Gemeinsam

16. April 2009

SPDlogoSelbst die „Lingener Tagespost“ hat ja vor einigen Tagen die lokale SPD bedauert, dass sie wahrlich keinen guten Eindruck hinterlasse. Diese Krokodilstränen des medialen Gegners sind  mit Fug und Recht ein Tiefpunkt in der Geschichte der Lingener SPD, die jüngst ihren 90.ten Geburtstag hätte feiern können, wenn sie es denn selbst gewusst hätte. Es ist wirklich weit gekommen: Die LT beweint den Zustand der Lingener SPD, und die traditionell lethargische Kreis-SPD setzt geradezu genüsslich einen weiteren Stoß gegen die ehedem aufmüpfige Gliederung und nutzt in ihrer Dämlichkeit Selbstgefälligkeit die Schwäche der Lingener  aus, den einst kraftvollen Ortsverein SPD Lingen (Ems) ein Stück weit auszubeinen, in die Knie zu zwingen und zwei Dutzend Parteimitgliedern ihren eigenen Ortsverein im Ortsteil Baccum zu kredenzen.

Der bundesweit schlechte  Zustand der SPD hat seinen Grund in dem beklagenswerten Zustand ihrer Ortsvereine. Lingen ist da nur ein Beispiel, aber eines, das mir nahe geht. Wie schwach die  örtliche Sozialdemokratie ist, zeigt -neben dem Studium der LT- ein Blick auf ihre Internetseite. Morgen, am 17. April, ist ein kompletter Monat verstrichen, in dem die Verantwortlichen dort keine einzige neue Information platziert haben. Und der amtierende Vorsitzende begrüßt unverdrossen  die Leser seiner Webseite mit den Worten:

Informieren Sie sich. Vielleicht haben Sie ja Interesse, bei uns mitzuwirken. Sie sind herzlich willkommen. Und dann machen wir es gemeinsam.

Macht es doch erst mal selber, möchte man da rufen. Die SPD Lingen (Ems) hat, so scheint es,  kaum mehr etwas zu sagen. Ich erinnere mich an die letzte Kommunalwahl. bei der es nach Ansicht der Granden in Fraktion und Vorstand keines Programmes bedurfte. Es gab dann nach heftiger Diskussion jedenfalls noch eine Doppelseite. Heute wirkt die SPD in Stadt und Region personell ausgezehrt, inhaltlich äußert sie sich nicht wirklich. Die bereits erwähnte Kreis-SPD ist dabei  noch trantütiger als der von ihr angegangene Lingener Ortsverein: Die letzte Meldung auf ihrer  kreiseigenen Internetseite datiert vom 22.02.. Zur privaten Erinnerung: Rosenmontag war dieses Jahr am 23.02..

Wir durften aus der LT auch erfahren, dass die SPD Lingen künftig in einen Ortsverein Lingen und einen Ortsverein Baccum geteilt werden soll, weshalb man dann noch einen Stadtverband brauche.  Immerhin: Das gibt drei Vorsitzendenposten, drei Vorstände. Das ist doch ’ne Perspektive: SPD! Wählt Vorsitzende!

Wer übrigens wissen will, was die sozialdemokratischen Brüder und Schwestern aus Baccum wollen und leisten, darf -Sie wissen’s schon- gern einen Blick auf die Internetseite der SPDBindestrichBaccum werfen. Nein, das ist wirklich kein Blick auf eine historische Seite des Lingener Stadtarchivs, aber im Durchschnitt drei Jahre alte  Meldungen legen das nahe.

In Lingen hilft der SPD also wohl nur noch ein radikaler Neuanfang. Personell und inhaltlich. Münte würde sagen: „Klare Kante“.  Ob das angesichts der Befindlichkeiten der Protagonisten möglich ist? Hat jemand die Kraft, dies zu versuchen?

8 Antworten zu “Gemeinsam”

  1. Jürgen Dietrich said

    Lieber Robert,
    wie recht du hast. Das was vom SPD Ortsverein Lingen kommt, ist nur heiße Luft. Wo liegen die Ursachen für diesen desaströsen Auftritt der Lingener SPD. Zum Einen fehlt der Nachwuchs. Zum Anderen handelt es sich in Wirklichkeit nicht mehr um die SPD mit ihren Vorsitzenden, sondern um eine versteckte andere Partei (HJW-Partei mit ihren Vorsitzenden Hajo Wiedorn).

