 25-Mio-Deckelung gibt es auch schon erste, wenn auch noch unkontrollierte  Absetzbewegungen. SPD-Vertreter Heinz Willigmann wird in der LT zitiert: „„Wenn wir mit dieser Halle auffallen wollen, brauchen wir 5000 Sitzplätze, die nun mal Geld kosten.“ Man solle nicht wie bei den „alten Emslandhallen“ die Pläne um die Hälfte zusammenstreichen, um dann ein Ergebnis zu haben, das nur halbherzig sei. „Wenn schon, denn schon“, betonte Willigmann.“ 
    Auch FDP-Vertreter Jens Beeck, sonst ein glühender Redner für solide Haushaltspläne, unterstrich am Mittwoch, wenn die Halle statt der 25 Mio Euro „am Ende 26,5 Mio kostet, werden wir das sicherlich akzeptieren!“ 
  • Gegenwärtig wird für die Emsland-Arena mit 3500 Sitzplätze mit 29,5 Mio Euro geplant. Denn die „gedeckelten“ 25 Mio Euro sind Nettokosten. Bezahlt werden muss erst einmal brutto, das heißt also plus 19 % Mehrwertsteuer von 4,5 Mio Euro. Dieser Betrag wird nach Prüfung ganz oder teilweise vom Finanzamt erstattet. Es soll dabei rechtliche Probleme geben, weil es 10 Mio Euro Zuschüsse vom Land Niedersachsen und dem Landkreis Emsland gibt.
  • Zu den Gesamtkosten gehört das Grundstück nördlich der B 214 zwischen Schulstraße und Laxtener Brookstraße. Für Emsland-Arena und Parkflächen werden ca 200 m x 500m, also 100.000 qm gebraucht (grobe Schätzung, ich habe mit google-maps nachgemessen) . Der nicht subventionierte Quadratmeterpreis in diesem ausgewiesenen Gewerbegebiet beläuft sich  auf 30,00 Euro (geschätzt). Es geht also um 3 Mio Euro. Das Argument „Das Grundstück haben wir ja sowieso“ ist nicht tragfähig. Schließlich könnten die 100.000 Quaadratmeter für eine anderen Zweck veräußert werden. Diese Einnahmemöglichkeit fällt dauerhaft weg.
  • Die Emsland-Arena und die 1500 Parkplätze liegen im Grundwasserschutzgebiet, was besondere Sicherungsmaßnahmen erfordert, und die B 214 muss ausgebaut werden. Nicht klar ist, ob diese Kosten eingerechnet sind.

Bei ehrlicher Berechnung liegen also die Gesamtkosten für eine B214-Emsland-Arena mit 3500 Sitzplätzen bei mehr als 30 Mio Euro. Zur Erinnerung: Vor genau einem Jahr hat Wenzel Consulting AG die Kosten für die Emsland-Arena an den Emsland-Hallen „Planvariante B (Ausbaustufe 3) “ mit 5000 (!) Sitzplätzen auf 19 Mio Euro geschätzt. 

Vorgeworfen wird mir, bewusst mit falschem Zahlenmaterial zu hantieren und damit Unruhe und Besorgnis in der Bevölkerung zu schüren. 

Meine Erwiderung: Meine Kostenberechnung ist ehrlich und belastbar. Sie gründet sich auf allgemein zugängliche Zahlen. Die Kosten für diese Emsland-Arena sind zu hoch, daher politisch nicht mehr zu verantworten und auch der Standort ist falsch gewählt.  

 

(Fotomontage: Stadt Lingen)

 

6 Antworten to “kalkulatorisch II”

  1. Thomas said

    „Beeck wird sich insbesondere auf die
    Tatsache konzentrieren, dass die Stadt zwar seit Jahren über sprudelnde Gewerbesteuereinnahmen verfügt, aber jeden Euro für Investitionen bei
    der Bank pumpen muss.“
    (Zitat aus einer Pressemitteilung vom 11.05.2006
    http://fdp-emsland.de/presse.php?id=10352&p=0)

    …wie sich die Zeiten ändern 😉

  2. Joachim said

    Hallo Robert,
    für die Art der bisherigen Diskussion und Berichterstattung ist es bezeichnend, dass jetzt tatsächlich der Schuldige an der Misere (kritische öffentliche Diskussion) gefunden wurde.
    Robert, Du scheinst jetzt dert „Buhmann“ zu sein.
    Meine Bitte an Dich, mach bitte wie bisher so kritisch weiter.

  3. Thomas said

    Bei jeder bilanziellen Rechnungslegung gilt im Rahmen der Grundsätze ordnungsgemäßer Buchführung das Vorsichtsprinzip, bestehend aus Imparitätsprinzip und dem Realisationsprinzip. Ersteres bedeutet im groben, Verluste sofort und hoch ausweisen. Zweites bedeutet, Gewinne vorsichtig und niedrig realisieren. In Summe, man soll bitte vorsichtig mit dem umgehen, was man hat, und keine hohen Erwartungen anstellen, mit dem was man eventuell kriegt.

    Was die lokale öffentliche Hand gerade macht, ist genau das, was die freie Wirtschaft besser nicht tun sollte: Sie – bewusst so formuliert – „verarschen“ sich selbst! Sie verfolgen, im Gegensatz zu hier grob kalkulierten Zahlen, nicht dem Vorsichtsprinzip. (Hätten übrigens auch andere Unternehmen dieses Prinzip angewendet, wäre die Finanzkrise eventuell anders ausgegangen; gut, dass unsere Stadt davon nicht betroffen ist.)

    Irgendwann, spätestens mit Einführung einer bilanziellen Buchführung (was ich gar nicht wusste, dass die Stadt darauf umstellen will) fliegen solche Sünden auf. Ich hoffe, dass dieser Moment die wahren „Buhmänner“ aufzeigen, wird. Aber vermutlich wird auch das der Öffentlichkeit wieder „schön-geredet“, und von der Mehrheit nicht weiter hinterfragt…

  4. Werner said

    also mich wundert es schon. Wieso schafft es Bonn bzw. die Baketballmannschaft bzw. die Telekom eine Arena mit 6000 Plätzen zu bauen, die 15Mio kostet? Wird in LIN der Vorplatz mit Goldplatten ausgelegt oder wieso sind wir mind. 10 Mio teurer?

    Außerdem: Ich würde 5min brauchen und sehe die üblichen Fehler, die bei einer neuen Halle gemacht würden. Die Leute handeln hier einfach immer zu schnell. Fragt doch bitte einfach mal, was man, solltet ihr die Halle wirklich bauen, tatsächlich brauch.

    Denkt an den Parkplatz für den Nightliner (jap… kennen viele gar nicht, gell!?!?!) oder denkt dran, dass man viele Umkleidekabinen braucht, sonst sind Turniere gar nicht möglich. Denkt an genug Toiletten; an eine Möglichkeit Merchendise aufzubauen.

    Ich könnte noch 20zig Sachen aufzählen, aber es wird sowieso nicht bedacht.

  5. Werner said

    achja… ich bin übrigens GEGEN die Halle an der 214, aber wenns denn sein muss, dann kann man auch gut abschreiben:

    DAS könnte ja die Kosten auch drücken 😉

    MACHT DOCH EINFACH MAL DIE AUGEN AUF!!! IST GAR NICHT SO SCHWER…!!!

  6. […] er etwa mich? Nein, mich kann er nicht gemeint haben, weil die von mir vorgelegten Zahlen tatsächlich belastbar sind und ehrlich und deshalb nicht abstrus. Allerdings hat Jens Beeck selbst […]

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