Palmen

12. Januar 2008

In der letzten Sitzung des Lingener Planungs- und Bauausschusses am vergangenen Mittwoch habe ich mich noch einmal erkundigt, was denn nun aus den Plastikpalmen am Anfang der Sturmstraße wird. Dort hat ein Lokalbesitzer vor zwei Monaten zwei, nächtens grellgrün blinkende Gestaltungsmonster vor den Eingang zu seinem Etablissement „gepflanzt“, und man denkt nun unwillkürlich, nicht in Lingens Innenstadt sondern am Ballermann auf Malle zu sein. Als ich dies in der Dezembersitzung ansprach, wusste niemand der Verantwortlichen etwas von diesem besonderen Beitrag zur Stadtgestaltung. Ist ja auch nur 10m vom Rathaus entfernt…

Auf meine erneute Palmen-Frage antwortete der Stadtbaurat jetzt: „Dagegen können wir nichts tun!“; er habe sich „erkundigt“.
Natürlich ist es unwahr, dass die Stadt nichts tun kann. Denn die Gestaltungsmonster stehen auf öffentlicher Straßenfläche, und außerdem sind sie Teil einer Kneipen-Werbeanlage. Aus beiden Gründen kann man sie beiseite räumen. Man muss es allerdings wollen. Deshalb offenbaren die falsche Antwort und die nachhaltige Untätigkeit einmal mehr, dass den Verantwortlichen die Individualität und die Gestaltung der historischen Stadtkerns inzwischen einigermaßen gleichgültig ist. Wir müssen folglich ansehen, wie das historische Rathaus durch eine „zeitgemäße“ Lichtgestaltung verhunzt wird, eine Ausnahmegenehmigung nach der nächsten für Werbeanlagen in der Altstadt erteilt wird, man die vor 30 Jahren gepflanzten Platanen fällt und durch gestalterische Beliebigkeiten ersetzt, die republikweit, also sozusagen auch in Wanne-Eickel, Plön oder Salzgitter zu finden sind. Die Botschaft lautet: Egal was – Hauptsache, es wird etwas gemacht.
Nikolaus Neumann, der parteilose langjährige Stadtbaurat, ist angesichts dieser Entwicklung jüngst nach Oldenburg verzogen. Fast 40 Jahre intensive Stadtgestaltung, die er maßgeblich beeinflusst hat, werden hektisch durch „zeitgemäße Gestaltung“ oder „attraktive Neugestaltung“ beiseite gewischt, und das will er sich offenbar nicht antun. Ich meine, sein Entschluss ist nur zu verständlich. Alle haben wir ja oft über ihn geschimpft. Aber was er tat, hatte „eine Struktur“, wie mir Gastwirt Ebi Sadeghi am Freitag sagte. Er war ein Hochbauarchitekt, dem konsequente Stadtgestaltung ein Herzensanliegen war, das er gegen alle Widerstände durchsetzte. Jetzt gibt es nur noch Aktionismus, zumeist unter dem willfährigen Applaus der „Lingener Tagespost„.
Ist es nicht wirklich ein schlechter Witz, wenn 2008 mit Billigung von OB Pott und Baurat Lisiecki in Lingen Plastikpalmen in die Innenstadt gestellt werden und beide zugleich unsere Platanen am Markt und in der Burgstraße fällen lassen?
palme.jpg

Eine Antwort to “Palmen”

  1. Conny Otten said

    Vielleicht könnte man die wunderschönen Leuchtpalmen für das Urinieren und Rumkot…der Gäste aus dem besagten Lokal nutzen, dann bräuchten sie dieses nicht mehr am Rathaus und vor den Hauseingängen zu machen.
    Schade, dass die Lingener Stadtväter Baume abholzen, anstatt sich um die Sauberkeit der Stadt zu kümmern.
    Conny und Bernd

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