Vermessen

1. März 2009

Beim heutigen Spaziergang durch den in den letzten Tagen vernichteten Teil des Altenlingener Forstes haben die engagierten und bestürzten Männer und Frauen der Bürgerinitiative pro-Altenlingenerforst die Größe der abgeholzten und zerstörten Waldfläche vermessen. Sie kamen auf geschätzte 11 Hektar Wald, die gerodet wurden und wohl unwiederbringlich zerstört sind. Wieder waren mehrere Hundert betroffene Lingener dabei. Sie hatten bisher diesen Wald gesehen:


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 Und jetzt sahen sie dies:

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Angeblich sollten nur 6 Hektar Wald  abgeholzt werden, tatsächlich sind es wohl mindestens 10, vielleicht mehr. Es habe „schnell, schnell, schnell“ gehen müssen, wurde aus Gesprächen mit Waldarbeitern berichtet, deren Gerätschaften heiß liefen und deshalb zeitweise ausfielen. Täglich hätten sie neue Anweisungen erhalten, was „schnell, schnell, schnell“ abzuholzen sei. Jedenfalls liegt der Wald jetzt fertig zum Abtransport am Wegesrand:

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Die CDU-Spitze im Rathaus hofft offenbar darauf, dass alles bald in Vergessenheit gerät. Ich bin gespannt, ob Freie Bürger und Wähler wirklich nur ein kurzes Gedächtnis haben…

4 Antworten zu “Vermessen”

  1. Conny Spielmanns said

    Mein Freund der Baum ist tot…
    …ist eines der bekanntesten Lieder der am 31. Juli 1969 durch einen tragischen Unfall verstorbenen Sängerin Alexandra. Obwohl über 40 Jahre alt, ist der Text dieses Liedes für Lingen zur Zeit wohl so aktuell wie kein zweiter.
    Als ich am vergangenen Sonntag zur Waldvermessung der BI in den Altenlingener Forst fuhr, hatte ich schon kein gutes Gefühl. – Was mochte uns da erwarten? Letztmalig vor der großen „Baumfäll-Aktion“ bei den Waldbegehungen zusammen mit der BI und betroffenen Bürgern noch einen gesunden und vollständigen Wald erlebt; – und jetzt?
    Sich die Abholzung vorzustellen oder sie direkt zu sehen, – das ist echt Zweierlei und wirklich kein schöner Anblick.
    In Heukampstannen aufgewachsen, habe ich dort eine schöne Kindheit verbracht. – Zu meinen Erinnerungen gehören die vielen Walspaziergänge mit meinen Eltern, Großeltern und Nachbarn. – Das Eierkollern zu Ostern, das Blaubeerensammeln (wir gingen immer in die Bickbeeren), die Schnitzeljagden mit den Nachbarskindern und Freunden, nachdem die Hausaugaben gemacht waren.
    Die Wanderungen des MTV oder die Waldläufe für das Sportabzeichen; – es gibt so viele Erinnerungen, die mich am Sonntag regelrecht überrollten.
    Und nun, beim Erreichen des Treffpunktes Hohenpfortenweg dieser Anblick!!!
    Die vielen Hundert gefällten Baumstämme, Tannen, dicke gesunde Eichen, – alle hoch aufgestapelt, wirkten sie wie gespenstische Friedhofsmauern.
    Obwohl frisch geschlagenes Holz recht angenehm duftet, konnte das nicht über den schaurigen Anblick hinweghelfen.
    Wer, wie schon bei den vorangegangen Waldbegehungen, wieder einmal sehr beeindruckte, waren die vielen großen und kleinen Vierbeiner , die diszipliniert und wirklich ganz brav (wohl ahnend, das dies ihr letzter Spaziergang durch diesen Wald war) an unserem traurigen Marsch teilnahmen.
    Am Ende unserer „Waldvermessung“ stellte sich auch noch heraus, dass wohl doch mehr abgeholzt wurde, als zuvor angekündigt. – Das zog natürlich , wie auch schon aus vielen Gesprächen zuvor herauszuhören, das Anzweifeln von Aussagen und Glaubwürdigkeiten nach sich.
    Ich persönlich bin enttäuscht und traurig, dass hier, obwohl es eine Alternative gab, durch Mehrheitsbeschluß eine Entscheidung getroffen wurde, die vielen Menschen und Tieren nicht dienlich ist. Wohn- und Lebensqualität werden gravierend beeinträchtigt und ein gesundes Waldstück vernichtet (was passiert eigentlich mit dem Holz?).
    Jeder Betroffene wird daraus seine eigene Konsequenz ziehen.

