Verdoppeln

29. März 2008

Nachdem längst der Landkreis Emsland den Sportvereinen die Gebühren für die Benutzung der Sporthallen des Kreises erlassen hat, schreibt die Meppener Tageszeitung heute:
„Gute Nachrichten für alle Meppener Sportler, die einem Sportverein angehören: Die Hallennutzungsgebühren in den städtischen Sporthallen entfallen rückwirkend zum 1. Januar 2008.“
Tja – in Meppen! Denn die Uhren ticken in Lingen immer noch anders. Hier müssen die gemeinnützigen Sportvereine weiter für die Nutzung der städtischen Sporthallen zahlen. Der Grund ist klar. Die CDU mit ihrem OB Heiner Pott sind zwar längst nicht mehr dafür; beide wollen aber nicht zugeben, dass die von ihnen verordneten Gebühren kein „Beitrag zur Haushaltskonsolidierung“ (so heißt das immer etwas schwülstig) sondern bloße Bürokratie sind. Tatsächlich wird nämlich in einem skurril wirkenden Akt bürokratischer Sachbearbeitung in der Stadtverwaltung auf den Cent genau berechnet, was der Sportverein XY für die Nutzung der Sporthalle A zu zahlen hat. Das Ganze kostet mehr, als es bringt.
Vor allem der Umstand, dass die SPD immer gegen diese Gebühren war, hindert jetzt die Abschaffung. Denn die CDU kann natürlich nicht zugeben, einen Fehler gemacht zu haben und etwas erfüllen, was die SPD fordert.  Die Lösung dieser CDU-Malaise ist aber denkbar einfach: Die Sozis müssen einfach vorschlagen, die Hallenbenutzungsgebühren sofort zu verdoppeln. Dann wird die CDU sie unter dem Jubel der örtlichen Zeitung (Überschrift: „CDU reicht Sportvereinen die Hand – Zusammenarbeit so gut wie nie“) abschaffen und heftig die SPD für ihre Bürgerfeindichkeit kritisieren. Tags darauf bringt die „Junge Union“ in einer zweiten Presseerklärung zum Ausdruck, dass sie „wegen der jungen Generation“ immer schon für kostenfreie Turnhallen war, aber die böse SPD dies stets  verhindert hat. Und Leserbriefvielschreiber Erich Rückleben schreibt dann auch mal wieder einen Leserbrief über das praktizierte soziale Gewissen der CDU und dass es sich jetzt wieder einmal so überzeugend bewiesen hat…
Mit anderen Worten:
Nu mach mal hinne, lieber OB. Setz Dich dafür ein, die Gebühren auch in Lingen  rückwirkend zum Jahresanfang abzuschaffen. Meine Stimme hast Du! Denn 21 Mio € in die Emslandhallen zu stecken, damit sie dann Emslandarena heißen, „Wetten, dass…“ aus Lingen übertragen werden kann und Du leibhaftig in der ersten Reihe sitzt, kann ja nun nicht der Sinn Deines Amtes sein.

100. Geburtstag II

16. März 2008

Rosemeyer_4113_bigEs ist ja manchmal seltsam, aber gerade am Freitag habe ich bei einem Ausstellungsbesuch die Frage diskutiert, wie es um den 100. Geburtstag von Bernd Rosemeyer in Lingen steht. Und heute trifft dann bei mir ein Kommentar zu meinem Rosemeyer-Blogbeitrag vom 17. November letzten Jahres ein. Sie erinnern sich? Vor einigen Monaten stand der Lingener Autorennsportler im Mittelpunkt einer kommunalpolitischen Debatte. Sein Geburtstag jährt sich am 14. Oktober 2009 zum 100. Mal. Rosemeyer provoziert Diskussionen. Er war ein erfolgreicher Autorennfahrer, und er war SS-Hauptsturmführer.

Nachdem die Diskussion jetzt wochenlang verstummt ist, möchte ich sie wieder aufgreifen. Noch einmal plädiere ich für ein Denkmal, das sich mit Bernd Rosemeyer befasst und das den Zwiespalt erarbeitet und darstellt, den seine Person symbolisiert. Das bisherige Lingener Erinnern an den Sportler Rosemeyer, die „Bernd-Rosemeyer-Straße“, reicht nicht.

