Holzvollernter

12. Februar 2009

Holzvollernter vor dem Einsatz

Holzvollernter vor dem Einsatz

Die drei betroffenen CDU-Ratsherren Reinhold Diekamp (Betriebsrat auf der Erdölraffinerie), Michael Koop (Altenlingen) und Dr. Karl-Heinz Vehring (Heukamps-Tannen)  fehlten bei der heutigen Ratssitzung, in der die CDU-Mehrheit den Bebauungsplan Nr. 20 be- und den Internet-TV-Sender Emsland-eins von der Bildberichterstattung ausgeschlossen hat. Alle hatten guuuute Gründe: Reinhold Diekamp war (bis zum frühen Nachmittag als) Schöffe bei der 5. Strafkammer des Landgerichts Osnabrück, Michael Koop war in Familie unterwegs und Karl-Heinz Vehring arbeitete wohl in seiner Arztpraxis. Alle drei können also ihren Wählern mit Fug und Recht sagen, dass Sie nicht für die Baumfällaktion gestimmt haben. Die andere CDU-Truppe schwieg; wohl deshalb wollten sie Emsland-eins nicht aufnehmen lassen und lehnten meinen Antrag ab, das von OB Heiner Pott (CDU) hinausgeschickte Kamerateam hinein und damit die Berichterstattung über die Ratssitzung zu zulassen.

OB Heiner Pott (CDU) gab in einer spannenden „Einwohnerfragestunde“ mit engagierten, kritischen Bürgern den Alleinunterhalter, aber oft keine oder ausweichende Antworten auf harte Fragen. Später äußerte sich dann CDU-Fraktionsvorsitzender Werner Schlarmann als einziger von allen CDU-Ratsherren. Seine Rede sollte wohl staatstragende Verrantwortung zeigen; auf mich wirkte sie eher verkrampft-pathetisch. Sonst -wie gesagt- schwiegen die in ihrer Fraktionsdisziplin verstrickten und gefangenen Damen und Herren der Mehrheit. Sie wollten wohl nicht reden. Was sollten sie zu diesem einseitigen Projekt auch inhaltlich Sinnvolles sagen?

In einer besonderen Ausgabe des Amtsblatts des Landkreises Emsland wird der Beauungsplan wohl noch am Samstag (14.02.09) veröffentlicht, wenn man bei dieser Spezialpostille für emsländische Verwaltungen, die man an keinem Kiosk kaufen kann, von Veröffentlichen reden mag. Und spätestens am Montagmorgen dröhnen die  Holzvollernter (Foto) im Bereich östlich der Waldstraße.

Heute schrieb in einer Leserzuschrift an die „Lingener Tagespost“ die im 9. Lebensjahrzehnt stehende Luise Sellin, der Protest der Anwohner sei „zu spät und unnütz“. Darin irrt die engagierte Rentnerin, die ich seit fast 40 Jahren aus der SPD kenne und schätze: Einmal wurde das gesamte engere Bebauungsplanverfahren in nur drei Monaten durchgezogen; sonst dauert derlei leicht ein Jahr. Und als die Betroffenen, denen man sogar eine Bürgerversammlung vorenthielt, merkten, was da vor ihrer Tür durchgepeitscht wird, haben sie sich engagiert. Früher ging kaum! Und keineswegs unnütz ist die Erfahrung engagierter Bürgerinnen und Bürger, wie man in Lingen mit ihren Bedenken umgeht. Luise, Deine Nachbarn merken sich das. Da bin ich mir sicher.

Ach ja – Wikipedia sagt: Als Holzvollernter, Waldvollernter oder Kranvollernter (engl. „harvester“) bezeichnet man spezielle Holzernte-Maschinen, welche halbautomatisch Fällung, Entastung und Sortimentsbildung durchführen. Werden gleichzeitig noch die Äste zu Hackschnitzel zerkleinert, spricht man von einem Hackschnitzelharvester.

Heute Mittag war ein solcher Holzvollernter schon im Abholzgebiet aufgefahren, wurde aber Nachmittags umgehend wieder abgezogen, als die Bürger im Ratssitzungssaal protestierten. War wohl ein Regiefehler und das Gerät wurde schnell beiseite gefahren. Aber am Montag geht’s dann los, wie ich gehört hab‘. Auf mehr als 10 Hektar alle Bäume weg, und das ist nur der Anfang von 110 Hektar. Schrecklich.

Wenn Sie als Freier Wähler persönlich sehen wollen, was derlei Gerätschaften, so man sie einsetzt, in Verbindung mit absoluten Mehrheiten anrichten, sollten Sie am Samstag um 13.30 Uhr den Waldspaziergang der Initiative pro-Altenlingener Forst (Start: Waldstraße, ehem. Hohenpfortensiedlung) mitgehen und eine Woche später wiederkommen. Sie werden sich grausen.

(Foto: Jörg Müller Fotografie,  Naunhof )

11 Antworten to “Holzvollernter”

  1. Lisa said

    Herzlichen Dank Herr Koop für Ihr langjähriges Engagement und dafür, dass Sie uns Bürger informieren.
    Wo ist denn in der Waldstraße die ehemalige Hohenpfortensiedlung?

  2. Bürger said

    Hallo Herr Koop,

    ohne Sie hätten wir sicher auch nicht das Industriegebiet Süd oder?

  3. Ex-Bürger said

    feine Sache, das Internetz, ist man so als geborener Lingener nicht auf die LT-Hofberichterstattung angewiesen (scheinbar hat sich da seit Alois Dickopp selig nichts geändert), sondern man kann sich auch über Hintergründe informieren. Gehört ja verboten, sowas. Oder zumindest für den Lingener Bereich gesperrt, Herrn Schäuble fällt da bestimmt in Zusammenarbeit mit Ernstls Tochter sicher noch was ein.