    Kornelia Spielmanns
    49811 Lingen – Laxten
    Honigweg 8

  2. Hallo Herr Koop!
    Zitat aus Ihrem Artikel: „Ich bin gespannt, ob Freie Bürger und Wähler wirklich nur ein kurzes Gedächtnis haben…“

    Gibt es in Lingen tatsächlich eine politische Gruppierung „Freie Bürger“? Ich habe jedenfalls bislang weder etwas von denen gehört, noch irgendetwas im Internet gefunden? Wenn es sie tatsächlich geben sollte, sind sie im Rat der Stadt Lingen jedenfalls nicht vertreten. Der einzige „Freie“ im Rat sind doch wohl Sie, Herr Koop.
    Ich habe meinem Ärger über die Kommunalpolitik, wie Sie beim Lesen der LT vermutlich wahrgenommen haben, jedenfalls öffentlich kund getan. Ich habe normalerweise keine Zeit, mich mit Leserbriefen oder sogar aktivem politischen Engagement in die Kommunalangelegenheiten einzumischen. Doch was hier in Lingen unter Pott in den vergangenen Jahren passiert oder eben auch nicht passiert macht auch einen eingefleischten CDU Wähler inzwischen wütend.
    Sparsames Haushalten, Abbau von Schulden? Fehlanzeige! Dafür unter der Decke fragwürdige Kungeleien und Profilierungssucht mit irrwitzig teuren Prestigeprojekten, die niemand wirklich braucht außer Pott und Lisiecki. Jetzt schon wieder ein teures Gutachten für ein Spielplatzkonzept in Lingen. Es nimmt einfach kein Ende. Ist ja das Geld der Stadt. Die hat ja genug davon und schmeißt es unter der Überschrift „Gemeinwohl“ mit vollen Händen zum Fenster raus.
    Welcher dicke Bauer profitiert jetzt wieder vom Aufforstungsprogramm für den gerodeten Wald?
    Abwählen ist hier in Lingen ja kaum möglich, da es keine wirkliche Alternative gibt. Denn auch Ihr Verein, die SPD, profiliert sich ja leider nur durch lokale innerparteiliche Querelen, die FDP fällt alleine dadurch auf, dass sie nie auffällt.
    Eine echte Alternative muss her, die Lingen endlich wieder aus dem kommunalen Dornröschenschlaf erwecken könnte. Doch selbst wenn es diese in der Form „Freie Bürger“ schon geben sollte, würde ihr definitiv eine zugkräftige Frontfigur zum Erfolg fehlen. Jemand, den man kennt, den man allseits schätzt, selbst wenn er in der „falschen“ Partei ist. Wenn der dann auch noch, anders als ich, schon äußerst aktiv Kommunalpolitik und das sogar im Rat der Stadt Lingen betreibt, wäre das doch geradezu eine Idealbesetzung.
    Klingelt da was bei Ihnen?
    Als Mitglied wäre ich entgegen meiner bisherigen Gepflogenheit in Bezug auf politische Parteien auf jeden Fall dabei.
    Meine Mail ist übrigens nicht zur Veröffentlichung in Ihrem blog geschrieben, sondern soll nur ein ganz leiser Denkanstoß für Sie persönlich sein, den Sie mir hoffentlich nicht verübeln. Vielleicht löse ich ja etwas für bereits sehr viele Lingener nicht völlig Unerwartetes damit aus…
    Ich fürchte jedoch leider , dass Ihre anwaltliche Arbeit ein noch größeres Engagement nicht zulassen dürfte.
    Mit besten Grüßen
    Joachim Reul

  3. […] Das Ärztezentrum ist so ein Beispiel, bei dem man sich an der Straße abstandsmäßig kräftig vermessen hat. Aufmerksame Lingener haben davon gehört und wissen: “Ein Meter mehr oder weniger kann […]

  4. […] bis vier am Tag anschließend auch über den Altenlingener Forstweg. Dort können sie dann weitere Beiträge umweltgerechter Lokalpolitik in Augenschein nehmen. Verfasst von Robert Koop Eingeordnet unter Politik, Stadtverkehr […]

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