Campus III

1. Juni 2008

Während ein städtebaulicher Wettbewerb über die künftige Nutzung der 30ha-Scharnhorstkaserne stattfindet, ist der Abbruch von 95 % aller Gebäude längst beschlossene Sache. Hier der Beweis. Vernichtet werden sollen Gebäude und mehr im Gesamtwert von über 10 Mio Euro. Ich nenne dies unverantwortlich.

Atemberaubend ist dabei vor allem, dass nicht einmal der Versuch unternommen wird, eine neue Nutzung für die Scharnhorstkaserne zu schaffen. Ich hatte hierzu vorgeschlagen, die ehem. Scharnhorst-Kaserne künftig als Campus für eine Hochschule zu nutzen. 

Dazu aber muss man reden, reden können und reden wollen, Herr Oberbürgermeister! Zum Beispiel mit Wim Boomkamp, dem Chef der erfolgreichen Saxion Hogeschool in Enschede, die etwa 20 % deutsche Studenten hat und in Twente aus allen Nähen platzt. Dort werden Sie offene Ohren finden. Schon einmal hat die Saxion nämlich vergeblich ihre Fühler nach Deutschland ausgestreckt, scheiterte im nordrhein-westfälsichen Gronau aber an den rechtlichen Hürden. Wenn es also für eine niederländische Hochschule -trotz EU und Europa-  tatsächlich auch im Niedersachsen des Jahres 2008  rechtliche Probleme für einen Campus mit dem Landesgesetzgeber geben sollte, sollte es sicher möglich sein, mit Landesregierung und Parlament in Hannover für Abhilfe zu sorgen. Stellen wir uns bloß einmal vor, die Scharnhorst-Kaserne wird erhalten und ein Campus für 2000, 3000 Studenten entsteht mit vielen Arbeitsplätzen und neuen, europaweit einmaligen Strukturen. Welch eine Perspektive für die Stadtentwicklung!

Ein solcher Campus stände übrigens auch in einer guten Tradition. Als sich Willem III. van Oranje-Nassau  nach dem niederländisch-spanischen Frieden von Münster Gedanken über seine neue Grafschaft Lingen machte, gründete der kluge Monarch gerade keine Garnison sondern eine Hochschule.

Also, Oberbürgermeister, ‚ran ans Telefon!  Denn die Lingener Abrisslösung vernichtet nicht nur Millionen Euro, sie verspielt auch eine einmalige Chance. Im nordniedersächsischen Lüneburg jedenfalls hat man die Zeichen der Zeit erkannt, und schon vor mehr als zehn Jahren ist die Hochschule komplett in die verwaiste ehemalige…   (richtig!) Scharnhorstkaserne umgezogen. Es geht also. Allerdings waren dafür seinerzeit die Sozialdemokraten in Lüneburg und Hannover verantwortlich.