Tiefer legen

7. November 2007

Keine Frage: Die Unterführung zwischen dem Nordende des Lingener Bahnhofs und dem Campus an der Kaiserstraße, scheint gelungen. Zwischen ihr und der engen, nicht ungefährlichen Durchfahrt unter der Ludwig-Erhard-Brücke oder dem Fitness-Programm Fußgänger-Brücke zwischen Schwedenschanze und Kokenmühle liegen städtebaulich und gestalterisch Welten. Und das ist gut so!
Trotzdem hätte ich mir in der publizierten Jubelarie mehr Wahrheit, weniger Klitterung und etwas mehr Augenmaß gewünscht: OB Pott übertreibt natürlich „um ein Vielfaches“ mit dem gestern bei der offiziellen Eröffnung gesprochenen Satz: „Was hier entstanden ist, übersteigt das normale Maß architektonischer Gestaltung um ein Vielfaches“. Zu einer solchen Einschätzung kann wirklich nur gelangen, wer die Entwicklung der Architektur in der Region und -vor allem – darüber hinaus ausblendet.

Auch der, die Lokalgeschichte klitternde Kommentar von LT-Chef Thomas Pertz, überzeugt nicht. Da macht er tatsächlich den seit 2000 amtierenden OB zum Vater der Unterführung, die seit knapp 20 Jahren auf der Tagesordnung stand, und verschweigt wenig elegant, dass Heiner Pott im Wahlkampf 1999/2000 keine Radfahrer- und Fußgängerverbindung forderte sondern einen normalen Straßentunnel, durch den vor allem der Kraftfahrzeugverkehr fließen sollte. Das habe nicht nur ich damals in der Tat belächelt; die Idee ist ja auch schnell in der Mottenkiste verschwunden. Denn: Hätte Pott seinen Autoplan durchgesetzt, wäre keine attraktive Verbindung sondern ein reiner Straßentunnel entstanden. Der Autoplan war ebenso wenig durchdacht wie die Brücke, die Potts Vorgänger Karl-Heinz Vehring aus Kostengründen an dieser Stelle wollte und die mehrheitlich schon im Rat beschlossen war – einschließlich Fahrstuhl für jeweils zwei Räder gleichzeitig.
Ehrlich wäre es auch gewesen, die Fehler in der Bauleitung zu erwähnen, die zu einer Verzögerung der Eröffnung um mehrere Monate geführt haben. Ob es daran lag, dass die Verantwortlichen offenbar lange Zeit tatsächlich nur „Dauergäste“ (O-Ton Pertz) auf der Baustelle waren?
Ob schließlich die Unterführung auch teurer geworden ist als der Kostenvoranschlag von 7 Mio Euro – man darf es vermuten. Zahlen liegen bisher nicht auf dem Tisch. Lieber Thomas Pertz, wie wäre es mit einer Nachfrage?
Freuen wir uns trotzdem über ein gelungenes Projekt am Theo-Lingen-Platz. Legen wir aber die Bewertung etwas tiefer, damit wir nicht an uns selbst besoffen werden, was für tolle Super-Kerle und -Mädels hier agieren…

(Foto: © dendroaspis2008, flickr.com)

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