weg!!

28. Januar 2008

Gestern haben die Hessen ihren Ministerpräsidenten Roland Koch (CDU) abgewählt. Das hat mich deutlich mehr befriedigt als der 18%-ige Stimmenverlust für den emsländischen CDU-Minister Busemann. Was es dazu zu sagen gibt, schreibt heute bildblog, wo ich diesen Beitrag gefunden habe:

Die Menschen in Hessen haben sich verwählt.

Die Folgen der Landtagswahl, des Stimmengewinns für die SPD und des Einbruchs für die CDU, für die Wirtschaft und den Wohlstand werden verheerend sein, da sind sich ausnahmslos alle Experten einig. Also, alle Experten, die in „Bild“ zum Thema Wort kommen:

  • Klaus Zimmermann vom Deutschen Institut für Wirtschaftsforschung fürchtet eine „gefährliche Politik“, die „dauerhaft nicht zu mehr Wohlstand führt“, „negative Folgen für die Verbraucher“ und „weiter steigende Energiepreise“,
  • Michael Heise, Chefsvolkswirt der Allianz, erwartet, dass es Arbeitslose „noch schwerer haben werden, Jobs zu finden“,
  • Anton Börner, Präsident des Bundesverband des Deutschen Groß- und Außenhandels, geht davon aus, dass sich ausländische Firmen „mit Investitionen in Deutschland stärker zurückhalten“ werden,
  • und Jürgen Thumann, Präsident des Bundesverbandes der Deutschen Industrie, ist schlicht in „allergrößter Sorge“.

Es geht nun, kurz gesagt, alles den Bach runter, weil nicht genug Menschen die CDU gewählt haben.

Wahlempfehlungen

Als Wolfgang Clement sich gegen die Wahl der SPD aussprach, urteilte „Bild“-Autor Hugo Müller-Vogg (der seinen 60. Geburtstag mit Koch feierte) über Clement:„Ihm ist das Land wichtiger als die Partei.“

Und als die CDU in den Meinungsumfragen abrutschte, erklärte Müller-Vogg, dass wer SPD wähle, quasi automatisch die Linke an die Macht bringe:„Für die SPD geht’s nur mit Links.“

Eine Art Doppelpass spielte die hessische CDU mit „Bild“ mit dem Berliner Staatsanwalt Roman Reusch. Nachdem „Bild“ den Mann, der im vergangenen Jahr nach einem Disziplinarverfahren „ermahnt“ wurde, als „Deutschlands mutigsten Staatsanwalt“ bezeichnet hatte, wollte der hessische Justizminister ihn in eine „länderübergreifende Expertengruppe“ holen, was „Bild“ mit der Traumwahlkampf-Überschrift vermeldete: „Hessen holt Deutschlands mutigsten Staatsanwalt.“

Womöglich hat sich auch nur der Ehrgeiz der „Bild“-Zeitung in Grenzen gehalten, andere Stimmen zu finden. Schon vor der Wahl stand sie treu an der Seite von CDU-Ministerpräsident Roland Koch (siehe Kasten). Und „Bild“ war (wie mehrfach berichtet) Kochs Medienpartner bei seiner spektakulären Kampagne gegen Ausländer in den vergangenen Wochen. Insofern ist das Debakel für Roland Koch auch eine Niederlage für die „Bild“-Zeitung. „Spiegel Online“ kommentiert es so:

Koch konnte mit seinen xenophoben Attacken niemanden mobilisieren außer seinen Kellner in Springers Boulevard.

Wenn „Bild“-Kommentator Jörg Quoos heute den Absturz Kochs erklären muss, muss er also indirekt erklären, warum die „Bild“-Kampagne so wenig gegriffen hat. Ein Fehler war sie natürlich nicht, deshalb kann auch Koch nichts falsch gemacht haben, und Quoos analysiert:

(…) Die Bürger haben es einfach gespürt: Roland Koch war schon lange vor der harten Wahlschlacht der letzte CDU-Kämpfer für die Werte, die die Partei groß gemacht haben. Streitlustig, unerschütterlich, aber ohne echte Deckung.

Im Reservat für Konservative reitet er wie der einsame Sheriff Richtung Sonnenuntergang. Am Ende hat der Wähler Roland Koch nicht mehr abgenommen, dass er allein die CDU auf altem Kurs halten kann.

Das schlechte Abschneiden in Hessen ist der Preis für das populistische Streben der CDU-Führung Richtung links, weg von der Mitte. (…)

Die Menschen haben Roland Koch nicht gewählt, weil sie genau seiner Meinung sind? Sie wollten ihm, der für den richtigen, rechten Kurs stand, keine Stimme geben, weil die anderen in der CDU längst auf einem anderen, linken Kurs sind?

Die Argumentation dehnt die Grenzen der Logik, aber vermutlich funktioniert sie auch, um zu erklären, warum die „Bild“-Zeitung seit Jahren alles richtig macht und trotzdem immer seltener gekauft wird.

weg!

