Sachlich

20. Januar 2008

Meine kleine Flugblatt-Aktion hat mächtig Aufsehen erregt. Seit dem letzten Wochenende wird in Lingen über den geplanten Platanen-Kahlschlag diskutiert. Zur Erinnerung: Nach den Plänen sollen die Innenstadt-Platanen abgeholzt werden und verschwinden, zunächst zehn, das Stadtbild prägende Platanen im Kreuzungsbereich von Burgstraße und Markt. Die Pläne des Dresdener Architekturbüros r+b machen allerdings Schluss mit allen Platanen.

Am Montagmittag wurden meine Flugblätter von den Platanen entfernt. Nun steht an der Kahlschlagstelle eine große Propagandatafel -bezahlt mit Steuergeldern. Sie kündet von den großartigen Platanen-ab-Plänen, und wie toll doch alles wird. Gleichzeitig verlautbart Stadtbaurat Lisiecki, der städtische Planungs- und Bauausschuss habe am 10. Oktober „einstimmig“ die Abholzaktion genehmigt. So ist es. Was er nicht erwähnt: Ich habe in dem Ausschuss nur ein Grundmandat und darf daher gar nicht abstimmen. Ein kleiner, unfairer Schönheitsfehler in der Erklärung des Stadtbaurats, wie ich meine. Ähnlich trickreich ist es, ein tristes Winterfoto blattloser Platanen in den städtischen Prospekt zu setzen, um gar nicht erst den Gedanken an ein grünes Blätterdach entstehen zu lassen.
Samstag morgen lese ich außerdem in der „Lingener Tagespost“ einen kleinen Artikel, der auf eine Presseerklärung der CDU-Jugendorganisation „Junge Union“ zurückgeht. Hinter der versteckt sich der Ratskollege Björn Roth, der im Rat zumeist schweigt, aber deshalb wohl um so häufiger JU-Erklärungen schreibt. Auf der JU-Internetseite habe ich das Original der zitierten Presseerklärung von Herrn Roth gefunden, auf die sich der „LT“-Artikel gründet. Die ist bemerkenswert, denn da heißt es:

Eine Versachlichung der Diskussion um die geplante Fällung von Bäumen in der Innenstadt fordert der Stadtverband der Jungen Union (JU) Lingen (Ems). „Die teilweise heftigen Reaktionen von Teilen der Ratsopposition und einigen Bürgern scheint uns etwas zu übertrieben zu sein“, meinen die jungen Christdemokraten in einer Pressemitteilung. „Wir sollten dabei vielleicht besser auf dem Teppich bleiben!“

OK, der Appell zur Sachlichkeit liest sich gut, und so geht es ein paar Zeilen später  weiter:

„Derbe Kritik erntet derweil der fraktionslose SPD-Ratsherr Robert Koop von Seiten der Jungen Union. „Dieser Mann gibt sich in Lingen allmählich der Lächerlichkeit preis. Wir warten nur noch darauf, dass sich Herr Koop an die Bäume kettet, um das Fällen zu verhindern.“ Dass die inszenierte und hochstilisierte „Koop’sche Kampagne“ mittlerweile in persönliche Angriffe und heftige Attacken gegen Oberbürgermeister Heiner Pott und Stadtbaurat Georg Lisiecki gipfele, habe der „ratsoppositionelle Einzelkämpfer“ aus „populistischem Profilierungswahn“ heraus alleine zu verantworten.“

Wirklich sachlich – oder? 😉
ps  Mich haben in den letzten Tagen eine Reihe von Lingenern angerufen und meine Aktion unterstützt. Das hat mich gefreut. Zuletzt meldete sich eine Frau,  in deren Garten die aus Ostasien stammende Magnolie wächst. Sie klagte darüber, wie viel Arbeit diese Pflanze macht, und fragte, wie man so etwas in die Fußgängerzone pflanzen könne. Das mit dem Pflanzen in der Fußgängerzone frage ich mich bekanntlich seit Bekanntwerden der Pläne, und viel Arbeit macht die nicht-heimische Magnolie allemal, wie hier nachgelesen werden kann.

2 Antworten to “Sachlich”

  1. Bernd Koop said

    >Pflege der Magnolien:
    >… Magnolien lieben … einen sonnigen, windgeschützten Platz.
    >

    Hm. Als Laie würde ich diese beiden Merkmale nicht unbedingt der Burgstraße zuschreiben.

  2. Robert Koop said

    Heute wertet die Lingener Tagespost meinen Blog aus. Die Quelle, aus der sie zitiert, nennt sie nicht. Es heißt lediglich etwas ominös „Erklärung“.
    Ich lerne gerade, dass der persönliche, bisweilen etwas ironische Schreibstil dieses Blogs in der Tageszeitung nur schwer rüber kommt, und dass ich damit wohl leben muss. 😉

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