    Von daher: thumbs up, Herr Koop. Auch wenn ich nicht Ihrer (Ex-)Partei angehöre und meine Eltern mich (das war in den 70ern) immer vor Leuten wie Ihnen gewarnt haben. 😉

    In der sog. „Hohenpfortensiedlung“ wohnten meiner Erinnerung nach die Meister (heute nennt man sowas wohl Teamleader oder so). Die nächsthöhere Ebene der Ingenieure und die Werksleitung residierte sicherheitshalber (?) etwas weiter weg in den Nebenstraßen der Waldstrasse

    Vom Grundsatz her ist es zunächst einmal ja nicht schlecht, ein investorenfreundliches Kima zu schaffen und (gerade in einer etwas abgelegenen und zumindest vor 20, 30 Jahren noch strukturschwachen Region) Anreize für potentielle Arbeitgeber zu schaffen, damit die Jugend nicht (wie in weiten Bereichen der sog. Neuen Bundesländer) das Weite sucht.

    Die Idee mit dem Industriepark Süd war damals nicht per se schlecht. Mangels anderer Attraktivität hat man dann halt die Branchen angelockt, die woanders niemand haben wollte: Bärlocher, Exxon Nuclear, Monsanto, Kernkraftwerk.

    Warum man aber heute (2009) einer nachwievor etwas, sagen wir, nicht gerade vertrauenerweckenden Firma wie Hagedorn den Roten Teppich ausrollt, ist mir schleierhaft. Wieviele Arbeitsplätze hat die Fa. in Schepsdorf?

    Gestern in der „LT“ neue Zweifel am An/Umsiedlungswillen.

    Ein echter Brüller wäre natürlich, wenn die Holzvollernter vollende Tatsachen geschaffen haben und Firma H. sagt „öhm, ja, Rezession, geht leider nicht, sorry“

    Es bleibt spannend. I stay tuned, versprochen 🙂

  4. Dagmar said

    Vielleicht brauchte es so einen Anlass wie des Deutschen irrationale Liebe zu seinem Wald.
    Vielleicht auch nur die Tatsache, dass die Stadt vor unserer Haustür (ca 500 m entfernt)mit ihren Vollholzerntern (sie haben doch mehr als einen engagiert???)etwas betreibt, was sich sehr nach reiner Willkür anfühlt.
    Aber meine Familie -und es sind 3 noch nicht wahlberechtigte Kinder darunter- ist politisch viel wacher geworden. Meine Kinder interessieren sich auf einmal sehr dafür, wen sie einmal wählen werden … und ich denke nicht, dass es Parteien sein werden, denen die Mehrheit des Lingener Stadtrates angehören, da diese Damen und Herren doch die Zerstörung ihres Spielraumes betreiben.
    Übrigens … bei der heutigen Begehung des Forstes waren die Altenlingener Kinder neben dem Förster nahezu die einzigen, die sich im Wald souverän auskannten. Auch wenn ihnen Laurenz Pott* vielleicht noch nie begegnet ist.

    *Zitat aus „Lingener Tagespost“ vom 11.02.09: “ Gar nicht gut ist … übrigens ein Spruch des Altenlingener Ortsbürgermeisters Laurenz Pott angekommen. Dieser hatte in der letzten Sitzung des Ortsrates bei der Beratung über das Projekt geäußert, dass er als Jäger dort noch nie einen Spaziergänger gesichtet habe.“

  5. Lukas said

    Mich würde ja interessieren, ob die Hofberichterstatter der Audienz bewohnen durften?

  6. Birgit Kemmer said

    Lieber Robert, Deine Bemerkung über die nicht anwesenden Ratsmitglieder hat mich sehr gefreut. In der gestrigen BPa-Sitzung hat der in Heukampstannen anwesende Ratsherr die Verwaltung gelobt. Meinte er damit die Holzfällaktion im Forst? Oder die Grenzverschiebungen beim neuen Gesundheitszentrum?
    Konnte die Antwort nicht einordnen.

  7. bürger said

    Hi Dagmar:

    Nur der Form halber:
    Es hat nicht nur die Mehrheitsfraktion mit „Ja“ gestimmt. Mehrere der SPD haben zugestimmt und die von der FDP auch oder?

  8. Robert Koop said

    @ bürger:
    Nichts für ungut (sagte meine liebe Oma immer 🙂 ) und nichts gegen Kritik, aber alles gegen vorgemachte E-Mailadressen, unter denen Kommentare geschrieben werden. Das trifft auf Ihre Kommentare zu, „Bürger“. Sie teilen mir, für Besucher nicht lesbar, als Absender mit bürger@lingen.de. Diese E-Mailadresse gibt es nicht.
    Weil ich aber im Zweifel auch für Ihre Kommentare gerade zu stehen habe, möchte ich schon eine korrekte Rückmeldemöglichkeit. Da Sie hier die Lingener Mehrheit vertreten, sollten Sie sich ruhig trauen.
    Also: Das nächste Mal bitte die richtige Adresse, von der ich mal forsch unterstelle, dass sie mit B anfängt. Sonst lösche ich Ihre künftigen Kommentare.

  9. […] die Frage, wie es eigentlich in Altenlingen weitergehen soll. Sie erinnern sich an den hektischen  Kahlschlag im Frühjahr und andere, ebenso wuchtige wie unsinnige Projekte, die den Stadtteil umgraben.   […]

  10. […] übernehmen könnte. etwa so:  www.lingen.nl  – adoptieren sie ein kleines Stück eines Harvester! Welttechnikerbe! Wer möchte es nicht gern “sein Eigen” […]

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