28. Januar 2008

Hier gibt es online einen Eindruck von der Lingener Alles-wird-schön-aber-erst-mal-Baum-ab-Aktion am heutigen Montag. Also Vorher – Wie’sgeht – Nachher.vorher - nachher

Kettensäge

28. Januar 2008

295427_R_by_tutto62_pixelio.deEs gibt kaum ein unangenehmeres Geräusch als das einer Kettensäge. Um 6.30 Uhr heute morgen hörte ich im Halbschlaf dieses Geräusch, es weckte mich vollends und mir wurde schlagartig klar: Unsere beauftragten „Stadtverschönerer“ sind nebenan am Werk und die Jahrzehnte alten Platanen im Bereich Burgstraße/Am Markt müssen dran glauben. Meine Frau schloss das Fenster mit den Worten: „Schrecklich! Ich kann das nicht anhören!“ Schon mittags sah sie dann: Alle zehn großkronigen Platanen sind weggesägt.

Die so entstandenen neuen Sichtachsen sind atemberaubend. Vom neuen Rathaus geht der Blick glatt durch bis zum Haus Hellmann in der Burgstraße; „Schmutz“ (Planungsamtschef Krämer; auch die folgenden „…“-Zitate in diesem Blog stammen von ihm, sofern nicht anders gekennzeichnet) produzierende Bäume stören nicht mehr den Blick vom historischen Rathaus auf das in wunderschönem Klinkerweiß gehaltene Flachdachgebäude Ceka/Douglas – korrespondierend mit der Gegenrichtung; aus der Marienstraße klebt nämlich wie ein Kaugummi in der Sichtachse auf das historische Rathaus nurmehr ein in grellem Margenta/Schwarz gehaltenes Werbeschild eines großen deutschen Telekommunikationbetreibers. Und Apotheker Martin Steinhoff kann jetzt endlich, dauerhaft von Grün unbeeinträchtigt, direkt auf die rosarot-marmorierte 60er-Jahre-Fassade mit Alu gegenüber sehen; denn künftig sollen vor dem ehem. Sparkassen-Gebäude nur ein paar Kübel mit Zierpflanzen in Reih und Glied stehen.

OB Heiner Pott hat aber immer noch von der öffentlichen Kritik nicht beeinträchtigte Prioritäten. Er suchte sich inzwischen die mit weiteren vier Platanen und dem Fabeltierbrunnen bestückte Terrasse vor der Sparkasse als nächstes Säge-Ziel aus. Dort befinde sich – so sagte er in seiner Neujahrsrede Anfang des Monats- eine „So-da“-Terrasse, also eine Terrasse, die einfach nur „so da“ sei und die deshalb (samt Platanen offenbar) weg könne. Anders sei dies bei der Lobenberg’schen Terrasse, die jetzt nach dem Café Heilemann benannt wird; denn dort sitze man unter den schönen Platanen beim Kaffeetrinken.

Kurz zur Frage von Ursache und Wirkung: Es ist nicht die Terrasse, die Probleme macht, sondern die unattraktive Nutzung der Gebäude dahinter. Die dort beherbergte Sparkasse präsentiert nun einmal bloß eine Gardinenfront, nachdem genau an dieser Stelle zwei Ladenlokale und ein Café von der Sparkasse geschluckt wurden. Und ich glaube (Hinweis für die LT-Reaktion: jetzt wird es sarkastisch), tatsächlich müssen die Platanen deshalb vor Café Heilemann bleiben, weil man doch sonst auf die auf dem Vordach in den letzten Jahren (mit Genehmigung?) aufgereihten Klimaanlagen blicken würde, die der Fassade dieses Nachkriegsbauwerks das Image einer Verkaufsausstellung von Gebrauchtanlagen geben. Man spürt es: Die „attraktive Gestaltung“ des Lingener Stadtzentrums kommt sichtlich voran.

Ich glaube inzwischen: Das alles ist vielleicht eine „zeitgemäße“ Methode, ist doch jetzt am Dortmund-Ems-Kanal nahe der Weidestraßenbrücke eine anthrazitbedachte Lavendel-Villa entstanden und stellt einen weiteren „innovativen“ Farbbeitrag zu Lingens „optimierter“ Stadtgestaltung dar.

NIKOLAUS, KOMM ZURÜCK!!!

ps Nikolaus Neumann war von ca 1972 bis ca 2000 Stadtbaurat in Lingen. Er wusste um die Bedeutung von Stadtgestaltung, und hektisches „zeitgemäßes“ Umgestalten verhinderte er daher beharrlich. Angesichts dessen, was sich jetzt ereignet, soll er nach Oldenburg geflohen sein…img_9976.jpgimg_9982.jpgimg_9922.jpgimg_9915.jpgimg_9950.jpgimg_9893.jpgimg_9994.jpg

Foto oben Links: © tutto62 pixelio.de