  2. Paul Peters said

    @Jürgen Dietrich
    Es ist falsch, ohne Sachargumente zu personalisieren. Aber es geht sicherlich auch nicht ohne Personaldebatte. Deshalb will ich deutlich machen, dass ich die Beurteilung von Wiedorn überhaupt nicht verstehen kann: „HJW“ denkt, analysiert und agiert politisch. Für mich sieht es ganz so aus, dass die meisten anderen das gar nicht können. Sie haben keinen Plan, kein inhaltliches Konzept und deshalb sind sie auch nach außen nicht glaubwürdig. Die Leute, mit denen sie sprechen, merken, dass sich die Sozen nur anbiedern. Das ist peinlich und keine Bürgernähe. Ich sag mal: Baccum ist dafür ein sehr gutes Beispiel. Wenn die Baccumer SPD-Leute mit großen Worten für eine „ökomenische Mitte“ im Stadtteil eintreten, weil zwischen zwei Kirchen ein Platz neu gepflastert werden soll, ist dieses Anbiedern an die Kirchen nur noch peinlich.
    Du und Robert schreiben, der SPD fehle der Nachwuchs. Das sehe ich genauso. Aber weshalb ist das der Fall und was müssen die Sozen tun, damit sich das ändert? Oder hat sich die SPD nach 150 Jahren überlebt?
    Paul Peters

  3. Jörn Laue-Weltring said

    Armer Robert,
    da bewegt sich die Partei, versucht sich in Lingen breiter und effektiver auf zu stellen und das ganz ohne Deine Erlaubnis.
    Ich weiß: Du bist kein Sozialarbeiter. Und Dein Beruf im Gerichtssaal ist nicht immer ganz einfach. Und wenn man dann noch so viele Ideen hat aber keine Leute mehr, die man dafür durch die Gegend jagen kann, dann ist das schon bitter.

    Der Kreisvorstand ist jedenbfalls froh, das sich in Lingen endlich Lösungen abzeichnen, die wieder näher am Menschen und mehr Mitwirkung (und Mitbestimmung) ermöglichen ohne den Streit der letzten Jahre.

    Und wenn jetzt der, der gegangen ist, nach dem ihm sein Sitz im Verwaltungsausschuss abhanden gekommen ist, sich grämt über seine alte Partei: ja, was soll der Leser da denken? Robert hat wie immer recht? Oder: liegts vielleicht an dem, was der ehemalige, langjährige und überaktive Ex-Vorsitzende hinterlassen hat?

    Überheblichkeit und Besserwisserei im Internet, jenseits aller demokratischen Kommunikationen in der Institution mag dem Autor nach getaner anderer Arbeit gut tun, den Mitgliedern der SPD hilft es jedenfalls nicht.

    Armer Robert: nun marschiert also, was du so verachtest, an dir vorbei. Aber keine Sorge: bei guten Ideen sehen wir uns weiter nach dir um. Und nach anderen. Wir wollen Mehrheiten ändern, dafür brauchen wir mehr Zustimmung im Land. Und keine selbsternannten politischen Scharfrichter, die ihre eigene Meinung ständig über die der anderen stellen.

    Mach es gut. Gräme dich nicht. Aber höre auf der SPD im Emsland weiter in den Rücken zu fallen! Es sei denn, du willst nicht weiter Mitglied sein.

    Mit solidarischen Grüßen
    Jörn

  4. Paul Peters said

    @ Jörn Laue-Weltring

    Bei so einem wirklichkeitsfernen Beitrag kann ich Robert Koop noch besser verstehen. Wo marschiert denn die SPD vorbei? Sie tritt doch nicht einmal mehr auf der Stelle. Die alten Damen und Herren sitzen im Abseits und schwadronieren am Kaffee- und am Stammtisch. Sie sind selbst ein gutes Beispiel dafür , Herr Laue-Weltring. Sie waren nach meiner Erinnerung bis 2007 Vorsitzender der Lingener SPD und haben nichts von dem verwirklicht, was Sie schreiben.
    Ihr Vorwurf an R. Koop der „Überheblichkeit und Besserwisserei im Internet, jenseits aller demokratischen Kommunikationen in der Institution“ fällt bei diesem Beitrag auf Sie selbst zurück.
    Lieber Herr Koop, was brauchen Sie Feinde bei solchen „solidarisch“ grüßenden Freunden. Lassen Sie es gut sein. Verlassen Sie die SPD und kommen Sie zu den „Bürgernahen“, der neu gegründeten Lingener Wählergemeinschaft.

  5. Carsten Primke said

    Hallo!

    Die Lingener SPD ist tot! Alle haben es gemerkt, nur sie selber nicht!
    Ich wollte im letzten Jahr Mitglied werden und habe mich während des Landtagswahlkampfes auf zum Infostand in die Innenstadt gemacht. Dort erhoffte ich mir ein paar Antworten über die Mitgliedschaft, Versammlungen vor Ort und das kommunale Programm haben. Keine dieser Fragen wurde richtig beantwortet und am Ende wurde ich fort geschickt mit der Begründung das man mitten im Wahlkampf stecke und nun Werbung machen müsse. Da stört ja jemand der sich aktiv beteiligen möchte. Ich bin dann zum Stand schräg gegenüber gegangen.Dort wurde ich freundlich begrüßt und bekam Antworten auf meine Fragen.

