Flugblatt I

12. Januar 2008

3.jpgAb nächste Woche werden die Jahrzehnte alten Platanen im Bereich „Burgstraße/Am Markt“ gefällt. Der zentrale Innenstadtbereich wird „neu gestaltet“. Für den Erhalt der Platanen in der Burgstraße und am Markt habe ich am Wochenende dieses Flugblatt geschrieben:

Ich bin dann mal weg!

„Die Stadt Lingen hat mich hier vor Jahrzehnten gepflanzt, und ich habe seither alles dafür getan, die nicht so gelungene Fassade des Hauses neben mir etwas zu verdecken.Im Dezember hat ein Journalist der ZEIT meine Kollegen und mich gelobt und geschrieben: „Bäume, die die Kommunen vor 30 Jahren als mickrige Stecklinge in den Boden gesetzt haben, sind groß geworden und bedecken eine Menge von dem, was früher so hässlich war.“ Natürlich ist meine Umgebung etwas in die Jahre gekommen. Man müsste sie renovieren und auch mich vielleicht etwas in Form bringen. Warum aber sägt man mich und meine Kollegen nebenan einfach ab ?

Man will mich nicht einmal ausgraben und andernorts wieder einpflanzen. Noch in diesem Monat werde ich gefällt. Warum ich weg muss, weiß eigentlich niemand. Sie etwa? Hat mit Ihnen jemand darüber gesprochen?

In Lingens Sturmstraße direkt am Rathaus stehen neuerdings Plastikpalmen und hier demnächst Betonkübel mit Magnolien und Ziergewächs. Können die mich ersetzen? Gern wäre ich für Sie noch ein bisschen geblieben und hätte Ihnen im Sommer Schatten und gute Luft gespendet. Tja, ich bin dann mal weg und komm auch nicht wieder.“

ps: Die Stadt Lingen gestaltet diesen Bereich um. Dazu werden die jahrzehntealten Platanen gefällt. Für mich und viele Lingener, mit denen ich gesprochen habe, ist dies eine unverständliche Entscheidung. Gut gemeint ist eben noch nicht gut gemacht. Robert Koop, Mitglied im Rat der Stadt Lingen (Ems). Mehr Informationen auf http://www.robertkoop.wordpress.com“1.jpg2.jpg4.jpg5.jpg

Palmen

12. Januar 2008

In der letzten Sitzung des Lingener Planungs- und Bauausschusses am vergangenen Mittwoch habe ich mich noch einmal erkundigt, was denn nun aus den Plastikpalmen am Anfang der Sturmstraße wird. Dort hat ein Lokalbesitzer vor zwei Monaten zwei, nächtens grellgrün blinkende Gestaltungsmonster vor den Eingang zu seinem Etablissement „gepflanzt“, und man denkt nun unwillkürlich, nicht in Lingens Innenstadt sondern am Ballermann auf Malle zu sein. Als ich dies in der Dezembersitzung ansprach, wusste niemand der Verantwortlichen etwas von diesem besonderen Beitrag zur Stadtgestaltung. Ist ja auch nur 10m vom Rathaus entfernt…

Auf meine erneute Palmen-Frage antwortete der Stadtbaurat jetzt: „Dagegen können wir nichts tun!“; er habe sich „erkundigt“.
Natürlich ist es unwahr, dass die Stadt nichts tun kann. Denn die Gestaltungsmonster stehen auf öffentlicher Straßenfläche, und außerdem sind sie Teil einer Kneipen-Werbeanlage. Aus beiden Gründen kann man sie beiseite räumen. Man muss es allerdings wollen. Deshalb offenbaren die falsche Antwort und die nachhaltige Untätigkeit einmal mehr, dass den Verantwortlichen die Individualität und die Gestaltung der historischen Stadtkerns inzwischen einigermaßen gleichgültig ist. Wir müssen folglich ansehen, wie das historische Rathaus durch eine „zeitgemäße“ Lichtgestaltung verhunzt wird, eine Ausnahmegenehmigung nach der nächsten für Werbeanlagen in der Altstadt erteilt wird, man die vor 30 Jahren gepflanzten Platanen fällt und durch gestalterische Beliebigkeiten ersetzt, die republikweit, also sozusagen auch in Wanne-Eickel, Plön oder Salzgitter zu finden sind. Die Botschaft lautet: Egal was – Hauptsache, es wird etwas gemacht.
Nikolaus Neumann, der parteilose langjährige Stadtbaurat, ist angesichts dieser Entwicklung jüngst nach Oldenburg verzogen. Fast 40 Jahre intensive Stadtgestaltung, die er maßgeblich beeinflusst hat, werden hektisch durch „zeitgemäße Gestaltung“ oder „attraktive Neugestaltung“ beiseite gewischt, und das will er sich offenbar nicht antun. Ich meine, sein Entschluss ist nur zu verständlich. Alle haben wir ja oft über ihn geschimpft. Aber was er tat, hatte „eine Struktur“, wie mir Gastwirt Ebi Sadeghi am Freitag sagte. Er war ein Hochbauarchitekt, dem konsequente Stadtgestaltung ein Herzensanliegen war, das er gegen alle Widerstände durchsetzte. Jetzt gibt es nur noch Aktionismus, zumeist unter dem willfährigen Applaus der „Lingener Tagespost„.
Ist es nicht wirklich ein schlechter Witz, wenn 2008 mit Billigung von OB Pott und Baurat Lisiecki in Lingen Plastikpalmen in die Innenstadt gestellt werden und beide zugleich unsere Platanen am Markt und in der Burgstraße fällen lassen?
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