Am Freitag habe ich im Düsseldorfer K21 Arbeiten von Katharina Fritsch und Thomas Schütte gesehen, die mich nochmals aktiv werden lassen.

Meinen Vorschlag, für das Rosemeyer-Denkmal einen namhaften Künstler zu beauftragen, habe ich daher heute dem Oberbürgermeister geschrieben und ihn, der sich so gern bei Kontroversen raushält und schweigt, um eine Stellungnahme gebeten.

Lücke

5. März 2008

Der hier bereits mehrfach erwähnte ehemalige Stadtbaurat Nikolaus Neumann sprach immer von einer städtebaulichen  Zahnlücke und meinte den Bereich um den Gedenkort jüdische Schule am Konrad-Adenauer-Ring, wo städtebaulich eine Lücke in der Straßenrandbebauung vorhanden ist, die stadthistorisch aber auch da hingehört und sein muss.

Jetzt gibt es in der Burgstraße im Lingener Zentrum ganz aktuell auch eine Magnolien-Lücke.  
 
Sie erinnern sich an die Kahlschlag-Aktion der Aktivisten im Rathaus: Platanen weg, Magnolien hin. Sie erinnern sich an die krampfhaften Begründungen für die sinnlose Baumfällaktion und an die lobhudelnden Erklärungen dazu aus dem Rathaus. War nicht auch die Rede von dem vielen Platanen-Schmutz, den die Passanten in die Geschäfte tragen und der Beschattung der Geschäftsschaufenster, die störe? 
 
Heute sehen wir wiederum, welch ein übereiltes und undurchdachtes Konzept hier durchgesetzt wird. Zunächst musste abgespeckt werden, weil das Geld nicht reichte. Der Brunnen wurde gestrichen. Von der durch den Kahlschlag freigelegten, störenden Sicht auf das unschöne 60er-Jahre-Eckgebäude Marienstraße/Lookenstraße hatte ich schon berichtet. Die Bauarbeiten selbst, die wir ja alle mit unseren Steuergeldern zahlen,  zeichneten sich dadurch aus, dass wochenlang in kurzen Abständen immer wieder Löcher für neue Leitungen gegraben und wieder zugeschüttet wurden, bevor dann wieder aufgegraben wurde usw.; nach Koordination sah dies für die Anlieger nicht aus.
 
Hinzu kommt jetzt aktuell die Magnolien-Lücke. Zwei schon gepflanzte Magnolien sind wieder ausgegraben worden. Sie standen bereits vor dem Modegeschäft Löning in Reih und Glied mit fünf weiteren Exemplaren der Gattung Magnolia. Aber nach wenigen Stunden wurden sie flugs wieder entfernt. Denn sie waren so nah vor dem Löning’schen Gebäude platziert, dass dessen Sonnen-und Regenschutz-Markise nicht mehr ausgefahren werden konnte. Und die ist offenbar allemal wichtiger als ein Gestaltungskonzept…
 
Ärgerlich, ärgerlich – diese neue entpflanzte Magnolien-Lücke. Und spontan stellt man einmal mehr die Frage nach der Qualität der Entscheidung, der Ausführungsplanung und der örtlichen Bauleitung; denn die eingesetzten Arbeiter sollen auf das Problem frühzeitig hingewiesen haben, wurden aber mit den Worten bedacht, den nahen Pflanzstandort sehe das Planungskonzept ausdrücklich vor.
 
Richtig gespannt bin ich jetzt auf die Ausrede die Bauverwaltung unter Stadtbaurat Georg Lisiecki für den Fauxpas. Ich nehme dazu  noch Wetten an, ob es
1. die ausführenden Werktätigen,
2. die heftige öffentliche Kritik an der Platanen-Fällaktion,
3. die übereilte und falsche Standortentscheidung Lönings für
    a) das Haus an dieser Stelle im Jahr 1949 oder 
    b) seine Sonnen- und Regenschutzmarkise vor 25 Jahren
oder -deutlich nahe liegender- 
4. das Schaltjahr und die Kontinentaldrift waren, die die Magnolien-Lücke entstehen ließen. 
 
Weitere Vorschläge werden entgegen genommen!