    Gruß

    Carsten Primke

    P.S.: Sehr geehrter Herr Koop! Ich lese Ihren Blog sehr gerne! Weiter so!

  6. Ulrich Ostermann said

    Moin Robert!

    Mit Interesse verfolge ich Deine Informationen / Kommentare zu der lingener und emsländischen Politik. In vielen Positionen teile ich Deine Ansichten. Deine negative Position zur Gründung des OV Baccum kann ich jedoch nicht nachvollziehen.
    Dass mit zwei OV in einer Gemeinde / Stadt ein entsprechender Verband incl. Vorstand zu wählen ist, kann sicherlich nicht ein Argument gegen die Gründung sein. Dann könnte man / frau auch auf die Idee kommen, dass wir im Emsland nicht über 20 OV bräuchten, sondern einer würde auch reichen.
    In anderen Gemeinde jedenfalls hat durch die Gründung eigener OV und anschließender Gründung von SG- bzw. Stadt-Verbänden die SPD Erfolge zu verzeichnen. Ob dieses auch in Baccum der Fall sein wird, wird die Geschichte uns zeigen und es hängt im Wesentlichen von den beteiligten Personen in beiden OV ab.
    Entscheiden ist doch, dass seit Jahren die Lingener SPD nicht da steht, wo sie stehen könnte. Seit Jahren stellt sich kein Vorsitzender zur Wiederwahl – einige haben nicht einmal die zwei Jahre voll gemacht.
    Dass sich dann einige in einem – aus ihrer Sicht funktionierenden SPD-Ortsverband – von den Turbulenzen abkoppeln wollen, kann ich jedenfalls gut nachvollziehen. Die in Baccum können sich dann mit der richtigen Politik beschäftigen und nicht mehr mit der Lingener SPD an sich.
    Wenn die Genossinen und Genossen in Lingen dann zukünftig auch eher die eigentliche Politik im Mittelpunkt rücken würden und weniger Selbstdarstellung betreiben, wäre aus meiner Sicht allen gedient und (kommunal-) politische Erfolge wären nicht nur möglich sondern wahrscheinlich.

    Ich jedenfalls finde es gut, wenn sich Menschen für Politik engagieren.
    In Baccum führt dieses Engagement zu der Gründung eines eigenen OV und dass ist zunächst zu begrüßen. Was sie daraus machen, werde ich mit Interesse verfolgen.
    Ulrich Ostermann

  7. Jörn Laue-Weltring said

    Lieber Ulrich Ostermann,

    diesem letzten Beitrag kann ich nur beipflichten.

    Das Erlebnis mit dem Stand und den Aussagen dort kann ich nicht nachvollziehen. Ich war an den meisten Ständen dabei und habe solche Antworten nicht erlebt. Sollte es so gelaufen sein, wie geschildert, so möchte ich mich im Namen des Vorstandes dafür entschuldigen.

    Was ich aber überhaupt nicht nachvollziehen kann, ist die Behauptung: die Lingener SPD sei tod. Tote treffen sich nicht, agieren nicht in Ortsräten, halten keine Bürgersprechstunden ab, organisieren keine Fahrten zu Müntefering, nach Esterwegen oder Berlin, machen keine Veranstaltungen zur Energiedebatte in der Halle IV etc..
    Die Richtung dieser Partei in Lingen mag nicht sehr bekannt sein und auch nicht einheitlich. Vorhanden sind aber sowohl Positionen als auch diesbezügliche Aktionen. Mehr Aktionen, mehr Presse wären mir und vielen in der Partei auch lieber. Aber wir arbeiten daran und reden nicht nur darüber oder stellen nur Forderungen auf.
    Diese Partei verfügt wieder über eine aktive Juso-Gruppe, hat aktive Ortsverbände und engagiert sich auch überregional um Einfluss auf die SPD-Positionen zu bekommen.
    Totgesagte leben laut Sprichwort angeblich länger. In diesem Sinne könnte die Darstellung allerdings auch positiv zu sehen und Ansporn sein.

    Wer in und mit der SPD etwas ändern will, ihr kritisch beiseite stehen und noch wichtiger, im Sinne der SPD sich für die Bürgerinteressen einsetzen will, ist jederzeit herzlich willkommen in unseren Reihen dies zu tun.

    In Blogs über uns zu diskutieren ist manchmal amüsant, manchmal anregend aber kein Ersatz für innerparteiliche Demokratie. Wer Politik machen will, muß Mehrheiten gewinnen. Und dies geht mit der SPD auch zuerst mal nur innerhalb der SPD.

    Mit solidarischen Grüßen

    Jörn

  8. Robert Koop said

    Jörn Laue-Weltring schreibt:
    „Die Richtung dieser Partei in Lingen mag nicht sehr bekannt sein und auch nicht einheitlich. Vorhanden sind aber sowohl Positionen als auch diesbezügliche Aktionen.“

    Ich lass das mal unkommentiert so stehen.

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